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Das Ziel rückt näher

„Älter werden als die DDR!“ Dies war einst das Ziel, so erklärt Norman Sharp am Vorabend zum 32. Geburtstag von ZentralOHRgan, dem Urneustädter Plattenladen, seit Jahren auf der Louisenstraße 22 ansässig, der am Sonnabend gehörig gefeiert wird.

32 Jahre ZentralOHRgan
32 Jahre ZentralOHRgan – Foto: Christine Starke

Der Dresdner des Jahrgangs 1967 erfüllte sich mit der Wende seinen Traum vom eigenen Vinylladen und eroberte – damals noch gemeinsam mit drei Partnern – einen Laden im Hinterhof in der Lutherstraße. Am 4. Dezember 1990 ward eröffnet, am 3. Dezember 2022 wird das zweiunddreißigste Ladenjubiläum gefeiert. „Ab 11 Uhr sind wir vor Ort, ab 17 Uhr ist der reguläre Samstagsbetrieb zu Ende und ab 18 Uhr gibt Sugar Ko:ma allen gehörig was auf die Ohren“, so lautet die lapidare Ansage.

Die Band selbst lädt ihre Fans „statt Abendbrot“ wie folgt vor: „Der Sandmann fällt auch aus. Danach kann eh keiner schlafen. […] Also bis 17 Uhr Platten kaufen, 18 Uhr Konzert und dann Party oder Nachtschicht.

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Konstante im Wandel

Nun ist de facto seit der Wende der stete, manchmal auch arg rasche Wandel in der Äußeren Neustadt ein steter Begleiter, die Zahl der Variablen steigt mählich. So freut man sich dann umso mehr über die treuen Konstanten. Zumal man hier – bei inhabergeführten Einzelhandel meist typisch – auch Gespräche über den Stand der Kunst und der Welt führen kann. Dazu kommt ein gewisses Maß an speziellen Humor, gepaart mit trockener Selbstironie.

So antwortet jener, den man Nermal nennt, auf die natürlich seltsame Frage, wie lange man vermutlich brauchen würde, wenn man alle verschiedene Musik in seinem Laden am Stück hören würde: „Ein halbes Jahr? Erinnert allerdings an die Brauerei, die zu Werbezwecken ihren Jahresproduktion mit den Wassermengen der Niagarafälle in Relation setzen wollte. Als dann aber ausgerechnet wurde, dass die entsprechende Menge in weniger als einer Sekunde über die Kante geht, wurde die Idee fallen gelassen …“

Die geklaute Party zum 30.

Wir erinnern uns kurz, aber leidig: Vor zweieinhalb Jahren kam die Schließung aller vermeintlich nicht lebensnotwendigen Läden sowie all dem, was Spaß macht, am 19. März. Das hieß Shutdown, im Dezember 2020 war es dann schon ein Lockdown, also übersetzt eine Art Niederschluss. Damals wollte Sharp gemeinsam mit der „100“ als ältestem Bar- und Weinkeller der Neustadtneuzeit feiern.

Deren Gründung ist datiert im April 1990, so sollte der gemeinsame 60. als Sektumtrunk im Laden beginnen, dann sollte am Abend die versammelte Meute rüber ins Kultlokal rammeln, denn mit Lars Knorr, seit neun Jahren dort in leitender Verantwortung, verbindet Sharp eine lange Freundschaft – fußend auf eigenwilligen Musikwünsche (EBM).

Knorr wurde wöchentlicher Ohrganstammkunde, Sharps erster Gegenbesuch war ein Konzert der Dresdner Band „Don’t Go Into The Forest“. Beiden Ur-Institutionen gemein ist eine jeweils sensationelle 25-Jahre-Party anno 2015. Damals gastierte im ZentralOHRgan Jinovatka aus Tschechien – Psycho Metal ganz ohne böhmische Blasmusikattitüden, noch heute in Tubenkanälen livehaftig zu finden. Das gilt ebenso wie das außergewöhnlichste Konzert im Laden: 282 Aufrufe hat Human Trash aus Brasilien, vermittelt von „Milman‘s Trash Poster Show“, am 21. November 2013 ausgelöst. Der einzige Kommentar in neun Jahren stammt von Manuel: „Manno…geilooo…!!!“

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Behördlich verbotene Feier

Die geplante Doppelfeier vor zwei Jahren zum gemeinsamen 60. ward, wie bekannt, behördlich verunmöglicht. Auch die kommende Adventszeit 2021 blieb partyfrei. Dennoch hat der Laden bis dato gut überlebt, erst die jetzige Krise, die langsam allen in die Poren kriecht, scheint die Kauflust zu bremsen, wobei dies wohl erst nach dem Weihnachtsgeschäft richtig sichtbar bis virulent wird – noch akzeptieren die Leute die teils irrwitzigen Preissteigerungen. Und: Zumindest sei die Neustadt schick weihnachtlich beleuchtet, freut sich Sharp auf die kommenden Wochen.

Dezember 2031 fest im Blick

Vor zwei Jahren antwortete er auf die Frage nach der nächsten Geburtstagsfeier als Musikkenner: „When I’m Sixty-Four vom Sgt.-Pepper-Album der Beatles wäre ein gutes Motto.“ Doch jetzt feiert er davon die Hälfte – einfach so, weil es an der Zeit sei und man nicht wisse, was denn komme und hindern könne. Mit einem jungen Dresdner Trio namens Sugar Ko:ma, dessen jüngstes Werk „Witch“ gleich für Neubesucher am ersten Tisch liegt – direkt neben der neuen von Onkel Bruce aus Amerika.

Sharp, dem als Werbung für den Laden das „Grimassenbuch“ reicht, hat übrigens ungefähr seit der Zeit jener geklauten Party am Tresen einen tiefsinnigen Sammelband wilder Herausgeber zum Verkauf ausliegen: „Ich liebe Musik“ (Vol. II). Darin: ein süffisanter Sharp-Text über den Einfluss von Deep Purples „Highway Star“ auf sein Leben – eine urige Erinnerung aus jener Zeit vorm Vinyltraum per Zentralohrgan.

Damals wie heute bezeichnet er jedoch das Klettern als seine größte Leidenschaft, auch wenn er heute nur noch auf Pfaden mit Schwierigkeitsgraden von vier bis fünf statt einst acht bis neun rumturne und er es schon nicht mehr „Bergsteigen“ nennen mag. Es gäbe allerdings nichts Schöneres, auch wenn es nicht mehr jedes Wochenende klappe. Früher, zu Ostzeiten, kündigte er eigens dafür im Frühjahr seinen Job, sobald das Geld über den Sommer reichte und verschwand bis in den Herbst in der Sächsischen Schweiz oder anderen Kletteroasen.

Das geht mit einem ZentralOHRgan als Fühler an der Masse des Musikgeschmacks nicht mehr. Aber noch knapp neun Jahre – dann ist das Ziel im Dezember 2031 erreicht – denn die DDR verfehlte bekanntlich ihren 41. um vier Tage.

ZentralOHRgan

  • Geburtstagsparty „32 Jahre ZentralOHRgan“ mit Konzert Sugar Ko:ma am Sonnabend 3. Dezember, 18 Uhr
  • Louisenstraße 22, 01099 Dresden
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