Dresden – Hauptstadt der Bewegung

Graffiti an Neustädter Hauswand 1991. Foto: Archiv/Lothar Lange
Graffiti an Neustädter Hauswand 1991. Foto: Archiv/Lothar Lange

In der Scheune findet heute eine Diskussion zu diesem Thema statt. Dabei soll es vorrangig um die unmittelbare Nachwendezeit vor 25 Jahren gehen. Organisiert wird die Veranstaltung von Bürger.Courage und der Friedrich-Ebert-Stiftung.

Dresden in den frühen 1990er Jahren galt als die Hochburg der Neonazis in den neuen Bundesländern. Der Überfall auf Jorge Gomondai in der Nacht zum 31. März 1991 am Albertplatz in einer Straßenbahn war nur einer der vielen rassistischen Vorfälle in der sächsischen Landeshauptstadt. Auch Überfälle auf besetzte Häuser, Szenecafés, Menschen mit bunten Haaren oder in typisch linksalternativer Szene-Kleidung standen auf der Tagesordnung. Zwei kurze Geschichten im Neustadt-Geflüster berichten aus dieser Zeit (Die Flucht der Kurzhaarigen und Schüsse auf der Louisenstraße).

Die Dresdner Neonazi-Szene war zumindest in Teilen straff organisiert von einem gewissen Rainer Sonntag. Als der sich mit Zuhältern anlegte, machten die mit ihm kurzen Prozess, erschossen ihn mit einer Schrotflinte. Zum Trauermarsch kamen am 16. Juni 1991 rund 1500 Neonazis und machten Dresden zum Schauplatz des bis dato größten Naziaufmarschs in Nachkriegsdeutschland.

Der Abend will sich mit dieser Zeit auseinandersetzen. Die Diskussion ist als sogenannter „Fishbowl“ organisiert, das heißt es gibt kein „normales Podium“, sondern alle Zeitzeugen (auch andere Teilnehmer) sind Teil des Podiums, das ständig von der Besetzung wechselt und die dann hoffentlich Geschichten, Erzählungen, Fragen und Perspektiven aus der Zeit einbringen werden. Einziger Experte ist Harry Waibel, der über Nazis in der DDR geforscht hat.

„Dresden – Hauptstadt der Bewegung. Der rechtsextreme Gewaltausbruch vor 25 Jahren … eine Veranstaltung zu ’25 Jahre Deutsche Einheit'“, Scheune,

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  • Alaunstraße 36-40, 01099 Dresden, Dienstag, 29. September, 19 Uhr, weitere Infos zur Veranstaltung auf buerger-courage.de

26 Kommentare zu “Dresden – Hauptstadt der Bewegung

  1. Oh man Dresden und die guten alten Zeiten, hat hier echt Tradition was. Das mittlerweile 60 Unterkünfte von Neudeutschen von diesen rechten, kriminellen Terroristen angezündet wurden, spielt heute hoffentlich auch eine Rolle.

  2. Danke Andreas, vermutlich funktionierte der Facebook-Link nur wenn man angemeldet ist. Der Link zur Website von Bürger Courage ist natürlich viel sinnvoller. Ich habe das mal ausgetauscht.

  3. @kleinerMuck

    Wenn dass eine Anspielung auf den „Neonaziführer“ R.Sonntag sein sollte, muss unbedingt auch noch erwähnt werden, dass der Superdeutsche von den Zuhältern 50 000 D-Mark haben wollte, nur damit deren Läden von seiner Pseudo-SA nicht zerstört werden, was ihn letztlich ja auch das Leben kostete. Seinen Kameraden hatte der natürlich auch vergessen, davon zu erzählen. Jaja, es waren schon immer feine Herren, dieses Neonazipack.

  4. „Dresden – Hauptstadt der Bewegung“ – In Veranstaltungsankündigung und Artikel-Überschrift hat sich ein grober Schnitzer eingeschlichen. Es muss richtig heißen „Dresden – Hauptstadt des Stillstands“.

  5. …wenn ich so drüber nachdenke. Ich war vor Jahren mal ausversehen in Hoyerswerda in einer Kneipe, wo es eine Vermischung aus Rockern und Nazis gab. Da ist doch die Rotlichtszene bestimmt auch nicht weit entfernt gewesen. Gruselig.

  6. @Zackbäm
    Da ich nie lese „Autonome treten Neonazi tot“ oder „Autonome brennen Haus mitsamt den Bewohnern nieder“, ist Deine Aussage doch einigermaßen unüberlegt und sehr flach.

  7. @Zackbäm, deine Reaktion ist sowas von Dresden. Sobald hier jemand über Nais schimpft kommt gleich ein „Jaja, schon schlimm, aber die vielen Linksextremen …“. Und danach beide Augen zu und zurück in die kleine heile Barockwelt im Kopf.

  8. Es war ein spannender Abend. Vielen Dank an die Organisatoren. Auch die wissenschaftliche Einordnung des Neonazi-Problems durch Harry Waibel, dass es offenbar in recht umfangreichen Ausmaß auch schon in der DDR gegeben hat, war sehr aufschlussreich.

  9. @HinzundKunz: Wie wärs mit „Autonome werfen Steine auf Polizisten oder in Schaufensterscheiben“? Ebenso zu verurteilen wie Anschläge von Rechten.

    @mur: War ja klar, das so etwas wieder kommt. Darf man heutzutage nicht mehr gegen Extremismus egal welcher Façon sein, oder ist man dann auch automatisch Nazi?

  10. ja war eine sehr interessante und wichtige veranstaltung.
    (deutschlandfunk berichtet, dnn, sz nicht…naja, man wundert sich nicht mehr)…
    am 19ten raus aus den puschen!

  11. @Anton: Danke für den Hinweis. Gibt es die Möglichkeit, dass ein Mitschnitt der Veranstaltung ins Netz gestellt wird (sofern ein solcher existiert)?

  12. Zu diesem Thema sehr zu empfehlen ist Peter Richter’s
    Roman „89/90“. Gerade auch für damalige nicht Neustädter.

  13. @Anton: frag Peter mal nach nem Exklusivinterview für uns alle hier an, das macht er bestimmt. Kontaktdaten hab ich… Wäre sicher schlau, Du warst ja damals auch mitten dabei ;-) Mich hat sein Buch sehr in diese Zeit zurückgeholt… Er liest auch bald in DD, ist für Neuneustädter und Altneustädter sicher spannend.

  14. @Zackbäm
    Weißt Du, wenn sogar der DNN auffällt, das die Polizei, vorsichtig ausgedrückt, dummer Weise immer dann ein wenig zu spät kommt, wenn es um eine Feststellung bzw. Festnahme von Neonazihools geht, die oft unter den Augen der Cops zuschlagen, aber oft nicht einmal der Versuch unternommen wird diese Typen zu stellen, um deren Personalien aufzunehmen, sondern man lieber die Schuld beim Opfer sucht, dann denke ich wirklich nicht, dass man da ein Polizeiproblem herbeifantasieren müsste, denn es ist sehr real und für viele Bürger auch sehr deutlich erkennbar.

    Tja, wenn dann aber andererseits das Anzünden nur eines Bengalos, egal ob auf einer antifaschistischen oder einer anderen systemkritischen bzw. wirtschaftskritischen Demonstration der sogenannten Linken, das brutale polizeiliche Freischlagen einer Gasse durch die Demoteilnehmer hindurch zur Folge hat, nur um diesen einen Typ aus der Menge zu ziehen und es dabei völlig egal ist, ob 10-15 umstehende Demonstranten durch Faustschläge ins Gesicht (Pfefferspray usw.) verletzt zurückbleiben, so lange sollte bitte auch niemand „Dankbarkeit“ bzw. „Verständnis“ erwarten oder sich über die Reaktionen wundern.

    Solange also diese Polizeitaktik so durchgezogen wird, sie so etwas sogar für verhältnismäßig erklären, solange verlasse ich mich auch hierzulande lieber nicht auf diese „Helfer“, schon gar nicht auf einer Demo, was wiederum auch viele andere Leute dazu bringt, ihr eigenes Verhalten zu diesem „demonstrantischen Gegenüber“ entsprechend anzupassen.

    Zitat DNN:
    […] zu große Nähe zu dem islamfeindlichen Bündnis vorgeworfen. Beamte warfen bei der „Zählaktion“ von Pegida selbst Münzen in die Tonnen oder klatschen mit Ordnern ab.[…]
    http://www.dnn.de/Dresden/Polizeiticker/Polizeiticker-Dresden/Polizei-sieht-keinen-Grund-fuer-Aenderung-der-Einsatzplanung-bei-Pegida

    Und natürlich haben auch Leipziger Polizisten sehr sehr gute private Verbindungen zur NPD und Legida.

    „Haben sächsische Polizisten Kontakt zur rechten Szene?“
    (Die Frage kann nur eine rhetorische Frage sein.)
    http://www.mdr.de/sachsen/polizei-rex-vorwuerfe100_zc-f1f179a7_zs-9f2fcd56.html

    Auch so ein „tolles“ Beispiel waren ja die kürzlich die in den bayerischen USK-Karren abfotografierten Neonazisticker.

    Die Liste könnte ich noch eine ganze Weile fortführen … usw … usw. … und so fort!

  15. @Zackbäm
    „oder ist man dann auch automatisch Nazi?“

    Nein, es kommt wie so oft um die dahinter stehende Motivation an, welche sich ja oft auch sehr schnell, schon nach 2 bis 3 Sätzen und da schon allein wegen des vom extremismuskritischen besorgten Bürger verwendeten Vokabulars, ganz von selbst herauskristallisiert.

    Nebenbei, wenn es Dich etwas beruhigt, ich denke ja, auch für die Antifa sollten Salafisten ein grundsätzliches Problem darstellen, was als Thema zumindest gerade stark in der Diskussion ist.
    http://www.publikative.org/2015/09/24/ist-der-salafismus-ein-fall-fuer-die-antifa/

    Erstaunlich finde ich, das offenbar einige Leute glauben, man könne bei der Antifa nach Antragstellung eine Art von Vollmitgliedschaft erwerben oder dass es irgendwie so eine idiologisch-homogene Masse von Polit-Hooligans wäre, die auch schon mal von den Gewerkschaften gebucht und dafür bezahlt wird, wenn der Platz nicht voll wird, diesen aufzufüllen. Nenene … dem ist „leider“ nicht so, denn es ist auch irgendwie eine „lustige“ Vorstellung. Es sind oft viele junge Menschen die in vielen unterschiedlichen „Bezugsgruppen“ und da in unterschiedlichsten Zusammensetzungen organisiert, aber dabei natürlich auch lose miteinander verbunden sind. Es gibt nicht die Antifa, auch hier gibt es viele Gruppen/Leute die mit den anderen „Bezugsgruppen/Aktiongruppen“ nicht mehr „spielen“ möchten.
    Von einer homogenen Masse sind alle die, welche sich als Antifaschisten auf der Strasse „zu erkennen geben“ indem sie sich Rassisten und Neonazis entgegenstellen, so es denn notwendig ist, weit, sehr weit entfernt. Und weiß Du was, ist ja auch gar nicht das Ziel, denn es gibt 5 bis 7 Punkte, die für alle dann auf der Straße zusammenstehenden Antifaschisten wichtig sind, Punkte, wo man in der Betrachtung und Auslegung, also der grundsätzlichen Bewertung dieser fundamentalen Punkte einfach sehr sehr nahe beieinander ist.
    Tja, was soll ich sagen, auf mehr kommt es dann auch gar nicht an und auf mehr muss man die „Antifa“ auch nicht aufpusten, denn es sind eben nur diese „paar Punkte“, welche die Menschen stets aufs Neue in großer Zahl unter der Sammelbezeichnung „ANTIFA“ zueinanderfinden lässt, wenn es darum geht, Neonazis den Raum zu nehmen.
    Natürlich hat es auch etwas mit organisatorischer Arbeit zu tun, aber das ist, und bleibt es wohl auch noch bis auf Weiteres, reine ehrenamtliche Handarbeit – danke dafür!

    Es gibt hier nur eine Fraktion, die sich für „Infos“ aus den eigenen Reihen bezahlen lässt und mittels dieser staatlichen Subventionierung versuchen eigene „braune Zellen“ aufzubauen, nur heißen die bei den Strolchen etwas anders, beispielsweise „Freie Kameradschaften“ die eben oft völlig frei von Geist zusätzlich auch noch mit klangvollen brachialen Namen wie „Kotzbrocken Ost-Sachsen“ oder auch „1. Untersturmortsdivision, HH-Kommando:DummWieBrot“ bedacht werden.
    Jaja, die lassen sich stets starke Sachen für uns einfallen, aber alles natürlich nur in dem sehr eng gefassten Rahmen ihrer geistigen Möglichkeiten.

  16. Tip-Lesenswert:Interview mit der gebürtigen Dresdnerin Freya Klier in der LeipzigerVolksZeitung vom 1.10.2015

  17. @ Hinz und Kunz: Prima – Du bist durchideologisiert bis zum Anu… Solche standhaften Widerstandskämpfer sind sowas von notwendig. Weiter so.

Kommentieren gern, aber bitte recht freundlich.

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