Der Mann mit den Gummis

Gummibärchen, Kaffee, Guram

Gummibärchen, Kaffee, Guram

Lässig lehnt er sich zurück. Dann beugt er sich wieder vor, spricht leise, aber eindringlich. Guram Dobrindt leitet gerade die Dienstberatung in seinem Café „Combo“ auf der Louisenstraße. Die vielen, ausgesprochen hübschen, Kellnerinnen sitzen um ihn herum. Sie scheinen an seinen Lippen zu kleben. Mit Engelsgeduld erklärt er, warum man manche Dinge einfach nicht in die Spülmaschine stellt. Dann lächelt er wieder, etwas in sich hinein.

45 Jahre wird der Kaffeehausbesitzer in diesem Jahr alt und er kann auf eine Berg- und Talbahn durch die Neustädter Geschäfte zurückblicken. Erst war er Kellner im Schloss Eckberg, dann Fahrlehrer, dann traf er Dirk Rabe. Mit dem wollte er in Cottbus ein Lädchen eröffnen. Zum Glück klappte das nicht, aber Rabe hatte gleich einen neuen Plan: die Groovestation stand vor der Geburt. „Das ist ein geiles Konzept, da mache ich mit“, sagte Guram und war dabei, ohne zu wissen was er tut. Dann spielte noch ein gewisser Herr Michael Leudolph eine Rolle, der später mit einem gewissen Herrn Andreas Preuß Grillwürstchen verkaufen sollte. Aber das würde jetzt zu weit führen.

Michael und Guram kamen auf die Idee, Kondome zu verkaufen und weil es so gut dazu passt, stellten sie noch ein paar Comic-Heftchen dazu. „Mit einem Meter Comics haben wir angefangen“, erzählt Guram und grinst, Ahnung hatten sie keine. Das war 1995. Doch das Geschäft entwickelte sich. Nun musste man raus aus dem Hinterhof, rein in die vorderste Front. Die Alaunstraße kam gerade recht. Dort wo heute das „Xanadu“ Damenträume erfüllt, boten sie Comics und Gummi-Überzieher feil, der Name „Condomi“ war inzwischen etabliert. Der nächste Umzug folgte in die Alaunstraße 19. Hier wird heute geschnippelt und gepflegt. Mit Guram gab es Kaffee, Kondome und Bildergeschichten – er hatte für alles einen Namen: „Condomi“, „Comicaze“, „Combo-Coffeinbar“ – so hieß das kleine Kaufhaus dann auch CO³. Doch um die Jahrtausendwende veränderte sich der Comicbuchmarkt, das Geschäft war nicht mehr attraktiv, das CO³ fast nur noch Café und dann wurde es auch noch feucht.

Mit der Jahrhundertflut starb das CO³ und Guram stand vor einem Berg Schulden. Gut, dass der Mondpalast gerade einen Barchef suchte. Von dort fiel sein begehrlicher Blick auf den ehemaligen Schreibwarenladen gegenüber, der stand leer und aus den Räumen könnte man doch ein super Café machen. Der Plan war klar: Hier wird das Combo reanimiert. „Ich mache einen Laden fürs Viertel mit Personal aus dem Viertel“, sagt Guram. Und nach nun mehr als zehn Jahren ist das „Combo“ auch ohne Internetpräsenz und Werbeanzeigen aus der Neustädter Kaffeehauskultur nicht mehr weg zu denken. Und das liegt garantiert nicht nur an den Gummibären, die zu jedem Käffchen gereicht werden.

  • Combo
    Louisenstraße 66
    Öffnungszeiten: täglich 8-2 Uhr
Guram im Kreise seiner Mitarbeiter

Guram im Kreise seiner Mitarbeiter

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9 Kommentare zu “Der Mann mit den Gummis

  1. 8. Februar 2014 at 13:27

    Hoffentlich wird’s die Combobar ewig geben.

  2. Johanna
    8. Februar 2014 at 18:34

    …statt auf die Schönheit der Kellnerinnen sollte in der Combobar vielleicht einmal mehr auf deren Kompetenz geachtet werden – damit meine ich Freundlichkeit & Aufmerksamkeit.
    Diese ließ bei meinen Besuchen (und auch bei Bekannten) mehrere Male sehr zu wünschen übrig.

  3. Pingelliese
    8. Februar 2014 at 19:03

    Leute, die sich über das Combopersonal aufregen, waschen bestimmt auch ihre Joghurtbecher aus und popeln nicht, selbst wenn sie allein im Raum sind.

  4. bad boy
    8. Februar 2014 at 19:21

    ja ja ja – abhängen, sich räuspern, tief luft holen – über die kellnerinen (unerreichbar to the sky) sollte ich mal eine kolumne schreiben…

  5. David
    8. Februar 2014 at 19:41

    Mein Tag beginnt im combo und das schon seit der Eröffnung. Für mich das beste gemütlichste cafe der Neustadt. Für 1,20 eur bekomme ich einen total leckeren Kaffee und kann dazu gemütlich Zeitung lesen. Wurde bis jetzt immer freundlich bedient und bekomme meinen Kaffee schon ohne zu bestellen. Ps: Das combo macht schon um 8 uhr auf :)

  6. christoph
    8. Februar 2014 at 19:58

    echt?? was is den mit den Kellnerinnen? sind die in ner Gewerkschaft?

  7. Oliver
    8. Februar 2014 at 20:05

    Mit dem Blumenau gegenüber mein Lieblingscafe!
    Krasse Karriere – beeindruckendes Stehaufmännchen

  8. 8. Februar 2014 at 21:17

    Danke David, hab es korrigiert.

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