Sowas wie mich hab ich noch nicht gesehen

Richaâârd vor einem seiner Werke in einer Toreinfahrt auf der Prießnitzstraße. Es ist eines seiner jüngsten "Mauer-Werke" und entstand im April 2014

Richaâârd vor einem seiner Werke in einer Toreinfahrt auf der Prießnitzstraße. Es ist eines seiner jüngsten „Mauer-Werke“ und entstand im April 2014

Mit 40 Jahren wurde Richard Mansfeld wiedergeboren. Oder besser-  er gebar sich selbst. Stückweise. Sein Kopf erblickte das Licht der Welt in einer Zahnarztpraxis, sein Hinterteil wurde im Boys geboren. Eine Gruppe Menschen trug Richard, eingehüllt in weiße Tücher, durch die Neustadt, bis er gänzlich nackt war und frei laufen konnte. Der Künstler inszenierte die Performance als Protestaktion. Denn mit 40 ist ein Künstler tot. Zumindest was seinen Anspruch auf Förderungen betrifft. Richard Mansfeld prangerte diesen finanziellen Kehlschnitt an und bescherte der Neustadt damit einen ungewöhnlichen Abend. Er taufte sich an diesem Tag auf den Namen Richaâârd. Ein französischer Freund, Dolmetscher, hatte ihn entnervt in einem Schreiben so tituliert, weil Richard auf die Übersetzung eines Schriftstücks drängte. „Ich dachte, das passt zu mir. Ich bin eine Nervensäge.“ Das ist schon einige Jahre her. Mittlerweile ist seine Kunst über die Grenzen Dresdens hinaus bekannt. Mindestens eines seiner Werke hat jeder Neustädter schon einmal gesehen, vielleicht ohne es ihm zu zuordnen. Richaâârd lebt noch, er arbeitet noch. Wenn auch auf Papier. Er sucht ein Atelier. Ein Bericht über das Durchhalten.

Richaâârd lädt mich in einen schattigen Hinterhof auf der Prießnitzstraße ein. Die Balkonpflanzen wedeln im Sommerwind, eine Katze streicht um den Tisch.  Die Spatzen schimpfen, ein Flugzeug zieht über uns hinweg. Kurzzeitig überlagert sein Dröhnen die Stimme Richards. Vor ihm eine Tasse Kaffee, die sich langsam leert und ein Aschenbecher, der sich langsam füllt. Für mich ein Minzwasser. Ein Freund von Richard Mansfeld wohnt hier, wo auch einst das Atelier war. Momentan arbeitet der Maler und Grafiker von zu Hause, der Königsbrücker Straße, aus. Bezahlbare Arbeitsräume sind rar. Richard, dessen erste große Wandmalerei auf den Parkplatz hinter der Scheune blickt, ist notgedrungen minimalistischer geworden. Papier ist geduldig. „Vielleicht“, scherzt Richard, „ist es auch eine Alterserscheinung, dass ich zu kleinen Formaten tendiere.“ Großflächige Arbeiten sind eine körperliche Anstrengung, besonders für Richard, der seit seiner Jugend einen kaputten Rücken hat. Er bemalt Wände freihändig, ohne Raster, mit zwei Meter langen Pinseln. „So behält man den Überblick.“

Richaâârds größtes Werk auf der Louisenstraße. In Rekordzeit entstanden.

Richaâârds größtes Werk auf der Louisenstraße. In Rekordzeit entstanden.

Richaâârds Ideen entstehen nachts, im Traum oder nach dem Kneipenbesuch und werden schnell aufgeschrieben. Auf der Wand überlässt Richard der Idee die Kontrolle. Er malt schnell – ein Grund für viele seiner Aufträge. Anfangs beschäftigte er sich mit Gedichten und visueller Poesie und fand darüber den Weg zur Malerei. Sein Stil, sollte man ihn beschreiben, ist wohl am ehesten eine Mischung aus Niki de Saint Phalle und Keith Haring. Verspielt, spontan, dynamisch, teils grotesk,  fröhlich. Der Schwung ist wichtig, er erzeugt Freude. Und Komik. „Wenn ein Werk nach Schweiß stinkt, geht die Komik weg.“

Richaâârd ist Autodidakt. Seine Entwicklung hat ohne Studium länger gedauert, war möglicherweise aber auch freier, wie er sagt. Er verließ ohne Abitur die Schule und wollte Friseur werden. Das blieb ihm wegen seines Rückenleides verwehrt. Stattdessen studierte er Kulturwissenschaften an der Fachschule für Clubleiter in Meißen. Er landete im Bezirkskulturhaus Dresden Süd und betreute die Galerie. Georg Sacher, ein befreundeter Künstler, von dem Richaâârd ein Bild kaufen wollte, bot ihm ein Tauschgeschäft an. Mein Werk gegen deins. Der Anlass für ein „künstlerisches Outing“ und der Start seiner Laufbahn, denn bis dahin hatte Richaâârd seine eigenen künstlerischen Betätigungen verschwiegen.

Inspirationen findet Richaâârd in der frühchristlich-byzanthinischen Periode. Er sieht in dem flächig-ornamentalen Stil Parallelen zu seiner eigenen Kunst. Provokative Performances hat er hinter sich gelassen. „Aus dem Alter, wo ich Leute erschrecken wollte, bin ich raus.“ Obwohl er weiß, dass es „gelegentlich Sinn macht, Leuten eine Ohrfeige zu geben.“ Was selbstverständlich im übertragenen Sinn zu verstehen ist. Und was ermutigt zum Weiterarbeiten, auch in Zeiten, in denen die Auftragslage schlecht ist?  „Eine Kunstlandschaft wird durch die Vielfalt der Menschen bereichert. Und sowas wie mich habe ich hier noch nicht gesehen.“

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16 Kommentare für “Sowas wie mich hab ich noch nicht gesehen

  1. Ali Mente
    20. Juni 2014 um 11:23

    wieder viel zu langatmig

    Ali

  2. Philine
    20. Juni 2014 um 11:49

    Musst es ja nicht lesen, wenn es dich überfordert. Wir haben auch noch die Kleinanzeigen!

  3. spacke
    20. Juni 2014 um 13:13

    Feiner Artikel, Philine!

    mfG ;o)

  4. Jens- Peter
    20. Juni 2014 um 13:26

    Kunst liegt ja bekanntlich im Auge des Betrachters. Und Kunst, die dem Betrachter gefällt, die kauft er auch, weil sich Qualität eben durchsetzt. Da könnte der Kollege mal drüber kontemplieren.

  5. 20. Juni 2014 um 13:44

    @Jens-Peter: Ich möchte nicht in einer Welt leben, in der Künstler nur Kunst schaffen, die dem Betrachter gefällt. Das ist eine sehr gruselige Vorstellung.

  6. Jens- Peter
    20. Juni 2014 um 14:01

    @Anton Launer: Das wollte ich damit nicht sagen. Ich meinte das eher im Bezug auf den subtilen Hinweis, das Künstler ab 40 nicht mehr staatlich gefördert würden- als ob es für uns unter 40jährigen Kunstschaffenden sonstwie einfach wäre, an Förderung zu kommen! Und auch wenn ich weiß, daß man über Geschmack nicht zu streiten braucht: das Bild über dem AsiaJeff- Grafitti finde ich schon immer grausig, inhaltlich wie qualitativ. Diesbezüglich hinkt auch der Vergleich mit Niki de Saint Phalle und Keith Haring.

  7. Seldon
    20. Juni 2014 um 14:07

    @Jens-Peter: „sich verkaufen“ und „Qualität“ hat wohl kaum etwas miteinander zu tun. Etwas herstellen, um es zu verkaufen, nichts mit Kunst! Das ist maximal Kunstgewerbe! Eine zig-tausendfach verkaufte Auflage von…sagen wir…“Biss zum Morgengrauen“ ist sicher kaum als Kunst zu bezeichnen, im Gegensatz vllt. zu ein paar hundert …z.B. … Medusen

  8. g.kickt
    20. Juni 2014 um 14:56

    @philine:
    Ich finde deine Beiträge weitaus gelungener als die deines Chefs…
    Da steckt schon bissel mehr Sprachgefühl hinter, das bereichert.
    Danke.
    @Jens- Peter:
    Danke für die Neiddebatte! („als ob es für uns unter 40jährigen Kunstschaffenden sonstwie einfach wäre, an Förderung zu kommen!“)
    Die Frage ist keinesfalls ob Du das für dich und deine Altersgenossen für Einfach hältst, sondern OB diese Grenze in irgendeiner Hinsicht Sinn macht.
    Aber Danke für Deine Ich-Bezogenheit! Von solchen wie Dir brauchen wir noch viel mehr….

  9. nepumuk
    21. Juni 2014 um 00:02

    also ich finde antons texte zumeist sehr gut und ich weiß, dass er sich mühe gibt, möglichst ausgewogen und professionell zu schreiben. kritiker sollten bedenken, dass anton ein wesentlich größeres arbeitspensum zu absolvieren hat und dadurch der zeitaufwand beschränkt bleiben muss. ausserdem ist anton noch anderweitig tätig. philine hingegen ist hier quasi geringfügig beschäftigt und kann sich viel zeit nehmen. sie muss/möchte sich sicher auch besonders gut präsentieren, um wahrgenommen und positiv aufgenommen zu werden. also alles gut und völlig normal. vergleiche der texte sind echt mehr als dämlich. vielmehr dank an alle, die das hier täglich ermöglichen.

  10. Ali Mente
    21. Juni 2014 um 09:52

    Hallo Philine, wie soll man die Qualität eines Autors beurteilen, wenn man dessen Beitrag nicht liest ?
    Ich erkenne aus Deiner leider unqualifizierten Antwort nur eine kleine beleidigte Leberwurst. Wenn man sich in der Öffentlichkeit als Autor versucht, kann naturgemäß nicht jeder dieses gut finden.
    Genau aus diesem Grund werde hier weiter meine freie Meinung äußern.
    Ein wunderschönens Wochenende

    Gruß Ali

  11. krz
    21. Juni 2014 um 12:55

    @ Ali: Wer hat dir vorgelogen, dass sich jemand für deine Meinung in Fragen des Geschmacks interessiert? Warum ist es dir augenscheinlich so ein dringendes Bedürfnis die Artikel der weiblichen Autoren mit substanzloser Pseudokritik zu versehen?
    Persönliche Animositäten oder klassische Trollerei?
    Besten Gruß

  12. Philine
    21. Juni 2014 um 19:32

    Huhu Ali, klar kannst du äußern. Solang du es kurz hälst ;) Ich wollte nur, dass es für dich weiterhin nicht zu enttäuschend läuft, denn meine Beiträge haben in der Regel um die 500 bis 600 Wörter – besonders, wenn es sich um ein Portrait handelt. Um dir zu beweisen, dass ich keinesfalls beleidigt bin, hab ich dir ja den Kleinanzeigentipp gegeben. Dein Leserwohl liegt mir sehr am Herzen!

  13. nike
    21. Juni 2014 um 21:27

    ich finde den Artikel gut geschrieben und habe ihn sehr amüsiert gelesen, denn ich habe ihn gelesen ;)

  14. ...
    22. Juni 2014 um 14:12

    Anderen vorschreiben, wie und wann sie ihre Meinung äußern dürfen bzw ob sie die diese Meinung überhaupt haben dürfen – warum zieht ihr nicht gleich wieder ein 3.Reich auf, da passt euer Verhalten so richtig schön hin!
    Ali, deine Meinung zu äußern kann dir keiner verbieten!

    Wenn man schon beim ersten Hingucken von falsch verwendeten Stilmitteln erschlagen wird, kann es beim Lesen nicht besser werden! Und wie soll der Schreiber sich verbessern, wenn es verboten ist zu sagen, was nicht passt?! Ach nee, Philline will gar nicht besser werden, sie fängt lieber wie immer sofort an rumzuheulen und blödes Zeug zu quatschen (Anton übrigens auch)! Kritik ist hier unerwünscht!

  15. josen
    22. Juni 2014 um 20:06

    welche gedanken stecken nun hinter dem asiajeff? wer war das und warum überhaupt?

  16. oha
    22. Juni 2014 um 21:00

    Einfach mal nen Beitrag von Philline einstellen, bei welchem Anton als Autor angegeben ist…Mal schauen ob es Ali merkt!?

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