Der Mann mit den Gummis

Lässig lehnt er sich zurück. Dann beugt er sich wieder vor, spricht leise, aber eindringlich. Guram Dobrindt leitet gerade die Dienstberatung in seinem Café „Combo“ auf der Louisenstraße. Die vielen, ausgesprochen hübschen, Kellnerinnen sitzen um ihn herum. Sie scheinen an seinen Lippen zu kleben. Mit Engelsgeduld erklärt er, warum man manche Dinge einfach nicht in die Spülmaschine stellt. Dann lächelt er wieder, etwas in sich hinein.

Gummibärchen, Kaffee, Guram
Gummibärchen, Kaffee, Guram
Der Kaffeehausbesitzer kann auf eine Berg- und Talbahn durch die Neustädter Geschäfte zurückblicken. Erst war er Kellner im Schloss Eckberg, dann Fahrlehrer, dann traf er Dirk Rabe. Mit dem wollte er in Cottbus ein Lädchen eröffnen. Zum Glück klappte das nicht, aber Rabe hatte gleich einen neuen Plan: die Groovestation stand vor der Geburt.

„Das ist ein geiles Konzept, da mache ich mit“, sagte sich Guram und war dabei, ohne zu wissen was er tut. Dann spielte noch ein gewisser Herr Michael Leudolph eine Rolle, der später mit einem gewissen Herrn Andreas Preuß Grillwürstchen verkaufen sollte. Aber das würde jetzt zu weit führen.

Michael und Guram kamen auf die Idee, Kondome zu verkaufen und weil es so gut dazu passt, stellten sie noch ein paar Comic-Heftchen dazu. „Mit einem Meter Comics haben wir angefangen“, erzählt Guram und grinst, Ahnung hatten sie keine. Das war 1995. Doch das Geschäft entwickelte sich. Nun musste man raus aus dem Hinterhof, rein in die vorderste Front.


Anzeige

Palais-Sommer

Die Alaunstraße kam gerade recht. Dort wo heute das „Xanadu“ Damenträume erfüllt, boten sie Comics und Gummi-Überzieher feil, der Name „Condomi“ war inzwischen etabliert. Der nächste Umzug folgte in die Alaunstraße 19. Hier wird heute geschnippelt und gepflegt. Mit Guram gab es Kaffee, Kondome und Bildergeschichten – er hatte für alles einen Namen: „Condomi“, „Comicaze“, „Combo-Coffeinbar“ – so hieß das kleine Kaufhaus dann auch CO³. Doch um die Jahrtausendwende veränderte sich der Comicbuchmarkt, das Geschäft war nicht mehr so attraktiv, das CO³ fast nur noch Café und dann wurde es auch noch feucht.

Mit der Jahrhundertflut starb das CO³ und Guram stand vor einem Berg Schulden. Gut, dass der Mondpalast gerade einen Barchef suchte. Von dort fiel sein begehrlicher Blick auf den ehemaligen Schreibwarenladen gegenüber, der stand leer und aus den Räumen könnte man doch ein super Café machen.

Der Plan war klar: Hier wird das Combo reanimiert. „Ich mache einen Laden fürs Viertel mit Personal aus dem Viertel“, sagt Guram. Und heute ist das „Combo“ auch ohne Internetpräsenz und Werbeanzeigen aus der Neustädter Kaffeehauskultur nicht mehr weg zu denken. Und das liegt garantiert nicht nur an den Gummibären, die zu jedem Käffchen gereicht werden.

Café Combo

  • Combo auf Facebook
  • Louisenstraße 66, 01099 Dresden
  • Öffnungszeiten: Montag bis Donnerstag 8 Uhr bis Mitternacht, Freitag 8-1 Uhr, Sonnabend 10-1 Uhr, Sonntag 10 Uhr bis Mitternacht
Guram im Kreise seiner Mitarbeiter
Guram im Kreise seiner Mitarbeiter

10 Kommentare zu “Der Mann mit den Gummis

  1. …statt auf die Schönheit der Kellnerinnen sollte in der Combobar vielleicht einmal mehr auf deren Kompetenz geachtet werden – damit meine ich Freundlichkeit & Aufmerksamkeit.
    Diese ließ bei meinen Besuchen (und auch bei Bekannten) mehrere Male sehr zu wünschen übrig.

  2. Leute, die sich über das Combopersonal aufregen, waschen bestimmt auch ihre Joghurtbecher aus und popeln nicht, selbst wenn sie allein im Raum sind.

  3. ja ja ja – abhängen, sich räuspern, tief luft holen – über die kellnerinen (unerreichbar to the sky) sollte ich mal eine kolumne schreiben…

  4. Mein Tag beginnt im combo und das schon seit der Eröffnung. Für mich das beste gemütlichste cafe der Neustadt. Für 1,20 eur bekomme ich einen total leckeren Kaffee und kann dazu gemütlich Zeitung lesen. Wurde bis jetzt immer freundlich bedient und bekomme meinen Kaffee schon ohne zu bestellen. Ps: Das combo macht schon um 8 uhr auf :)

  5. @johanna: das eine schließt das andere ja nicht prinzipiell aus ;)
    Allerdings finde ich es sehr komisch, dass das im Artikel so steht…
    Aber gut, das unterstützt nur die Außenwirkung, die der Artikel an der Stelle hervorruft. Der Herr Chef inmitten seines Harems (Achtung: Übertreibung) von hübschen Frauen, die für ihn arbeiten…
    Ich mag die Artikel meist. Den finde ich tatsächlich nicht so gelungen, aber ist ja auch nicht schlimm :)

Kommentieren gern, aber bitte recht freundlich.

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.