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"Ich bin ein unruhiger Geist" – Ingo R

"Ich bin da zuhause, wo ich gerade bin."
"Ich bin da zu­hause, wo ich ge­rade bin."

Wer die Neu­stadt und das Hecht kennt, kennt auch Ingo R. Tan­zend, dis­ku­tie­rend, rau­chend, un­er­müd­lich. Die Künst­le­rin ist der wohl auf­re­gendste Im­port, den der Schwarz­wald zu bie­ten hatte und be­rei­chert das Vier­tel mit Szene. Ein Be­such in ih­rem Ate­lier und Zuhause.

Vor dem In­ter­view stand die große Su­che nach Ingo R. Drei Tage, be­rich­te­ten die Knei­per in Mar­ti­nez und Kolja, habe sie sich nicht bli­cken las­sen. Un­ge­wöhn­lich. Wir tran­ken rat­los Wein und rät­sel­ten. Ich hin­ter­ließ ei­nen Zet­tel und gab das Vor­ha­ben schon auf. Ei­nige Tage da­nach klin­gelte das Telefon.

"Ich verstehe Feindseligkeit nicht."
"Ich ver­stehe Feind­se­lig­keit nicht."

In In­gos Reich riecht es nach Rauch und Rauch­werk, keine glatte Wand lässt das Auge ru­hen. Aus al­len Win­keln bli­cken Ge­sich­ter, Geis­ter, Damö­nen. Per­son und Kunst Ingo R sind nicht von­ein­an­der zu tren­nen. Der Tisch trägt Pin­sel­stri­che, der Ka­chel­ofen ist eine kleine Ga­le­rie, das Schlaf­zim­mer ein La­ger. Auf die Frage, wie sie zur Kunst kam, schaut Ingo wie der Baum, den man fragt, warum er Wur­zeln hat. Fo­to­gra­fie, Bild­haue­rei, Ma­le­rei – "Das ist al­les in mir drin. Ich habe mit Kunst zu tun, seit ich lebe." Wenn 'et­was raus will', steht Ingo zehn Stun­den an der Staf­fe­lei, ohne Un­ter­bre­chung. Man glaubt es, in An­be­tracht ih­rer seh­ni­gen Arme, des kno­pf­äu­gi­gen fes­ten Blicks und des star­ken Wil­lens. Ihre Hände sind glatt, mit fi­li­gra­nen Fin­gern, wie die ei­nes jun­gen Mäd­chens. Ihre Stimme ein rauer Blues.

"Das sind keine Puppen. Das sind kleine Menschen."
"Das sind keine Pup­pen. Das sind kleine Menschen."

Ingo kam vor 24 Jah­ren nach Dres­den. Ihre Freun­din­nen und sie woll­ten nur ei­nen Ab­ste­cher ma­chen auf dem Weg nach Ber­lin. Ingo be­schloss noch auf dem Au­to­bahn­zu­brin­ger hier zu blei­ben. "Es war der achte Au­gust. Mich hat das Licht über der Stadt fas­zi­niert. Eine un­glaub­li­che Licht­glo­cke. Ich habe mich so­fort ver­knallt." Eine Un­ter­kunft fan­den sie in Hei­denau und wäh­rend die Freun­din­nen im Elb­stand­stein­ge­birge wan­der­ten, lan­dete Ingo am Stamm­tisch der Kunsthochschule.

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Dres­den ist eine Sta­tion nach vie­len: in den 70ern be­reiste sie al­lein die Tür­kei und Nord­afrika, es folg­ten 15 Jahre Zü­rich, acht Jahre Phil­adel­phia, dann Pa­ris. Im­mer lebte sie in Künst­ler­grup­pen, tauschte sich aus, in­ha­lierte die an­dere Kul­tur. "Ich kenne Leute aus der gan­zen Welt. Ich kann mich über­all be­we­gen." Lange ar­bei­tete sie in der Kunst­the­ra­pie: im Hos­piz, im Ent­zug, mit Ju­gend­li­chen. "Die ar­bei­te­ten teil­weise ko­misch", sagt sie nach­denk­lich und meint da­mit die Ein­rich­tun­gen. "Mit Zu­cker­brot und Peit­sche." Sie selbst re­dete Ta­che­les mit den Ju­gend­li­chen, stellte ihre Re­geln auf, gab eine ex­tra Ra­tion Zi­ga­ret­ten, lud 'zum Aus­kot­zen' in ihr Ate­lier ein und hörte zu. Nach drei­ßig Jah­ren wollte sie ihr ei­ge­nen Ding machen.

Sie tin­gelte durch die wil­den 90er. Auf der Pfo­ten­hauer "trieb sie sich bei den Bild­hau­ern rum." Der En­gel, der jetzt auf der Zi­tro­nen­presse steht, la­gerte noch dort, er­in­nert sie sich. Dann Fich­ten­straße, Jor­dan­straße, Ru­dolf-Le­on­hard. Im­mer brö­sel­ten ma­rode Dä­cher über den Köp­fen, musste man mit Re­gen­schirm auf Klo und wur­den die Häu­ser schließ­lich ver­kauft. Im Hin­ter­hof der Fich­ten­straße fan­den in der von Ingo ge­grün­de­ten Ar­beits­ga­le­rie le­gen­däre Ver­nis­sa­gen statt. "Wir hat­ten wahn­sin­nig gute Jazz­mu­si­ker. Und je­des Mal war es ein Kopf­sprung ins kalte Was­ser. Wie soll­ten wir das be­zah­len? Aber es hat funktioniert."

"Dres­den ist mein Zu­hause ge­wor­den. Hier lernst du Kul­tur­schaf­fende aus der gan­zen Welt ken­nen", sagt Ingo, zieht ih­ren Lip­pen­stift nach und tupft das über­schüs­sige Rot mit ei­nem Tüch­lein fort. "Klar, es ist schon Hard­core, was hier ab­geht. Aber ich bin zu­ver­sicht­lich." Ihre Vi­sion für die Zu­kunft? "Deutsch­land na­zi­frei." Ingo R lebt und ar­bei­tet wei­ter, mit viel na­tür­li­cher Neu­gier, selbst­ver­ständ­li­chem Hu­ma­nis­mus und ei­nem wil­den Her­zen, so rot und frisch wie ihr Lippenstift.

Danke Alex Af­fen­zahn für Muse, Muße und Fotos

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In­for­ma­tio­nen

Die nächste Aus­stel­lung von Ingo Rs Wer­ken fin­det in der Agen­tur Kunst­fund in der Kunst­hof­pas­sage vom 2. De­zem­ber bis Ende Ja­nuar 2017 statt.

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3 Ergänzungen

  1. diese künst­le­ri­sche in­tui­tio­nin uns ist stet und progessiv…vom Holz­ha­cken zur Lein­wand von der Poe­sie in die Werk­statt, stets fes­selt sie uns von neuen und zeigt uns ihr Vermächtnis

Ergänzungen gern, aber bitte recht freundlich.

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