Schauburg: Es dauert noch…

Schauburg-Geschäftsführer Stephan Ostertag im Sergio-Leone-Saal.
Schauburg-Geschäftsführer Stephan Ostertag im Sergio-Leone-Saal.
Genau festlegen wollte sich Schauburg-Geschäftsführer Stefan Ostertag heute nicht. „Voraussichtlich Mitte November“, war die Antwort auf die derzeit wohl wichtigste Frage rund um das Kino an der Königsbrücker Straße.

Eigentlich war geplant, schon am Sonntag, pünktlich zum 90. Geburtstag wieder aufzumachen. Daraus wird erstmal nichts. „Wie das so ist, wenn man in einem alten Gemäuer arbeitet, gibt es Überraschungen“, schmunzelte Ostertag heute bei der Pressekonferenz.

90 Jahre und kein Ende.
90 Jahre und kein Ende.
Eine davon war die Zeitkapsel mit der Gründungsurkunde. Die anderen Überraschungen haben zu der Zeitverzögerung von rund einem Monat geführt. Mitte November sollen dann das Foyer, der große Sergio-Leone-Saal und der kleinere Fritz-Lang-Saal im Keller fertig sein. In letzterem sind sogar schon die gefalteten Wandbezüge aus Samt zu sehen. So sollen anschließend alle kleinen Säle gestaltet werden, jedoch mit unterschiedlichen Farben.

Inzwischen steht auch fest, wie groß das Kino insgesamt wird. Die fünf Säle werden insgesamt über 809 Plätze verfügen. Dabei werden der Andrej-Tarkowski und der Fritz-Lang-Saal etwas kleiner. Für die zwei neuen Kinosäle gibt es noch keine Namen, der eine ist jetzt schon von außen zu erahnen, er entsteht über dem alten Tarkowski-Saal und wird sich auch äußerlich abheben.


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Palais-Sommer

Ansonsten bleibt die Schauburg von außen weiterhin rost-rot. An der Südseite kann man die künftige Farbe schon sehen. Der Dachsaal wird metallisch glänzen und schwebt gewissermaßen auf dem Dach. Mit dem fünften Saal, der unter dem Hof entstehen soll, wurde noch gar nicht angefangen. „Mit der Fertigstellung rechnen wir im ersten Quartal“, sagte Architekt Benjamin Grill. Dann soll der Umbau des Kinos endgültig abgeschlossen sein.

Architekten Hendrik Neumann und Benjamin Grill mit Schauburg-Chef Stephan Ostertag
Architekten Hendrik Neumann und Benjamin Grill mit Schauburg-Chef Stephan Ostertag
Im Foyer ahnt man schon die künftige Nutzung des Raums. Die Kasse ist auf die gegenüberliegende Seite umgezogen und die Bar hat sich dazu gesellt, die Kuschel-Nischen sind verschwunden. Gegenüber wurden drei zugemauerte Fenster wieder freigelegt. Die Schauburg öffnet sich so deutlich mehr zum Bischofsweg. Die Eingänge bleiben erhalten, nur ist der zur Königsbrücker jetzt deutlich größer, da der ehemalige Eisladen weggefallen ist.

Geburtstagsführungen

Am Sonntag wird trotzdem Geburtstag gefeiert. Die Schauburg kann ab 14 Uhr zu stündlichen Führungen besichtigt werden, außerdem sollen in und am Kino Stummfilme gezeigt werden. Für den 25. Oktober ist die erste Filmvorführung geplant.

Am 25. Oktober wird ein Stummfilm des russischen Regisseurs Sergej M. Eisenstein gezeigt: „Oktober. Zehn Tage, die die Welt erschütterten“
„Октябрь, Десять дней, которые потрясли мир“. „Für einen Stummfilm müssen wir das Kino ja noch nicht komplett eingerichtet haben“, grinst Ostertag.

Schauburg-Geschichte

15. Oktober 1927 eröffnete Direktor Arnulf Huyras das erste frei stehende Theater in Dresden mit den Worten, „die besten Spielfilme aus aller Welt zu bringen und in der Neustadt eine Kulturgemeinde zu schaffen.“ Entworfen wurde das Lichtspielhaus nach Plänen des Architekt Martin Pietzsch.

Huyras betrieb die „Schauburg-Lichtspiele“ bis 1945, danach übernahm die sowjetische Gesellschaft „Sojusintorkino“, später dann die „Sovexport“, dann wurde das Kino dem Lichtspielbetrieb der DDR unterstellt.

Umgestaltung in den 1950ern

In den 1950ern wurde die Fassade umgestaltet, die rote Farbe bekam sie aber erst später. Spektakulär war vor allem die Visionsbar, die in den 70er Jahren eingebaut wurde und bis 1992 in Betrieb war. Dort konnte man hinter einer Glasscheibe speisen, trinken und rauchen und dennoch den Film sehen.

Schauburg-Umbau-Pläne aus den 1950er Jahren
Schauburg-Umbau-Pläne aus den 1950er Jahren
Nach der Wende verkaufte die Treuhand das Kino an die Neue Constantin Film GmbH, die allerdings zwei Jahre später das runtergewirtschaftete Kino schloss und an die Geschwister Kieft GbR verkaufte.

Inzwischen war ein neuer Stern am Dresdner Kinohimmel geboren, die Nickelodeon Filmtheaterbetrieb Dresden GmbH. Die übernahm den Betrieb der Schauburg und sanierte das Gebäude für rund 3,5 Millionen Mark. Seit 1994 besteht das Kino nun aus drei Sälen, die nach den legendären Regisseuren „Sergio Leone“, „Fritz Lang“ und „Andrej Tarkowski“ benannt sind.

29 Kommentare zu “Schauburg: Es dauert noch…

  1. Das Grün im Lang Saal finde ich schon mal ***entfernt***. Warum nicht klassisch dunkelrot bis schwarz? Sieht voll nach Architekten***entfernt*** aus. Der Zwang etwas anders zu machen. Sorry, aber im Kino grün!?!?!! In der Schauburg? Im Ernst?
    Wer das entworfen hat, war noch nie im Kino oder hat keine Gefühle. Grün passt nicht! Das wird einfach immer weh tun im Auge.

    Wir bitten um einen gepflegten Umgangston. Die Redaktion.

  2. Ich bin gespannt auf das Ergebnis, hätte mir nur ne andere Außenfarbe gewünscht. Das rostrot hat mir noch nie gefallen, und ich dachte echt dass man da was schöneres auswählt.

    Sollte es auch weiterhin Guinness geben, kann ich mir die Farbe aber wenigstens schöntrinken. :-)

  3. Im Mai (http://www.neustadt-ticker.de/55030/alltag/kultur/schauburg-sanierung) hieß es: „Ziel ist spätestens zum 15. Oktober wieder zu eröffnen.“ Da durfte man schon skeptisch sein.

    Und einen Satz später wurden die Zweifel auch gleich manifestiert:
    „Zurzeit gibt es weder ein Modell noch genaue Zeichnungen zu sehen, da die geplanten Umbauten noch intensiv mit Denkmalschutz und Stadtplanungsamt abgestimmt werden.“ Notwendige intensive Abstimmungen zum Baubeginn. Ja, natürlich.

    Dass sich die Fertigstellung verzögert, kann also nicht wirklich überraschen.

    [b]***entfernt***[/b]

  4. Das Grün im Lang Saal finde ich schon mal super! Ich freue mich auf die anderen Farben. :-)
    Die angedachte Zeitschiene war sehr sportlich. Bis November bedeutet trotzdem: Hut ab!
    Gutes Gelingen und bis bald.

  5. Heychen..

    Hier dann mein Beitrag dazu..
    Also, grün ist ja bekanntlich gut für die Augen, von daher sehr passend für einen Kinosaal :-D
    Und es gibt laut Text wohl noch keine Namen für die 2 neuen Säle. Hätte da 2 Ideen dazu
    1. Charlie Chaplin..“Der große Diktator“ sagt doch eigentlich alles und passend zum Stummfilmgenre
    2. Quentin Tarantino „Pulp Fiction“,“Django“ Er ist einfach gut im Filme basteln und sollte dafür mit dem Saalnamen geehrt werden..
    Und ich hoffe, November klappt mit der Eröffnung B-)

  6. @magiciv

    da bin ich jetzt mal voll bei dir, obwohl du die besten Sachen noch gar nicht erwähnt hast . Quentin Tarantino…TRASH AT ITS BEST……

    Kill Bill, From Dusk till dawn, Sin city…..

    Obwohl ich fürchte, dass der künstlerische Anspruch verkannt wird, und somit nicht in die engere Auswahl kommt….;-)

  7. Ich schließe mich da voll an.
    Weitere Kandidaten wären auch Costa-Gavras („Z“, „Missing“) oder Volker Schlöndorff („Die Blechtrommel“, „Geschichte einer Dienerin“).
    Aber warum auch nicht z.B. Terry Gilliam („Brazil“, „12 Monkeys“).

    Ach, da fallen mir gleich jede Menge Filme ein, die ich echt gern jetzt sehen möchte…

  8. @Bob

    Sollten ja nur paar Filmtitel erwähnt sein,wegen Text zu lang und der Leser verliert das Interesse :-))
    Ne Frau wäre auch nich schlecht,so von wegen Gleichberechtigung B-), mir fällt nur grad keine so richtig ein, die Filme bastelt..

  9. @magicyv

    da haste recht. mir fällt jetzt aber auch keine frau ein. warum eigentlich nicht? aber vielleicht hilft uns ja jemand…

    Vorschläge an ANTON…..

  10. Dann lieber keine Frau und den Vater Coppola. Alleine schon für den Paten. Nur für die Quote ne Frau wäre unschön.

    Mein Vorschlag wäre Jim Jarmusch, der macht einen Hit nach dem anderen und passt auch gut zur Schauburg.

  11. > tödliches kommando / zero dark thirty / gefährliche brandung

    Filme, von denen noch nie ein Mensch gehört hat..

  12. Also zu weiblichen Regisseuren fällt mir auch nur begrenzt was ein.
    Margarethe von Trotta wäre so ein Fall. Aber muß es den unbedingt eine Farbige, Behinderte oder politisch verfolgte Person sein? Hier geht es doch um Filmkunst!

  13. Ach,ihr wißt doch..Die Zeiten sind jetzt halt so und Frauenrechtler,bzw. sonstige Leute die für etwas sind, wollen ihre Rechte kundtun.
    Deswegen dann der Gedanke mit einer Frau..nich das der Stefan dann damit auch noch Stress hat :-/
    Aber am Ende is es ja seine Wahl und wir haben nur einen Anstoß dazugegeben

  14. OMG ! Das ist kein rost-rot sondern ekel-braun.
    Jeden Tag wenn ich am Schauburgkino vorbeigehe wende ich entsetzt meine Blicke von diesem Gebäude ab. So eine schöne Architektur bekleckert mit der Farbe des Grauens. Bitte, bitte nicht noch einmal in dieser Farbe, ohne jede Kontraste sieht die Schauburg aus wie ein XXL Hundehaufen.

Kommentieren gern, aber bitte recht freundlich.

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