Helden in Orange

Helden in Orange

Helden in Orange

Sonntagmorgen, kurz nach fünf Uhr. Wie eine kleine Armee kommen die orangefarbenen Autos angerollt. Die Männer steigen aus. Ein drückender Geruch hängt über dem Stadtviertel. Es stinkt nach Urin, Erbrochenem und teilweise auch verbrannt.

Die Stadtreiniger beginnen mit der Arbeit. Die Aufgaben sind klar verteilt. Einige sammeln die Fensterbretter leer, andere sind mit Laubbläsern unterwegs und pusten die Gehwege frei. Wieder andere werfen prallvolle Müllbeutel in die Autos.

Zwischendrin sind noch die letzten Gäste, darunter etliche Volltrunkene. Groß im Trend: Selfies im Müllberg. Eine junge Frau überredet einen Mann in Orange zu einem gemeinsamen Foto. Zur Belohnung bekommt er ein Küsschen. Ob er will oder nicht. Die Männer bleiben cool. Die Sprüche der Betrunkenen bleiben platt. Alkohol scheint das Denkvermögen nicht unbedingt zu fördern.

An der Görlitzer Straße züngeln Flammen. Irgendwer hat wohl eine Kippe in den Müllhaufen geworfen. Der Geruch von verbranntem Plaste macht sich breit. Der Kellner aus dem Pawlow eilt herbei und löscht. Auch der Alaunplatz ist gespickt mit Plasteresten, Papptellern und Verpackungsmaterial.

Nach einer knappen halben Stunde sieht man schon erste Erfolge. Die großen und kleinen Kehrmaschinen ziehen saubere Spuren durch die Müllrepublik Neustadt. Und wenn gegen 10 Uhr die ersten Neustädter ihre Frühstückstafeln rausstellen – dann ist die Neustadt frisch geputzt.

Ein ganz dickes Dankeschön an die Helden in Orange.

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18 Kommentare zu “Helden in Orange

  1. statler und waldorf
    17. Juni 2018 at 08:36

    Das begreife ich schon seit Jahren nicht. Wieso wird nicht jeder, der Getränke oder Speisen verkauft dazu verdonnert, ausschliesslich Mehrwegbecher und Mehrwegteller auszugeben. Und die können ruhig 3 Euro Pfand kosten. Dann wirft die auch keiner mehr weg. Und jeder muss die zurücknehmen oder es gibt ausreichend Rücknahmestationen, wo die dann gespült werden. Das funktioniert bei jedem größeren Konzert oder anderen Großveranstaltungen ja auch.

    Und vereinzelt wird das auch praktiziert. Und es klappt ohne Murren.

    Aber bestimmt kommt jetzt wieder jemand damit, dass das dem anarchischen Charakter der BRN widerspricht.

    Kein Wunder, dass gefühlte 70 Prozent der Neustädter die Flucht ergreifen.

  2. Bernhardt
    17. Juni 2018 at 08:58

    „Ein ganz dickes Dankeschön an die Helden in Orange“ selten über sowas gelacht.
    1. ist das selbst die Schuld der SRD das es so aussieht (Wo sind die zusätzlichen Müllcontainer??). Wer keine aufstellt braucht hinterher nicht klagen das bei so einem Fest alles rumfliegt.

    bekommt die SRD GmbH für diese Grobreinigung 40.000€ mal kurzer Hand überwiesen!
    wird nur das enge Festgebiet gesäubert. Das Gebiet wo geparkt wurde bleibt wie die letzten Jahre verdreckt.

  3. Patrick
    17. Juni 2018 at 09:06

    Es gibt kaum Müllcontainer, und wenn es sie gibt, werden sie von der Mehrzahl der Besucher nicht benutzt. Die üblichen Glascontainer an den Zugängen habe ich dieses Mal auch nicht gesehen. Aber auch außerhalb der BRN wird der Alaunpark und die Elbwiesen regelmäßig im Müll versenkt.
    Einweggrills sollten verboten werden, die meisten Nutzer sind offenbar zu blöd, sie zu entsorgen. Vielleicht ist es auch eine gute Idee den Pfand für alle Flaschen (auch Spirituosen) zu erheben bzw. anzuheben. An den Hotspots an den Elbwiesen sollte die Stadtreinigung im Sommer auch zusätzliche Container aufstellen. Die Mülleimer sind schnell voll.

    Besoffen lagen einige schon am frühen Samstagnachmittag auf der Görlitzer.

    Aus dem Alaunpark könnte man zur BRN sehr viel machen, einige bemühen sich darum auch. Aber solang die Punker-Bühne dort steht, wird das nicht gelingen. Seit 20 Jahren wünsche ich mir schon, dass das penetrante Punker-Gekreische dort ein Ende habe.

    Insgesamt bin ich enttäuscht von der BRN 2018.
    Viele der einst schönsten Beiträge sind nicht mehr.

  4. 17. Juni 2018 at 09:12

    @statler: Die Auflage müsste wohl vom Ordnungsamt kommen und dann auch kontrolliert werden. Das wird wohl eher der Grund sein. Ein Dosen-Verkäufer (übrigens einer der Anwohner, der da geblieben ist) erklärte mir, dass er schon seit Jahren die pfandfreien aus Tschechien holt, kontrolliert wird das nicht. Er hatte noch nicht einmal den Eindruck, dass er etwas falsch macht.

  5. 17. Juni 2018 at 09:17

    Die Glascontainer an den Zugängen waren da.

  6. statler und waldorf
    17. Juni 2018 at 09:29

    @Anton

    Klar ! Sowas muss wohl (leider) angeordnet und kontrolliert werden. Von alleine kommen da die wenigsten drauf in der so alternativ/grünen Neustadt. Und es muss natürlich auch organisiert werden. Und Organisation widerspricht ja, wie gesagt, dem anarchischen Charakter.

    Und Patrick: warum es keine großen Müllcontainer gibt habe ich mich mit Freunden gestern auch gefragt. Wir sind zu dem Ergebnis gekommen, dass die vermutlich angezündet werden würden…..

  7. Patrick
    17. Juni 2018 at 09:32

    @Anton

    „Die Glascontainer an den Zugängen waren da.“

    Nicht am Zugang „Café Neustadt“ und ehemals „Lustgarten“ und Rothenburger Straße zumindest nicht am Samstag-Nachmittag.

  8. 17. Juni 2018 at 10:03

    Möglicherweise nur zu der Zeit. Ich hab reichlich Glascontainer gesehen.

    Mehr Container im Festgebiet würden vielleicht Fluchtwege verstellen.

  9. Isabell
    17. Juni 2018 at 15:34

    Die Leute schlendern – wie jedes Jahr – nach der BRN gen Hecht oder Leipziger Vorstadt – wo die Autos stehen – und dort wird dann alles schön fallen gelassen. Und – auch wie jedes Jahr – ist bei uns alles voller Mülle – und die Neustadt glänzt. Kein Lob von mir!!!

  10. nepumuk
    17. Juni 2018 at 16:54

    Stimmt, ab Mittwoch zuvor alles mit Glas- oder Müllcontainern abriegeln, dann flüchtet auch keiner mehr. Ich wäre für eine Anwohner-Residenzpflicht für 3 Tage, gekoppelt mit ausführlicher Bürgerbeteiligung (was und was nicht?) bis zum nächsten Kollateralfest. Ja, den Alaunpark anders nutzen, gute Idee, ich bin für Vogelschutzgebiet. Notfalls Ansiedlung eines Eichenprozessionshabitat oder im Vorfeld fingierter Fliegerbombenfund inkl. Großraumevakuierung bis Panama etwa.
    Danke an die Reinigungsmänner, aber die SRD ist ein freies Entsorgungs-Unternehmen, welches nicht zwingend etwas mit der Stadtreinigung zu tun haben muß. Soll ja bald wieder geändert, also die vor Jahren verkoofte SRD-Hälfte rückgekauft werden.
    Toll war auch der bewußt locker und unbefestigt hingestellte Schutzzaun am Spielplatz Sebnitzer. Das ging laut Polizei in beiden Nächten gehörig schief, minderte aber die Schlangenbildung am Scheißhaus direkt daneben.
    Der erwünschten 3-Tages-Donnerregen klappt leider erst heute im Kleinformat. Überstanden!, lautet das Wort zum Fußballabstinenz-Sonntag.

  11. Rolf
    17. Juni 2018 at 18:04

    das ist nur der Spiegel der Gesellschaft

  12. Thomas
    17. Juni 2018 at 18:50

    Das was hier jedes Jahr von der SRD von Freitag bis Sonntag an Müll entsorgt wird ist zu jeder BRN imens. Das kann man nicht verstehen das keiner noch die Stadt und die Organisatoren dagegen vorgehen. Es werden seit Jahren Plastebecher e.t.c verkauft ohne Rücksicht auf Verluste. Und jeden Morgen sieht es hier aus wie nach einem Bombenangriff. Es liegt aber nicht nur an den Händlern sonder auch an den stinkend faulen Besuchern, da spielt es keine Rolle ob es Müllcontainer gibt oder einer da steht. Die Leute sind einfach Stinkendfaul und lassen alles fallen wo sie gerade stehen. Zu Hause machen die das wahrscheinlich auch. Was den Alaunpark angeht mit den bösen Punks, ist hier in einem Kommentar schon ganz schön Grass, die Neustadt war wohl mal ein Alternatives Viertel, was sich jedes Jahr immer mehr davon entfernt. Früher gab es mal Hinterhöfe und auf der Straße wurde Alternativ gefeiert. Und jetzt gibt es bei uns auf der Rothenburger z. B. 3 Tage nur noch Techno Power für Bekloppte. Und nebenan kommt gleich noch der Rapper Scheiß. Da kann die Stadt auch gleich noch offiziell Drogen verkaufen und Waffen für für kriminelle verteilen.

  13. Patrick
    17. Juni 2018 at 21:42

    @statler und waldorf

    „Und Patrick: warum es keine großen Müllcontainer gibt habe ich mich mit Freunden gestern auch gefragt. Wir sind zu dem Ergebnis gekommen, dass die vermutlich angezündet werden würden…..“

    Ja, habe ich mir nach meinen Beitrag hier auch gedacht…

  14. Trixie
    17. Juni 2018 at 22:14

    Ich wünsch mir eine BRN ohne Müllberge, warum nicht endlich flächendeckend ausschließlich Pfandbecher einführen? Da schämt man sich richtig, ein alternatives und buntes Stadtteilfest zu haben, wenn kein bisschen an Nachhaltigkeit gedacht wird. Find‘ ich ni gut.

  15. Patrick
    17. Juni 2018 at 23:36

    @Trixie

    Die DREWAG macht seit Jahren einen wunderbaren Job für die BRN.
    Doch auch deren Becher werden einfach so fallen gelassen.

    Würde man Pfandbecher einführen, würde die BRN in wenigen Jahren wieder zu sich zurückfinden. Hoffentlich aber ohne die Polizei-Trupps in Kriegsausrüstung wie 2004 am Nachmittag auf dem Lutherplatz…

  16. Willi über Wiesen
    18. Juni 2018 at 01:02

    Klar, soll voll das alternative Fest sein, ohne Komerz und Bierwagen – aber die Punks müssen schon ausm Park vertreiben werden. lol.

  17. ich
    18. Juni 2018 at 08:30

    @Patrick: Wenn man keine Ahnung hat, sollte man lieber die Fresse halten! Punkerbühne – ich glaub, es hackt! Gorilla Monsoon, Punishable Act usw sind also Punk, alles klar! Dann ist das, was du hörst, ausschließlich Nazi-Musik!
    Die Bühne hat unter Garantie nichts mit dem Müll zu tun, sondern die ganzen Assis, die zum feiern in die Neustadt kommen. Wenn die scheiß Sauftouristen nicht wären, würde das alles anders ausehen.

  18. Peter Macheli
    18. Juni 2018 at 09:34

    3 Tage Alkoholverbot muss her und verpflichtend Gras. Und Pfand auf Schokoriegelverpackungen!

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