In der Nacht vom 3. zum 4. September haben Aktivist*innen des Widerstands-Kollektivs einen Zebrastreifen auf die Charlottenstraße gemalt. Er befindet sich auf Höhe der Angelikastraße. Mit der Aktion will die Gruppe auf fehlende sichere Querungsmöglichkeiten aufmerksam machen.

An der Charlottenstraße gibt es derzeit als Querungshilfe eine Mittelinsel, außerdem ist auf der Charlotten- und der angrenzenden Heideparkstraße von 7 bis 16 Uhr Tempo 30 angeordnet. Im Viertel rund um die Angelikastraße gilt ganztägig eine Tempo-30-Zone. An der nördlichen Seite der Charlottenstraße stehen Lenkungsgitter, die Fußgänger*innen den Weg zur Verkehrsinsel weisen sollen.
Die Querung der Charlottenstraße ist nach Einschätzung der Aktivisten ein wichtiger Weg für Familien im Viertel rund um das Waldschlößchenareal. In der Umgebung befinden sich die 19. Grundschule am Jägerpark, das Kinderhaus am Jägerpark und die Kindertagesstätte „An der Dresdner Heide“. Viele Kinder und Eltern sind dort täglich unterwegs.
Bei einer Begutachtung vor Ort ließ sich feststellen, dass Autofahrer*innen auf den aufgemalten Zebrastreifen nicht so reagierten, wie es die StVO in Paragraph 26 vorsieht. In einer kurzen Stichprobe stellte der Autor fest, dass die PKW weder die Geschwindigkeit verringerten noch beim offenkundigen Querungswunsch anhielten. Dabei reichen die aufgebrachten Streifen eigentlich aus, um den Fußgängerüberweg zu markieren. Das Schild (Richtzeichen 350) kann, muss aber nicht, zusätzlich aufgestellt werden.
Vermutlich wird die Stadtverwaltung in Kürze die illegal aufgebrachten weißen Streifen entfernen lassen. So ist es seinerzeit auch bei dem aufgemalten Überweg am Bischofsweg geschehen. Falls sich die Streifen, wie damals an der Glacisstraße, nicht entfernen lassen, wird vermutlich der Übergang für Fußgänger*innen gesperrt.

Forderung besteht seit 2021
Bereits 2021 befasste sich der Stadtbezirksbeirat Neustadt mit einer Liste möglicher Standorte für Zebrastreifen. Darin waren zwei Querungsmöglichkeiten auf der Charlottenstraße vorgesehen. Einer der vorgeschlagenen Standorte befand sich auf Höhe der Angelikastraße. Die damalige Initiative sollte Wege für Kinder sicherer machen und ihre selbstständige Mobilität fördern (Neustadt-Geflüster vom 15. Juni 2021).
„Nach fünf Jahren gibt es immer noch keine Lösung. Gerade bei Schul- und Kitawegen darf es nicht zu langwierigen, erfolglosen Prüfverfahren kommen. Die Verkehrsinsel ist durch die lange Gerade sehr gut einsehbar und eignet sich bestens für einen Zebrastreifen. Deshalb haben wir ihn nun selbst gemacht“, erklärt nun die Gruppe Widerstands-Kollektiv.
Kollektiv fordert Verkehrsberuhigung
„Wir können nicht nachvollziehen, warum die Verwaltung besonders vulnerablen Verkehrsteilnehmenden mehr Sicherheit im Straßenverkehr verwehrt“, heißt es in einer Pressemitteilung der Gruppe. In Zeiten von mehr und größeren Autos denn je brauche es eine Verkehrsberuhigung. „Da die Stadt ihrer Verantwortung nicht nachkommt, nehmen wir die soziale und ökologische Verkehrswende selbst in die Hand und laden alle anderen dazu ein, dies ebenfalls zu tun“, so die Gruppe.
Das Kollektiv kritisiert die Dauer von Verfahren in der Dresdner Verkehrspolitik. Nach Darstellung der Gruppe vergehe zwischen dem Erkennen einer Gefahrenstelle und der Umsetzung von Maßnahmen häufig viel Zeit. Während Prüfungen laufen, Zuständigkeiten geklärt und Prioritäten neu sortiert werden, bestehe die bisherige Verkehrssituation für Kinder, Familien und ältere Menschen fort.
Widerstands-Kollektiv entstand 2025
Das Widerstands-Kollektiv gründete sich Ende Februar 2025. Es ist eines von zwei Nachfolgeprojekten der Letzten Generation. Im Mittelpunkt steht nach eigenen Angaben gerechter Klimaschutz.
Das Projekt betrachtet die Klimakatastrophe als soziale, ökologische und demokratische Krise. Statt Druck auf die Regierung auszuüben, will das Kollektiv selbst aktiv werden. Dabei setzt es nach eigenen Angaben an Orten an, an denen es Zerstörungen und Ungerechtigkeiten sieht. Dafür nutzt die Gruppe verschiedene Protestformen.
Polizei ermittelt
„Die Existenz der Streifen wurde uns um 7.15 Uhr gemeldet“, sagt Polizeisprecher Lukas Reumund auf Nachfrage. Die Polizei ermittle nun wegen gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr und Sachbeschädigung. Außerdem habe man den Sachverhalt an das Straßen- und Tiefbauamt weitergeleitet, das sich nun um die Beseitigung kümmern muss.
























