Expansion: Noch mehr Bio-Fast-Food

Das ehemals als „Electric Lotus“ bekannte ayurvedische Fast-Food-Restaurant auf der Louisenstraße hat sich vor einer Weile in „biosphäre – good.biofood“ umbenannt. Das sollte der erste Schritt zu einer Bio-Fast-Food-Kette sein, nun folgt der zweite, denn im Hechtviertel auf der Rudolf-Leonhardt-Straße 9, wird am Donnerstag, dem 16. Juli, die erste außerneustädtische Filiale eröffnen. Dafür suchen die Betreiber übrigens noch Personal.

45 Kommentare zu “Expansion: Noch mehr Bio-Fast-Food

  1. boah… ist doch alles Geldschneiderei mit diesen Bio-gedöhns. Dann mach ich mir mein Essen lieber selber aus normalen Zutaten vom Supermarkt.
    Wer’s mag und wer viel Geld hat darf natürlich trotzdem gern sein Gewissen beruhigen gehn ;)

  2. @Kami: Komisch, bei Tütensuppen, die das zehnfache einer selbstgemachten Suppe kosten und 10x weniger lecker sind, schreit niemand, daß es Geldschneiderei sei.
    Ich war schon paar mal im Electric Lotus essen: die Gerichte sind immer ungewöhnlich, kreativ, lecker und, wie ich finde, zu einem sehr angemessenen Preis-Leistungsverhältnis.
    Daß ich im Supermarkt nicht einmal normalen Parmigiano bekomme, hatte ich, glaube ich, schon erwähnt? ;-)

  3. Der Faktor 10 bei »zehnfach weniger lecker« stimmt oder ist eher zu gering bemessen.

    Der Faktor 10 beim Preis stimmt eben leider nicht. Wäre die Tütensuppe um so viel teurer, würden viel mehr Leute z.B. den Wert eines guten Gemüsefonds schätzen …

  4. Ich bin kein Experte, aber wenn man die versteckten Kosten für die Herstellung und Entsorgung der Verpackung sowie die Dehydrierung der Zutaten hinzunimmt. Dazu das ganze Glutamat. Sollte es etwa hinkommen.

  5. Diese Kosten stecken alle im Preis, der für die Tüte im Supermarkt bezahlt wird. Die können nicht versteckt sein, sonst würden die Tütensuppenhersteller sofort Pleite gehen;-)

    Ich habe in der DDR-Zeit in meiner Kindheit in der Nähe einer kleinen Tütensuppengrundstoffherstellung gewohnt. Die erzieherische Wirkung des Geruchs beim Reinigen der Anlage ist wirklich nicht hoch genug einzuschätzen, zum Glück wohnten wir nicht in der Hauptwindrichtung. Meine These: könnte man alle Deutschen mal an einer solchen Fabrikation vorbeiführen, würde der Absatz von Tütensuppen rapide sinken.

    Ich kann mich der Suppe über den Preis und über den Wert nähern. Und seit ich weiß, dass in jedem guten Restaurant immer ein Fond am Köcheln ist, bereite ich mir meine auch selbst zu — das ist es mir eben wert. Wie viel Arbeitszeit das kostet, hängt ja auch vom Organisationsgrad der Arbeit ab.

  6. Ich wollte hier keine Grundsatzdiskussion über Tütensuppen lostreten, sondern eher infrage stellen ob es Bio auch tatsächlich mehr Wert ist!?
    Man kann sich auch ein Gemüsefond ganz ohne Biozutaten machen, dann dürfte der Preis bei ca. 1/3 liegen.

  7. @Kami: „ob Bio auch tatsächlich mehr Wert ist!?“
    Wir könnten auch mal drüber nachdenken, ob die Erde wirklich keine Scheibe ist. Dazu gibt es zwar eine Menge Studien und auch etliche Beweise, aber drüber nachdenken kann man ja schon.

  8. @Kami: ich deutete ja etwas über Preis und Wert an. In der Summe aller Eigenschaften ist der Fond aus Bio-Gemüse mehr wert als die Gemüsesuppe aus der Tüte (auch wenn es eine Bio-Tüte ist). In der Summe aller Eigenschaften ist lokal angebautes Bio-Gemüse mehr wert als »herkömmlich« angebautes Gemüse aus einem fernen Land.

    Ich glaube übrigens nicht, dass »herkömmliches« Gemüse nur ein Drittel des Preises für Bio-Gemüse kostet, ich kenne zumindest keinen Laden, in dem beides in diesem Preisverhältnis verkauft wird. Aber wir haben Marktwirtschaft: sicher finden sich irgendwo in Dresden ein ganz teurer Bio-Laden und anderswo ein ganz billiger Discounter, deren Preise für ein ganz bestimmtes Gemüse in diesem Verhältnis liegen. Die Regel ist es nicht.

    Und zwischen zwei ansonsten ähnlichen Restaurants (einmal mit und einmal ohne Bio) wirst Du kaum solche Unterschiede finden.

    Übrigens: Für einen Fond kann man auch Gemüse verwenden, das man zu anderen Zwecken nicht mehr verwenden würde, was die Kosten der Bio-Gemüsesuppe deutlich relativiert.

  9. Leider wissen die Stadtkinder von heute nix über den Landbau und vertrauen blind dem Biogeschwafel.

    Ein Tipp: Ihr solltet so manchen Biohof mal von innen sehen! Lecker gehts da mitunter zu unter der Bioflagge.

    Von den Zuständen bei manchem Bauern bei der Tierhaltung erfährt der gemeine Bürger leider nichts. Nix Streichelzoo mit glücklichen Tieren, das ist leider oft ein Wunschtraum. Leider kommen wir mit den Kontrollen nicht wirklich hinterher, was ich sehr traurig finde.

    Konventioneller Landbau heißt nicht, daß der Bauer wahllos Gift auf die Felder kippt, wie ja oft falsch argumentiert wird. Schaut Euch auf Märkten der Gegend um und vertraut Eurem gesunden Menschenverstand und Eurem Geschmack.

    In allen Fällen ernährt man sich am gesundesten, wenn man regional und den Jahreszeiten gemäss einkauft und frisch kocht.

    In anderen europäischen Ländern gibts diesen Hipe auf „Bio“ nicht, weil da schon immer im Sinne des Wortes mit LEBENSmitteln umgegangen wird und vor allem auch nach Aussehen und Geschmack gekauft wird.

    P.S. Ihr kennt doch den Herrn H. mit den tollen Bio-Gläschen für Babys. Diese entstehen aus Möhren, die man früher ausschließlich für Tierfutter verwendete, weil es sich um eine minderwertige Sorte mit wenig Geschmack handelt. Aber billig ist sie. Und darauf scheints hier anzukommen. Mhm. Yammiyammi.

  10. @ elbnymphe

    Welche Beutelsuppe kostet denn das 10fache einer selbst gekochten Suppe ????

    Und Geschmack ist relativ.

    Außerdem: der Geschmack von getrockneten Kräutern und auch Gemüsen und Früchten ist meistens viel in intensiver als bei Frischware, von daher kanns durchaus auch mal eine Tütensuppe sein. Selbstverständlich o h n e Geschmacksverstärker. Das kann jeder, der lesen kann, selbst nachschauen. dafür gibts die Etiketten…

    @stefanolix: Was genau hat der Geruch von Reinigungsmitteln bei der Säuberung von Tanks eines „Tütensuppengrundstoffherstellers“ (?) mit Inhalt und Geschmack von Tütensuppen im Allgemeinen zu tun? Verhält sich normalerweise ähnlich, wie der Geruch meines Abwaschwassers zum Geschmack meines fürstlichen (selbstgekochtem) Essens.

    Schonmal neben ner Kaffeerösterei gewohnt…?

    Was die Speisekarte des Bioschuppens angeht: ist nicht so teuer. Aber liest sich ehrlich gesagt nicht sehr lecker.
    Pseudo-Wichtigtuer-Food, von wirklich gesundem und vollwertigem Essen meilenweit entfernt. Aber wer`s braucht, kann ja hingehen und die „total kreative und ungewöhnliche Zusammensetzung der Speisen“ von „Lotus“ geniesen. Schon den alten Namen „Electric lotus“ fand ich einfach nur igitt.

    Und nochmal @ elbnymphe: Parmigiano gibts doch am Stück an vielen Orten. Manchmal sogar im Aldi( da war ich lang nicht mehr nachsehen), aber im Konsum, bei Karstadt, im Käseladen Deines Vertrauens und beim Italiener auf jeden Fall. Man kanns natürlich auch kompliziert machen…

  11. H a l l o ???

    Zitat „In der Summe aller Eigenschaften ist lokal angebautes Bio-Gemüse mehr wert als »herkömmlich« angebautes Gemüse aus einem fernen Land.“

    Lokal angebautes Gemüse ist immer dem importierten Vorzusehen, ob Bio oder nicht! Im Biosupermarkt kommt leider auch nicht alles aus der hiesiger Produktion, womit ich anzweifele, ob ich wegen des Transportes dazu greifen sollte, oder lieber was „normales“ von hier nehmen soll. Inzwischen mach ich das wieder häufiger.

    Zitat „Übrigens“ Für einen Fond kann man auch Gemüse verwenden, das man zu anderen Zwecken nicht mehr verwenden würde, was die Kosten der Bio-Gemüsesuppe deutlich relativiert.“

    Klingt eklig. In meine Suppe kommt nur etwas, was ich auch so essen würde.

    Nicht appetitlich find ich die Speisekarte des erwähnten Restaurants. Man muß ja zum Glück nicht hingehen.

    Elena

  12. @Gundolf:
    Woher willst Du wissen, daß hier Stadtkinder diskutieren? Warum gleich die Diffamierung von Leuten, die Du nicht kennst? Ich kann nur von mir aus urteilen: aufgewachsen in einem Kaff umgeben von Bauernhöfen, waren diese sozusagen mein Spielplatz und auch der Ort, wo man sich in den Ferien das erste Taschengeld verdiente. Das war nicht romantisch.
    Wir erlebten, wie einer der Höfe schon in den 80ern auf Bio umstellte. Aus meiner Sicht stellte sich das damals so dar, daß ich die Vorzugsmilch nicht mehr trinken wollte, weil sie anders als pasteurisierte H-Milch schmeckte. Es brauchte Jahre, bis ich mich an den Geschmack frischer Milch gewöhnen konnte. So eine Perversion sollte unseren Kinder erspart bleiben.
    Meine Nahrungsmittel beziehe ich zum Teil aus dem Supermarkt (möglichst, aber nicht ausschließlich Bio) und großteils von den Höfen des Umlands über die Verbrauchergemeinschaft.
    Ich muß Dir ganz entschieden widersprechen, was Deine Einschätzung der Zustände auf Bio-Bauernhöfen betrifft. Ich hatte die Gelegenheit, beruflich eine Tour durch konventionelle Schweinezucht- und Rindermastanlagen im Umland von Meißen und Riesa zu besuchen, und das war psychisch kaum auszuhalten. Wie findest Du es z.B., daß kleine Kälber nicht mal die Milch der Mutterkuh trinken dürfen, denn die ist ja schließlich für die Menschen reserviert. Oder daß Schweine so aggressiv werden, daß sie sich gegenseitig die Schwänze abkauen, daß man ihnen z.T. Augenklappen anziehen muß?
    Zum Hofgut Mahlitzsch bei Meißen ist es ein netter kleiner Tagesausflug, wo man sich überzeugen kann, daß die Rinder alle eine Namen haben und die Bauern diese auch kennen. Die Schweine werden zwar auch geschlachtet – aber es ist ein Prinzip, daß sie wenigstens einmal den Jahreszyklus von Frühling, Sommer Herbst und Winter erleben dürfen. Auf der Farm werden sie oft nur wenige Wochen alt. Von den Schlachtpraktiken schweige ich an der Stelle.
    Ich bin keine verklärte Ökofaschistin: bei mir gibt’s auch mal Hamburger, Tiefkühlpizza und was weiß ich.
    Aber es will mir nicht in den Kopf, warum Leute wie Du sich immer über Bio echauffieren, eine Bewegung, die in der Summe etwas Gutes erreichen will. Wo bleibt der Aufschrei, wenn Günter Wallraff in deutschen Brotfabriken widerwärtigste Zustände aufdeckt, nur damit die Discounter-Brötchen noch 1 Cent billiger sind? Wo bleibt die Empörung, wenn Pizzakäse aus allem besteht, nur nicht Käse?
    Ich möchte an der Stelle mal ganz deutlich darauf hinweisen, daß Bio nicht nur für Lifestyle-Fetischisten ist, deren Karma ohne Brottrunk und Pu-Err-Tee aus dem Gleichgewicht gerät.
    Nein, Bio ist auch eine Möglichkeit für gerechtere Löhne in einer Zeit, in der alles aus dem Ruder läuft und die wenigstens angemessen bezahlt werden. Wie gesagt, ich weiß, wieviel ein Bauer leistet, aber Hauptsache Herr Aldi und Herr Lidl werden reich; wen interessieren da die fairen Milchpreise?
    Was Deine Einschätzung andere europäischer Länder betrifft, weiß ich nicht, wo Du die herhast. Ich kenne auch in Italien Legebatterien, die mit ihrem Gestank ganze Täler in den Lessinischen Bergen verpesteten. Der Risotto-Reis aus der Po-Ebene sollte auch nicht mit Wasser gewässert werden, das schwermetallbelastet ist, oder? Und in Großbritannien, Frankreich und Italien nimmt das Bewußtsein für biologische Lebensmittel genauso zu, wie hierzulande.
    Kritisch sein, gerne. Verallgemeinerndes Bio-Bashing – nein.

  13. ich versuche weitestgehend bio zu kaufen und freue mich über neue läden die sich bio auf die „fahne“ schreiben. im discounter bin ich mir aber oft nicht sicher ob auch bio drin ist wenns drauf steht!
    ein bio laden sollte für mich auch nur fairtrade produkte aus übersee anbieten.
    und das hat nichts mit gewissen sondern mit lebensqualität(meiner, der bauern/innen, der tiere) und solidarität zu tun!

  14. Stichwort Fairtrade und Bioladen: Trotz Award find ich sowas recht fragwürdig: Biokräuter aus Simbabwe

    Machen Biokräuter für den Westen die Hungersnotgebeutelten satt?

    Eher schaffen sie neue Abhängigkeiten.
    Die Biobauern werden sich keine Bioprodukte zum Ernähren leisten können…Fair ist etwas anderes.

    Eigentlich gibts auch in Europa genügend Plätze, auf denen Biokräuter wachsen . Hat natürlich weniger Gewinnmarge und das Deckmäntelchen der globalen Hilfe gebeutelter Völker fällt weg.

    Elena

  15. Jetzt wird`s doch politisch, ätsch! Aber mal im Ernst, faire Wirtschaftsbeziehungen sind die Grundvoraussetzungen, um all die angesprochenen Probleme von bio bis Profitgier und Raubbau zu lösen, dabei darf der Schutz der Umwelt nicht über den Humanismus gestellt werden, ich meine, wenn sie woanders hungern oder massenweise an der Krankheit Hunger sterben, dann muss man genau da ansetzen. Das ganze Geschwafel von Überbevölkerung soll nur vertuschen, dass die sich inzwischen „grün“ gebenden Oligarchen ihr eigenes Paradies auf Erden errichten wollen, mit ihren sauberen Tier- und Umweltreservaten, aus denen die Armen gefälligst abzuhauen haben, am besten lassen sie sich per Vertreibung, Hunger, Seuchen und ethnischen oder religiösen Konflikten bzw. Kriegen reduzieren, das wird dann mal gerne als Naturgesetz der natürlichen Auslese hergeleitet. Wann das Elend in West-Europa ankommt, ist nach den gegenwärtigen Entwicklungen nur noch eine Frage der Zeit. Das sollte man bei diesen Themen immer im Hinterkopf haben. Vielleicht ergeben sich daraus neue Horizonte…? Das der grünen Bewegung leider auch faschistoide Tendenzen innewohnen, liegt sicher auch an ihren eugenischen Wurzeln. Daher bin ich sehr vorsichtig geworden. Das unbehagliche Gefühl, das ich jahrelang in Bioläden hatte, kam wohl nicht von ungefähr. Und mal ehrlich, die absolute Reinheit ist doch eine Illusion, viele rauchen…Ich find Massentierhaltung auch sch… es kann nur durch vernünftige Wirtschaftspolitik gelöst werden. Demos organisieren…Geld in Pleitebanken versenken, das ist das Ende der Wirtschaft überhaupt, danach kommt nix mehr, im schlimmsten Fall Krieg, das ist kein Scherz. Viele flüchten in die Esoterik, aber irrationale Denkweisen stützen nur die, die ihre Macht auf (pseudo)-religiösen Weltbildern aufbauen, wo der Verstand ausgeschaltet wird, weil da oben ein „Priester“ das Heil verkündet (siehe drittes Reich). davon lebt jedes größere Rock-konzert (Effekte aus Sound und Licht machen high). In dieser Kultur leben wir, so sind wir aufgewachsen und wir können die Uhr auch nicht zurückdrehen. Trotzdem ab und zu die Dinge klar sehen, der Manipulation widerstehen. Jetzt reicht`s aber!

  16. @Elena: Man kann’s natürlich mit Gewalt falsch verstehen, wenn man denn will. Natürlich gibt es im Gemüse vom Gärtner oder vom Bio-Hof auch nicht so dekorative Teile, natürlich bleiben vom Bund Möhren auch ein paar übrig, die ich meinem kleinen Sohn nicht mit in die Schule gebe. Und solches Gemüse kommt dann halt in den Fond. Genauso wird das auch in jedem Spitzenrestaurant gemacht. — Hast Du ernsthaft unterstellen wollen, ich kochte mit verdorbenem Material?

    @Katja: Nein, das kann man so nicht vergleichen. Bei der Reinigung der Anlage wird der Duft des Grundstoffs hochkonzentriert frei, es riecht dann also wesentlich intensiver als ein Brühwürfel. Und wenn diese Wolke bei schwülem Wetter nicht abziehen kann, ist das ein Erlebnis zum Abgewöhnen. Das war ganz subjektiv und ganz aus meiner persönlichen Sicht gemeint;-)

  17. @stephanolix

    Ich komme aus Bulgarien, bei uns kocht man völlig anders…Da gibts auch keinen Unterschied zwischen dekorativem und undekorativem Gemüse. Und diese Art „Spitzenrestaurants“ wie es sie hier gibt sind zum Glück auch nicht verbreitet. War neulich im „Schmidts“ und kam mir vor, wie bei „Des Kaisers neue Kleider“. Mich hats amüsiert. Muß da auch nicht nochmal hin, die sonderbare „kreative Küche“ kosten und lauter wichtig tuenden Leuten zuschauen und ungewollt zuhören.

    Und was Du zu Brühwürfeln sagst: in meiner Kindheit wurden im Sommer überall im Ort sehr intensiv duftende Kräuter getrocknet und zu einer Gewürzmischung zusammengestellt. Die Straßen rochen wochenlang danach.
    Ähnliches erlebte ich im letzten Urlaub auf Kreta: Wilder Thymian & Oregano den ganzen Tag in der Luft: auch wesentlich intensiver als Brühwürfel.

  18. Ja, aber der Duft getrockneter Kräuter oder getrockneter Pilze hat doch eine ganz andere Qualität. Das kann man mit Worten nicht beschreiben und zum Glück kann man Düfte auch nicht wirklich digitalisieren;-)

  19. Zu den Kräutern aus Afrika meine persönliche Meinung: nur wenn es sich um Gewürze handelt, die hier nicht wachsen, finde ich es angemessen. Unsere eigenen Gewürze können wir hier anbauen und für den Winter auch trocknen. Aber beim Tee (der ja hier nun wirklich nicht wächst) achte ich schon auf die Herkunft.

    Es stimmt: in den Bio-Läden gibt es Menschen, die sprechen »Dinkel« wie »Dünkel« aus (hätte der gute alte G. C. Lichtenberg gesagt, wenn er mal den Podemus-Laden am Schillerplatz besucht hätte). Aber solche Menschen findet man auch überall sonst. Das muss wohl jeder mit sich selbst ausmachen.

  20. @Katja: Erst schreibst Du, Geschmack sei relativ. um dann im nächsten Absatz zu behaupten, der Geschmack von getrockneten Kräutern, Gemüsen und Früchten sei „meistens viel intensiver als bei Frischware“. Ich will jetzt hier wirklich nicht auf eine unsachlich-beleidigende Ebene gelangen, aber bei solchen Sätzen frage ich mich schon, wie es um Deine Kochkünste bestellt ist (sorry).
    Als Kind berufstätiger Eltern wurde ich quasi aufgezogen mit Tüten- und Dosensuppen, von Maggi, Knorr über Erasco bis zu Lacroix (falls man das hier schreiben darf) und den gängigen Biomarken kenne ich jede Sorte und jeden Geschmack, und ich finde, wenn man einmal angefangen hat, selbsgemachte Fonds zu verwenden, schaut man nicht mehr zurück. Das Aroma einer Minestrone, die viele Stunden auf dem Herd geköchelt hat, ist doch nicht ernsthaft mit einer Minestrone aus der Packung vergleichbar!?

    Was den Parmigiano betrifft: ist mir schon klar, daß ich den bei den drei K’s bekomme (Konsum, Karstadt, Käseladen) – das war ein kleiner Insider-Joke, der sich auf eine frühere Diskussion bezog. Es gab ihn mal bei PLUS, aber PLUS gibt’s nicht mehr. Bei ALDI, LIDL und Co. gibt’s Parmigiano, aber eben nicht am Stück. ;-(

    Wie Du auf dem Ex-Electric-Lotus rumhackst, finde ich nicht fair. Kann ja sein, daß Dir der Name nicht gefiel, aber „igitt“? (Bei so einer niedrigen Ekelschwelle würde ich mir das mit de Tütensuppen noch mal überlegen.) Und sich über die Speisekarte lustig zu machen, ohne dort mal gespeist zu haben, ist in meinem Augen unseriös. Jegliches Engagement in der Neustadt lebt von der Mundpropaganda. Einen Laden ohne wirklichen Grund zur Kritik (und der wäre für mich gegeben, wenn es teuer, voller Kakerlaken oder Nazis wäre – ist es aber nicht) runterzumachen, ist nicht die feine Art. Es gibt in der Neustadt zig Kneipen, die nicht meinem persönlichen Geschmack entsprechen, aber mache ich deswegen jeweils einen Thread auf?

    @Stefanolix: Ich wohnte mal ein Jahr auf dem Areal der Guiness-Brauerei; wenn der Wind ungünstig stand, konnte man die frische Wäsche auf der Leine gleich noch mal waschen, weil sonst alles nach Malz roch – aber Guinness mundet mir immer noch sehr. :-)

    @Elena: ich schnippel in die Kartoffelsuppe auch Hutzelmöhren und Runzelkartoffeln, die nicht mehr als feine Begleitung zum Sonntagsbraten taugen. So what?

  21. Mal wieder sum Electric Lotus?

    Ich kann mich an meinen letzten Besuch dort sehr gut erinnern. Hab mich tierisch auf „Thai-Curry“ gefreut. Was kam dabei ins Schälchen? Eine total zerkochte Pampe, schlecht gewürzt und günstig ist ja wohl auch anders.
    Wenn Bio-Fast-Food bedeutet, diversen Kochexperimenten einen wohlklingenden Namen zu geben und dann vorgekochte Speisen zu verkaufen, kann ich darauf gern verzichten.
    Euren Bio-Fleisch-Disput kann ich hier eigentlich nicht verstehen, handelt es sich doch um Vegetarische Restaurants. Obwohl sie schon eine Umfrage gestartet haben, ob sie auch fleischhaltige Kost verkaufen sollen.
    Ich finde den Ansatz wirklich bemerkenswert, sich auf Bioprodukte zu konzentrieren. Mir würde dort aber dann auch gefallen, wenn man nachvollziehen könnte, woher die Rohstoffe wirklich kommen. Eine Liste der erzeugenden Bauernöfe kann vielleicht Vertrauen schaffen.
    Letzlich fürchte ich aber, es handelt sich um eine lukrative Marktnische, die jetzt möglichst provitabel geschlossen werden soll.

  22. @Elbnymphe: Das liegt aber daran, dass man keine Bluse und kein Hemd tragen mag, die wie Bier riechen. Für die Nase ist der Duft sehr angenehm. — »Hutzelmöhren und Runzelkartoffeln«: ich wusste doch, dass mich jemand aus Deiner Herkunftsgegend verstehen würde.

    Der einzige Nachteil an diesem Thread ist, dass man unwillkürlich eine Verwirrung der Appetitsgefühle bekommt, wenn Du hier von Minestrone schwärmst. Ich habe aber jetzt Pfirsich, Ingwer, Naturjoghurt und dunkle Schokolade;-)

  23. @Stefanolix: Pfirsich mit Joghurt mischen, einen Hauch Ingwer und ordentlich Schokolade drübergeraspelt, vielleicht noch ein paar Pistazien – fertig ist der wunderbarste Nachtisch im Anschluß an eine deftige Minestrone. :-)

  24. @Mattze: wieso denn vorgekocht – man kann denen doch sogar beim Kochen zuschauen!?
    Und daß ein Restaurant in der Neustadt versucht, profitabel zu agieren, das grenzt ja an ein Kapitalverbrechen! ;-)

  25. Mir kommt schon wieder das K-Wort in den Sinn. Habe ich doch neulich hier gelernt, dass es kein Kommerz ist, wenn bei der BRN ein Schulkind selbstgebackene Kekse verkauft. Aber wenn der Dönerstand bei der BRN Gewinn machen will — das ist Kommerz.

    Dass der Stand des zehnjährigen Mädchens aber der erste Schritt zu einem Café in der Neustadt und also zu einer gravierenden Gentrifizierung sein kann, wird oft vergessen;-)

    Fast genauso war es: Pfirsich-Stücken ganz leicht gezuckert, frischen Ingwer darübergeraspelt, eine Stunde im Kühlschrank abgedeckt ziehen lassen, dann Joghurt darübergegeben und mit gehackter Schokolade garniert. Köstlich zu einem starken Kaffee. Das Hauptgericht musste ich mir leider aus Zeitgründen versagen.

    Ich bekenne mich gleich schuldig: es hat geschmeckt und es haben daran mindestens folgende Kommerz-Unternehmen verdient: ein Gemüsehändler vom Wochenmarkt, ein Joghurt-Hersteller, die GEPA, der Kaffee-Importeur, die Kaffee-Bauern und der Podemus-Laden. Dresden ist im Grunde schon vollkommen übergentrifiziert;-)

  26. Ganz schnell, weil gerade ein Manuskript weggebracht werden muss:
    – dekadent wird man, wenn man zu oft unter antiken Statuen weilt;
    – Eierschecke schmeckt mir nur von einem speziellen Bäcker und ich wollte nicht erst so weit fahren;
    – letzteres ist natürlich wieder ein weiterer Hinweis auf Dekadenz;-)

  27. Die total hippe „In“-Knolle Ingwer hat gnadenlos überall Einzug gehalten.
    @ Elbnymphe: Herzliches Beileid zu dieser Ernährung in der Kindheit. Kamst Du nicht vom Lande? Seit wann ist denn berufstätig sein eine Entschuldigung für Dosenfrass? Meine Eltern und auch die meiner Frau und unserer Freunde waren auch alle beide berufstätig. Dosen gabs aber nur einmal im Jahr-im Campingurlaub.

    Und: was die Aussage von Katja betrifft: es ist hinreichend bekannt, daß Getrocknetes und Gedörrtes mehr Aroma hat. Deswegen gönne ich mir in jedem Jahr den Luxus, ein paar reife Früchte wie Tomaten und Pilze (Kräuter sowieso) zu trocknen. So schmeckts auch im Winter intensiv nach Sommer.

    Und beim Aldi gabs den Käse immer am Stück. Kannst auch zu Kaufland & Kaufpark gehen. Auch alle mit K wie Käse. Plus gibts noch: Mogelpackung am Schillerplatz. Buchstaben in gelb-rot). Wird wohl auch nettoisiert sein. Aber steht Plus dran.

  28. Ach Gundolf — Willst Du jetzt über den Ingwer irgendeinen Grund finden, mich als Yuppie (oder ähnliches) hinzustellen? Glaub mir: die Schublade, in die ich passen würde, ist noch nicht getischlert.

    Hätte ich heute »Bamberger Hörnchen« gegessen, hättest Du dann wohl auch geschrieben »diese total hippe Knolle«? Das ist doch etwas albern, oder? Ich habe den Ingwer schon vor 20 Jahren als Zutat kennengelernt und ich werde ganz sicher in 20 Jahren immer noch ab und zu eine Knolle kaufen. Mir ist das sowas von egal, ob Ingwer gerade »in« ist. In meinem Dessert war er »in«.

    PS: Recht hast Du darin, dass Getrocknetes oder Gedörrtes sehr aromatisch sein kann: Pilze, Tomaten, einige Gewürzkräuter. Richtig eingesetzt, kann das sehr lecker sein. Aber Ingwer kann man z.B. nicht trocknen und karamellisiert schmeckt er einfach nicht.

    PPS: Und Ingwer ist keine Knolle, sondern eine Wurzel;-)

  29. @Gundolf: Ich hätte Wetten darauf entgegennehmen sollen, daß jetzt meine Eltern am Pranger stehen. Auch wenn es öfter Tütensuppen gab, die ich heute nicht mehr mag, bin ich doch froh, daß meine Mutter ihre knapp bemessene Zeit lieber mit mir verbrachte bzw. für sich selbst in Anspruch nahm, anstatt sich in ihrer Mittagspause aufopferungsvoll in die Küche zu stellen. Einerseits über Lifestyle-Hippies lästern und dann diese Lebenslüge des nebenbei zu bewerkstelligenden Familienlebens propagieren, ts, ts.

    Was mir nicht nur an dieser Diskussion auffällt: man wagt es, einen Gesichtspunkt zu bedenken zu geben, um zu differenzieren, und schon fängt die große Schwarzweißmalerei an: Wenn Genuß, dann Lifestylekacke, wenn Espresso, dann Gentrifizierung, wenn Bio, dann Schwindel, wenn BRN, dann Kommerz, wenn ab und zu mal Dosenfutter, dann bedauernswerte Kindheit, wenn verschrumpeltes Gemüse, dann Igitt. :-)

  30. @Anton: ich bewundere sowieso schon die ganze Zeit Deine Fähigkeit, Dich rauszunehmen. Aber Vorsicht! Diese Gelassenheit kann einem schnell als gentrifiziertes Zen-Gehabe ausgelegt werden.

  31. Du musst Dein Blog nicht umbenennen. Wir ticke(r)n alle ganz individuell;-)

    Ganz OT und zum Zen: Ich werde nie dieses völlig überdimensionierte und aufgemotzte SUV vergessen, das mit dem Kennzeichen »Z-EN« daherkam. Manchmal schreibt ein Beamter auf irgendeiner Zulassungsstelle die schönsten Geschichten …

  32. ok,ernährungstippsblog, bio hat was mit umwelt zu tun. was in unseren breiten wächst sollte nicht mit flugzeug oder schiff umwelt zerstörend hier her transportiert werden. schon gar nicht als bio durchgehen!
    und „zum thema fleisch“ einfach mal hagen rether bei youtube eingeben!

  33. @ „Elbnymphe“
    >>Erst schreibst Du, Geschmack sei relativ. um dann im nächsten Absatz zu behaupten, der Geschmack von getrockneten Kräutern, Gemüsen und Früchten sei „meistens viel intensiver als bei Frischware“. Ich will jetzt hier wirklich nicht auf eine unsachlich-beleidigende Ebene gelangen, aber bei solchen Sätzen frage ich mich schon, wie es um Deine Kochkünste bestellt ist (sorry).<>Als Kind berufstätiger Eltern wurde ich quasi aufgezogen mit Tüten- und Dosensuppen, von Maggi, Knorr über Erasco bis zu Lacroix<>(falls man das hier schreiben darf) und den gängigen Biomarken kenne ich jede Sorte und jeden Geschmack, und ich finde, wenn man einmal angefangen hat, selbsgemachte Fonds zu verwenden, schaut man nicht mehr zurück. Das Aroma einer Minestrone, die viele Stunden auf dem Herd geköchelt hat, ist doch nicht ernsthaft mit einer Minestrone aus der Packung vergleichbar!?<>bin ich doch froh, daß meine Mutter ihre knapp bemessene Zeit lieber mit mir verbrachte bzw. für sich selbst in Anspruch nahm, anstatt sich in ihrer Mittagspause aufopferungsvoll in die Küche zu stellen. Einerseits über Lifestyle-Hippies lästern und dann diese Lebenslüge des nebenbei zu bewerkstelligenden Familienlebens propagieren, ts, ts.<<

    Klingt ziemlich verbittert. Kennst Du die Lebensumstände von Gundolf, um hier anmaßend zu werden?

    Außerdem: komische Vorstellung von Familienleben, die du hier zum besten gibst…Man beachte das typische Klischee: Mutti steht aufopferungsvoll in Küche. Kochen ist Arbeit. Die "moderne" Mutti kann sich entweder nur um sich, ums Kind oder um Essen kümmern.

    Einstellung wie in den frühen 50ern.

  34. @Leni: Meinst Du ernsthaft, daß Leute, die sich dafür entscheiden, Bio zu kaufen, noch nie einen Gedanken daran verschwendet haben, woher die Lebensmittel kommen und wie sie zu uns gelangen? Das Thema Nachhaltigkeit ist so neu nicht, daß es erst ein paar Kommentatoren auf dem Neustadtticker bedürfte, um Bio-Konsumenten zum ersten Mal im Leben vor die Entscheidung zu stellen, ob sie lieber konventionelle Äpfel aus Sachsen oder Bio-Äpfel aus Israel kaufen.
    Ich erwähnte weiter oben die Möglichkeit von Verbrauchergemeinschaften: wenn so viele dem Bio-Hype nicht glauben, aber für lokale Produkte sind, warum gibt es dann nicht viel mehr VG?

  35. @elbnymphe: Gibt es einen semantischen Unterschied zwischen Kaffee, Cafe und Café?

    @matahatahari: Du schreibst:

    dabei darf der Schutz der Umwelt nicht über den Humanismus gestellt werden, ich meine, wenn sie woanders hungern oder massenweise an der Krankheit Hunger sterben, dann muss man genau da ansetzen.

    Betrachtest du Humanismus getrennt vom Umweltschutz?

    Allein das Wort Umweltschutz ist schon ein Irrsinn an sich. Wir Menschen verstehen uns als Beschützer der der Natur, obwohl wir hinter uns der Natur ins Schienbein treten. Mit den Händen aufbauen mit dem Arsch einreißen, quasi.

    Dabei ist es doch so einfach: Der Mensch ist Bestandteil der Natur und jeder sollte andere so behandeln, wie er selbst behandelt werden möchte.

    Das würde auch das Hungerproblem lösen können. Was würdest du sagen, wenn die Industriestaaten deine Arbeit ruinieren, weil sie die fiese Weltbank und den IWF vorschicken und anschliessend noch ihre Produkte exportsubventionieren? Beispielhaft sei die Baumwolle aus Burkina Faso genannt.

    Bio zeigt doch letztlich nur eines: Die Menschen wollen fair und natürlich hergestellte Lebensmittel und keine industriellen Nahrungsmittel. Ersteres bringt Leben in den Körper und Letzteres macht satt.

    Und wenn ein Laden das in der Neustadt so sieht, dann gibt es doch nix daran auszusetzen. Und wer Zweifel an dem Laden hat, geht einfach hin und fragt mal nach. Die Antwort wird dann überdacht und gut ist. Wenn sich herausstellt, dass dort nicht ehrlich mit Bio umgegangen wird, dann ist der Laden schneller pleite als er gucken kann.

  36. @ Katja: Ach Gottchen, ich bin total verbittert – angesichts von Leuten, die mit Ironie als rhetorischem Mittel überfordert sind. Und dann zur psychoanalytischen Ferndiagnose auf BRIGITTE-Niveau anheben. – Meine Mutti mußte die 50er in einem katholischen Internat überstehen, was sie nachhaltig gegen das Wertesystem der Adenauer-Ära immunisierte. Sei versichert, die Diskurse der 60er, 70er und 80er, die den Frauen Selbstbewußtsein und Freiheit bescherten, wurden in unserem Haus nicht propagiert, sondern gelebt. Ja, das beinhaltete auch Tütensuppen, aber auf der Couch mußte ich diesen Umstand noch nicht aufarbeiten – auch wenn die Stepford-Supermuttis mir angesichts dieser Ernährung sicher gerne emotionale Deprivation attestieren.
    Im übrigen danke ich Stephan für den
    sachlichen Beitrag zur Diskussion. :-)

Kommentieren gern, aber bitte recht freundlich.

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