Simmel zeigt Produkte aus der DDR

Lieblingsplatz in der Kaufhalle Peter Simmel und Austellungsorganisatorin Gabi Reißig

In der Kaufhalle Peter Simmel und Austellungsorganisatorin Gabi Reißig

Am Sonntag eröffnet die „Welt der DDR“, heute hatte der Kaufmann und Investor Peter Simmel zum Pressetermin eingeladen. Noch wird an allen Ecken geschraubt und geputzt, aber das grobe Konzept lässt sich schon erkennen.

Insgesamt 300.000 Euro hat Simmel für den Umbau der Räume und den Umzug der Exponate investiert. Die Ausstellungsfläche wird „um die Hälfte kleiner“, erklärte er heute. Der größte Teil aus dem alten DDR-Museum in Radebeul ist nun hier, aber nicht „jeder Fön“ wird auch gezeigt.

Die Bezeichnung Museum möchte er sich nicht zu eigen machen. Es sei eine Schau mit Stücken aus der DDR, eine kritische Auseinandersetzung mit der Vergangenheit des sozialistischen Republik findet nicht statt: „wir wollen nicht werten, nur das Bewusstsein für diese Zeit wecken“, erklärt er.

Spannend ist es allemal, sich den ganzen Krimskrams anzugucken, während die Fahrzeuge sicherlich den meisten Älteren noch präsent sind, werden viele Kleinigkeiten sicherlich Erinnerungen wecken. Das reicht vom Stereo-Kassettenrekorder bis zur Wäschemangel.

Nach einem Lieblingsausstellungsstück gefragt, führt Peter Simmel direkt in den Nachbau einer ehemaligen HO-Kaufhalle. „So luxuriös habe ich als Händler nicht angefangen“, schmunzelt er, sein erstes Geschäft habe sich in einer Garage befunden.

Auf über 1.500 Quadratmetern gibt die von der KiG GmbH, einer Simmel-Unternehmenstochter betriebene Schau Einblick in die verschiedenen Alltagswelten des Lebens in der DDR. Ob Wohnzimmer mit klassischer DDR-Schrankwand, Klassenzimmer mit Pionierutensilien, das Interieur einer Kaufhalle, Kinder- und Kitazimmer mit Spielzeug der Zeit, eine Arztpraxis, eine Apotheke, ein Büro eines Kombinates oder Autos und Motorräder.

„Über 70 Leihgeber stellten für unsere Ausstellung ihre Ausstellungsstücke zur Verfügung“, berichtet Gabi Reißig, Projektleiterin der DDR-Ausstellung. „Damit konnten wir die überwiegende Mehrheit der Exponate des Vorgängermuseums in Radebeul übernehmen, was uns natürlich sehr freut.“

Die Exponate zeigen hauptsächlich Alltagsgegenstände, da dürfen natürlich weder Partei-Abzeichen, Honecker-Portraits noch eine Lenin-Büste fehlen. Simmel schränkt jedoch ein: „Eine kritische Auseinandersetzung mit der DDR-Geschichte steht uns nicht zu“. So bleibt der Rundgang durch die Ausstellung ein oberflächliches Kramen in alten Erinnerungen.

Wie die Sächsische Zeitung heute berichtet, gibt es Kritik vom ehemaligen Museumsleiter Hans Joachim Stephan, die Ausstellung sei zu klein und zu ungeordnet. Simmel, der anfangs überlegt hatte, Stephan eine Stelle anzubieten, sagte heute, dass die Chemie zwischen den Beiden nicht so gestimmt habe, dass da etwas draus hätte werden können.

Welt der DDR: DDR-Fahrzeuge in Hülle und Fülle

DDR-Fahrzeuge in Hülle und Fülle

Nur hinter den Fahrzeugen gleich im Eingangsbereich wird es ein wenig museal. Große schwarz-weiß Fotos zeigen eine Chronologie der 40 Jahre des einstigen Arbeiter- und Bauernstaates, dazu gibt es einen knappen Text.

Welt der DDR

  • im Simmel-Center, Antonstraße 2a, 01097 Dresden
  • täglich von 10 bis 19 Uhr geöffnet
  • Eintrittspreise zwischen 4,- und 9,- Euro
  • weitere Infos unter: www.weltderddr.de
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15 Kommentare zu “Simmel zeigt Produkte aus der DDR

  1. Jubee
    27. Januar 2017 at 16:24

    Naja, im Fernsehen nennt er es auch Museum.
    http://www.mdr.de/umschau/video-77834_zc-21c41d5f_zs-ea78769e.html

  2. 27. Januar 2017 at 16:30

    ;-) Offenbar weiß er nicht so recht, was er will in dem Zusammenhang. Auf der Website steht ja auch noch Museum.

  3. Frank
    28. Januar 2017 at 09:01

    Gabi hat die DDR-Schau gestaltet. Da musste ich schmunzeln.

  4. Bert
    29. Januar 2017 at 11:27

    Ich bin ein naives, zugezogenes Westkind, seht’s mir nach. Aber wird die Ausstellung nicht dadurch politisch, dass sie volle Regale zeigt? Evtl. bin ich da zu empfindlich, aber ich habe immer gehört, dass in der DDR bei vielen Waren Mangel herrschte (mir geht da nicht nur diese Bananen-Story durch den Kopf). Wenn jetzt gezeigt wird, was man damals alles kaufen konnte, ist das nicht eigentlich eine Verharmlosung? Mir gefällt es einfach nicht, dass man eine „unpolitische“ Schau der DDR versucht.

  5. nike
    29. Januar 2017 at 19:19

    Irgendwie klingt das jetzt schlüssig, wenn ich vorher gehört habe „Simmel, der anfangs überlegt hatte, Stephan eine Stelle anzubieten, sagte heute, dass die Chemie zwischen den Beiden nicht so gestimmt habe, dass da etwas draus hätte werden können.“ – Sicher gab es da Meinungsverschiedenheiten, was die Methodik angeht.. und Stephan hätte es wohl „politisch“ gemacht? (Kann es sein, das das ein Tippfehler ist oben sagen sie die Schau ist politisch – unten sagen Sie Ihnen gefällt nicht das die Schau unpolitisch ist..- wenn nicht, dann verstehe ich die Aussage nicht)

    Ab wann ist ein Museum eigentlich ein Museum, ist das denn ein (DDR) Museum was Herr Simmel da aufgemacht hat? Naja, das wird sich sicher noch herausstellen..

  6. SHARP
    29. Januar 2017 at 21:13

    Leer waren die Regale nicht, zumindest nicht in der zweiten Hälfte der 70er und danach, also mein bewusster Erinnerungszeitraum. Es gab nur nicht unbedingt das, wonach Nachfrage bestand, also viele Äpfel und auch Kuba-Orangen (die sich eigentlich nur zum Saftpressen nutzen lassen, aber das war damals im Osten nicht so angesagt) an Stelle von Bananen oder Ananas.
    Zum Aufräumen diverser Vorurteile ist so eine Ausstellung offensichtlich nicht geeignet, die einen werden es als unverantwortliche Verklärung eines brutalen Unrechtsregimes sehen und die anderen diese Zeit eben nostalgisch verklären.
    Und dann gibt es hoffentlich noch ganz viele ganz andere, die sich das mit ein wenig Selbstironie ansehen und entweder das fundierte Wissen für eine vernünftige Einordnung haben oder sich jenes aus anderen Quellen holen. Ob ein Privatmann das mit seiner Ausstellung leisten könnte? Keine Ahnung, aber es ist sicher erstmal löblich, das Zeug nicht einfach wegzuwerfen. Vielleicht funktioniert ja auch die Geschäftsidee…

  7. Vincent
    30. Januar 2017 at 07:29

    Wenn man leere Regale zeigen soll, nur um dem real existierenden Sozialismus in der Kaufhalle darzustellen, wäre das für ein Museum, auch wenn es nicht so genannt werden möchte, doch etwas fragwürdig. Die Gäste, die dafür Eintritt bezahlen, würden sich da wohl zu Recht veräppelt vorkommen.
    In der SZ beklagte sich ein Gast, dass das Kinderzimmer viel zu viele Spielsachen zeigt. Meine Güte, es wird das ausgestellt, was aus der Zeit noch erhalten ist, um ein breites Spektrum zu zeigen was damals so gebaut und verkauft wurde, ist das nicht der Sinn einer solchen Ausstellung? Wenn die Leute nix zu meckern haben, dann geht’s ihnen anscheinend nicht gut.
    Vielleicht wagt ein Künstler ja mal eine Installation und zeigt einen leeren Raum..mit nix drin außer Luft, nennt das ganze dann Freiheit und stellt ne Kasse des Vertrauens auf. Ich werfe da auf jeden Fall n´Euro rein!

  8. 30. Januar 2017 at 08:57

    Als ich 1988 vom Rumänien-/Bulgarien-Urlaub zurück kam, empfand ich die Regale in unserem HO als sehr vielfältig und gut gefüllt.

  9. Seldon
    30. Januar 2017 at 11:51

    Politisch ist ja irgendwie alles. Eine Geschichtsschreibung, die zwischen Verunglimpfung („Unrechtsstaat“, „zweite Diktatur“, –>Totalitarismusdoktrin) und Lächerlichmachung („guck, wie süss, ’n Trabbi“, „hatten nich mal Bananen, höhö“) schwankt kann man kaum als ernsthaft bezeichnen, bedient aber ganz sicher (politische) Interessen …
    Auseinandersetzung mit der Nachkriegsgeschichte beiderseits der Elbe kann sicher nicht zielführend und Erkenntnis bringend auf einem derart boulevardesquen Niveau stattfinden.

  10. nepumuk
    30. Januar 2017 at 16:52

    @ anton: Wärste mal in Ungarn hängengeblieben. Dann war der Eindruck andersrum – zumindest anhand der Touri-Hotspots Ballalaton und Pusztapescht. Obwohl, auch sonst, ab kurz hinter der Grenze wurde man von Südfrüchten und Krempel überflutet. Lang ists her, und später: never mehr.

  11. Ecki
    31. Januar 2017 at 18:14

    @Anton: damals von Rumänien kommend waren Ost-Regale sicher ein Paradies – Bulgarien habe ich etwas anders in Erinnerung.

    Aus meiner Sicht waren die Regale der DDR nicht unbedingt leer (abgesehen von der Urlaubszeit an der Ostsee usw.). Da standen eben nur dutzende Erbsen-Konserven nebeneinander, um Fläche zu füllen. Warum Erbsen? Weil es eben keine Möhren gab. Warum keine Möhren? Der Sommer zu trocken, der Winter zu kalt – eines dieser Argumente hielt immer her. Vielfalt jedenfalls gab es spätestens im Sommer 1989 auch nicht mehr. Und die Milch war dünn und bitter, das Bier flockig. Schnittkäse hieß einfach Schnittkäse – so es ihn denn mal gab; Sortennamen waren gar nicht nötig. Joghurt verschwand ca. 1988 einfach aus den Regalen. Dergleichen nannte sich dann „Sortimentsbereinigung“.

    So etwas kann gar keine Ausstellung zeigen. Und das will Herr Simmel m.E. auch nicht. Eben deshalb kein Museum, nichts authentisch Verbindliches, sondern eine Sammlung.
    Wer noch „Argumente“ sucht, schlage nach in „Starkes Viertel“ usw.

  12. 31. Januar 2017 at 19:06

    @Ecki: Da merkt man gleich wieder, dass Du eben doch noch ein paar Jährchen älter bist. Mir waren die Mangelerscheinungen nicht so aufgefallen. Was meine Mutter auf den Zettel geschrieben hatte, gab es in der Regel. Und flockiges Bier? Ich dachte vermutlich, dass das so sein muss. Bei der Tüten-Milch gab es doch diese Preissenkung von 70 auf 66 Pfennige, die auch mit der Fettreduzierung einherging. Das Tüten-Greifen mit Kontroll-Drücken hatte auch was ganz Spezielles.

    Richtig doll eingebrannt in die Erinnerung hat sich mir aber eben dieses ca. 15 Meter lange Regal in Timișoara, da standen in vier Etagen über die ganzen 15 Meter nur Nudel-Packungen. Das Regal auf der gegenüberliegenden Seite war gleich komplett leer.

  13. SHARP
    31. Januar 2017 at 22:25

    Joghurt ab 1988 aus dem Sortiment genommen?
    Hm, das Nicht-Mehr-Kaufen-Können von „richtigem Joghurt“ (also nicht das Milchprodukt mit gefälschtem Frucht-Anteil und viel Zucker, als das sich der West-Joghurt zeigte) war eine meiner herbsten Verlustempfindungen nach der „Wende“. !988/89/90 habe ich ganz viel von diesem richtig-säuerlichem Joghurt (so wie man ihn vom Balkan, also in unserem Fall Bulgarien kannte) konsumiert. Gab es damals in 0,25l-Milchflaschen und mit etwas Apfelmus verfeinert war das eine leckere Mahlzeit nach abendlichen Trainingseinheiten.
    Aber vielleicht war das auch nur wieder eine regionale Fehlverteilung (ich habe diese Zeit im hohen Norden der Republik verbracht) und Ecki hat auch Recht, dass es im Großraum Dresden demgegenüber eben keinen Joghurt gab…
    Anekdoten könnte man erzählen :-)

  14. Seldon
    1. Februar 2017 at 08:41

    Apropos leere Regale:
    Zum Glück gibt’s jetzt so richtig Auswahl:
    https://t4.ftcdn.net/jpg/00/79/82/21/240_F_79822174_tECFOceGiBSXPpCMdRKPWbO8nWQCG4q0.jpg
    http://de.123rf.com/lizenzfreie-bilder/supermarkt_regal.html?mediapopup=48208560
    Alles so schön bunt und auf individuellste Bedürfnisse zugeschnitten…
    Mangel ist sicher nicht schön zu reden, aber das Gegenteil ist nicht Überfluß, sondern bedürfnisgerechte Versorgung: also Lebensmittel, die antibiotika- und pestizidfrei sind, t-shirts, die 3 Wäschen überstehen, Tomaten, die nach mehr als wässriger Pampe schmecken, usw, usf. während gleichzeitig unverkaufte/-verkaufbare Ware zerstört und weggeworfen wird (in Wien soviel Brot, wie Linz verbraucht…)
    und klar, es gibt auch Bioläden und VG, manufactum und Kleinstbrauereien, aber die absolute Mehrzahl kauft (gezwungenermaßen aufgrund begrenzter Mittel) im Supermarkt um die Ecke …

    … der GRÖWAZ (größter Warenkorb …) eben für „uns“, und selbst bei „uns“ für immer weniger, gefüllt durch die Arbeit vieler, die auch nicht annähernd das Äquivalent ihrer Arbeit aus dem Warenkorb bekommen.
    Dazu gefüllt mit den blödesten, sinnlosesten, Gehirn- und Leibzerweichendsten, von immer hysterischerer Werbemaschinerie an den Konsumenten gebrachten Dingen, gefüllt mit 5-Klingenrasierern, Tretminen, RTL II, Erdbeeren im tiefsten Winter, Katzenfutter auf Gourmet-Niveau, Krokodilledertaschen, Big Mäc…auf Kosten der Umwelt, der dritten Welt, der eigenen Gesundheit, der Nachfahren…

    Ein Warenkorb, der der Möhre vor dem Eselsmaul gleich vor unsere Köpfe gehalten wird, damit wir nicht aufhören, uns in der Tretmühle zu bewegen und den ungleich größeren Sack unseres Herren immer weiter zu füllen!
    Wie wär’s denn für den Anfang mit einer an den Ressourcen orientierte Produktion, d.h. soviel zu produzieren, wie ohne nachhaltige Schädigung des Bodens, der Luft, der Konsumenten möglich ist. Wenn sich dabei herausstellt, das es nicht für’s Lachsbrot reicht, sei’s drum…

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