Leute machen Kleider – Das Louisen Kombi Naht

Das Louisen Kombinaht (unvollständig)
Das Louisen Kombinaht (unvollständig)
Das glücklichste Leben führen Menschen, die ihrem inneren Kompass, dem kleinen Stimmchen gefolgt sind. Diese These stützen zum großen Teil die Ladenbesitzer unserer Neustadt-Originale. Dabei geht das innere Irrlicht manchmal verschlungene Pfade, auf denen man dicht an ihm dranbleiben muss. Kristina, Schöpferin des Labels Stoffmassaker und Mit-Initiatorin der kulturellen Ladestation Louisen Kombinaht, studierte in Marburg Politikwissenschaft, bis sie der Geist ihrer Kindheit heimsuchte. Sie ist eng mit dem Louisen Kombinaht verstrickt, obwohl sie den Laden nicht auf ihre Person reduziert sehen will – alle gehören dazu, von Barbara bis Dietlinde.

Klein-Kristina, erzählt Groß-Kristina, liebte schon als Dreijährige den Ottokatalog und nahm die angepriesenen Kollektionen nicht als gegeben hin. Mehr Schleifchen, mehr Farbe schwebten ihr vor. Später verließ sie den vorbereiteten Berufs-Highway und bog auf den Ku’damm zum Modepraktikum ab. Aber die Ellebogen und Nadelkissen der karriereorientierten Designer-Gilde waren ihr zu stachelig. Bei einem Praktikum in einer kurdischen Änderungsschneiderei bekam sie einen Einblick in die Kreativität des Handwerks: aus abgetragenen Klamotten neue zusammen kreieren, ihre ursprüngliche Form in eine andere verwandeln und dabei der Geschichte von Träger und Stoff Respekt zollen. Ihr ersten Stücke waren demzufolge ein Abendkleid aus Blaumännern und ein Hochzeitskleid aus Metzgerjacken – letzteres ein Auftragswerk.

was hier passiert, hat Hand und Fuß
was hier passiert, hat Hand und Fuß
In der Neustadt fand Kristina einen Ort für ihre Idee und gründete mit nur acht fertig genähten Kleidern auf der Prießnitzstraße einen Laden ohne Namen. Jeder Designer sollte dort die Möglichkeit haben auf neutralem Boden seine Werke auszustellen und zu verkaufen. „So wie DaWanda, nur schräger“, sagt Kristina. Ihre damalige WG unterstützte sie und auch die Bewohner um das Lädchen herum wurden integriert. „Ich wollte nicht, dass das Haus ein anonymer Ort bleibt. Der Begriff ‚hippes Szeneviertel‘ gefiel mir nicht, er war zu kurzlebig. Ich wollte das Handwerk in den Mittelpunkt stellen. Dazu gehören auch ältere Generationen, die stricken, nähen, klöppeln können.“ Eine feste Basis war das Ziel.Bald wurde das Atelier zur lustigen Handarbeitskammer: besonders fingerfertige Dämchen aus der Altstadt kamen mit Strick und Faden zu den regelmäßigen Kreisen. Man saß zusammen, unterhielt sich, erzählte Geschichten vom Krieg und vom Leben und gab Maschen-Tricks an „die Jugend“ weiter.

So entspann sich ein kleines sozio-kulturelles Netzwerk, das schließlich Louisen Kombi Naht getauft und auf gleichnamige Straße verlagert wurde. Fünf Schneiderinnen und eine „Projektmanagerin“ arbeiteten gemeinsam an Kollektionen und Aktionen. Der friedlich „einmaschierte“ Panzer vor dem Militärhistorischen Museum war ihr Werk, frei nach dem Motto „Auf ins Geflecht!“. Zur Zeit allerdings steckt das organische Gebilde Louisen Kombi Naht mitten in einer Metamorphose. Einige Mitstreiterinnen sind in die Babypause oder in ihre Berufe verschwunden, kurzzeitig stand der Laden sogar im Fadenkreuz der Pleite. Doch eine engagierte Kundin trommelte neue Mitglieder zusammen. Im vorderen Raum wird weiter genäht und gestrickt, im hinteren Teil haben sich kreative Köpfe der Kulturarbeit ihre Werkstätten eingerichtet, einer davon der ehemalige Scheune-Leiter Magnus Hecht.

Das Kombinahts-Innenleben
Das Kombinahts-Innenleben
Während Kristina erzählt, passieren Kunden und Freunde den Laden. Es wird gegrüßt und geplauscht. Ob das Kleid auch getragen werde? Ein privater Catwalk über den Gehweg wird für den nächsten Tag angesetzt. Vor dem Foto scheut sich Kristina, entspricht sie allein doch nicht dem Kombinahts-Konzept. Wir denken uns also eine stoffverwandte Patchwork-Gemeinschaft dazu und wünschen weiter viel Energie beim Fertigen des Stoffs, aus dem die Träume sind.


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Informationen und Öffnungszeiten

  • Louisen Kombi Naht, Louisenstraße 72
  • Donnerstag bis Freitag 11 bis 20 Uhr, Sonnabend 10 bis 14:30 Uhr
  • im Internet zu erreichen unter www.louisenkombinaht.de

8 Kommentare zu “Leute machen Kleider – Das Louisen Kombi Naht

  1. Was war denn heute gegen 17:45Uhr auf der Kami los? Ein Haufen Polizeiautos und eine gesperrte Straße…Anton – zu Hülf…

  2. Hey Lolli,

    auch wenns hier wirklich unter den ehrbaren Artikel nicht hingehört, die Louisen Kombi NäherInnen haben es sogar bis in die indianische Regionalpresse in den Rocky Montains geschafft mit ihrem Maschenwerk!

    Wahrscheinlich hatten sich die Ordnungshüter verfahren: zeitgleich hatte der Baggerfahrer und derzeit Liebling aller Neustadtkinder auf der Bautzi die Hauptwasserleitung angebaggert, was den fetzigsten Springbrunnen aller Zeiten im Ortsbereich erzeugte. Mein Sohn war jedenfalls schwer begeistert und schlug dem sprachlosen Baggerfahrer spontan vor, Seepferdchen ins Frischwassermeer einzusetzen, während ich die sprudelnde Quelle beargwöhnt habe, denn sie unterspülte Teile der schwerbefahrenen Straße… :-) War also für alle Spezialisten was dabei.

    Fazit: Zusammenzunähen scheint es immer was zu geben und das ist gut so. Dem Kombinaht jedenfalls wünsche ich viel Erfolg, feine Idee!

  3. Noch ein kleiner Nachtrag: im Thalia läuft zur Zeit der „Geflechtsbericht“. Ein Film von Julia Thielke und David Campesino über den eingestrickten Panzer vor dem Militärhistorischen Museum :)

  4. Philine ! Kann man mit dem eingestrickten bunten Panzer auch mal paar Runden „drehen“ ? Würde gern mal über die Panzerpiste Königsbrücker „rollen“ wollen.Das wäre doch der Hingucker.Ausländische Presse wäre auch vor Ort und die Königsbrücker Strasse inklusie links und rechts angeschlossenem Neustadtviertel wäre auch gleich in der Weltpresse.Kämen dann sicherlich auch mehr Amis zu uns,wenn so ein Foto in der „New York Times“ abgedruckt würde,weil die dächten ,ha wie bei uns.Überall großkalibrige Panzer.Fast wie zuhause.Nur Lars kuckt aus dem Turm und ohne Panzer-Führerschein.Egal,es ginge nur um Publicity.Um den Tunnel unter der Königsbrücker.Damit die Kinder,Frauen und Omas wieder sicher über diese Strasse rüberkönnen und es nicht mehr so nach Benzin stinkt.Denn den Gestank hat man nämlich vergessen bei der Planung.Nennt sich Feinstaub.Also nach Sanierung noch viel mehr Feinstaub.Da würden doch dann sogar die Bäume,Hecken und begrünten Gleise eingehen,welche die GRÜNEN noch „anbringen“ wollen bei ihrem wohl nächsten Fahrradtreffen da.Oder treffen die sich nicht mehr zur Fahrradblokade der Königsbrücker.Besser wäre,hier paar gestrickte Panzer hintereinander auf die Strasse zu stellen.Da wäre das Problem gelöst mit Sanierung und so.Will doch eh keiner machen.Wers glaubt,glaubt auch,das die Bundeswehr in allen Farben und Maschen gestrickte Panzer unterhält.Und den Sowjetstern nicht vergessen draufzunähen als gelungene Symphonie der Strickmaschenverdrähte !

Kommentieren gern, aber bitte recht freundlich.

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