Ein Gespräch über Sets ohne Plan und ein Album ohne festes Konzept

Drei Wörter, die deine Musik beschreiben?
„Elektronisch, queer, konzeptlos.“
Gemeint ist damit kein Chaos, sondern ein bewusst offener Ansatz: Sets, die sich im Moment entwickeln. Zwischen klarer Linie und kompletter Freiheit, zwischen Druck und Pop.
Was heißt das konkret?
„Meine Sets entstehen oft spontan. Der Fokus liegt auf dem Mixing – die Übergänge sind das Wichtigste. Die Trackauswahl passiert teilweise wirklich live. Ich habe eine Richtung, aber ich lege mich nie komplett fest.“
Stilrichtung?
Musikalisch bleibt sie im elektronischen Raum, auch wenn Einflüsse von außen immer wieder durchscheinen. Deutschpop oder Rock tauchen eher selten auf – nicht aus Prinzip, sondern weil es sich oft nicht richtig einfügt.
Dass Unerwartetes trotzdem funktionieren kann, zeigt ein Moment, der hängen geblieben ist:
„Jingle Bells“ auf einem Stadtfest im Juni. Und die Crowd geht mit. Genau diese Brüche sind es, die ihre Sets ausmachen.
Spielst du eher für dich oder fürs Publikum?
„Eher für mich selbst – aber ich verliere die Crowd nicht aus dem Blick. Wenn ich merke, dass etwas gebraucht wird, greife ich auch mal bewusst zu Mainstream.“
Dresdner Clubszene?
Die Dresdner Clubszene beschreibt sie als konstant, aber stellenweise auch monoton. Viele Nischen seien bereits besetzt, echte Überraschungen eher selten. Geprägt haben sie vor allem ihre Anfänge in der Boys Bar und Orte wie die Gisela. Auch andere Dresdner DJs hätten ihren Sound beeinflusst – Spuren davon finden sich inzwischen auch in ihren eigenen Releases.
Abseits von Club und Produktion ist ihr Alltag ruhiger: aufstehen, Badewanne, Rechner. Musik hört sie privat kaum noch unvoreingenommen – der Blick ist immer auch analytisch. Funktioniert der Track im Club? Könnte er im Set landen?
Was sie weitergeben will, ist dabei klar:
Spaß an Musik, Offenheit für neue Genres – und Aufmerksamkeit für Acts, die sonst untergehen, besonders feministische Künstlerinnen.
Und warum sollte man reinhören?
„Einfach machen – und Mut haben, den eigenen Sound zu finden.“
Album: „Shades“
Mit „Shades“ hat Lara Liqueur ihr zweites Album veröffentlicht. In 15 Tracks bewegt sie sich zwischen Club-Sound und Pop-Einflüssen, ohne sich klar festzulegen.
Ein klassisches Konzept steht dabei nicht im Vordergrund – eher ein Gefühl: vielseitig, direkt, nah am Moment.
Wie ihre Sets wirkt auch das Album weniger abgeschlossen als bewusst offen gedacht – eine Momentaufnahme, die sich nicht festschreiben will.

Lara Liqueur
Über den Autor
Der Dresdner Fotograf Johannes Haupt nimmt in unregelmäßigen Abständen Dresdner Musikerinnen, Musiker und Bands vor die Linse. Auf diversen Konzerten kann man ihn in der Nähe der Bühne sehen. Heraus kommen wunderbare Eindrücke von Live-Auftritten. Seit einer Weile hat Johannes, der hauptberuflich als Krankenpfleger in der Notaufnahme arbeitet, sein Portfolio um Porträts erweitert. Dafür trifft er Musiker abseits der Clubs und interviewt sie. Das Neustadt-Geflüster wird in unregelmäßigen Abständen diese Interviews hier veröffentlichen.
- Johannes Haupt betreibt zwei Instagram-Kanäle: Auf www.instagram.com/haupt_motiv gibt es sein komplettes Portfolio zu sehen, die Interviews veröffentlicht er auf www.instagram.com/sounddcheck



















