Ein Farbtupfer im Alltagsgrau

Koko La Douce - Neustadt-Stranger mit Charme
Koko La Douce – Neustadt-Stranger mit Charme
Sie schwebt durch den Eingang. Plötzlich ist das kleine Lädchen voll. Küsschen links, Küsschen rechts. Mir wird warm ums Herz und schon plaudert sie los. Weshalb sie zu spät ist und ob ich schon lange gewartet hätte – ganz Diva. Es dauert keine zehn Sekunden und wir sind beim Thema Sex. Huch! Mit wem habe ich mich denn hier verabredet.

Mit Koko La Douce. Die gebürtige Schweizerin lebt schon seit etlichen Jahren in Deutschland und folgte ihrem Liebsten, auch bekannt als Mister La Douce, nach Dresden natürlich mitten in die Neustadt. Koko ist eine Burlesque-Künstlerin, vermutlich die einzige in Dresden und verzaubert Männlein und Weiblein mit der Kunst des hocherotischen Ausziehens. Im Unterschied zu Strip-Shows, die in verruchten Bars in Pieschen angesagt sind, geht es beim Burlesque nicht ums Nackig-Sein … aber auch das kann am Ende der Show stehen. Zuletzt konnte man Kokos Künste auf der Phase-IV-Geburtstagsparty in der Scheune erleben. So manchem schlug dort das Herzchen um so einiges schneller.

Koko als "natural born stripper" - Foto: Gerrit Meyer
Koko als „natural born stripper“ – Foto: Gerrit Meyer
Sie tourt durch die ganze Welt, wurde 2012 in Las Vegas in die „Burlesque hall of Fame“ aufgenommen, am kommenden Wochenende tritt sie in Prag auf. Eine Weltenbummlerin mitten in der Neustadt.

Wir sind am Plaudern, sitzen im Oswaldz, nach ihrer Meinung einer der wenigen großstädtischen Treffs in Dresden. Überhaupt Dresden, ohne die Neustadt wäre die Stadt ja gar nicht auszuhalten und warum müssen die Dresdnerinnen so häufig rostrote Baumwollstrumpfhosen tragen? Koko schüttelt ihr Haupt. „Meine Aufgabe ist mehr Lebensfreude“, sagt sie und deshalb will sie ihre Künste auch weitergeben, bietet Workshops zum stilvollen Entblättern an. „Mehr Pfeffer, mehr Salz, mehr Liebe für sich und andere“ – darum geht es und ums Frau sein. „Burlesque ist angewandte Emanzipation, in meine Kurse kommen Frauen, ob alt oder jung, ob dünn oder dick – sie sollen erfüllte Sexualität erlernen.“ Jetzt ist Koko in ihrem Element, wie im Rausch erzählt sie immer weiter. Ganz nebenbei erfahre ich, dass ihr Mister La Douce am Staatsschauspiel engagiert ist, ihre beiden Knaben in der Neustadt zur Schule gehen und sie sich gelegentlich ganz bodenständige Muttersorgen macht. In Windeseile ufert unsere Plauderei aus. Ein Blick auf die Uhr, sie muss weiter. Noch schnell ein Foto auf dem Boulevard – die Hälse recken und die Köpfe drehen sich: Ein Farbtupfer im Alltagsgrau.

Jeder Tag ist Show-Girl-Tag.
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16 Kommentare zu “Ein Farbtupfer im Alltagsgrau

  1. HACH! Farb-Genuss vs. Wetter-Tristesse zum Frühstück!
    Bitte MEHR „stilistische Sterne“! (für Dresdner Verhältnisse)
    Insbesondere für die Neustadt!
    Als „nichtpolitisch-korrekte-OutdoorUniform-Trägerin“ wird man ja schnell mal als „Wessi“ beschimpft und (nur dann) sächsel ich derb-amüsiert zurück. Die irritierten Reaktionen sind köstlich!
    Das irritierte Neustadt-Muttis-stutenbissige Tratsch-Gewisper vernimmt man bis an den Rand der Neustadt… Zum Glück ist die tolle Lady bemannt, sonst hätte sie es schwer in der „Mutti- und FrauenHackordnung“. (bitte keine GenderDiskussion! es wird sich darwinistisch nie ändern)
    Und, „CHAPEAU! für die Courage zum edlen Grau!
    Mit und ohne Textilem…
    Wunderbar!

  2. Und noch eine hoffnungslos overdresste Person in der Neustadt. Wie paradox das eigentlich ist. Metropolistische Subjekte, welche mit „Fashion- Styles“ um irgendeine Art von Auffallen und Anerkennung suchen sich immer die dreckigen, abgefuckten (sry für den Begriff <3) Subkulturviertel heraussuchen. Auch wenn "die Szene" schon lange herausgentrifiziert wurde, es ist doch immer wieder witzig und dekadent, dass sich solche Persönlichkeiten (…) neben Punks und anderen Neustadtvolk bewegen. Da trage ich mit Stolz meine rostfarbene Strumpfhose. Mal abgesehen davon- es gibt sehr viele Arten von Sexualität. Sogar Menschen, welche keine besitzen. Wie kann man behaupten, erfüllte Sexualität definieren zu können. Oder behaupten, dass die Neustädter*innen keine Lebensfreude hätten. Bzw. sich selbst den alleinige Wahrheit besitzt, um dies umsetzen zu können? Und überhaupt Frauen* welche nicht dem Standard oder irgendeiner Rollenzuschreibung entsprechen als Grau oder lieblos abzustempeln. Habe ich das richtig verstanden? Ohje ohje… Mit freundlichen Grüßen.

  3. Hahaha und sofort zieht sich eine „Baumwoll(Mutti?)-Mucki“ gleich mehrere zu enge Schuhe an…
    Da sieht eine Frau mal endlich nicht fürcherlich schiefgezipfelt-recycelt aus und schon wird geäzt.
    Natürlich von einer „Schwester“.
    (Kenne das aus eigener Erfahrung)
    Leider hoffnungslos typisch.
    Ich erwarte jetzt noch ein verbisssenens „Feministisches Manifest“ . :-)

  4. @ dd-jazz
    warte mal ab, die Latte-Machiatto-Eltern und die Müttermafia haben nun
    ein neues Feindbild und werden, neidvergiftet,
    großzügig ihre vernichtenden Urteile fällen –
    wie über alles, das sich nicht in ihre strukturierte Spießbürgerlichkeit
    hinein pressen lassen will.

  5. Aus eigener Erfahrung kann ich nur sagen, dass Kokos Workshops Gold wert sind! Wer hier mit offenen Augen (und Herz) einen Versuch wagt merkt schnell, dass “Mehr Pfeffer, mehr Salz, mehr Liebe für sich und andere” nur einige der wunderbaren Dinge sind, die diese Kurse mit sich bringen.

    Und wer auf dem Laufenden bleiben will, was im Hinblick auf Burlesque in Dresden passiert, ist hier genau richtig:
    https://www.facebook.com/groups/1541336882781444/

    (Gruppe: Burlesque in Dresden)

  6. @dd-jazz

    Tja, Hexenverfolgung ist heutzutage Sache der „Pseudomondänen“ Frau.
    Der einzige Unterschied zum finstersten Mittelalter:
    die Inquisitoren sind jetzt mehrheitlich weiblich.

  7. „Es dauert keine zehn Sekunden und wir sind beim Thema Sex.“

    @Anton: echt überrascht davon? Es ist doch DAS Thema schlechthin; manchmal hat man den Eindruck, es gibt kein anderes mehr.

  8. Wenn das Lesen der Kommentare mich mehr amüsiert als der Beitrag, dann ist er richtig gut – der Beitrag natürlich :-D

  9. Also die Dame sieht doch süß aus und natürlich muss sie auch Werbung für sich machen – aus welchem Grund sonst, kam es denn zu diesem Treffen.

    Nichts desto trotz mag ich meine eine rostrote Strumpfhose gerne. :) Und habe dennoch Lebensfreude!

    Leben und leben lassen und mit ihrer Aussage über die Neustadt kann ich sie gar nicht, nicht mögen :p :)

    Hihihi sylvia :)

  10. “Es dauert keine zehn Sekunden und wir sind beim Thema Sex.”

    @Anton: echt überrascht davon? Es ist doch DAS Thema schlechthin; manchmal hat man den Eindruck, es gibt kein anderes mehr.
    ————————————————-
    stimmt, es bläst an allen Ecken und Enden.

Kommentieren gern, aber bitte recht freundlich.

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