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Prießnitz: Hochwasserschutz-Pläne im siebten Jahr

Im Februar 2015 hatte das Umweltamt im Ortsbeirat die Pläne zum Umbau vorgestellt. Der Protest und die Hektik der betroffenen Kleingärtner war groß (Neustadt-Geflüster vom 25. Februar 2015).

Aktuell ist die Prießnitz an dieser Stelle ausgetrocknet.
Aktuell ist die Prießnitz an dieser Stelle ausgetrocknet.

Der Bach soll nach den Plänen verlagert werden, weg von den Häusern. Etliche Kleingärten hätten weichen müssen. Der Grund: die Prießnitz ist während der zwei großen Elbehochwasser zweimal heftig über die Ufer getreten. Die Kleingartenanlage war 2013 ein kleiner See. Außerdem hat die Strömung der Prießnitz etliche Berme, die Sandsteine, die das Bächlein in seinem Bett halten sollen, zerstört oder aus den Fugen geworfen. Das sieht aktuell gerade unterhalb des Carte-Blanche-Geländes sehr wüst aus. Auch die Brücke an der Bautzner Straße hat unter den Hochwassern gelitten.

Auch wenn es aktuell ob des ausgetrocknete Bachbettes schwer vorstellbar ist, das nächste Hochwasser kommt bestimmt. Stadtrat Johannes Lichdi (Dissidenten) hat deshalb bei Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) den Stand der Pläne abgefragt. Demnach wurden die Genehmigungsunterlagen im Juli 2019 eingereicht, also schon nach dem ursprünglich angestrebten Baustart 2018. Die Kontrollbehörde, die Landesdirektion Sachsen stellte im Februar 2020 umfangreiche Nachforderungen, wie zum Beispiel zum Artenschutz, der Landschaftspflege oder der hydraulischen Berechnung. Bis heute sind die Unterlagen noch nicht fertig bearbeitet.

Diese Sandsteine sollen eigentlich den Bach in seinem Bett halten. Jahrelange Strömung hat sie im ganzen Bachbett verteilt.
Diese Sandsteine sollen eigentlich den Bach in seinem Bett halten. Jahrelange Strömung hat sie im ganzen Bachbett verteilt.

Lichdi: Kein Verständnis

OB Hilbert stellt in Aussicht, dass dies im dritten Quartal des Jahres geschehen soll. Er hofft dann innerhalb eines Jahres auf einen Bescheid der Landesdirektion, um dann im ersten Quartal 2024 das Thema im Stadtrat zu beschließen und Fördermittel zu beantragen. Mit ersten Bautätigkeiten, wie einer Beräumung ist erst Ende 2024 zu rechnen.

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„Ich habe kein Verständnis, dass die Umweltbürgermeisterin und ihr Umweltamt nicht in der Lage sind, vollständige Planunterlagen einzureichen“, sagt Stadtrat Lichdi. Es sei ein Trauerspiel, dass eine so wichtige Hochwasserschutzmaßnahme für die Neustadt erst mehr als 20 Jahre nach
der Hochwasserkatastrophe 2002 fertig werden soll.

2013 hatte sich der Prießnitzbogen in einen kleinen See verwandelt.
2013 hatte sich der Prießnitzbogen in einen kleinen See verwandelt.

OB Hilbert erklärt in seinem Antwortschreiben, dass das Vorhaben komplex sei und zahlreiche Anforderungen bewältigt werden müssen. „Leider sind die planerischen und gutachterlichen Anforderungen der Umweltbehörden an solch komplexen Wasserbaumaßnahmen mitten in der Stadt sehr hoch“, heißt es wörtlich. Weiterhin seien die Kapazitäten im Umweltamt für die Planungssteuerung als auch in der Landesdirektion Sachsen, als zuständige Genehmigungsbehörde begrenzt. Die Corona-Pandemie habe dazu alle Vorhaben und Verfahren zusätzlich verlangsamt.

Ersatzfläche für Kleingärten gefunden

Für die Parzellen des Kleingartenvereins „Prießnitzaue“ wird nach Angaben des Oberbürgermeisters Ersatzland angeboten, dass noch in diesem Jahr für eine kleingärtnerische Nutzung bearbeitet wird. Wenn der jetzige Zeitplan eingehalten wird, müssten die Kleingärten im Winter 2024/2025 verlagert werden.

Kleingartenanlage "Prießnitzaue" - Foto: Archiv Anton Launer 2020
Kleingartenanlage „Prießnitzaue“ – Foto: Archiv Anton Launer 2020
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8 Ergänzungen

  1. Wo ist die angebotene Ersatzfläche? Und wie gesichert sind die Pläne die Anlage aufzulösen und den Bereich umzugestalten?

  2. @maya: Die konkrete Frage nach der Ersatzfläche hatte Stadtrat Lichdi auch gestellt, allerdings keine Antwort bekommen. Mein letzter Stand der Pläne war, dass nicht die komplette Sparte aufgelöst wird, sondern nur ein Teil. Inwieweit die Nachforderungen der Landesdirektion auch eine Überarbeitung der Umgestaltung erfordern, kann ich im Moment nicht einschätzen.

  3. Gibt es einen Lageplan, welcher Teil aufgelöst werden soll? Die Wegführung und der Schnitt im Gelände machen eine Aufteilung nicht gerade logisch. Und wenn man nur die Hanglagen beließe, dann bräuchte es immernoch neue Wege, Leitungen usw, und es wäre nur ein Bruchteil der Gärten übrig. Wer kommt für die Kosten auf?

  4. Hallo maya, solch einen Plan wird es vermutlich geben, jedoch aktuell nicht öffentlich im Ratsinfosystem der Stadt verfügbar. Spätestens wenn der Stadtrat dazu entscheidet, wird das veröffentlicht, vorher kommt das sicherlich noch in den Stadtbezirksbeirat.

  5. Bekommt zumindest der Verein Zugang/Einsicht zu den Planungsunterlagen, oder müssen die auch bis 2024 weiter warten? Die Dauer des Verfahrens ist ja an sich schon eine ziemliche Zumutung, aber die Leute unnötig zappeln zu lassen ist einfach sinnlos. Es würde sich doch auch leichter planen lassen für die Stadtverwaltung, wenn man auf weniger Widerstand stößt, weil wenigstens die Optionen für zukünftige Gärten bekannt wären.

  6. Ja, ein leidiges Thema, aber sehr gutes Projekt, ich hoffe weiter…
    Ähnliches erfuhr ich bei einem Zufallsgespräch im U-Amt hierzu auch, das Projekt sei „komplex“ und wird an allen erdenklichen Hebeln ausgebremst. Das Witzigste sei, daß sich sogar einige der Hauseigentümer mit den zerrüttesten Sohlsteinbrüchen mit Händen und Füßen gegen den Eingriff wehren – also ganz analog zu den egozentrischen paar wenigen Laubenpiepern dort. Ich würde denen ja ihre Bude z’amm fall’n loss’n und einfach nur achselzuckend danebenstehend milde lächeln.
    Seit „Corona“ kam es auch aufgrund dessen zu weiteren Verzögerungen wegen „Kapazitätsengpässen“. Allerdings umschreiben diese „Gründe“ eigentlich nur die heute üblichen, in fast allen Branchen zunehmenden Wohlfahrts-Beschäftigtenverhältnisse zur Vervollkommnung der Work-Life-Balance wie lange Abmeldezeiten der meist Gutverdienenden infolge von Teilzeit, Mutterschutz, Elternzeit, unbez. Sonderurlaub, Sabbatjahr, Pflegezeiten, Kurzzeitkrank ums WE, Langzeit-Psycho, Burn-Out-Extraurlaub, etc.pp. Man will ja kreativ sein oder noch werden.

    Einzig interessant wäre der Grund VOR der Corona-Zeit: Warum hatte es sich bis 2019 denn schon so viel verzögert im Hause Evas?
    Vielleicht wartet man nur noch auf den Klimawandel, dann existierte die Prießnitz quasi nicht mehr, sie versickerte chronisch schon vor dem Wasserfall. Und wenn das Carte Blanche statisch-sohl.erschlafft einst ins Teilzeit-Flüßchenbett abrutschte, würde sich niemand wundern.

  7. @maya: Da bin ich überfragt, vielleicht fragst Du mal beim Vereinsvorstand nach. Aktuell würde ich davon ausgehen, dass die Planungsunterlagen ja noch gar nicht fertig sind.

  8. „Der Grund: die Prießnitz ist während der zwei großen Elbehochwasser zweimal heftig über die Ufer getreten.“
    Der Begriff Hochwasserschutz kann in dem Zusammenhang missverstanden werden. Die schlimmsten Folgen für Anwohner/Gärten entstehen durch den
    Rückstau der Elbe. Gegen diese Hochwasser (2002/2013) helfen die geplanten Maßnahmen nicht.
    Sie sind einzig dazu da, die schnelle und volle Prießnitz (a la Weißeritz) nach Starkregen zu befrieden. Allerdings sind die Schäden der relativ
    kurzen Prießnitz (Rossendorf-Heide-Dresden) in dem Gebiet zwar vorhanden, jedoch längst nicht so gravierend wie die Elbehochwasser.
    Um die Bewohner/Gärtner vor dem Prießnitzhochwasser zu schützen würde eine ordentliche Sanierung der Begrenzungsmauern sicher reichen.
    Ich könnte mir vorstellen, dass das Argument „Hochwasserschutz“ mit keiner klaren Trennung von Prießnitzhochwasser und Elbehochwasser
    gebraucht wird, um den Kleingärtnern zu kündigen und den Bereich öffentlich nutzbar zu machen.
    Thomas

Ergänzungen gern, aber bitte recht freundlich.

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