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Als der Albertplatz noch „Platz der Einheit“ hieß

1871 tauchte erstmals der Name Albertplatz auf. Vorher trug der Platz in der Dresdner Neustadt den Namen Bautzner Platz. Mit der damaligen Namensänderung wurde Kronprinz Albert geehrt, dem erfolgreichen Befehlshaber der sächsischen Truppen im Deutsch-Französischen Krieg. Die Wiederkehr der Söhne aus dem Feindesland war ein Jubeltag. König Johann teilte dem Kronprinzen mit, dass der deutsche Kaiser ihn zum Generalfeldmarschall ernannt hatte.

Der Kronprinz war dann von 1873 bis 1902 sächsischer König. Der Platz, der seinen Namen trug, wurde immer attraktiver und zählte sogar zu den schönsten Rundplätzen in Deutschland.

Stille Wasser am Albertplatz
Stille Wasser am Albertplatz

Der Bildhauer Robert Diez (1844 bis 1922) hatte die Wasserspiele „Stille Wasser“ und „Stürmische Wogen“ geschaffen. Nach zehnjähriger Schaffensphase wurden die beiden Monumentalwerke am 1. September 1894 mittags um 12 Uhr durch Dresdens Oberbürgermeister Paul Alfred Stübel eingeweiht. Der Brunnen „Stürmische Wogen“ erhielt sogar auf der Weltausstellung in Paris eine Goldmedaille und das Brunnenensemble galt als stärkste Leistung der Dresdner Bildhauerschule.

Neben diesen beiden Brunnen gehört der „Artesische Brunnen“ auf der anderen Seite der großen Straßenkreuzung zu einem Kleinod. Mit einem Bohrer der Freiberger Zeche Himmelsfürst wurde von 1832 bis 1836 der Brunnen gebohrt. In einer Tiefe von 243 Metern stießen die Brunnenbauer auf Wasser und auf eine 20 Grad warme Quelle. Die eigentliche Bohrung lag damals einige Meter vom jetzigen Standort des Brunnens. Überdacht wurde der Brunnen durch einen kleinen, tempelartigen Rundbau, auf acht Säulen stehend. (ausführlich siehe Neustadt-Geflüster vom 10. Dezember 2021)

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Alberttheater

Auf dem Albertplatz befand sich zudem das größte Theater der Dresdner Neustadt, das Alberttheater. Hier wurden progressive und volkstümliche Stücke mit gutem Erfolg gespielt. 1950 erfolgte der Abriss der zerstörten Grundmauern. (ausführlich siehe Neustadt-Geflüster-Serie ab dem 23. September 2020)

Alberttheater - Postkartenmotiv von 1913
Alberttheater – Postkartenmotiv von 1913

Nebenan stand die Villa Eschenbach. Sie brannte beim Bombenangriff auf Dresden ebenfalls aus, wurde aber in den Nachkriegsjahren notdürftig genutzt. Schließlich erwarb nach der Wiedervereinigung die Volksbank das Gebäude und machte den neubarocken Bau wieder zu einem Schmuckstück.

Hochhaus und Kästner-Onkel-Villa

Auch Dresdens erstes Hochhaus ziert den Platz. Das Gebäude, 1929 im Auftrag der Sächsischen Staatsbank erbaut, bestand aus einem vierzig Meter hohen, elfgeschossigen Stahlbetonskelettbau. Das Hochhaus nach Plänen des Architekten Hermann Paulick wurde vor dem Zweiten Weltkrieg als Ärztehaus genutzt und blieb bei der Zerstörung Dresdens verschont. Ein Bomber, von der Bahn abgekommen, stürzte neben dem Paulick – Gebäude zu Boden. Das Hochhaus war dann jahrzehntelang das Domizil der Dresdner Verkehrsbetriebe.

Oftmals stand eine große Menschentraube vor dem kleinen Fernseher am großen Verkehrshochhaus. Da die meisten Dresdner noch keine Flimmerkiste besaßen, guckten sie bei Wind und Wetter einen Fernsehfilm oder die Übertragung der Internationalen Friedensfahrt.

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Nach jahrzehntelangem Stillstand und Sanierungsarbeiten erwarb die Immobilie die Lebensmittelkette Simmel. Neben Büros und Märkten befindet sich im Hochhaus ein Museum. Dort können hundert große und tausend kleine Dinge aus der DDR – Zeit bewundert werden.

Damals residierte noch die Sächsische Staatsbank im Gebäude.
Das Hochhaus kurz nach seiner Errichtung.

Gegenüber vom Hochhaus, an der Spitze der Antonstraße, steht die Villa Augustin, die einst dem Onkel von Erich Kästner (1899-1974) gehörte. Der Junge, der auf der Königsbrücker Straße wohnte, besuchte oft seinen Onkel, einen reichen Pferdehändler. Erich Kästner konnte nicht ahnen, dass die Villa einmal ein Museum würde. Neben der Ausstellung stehen ausgewählte intellektuelle Vorträge und Lesungen auf dem Programm des Hauses – so die Beobachtungen des Autors. Lächelnd hockt derweil der junge Bub auf der Gartenmauer und schaut auf das turbulente Straßentreiben – ein Lieblingsort des Knaben in einer wirklich originellen Bronzeplastik des ungarischen Bildhauers Matthias Varga, Sohn des bekannten Künstlers Imre Varga.

Platz der Roten Armee

Am 30. Juli 1945 wurde der Albertplatz auf grund einer Anordnung der Stadtverwaltung Dresden in „Platz der Roten Armee“ umbenannt, der prachtvolle Brunnen “Stürmische Wogen“ abgebaut und in ein Depot verfrachtet. Der Dresdner Bildhauer Otto Rost (1887-1970) hatte in aller Kürze ein monumentales Denkmal geschaffen, ein Ehrenmal für gefallene Sowjetsoldaten. Die Einweihung fand bereits am 7. November 1945, am „Ehrentag der Großen Sozialistischen Oktoberrevolution“, statt.

Im April 1946 wurde der Platz erneut umbenannt, diesmal in „Platz der Einheit“. Der Grund war der Zusammenschluss der Arbeiterparteien KPD und SPD zur SED (Sozialistische Einheitspartei Deutschlands).

1956 eröffnete die Selbstbedienungsgaststätte „Oase“. Mit Infrarot-Heizstrahlern ausgestattet, bot die Zeltgaststätte von 11 bis 19 Uhr Speisen und Getränke an. Ein Erbseneintopf kostete achtzig Ostpfennige und schmeckte ausgezeichnet.

Dresden - 1959 - Platz der Einheit - Brück & Sohn Kunstverlag Meißen, 29594-Dresden-1959-Platz der Einheit - Haus der Verkehrsbetriebe-Brück & Sohn Kunstverlag, Ausschnitt des Originals, CC BY-SA 3.0
Dresden – 1959 – Platz der Einheit – Brück & Sohn Kunstverlag Meißen, CC BY-SA 3.0

Viele Menschen versuchten ihr Glück an einer Losbude. Sie erwarben ein Röllchen für 25 Pfennige, um den Hauptgewinn oder wenigstens einen Kleinpreis zu ergattern.

Als Preise winkten sogar Fernsehgeräte, nicht so ohne weiteres im Handel erhältlich. Deshalb blühte das Geschäft mit den Losen und mitunter bildete sich eine Schlange. Jeder Käufer hoffte auf eine hohe runde Zahl auf dem kleinen Zettelchen.

Nudelturm

Etwa an gleicher Stelle steht nunmehr ein zweites Kästner-Denkmal. Die Bronze-Skulptur zeigt einen Bücherstapel und ein aufgeschlagenes Buch mit den Lebensdaten des Schriftstellers. Das kleine Kunstwerk schuf der Radebeuler Künstler Wolf-Eike Kutsche.

Neben der Tombola stand ein festes – vom Krieg teilweise zerstörtes Gebäude – ein HO-Geschäft (HO: Handelsorganisation). Dieser Laden, auch sonntags geöffnet, war immer stark frequentiert. Und manchmal gab es dort Lebensmittel, die es anderswo nicht so einfach zu kaufen gab.

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Noch vor der Wende entstand hier ein Wohnkomplex und der Nudelturm. Er wurde volkstümlich so genannt, weil das Speisenangebot hauptsächlich aus Nudelgerichten bestand. Die Devise hieß: Alle Nudeln hausgemacht. Inzwischen hat es sich dort ausgenudelt und Räume für Ausbrecher zogen ein. Geheimtipp: Ein Blick vom „Nudelturm“ bietet eine der schönsten Aussichten auf die Innere Neustadt.

Nach der politischen Wende erhielt der „Platz der Einheit“ den alten Namen zurück: Albertplatz. Das sowjetische Soldatenmonument kam an die Stauffenbergallee, in der Nähe des Militärhistorischen Museums. Dafür wurde der historische Brunnen „Stürmische Wogen“ wieder an seiner alten Stelle errichtet. Der Platz, der im Laufe der Jahre verkehrssicherer umgestaltet wurde, bildet die Grenze zwischen Innerer und Äußerer Neustadt.

Autor Dietmar Sehn

  • Der Autor dieser Zeilen ist 1944 geboren und wurde in der Inneren Dresdner Neustadt geboren. In unregelmäßigen Abständen bereichern seine Texte das Neustadt-Geflüster. Er hat mehrere Dresden-Bücher geschrieben. Sein aktuelles Buch trägt den Titel „ Historische Kriminalfälle aus Sachsen“ und ist im Suttonverlag erschienen, ISBN: 9783963033001.
  • Als Steppke schlenderte er von 1951 bis 1961 nahezu täglich über den Platz, es war sein Schulweg zur 4. Polytechnischen Oberschule auf der Glacisstraße.
  • Alle Texte unter dem Hashtag dietmarsehn
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Eine Ergänzung

  1. Vielen Dank für die historischen Berichte u.a. auch zum Elbbaden. Interessant zu lesen, wie abwechslungsreich und zum Teil tragisch die Geschichte des Stadtteils gewesen ist (und wohl auch sein wird).

Ergänzungen gern, aber bitte recht freundlich.

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