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Alle Macht der Imagination

Verkehrswende-Demo auf Carolabrücke

Heute Mittag gegen 12 Uhr. Auf dem Demonstrationsfahrradstreifen herrscht gähnende Leere. Zwei Radfahrer fahren auf dem Geh-/Radweg neben den Gleisen, jedoch in die falsche Richtung. Um die Ecke steht eine kleine Schlange Autos bis ungefähr zum Japanischen Palais. Dann kommt eine Radfahrerin von der Albertstraße. Sie sieht den neuen Radweg und nutzt ihn gleich. Schade, dass der extra ausgelegte rote Teppich ein paar kleine Verwerfungen aufweist. Aber die Radlerin huscht da flink drüber.

Wellenreiterin auf rotem Teppich
Wellenreiterin auf rotem Teppich

Die Initiative „Verkehrswende Dresden“ hat eine zweitägige Demonstration auf der rechten Fahrspur der Carolabrücke in Richtung Rathaus angemeldet. Die Versammlungsbehörde hat es umgesetzt. Seit heute früh stehen Warnbaken auf der Fahrbahn und die Rechtsabbiegerspur von der Großen Meißner Straße ist gesperrt. In den Morgenstunden soll es sich dort erheblich gestaut haben, und auch am Nachmittag standen die KFZ in der Schlange.

Sperrung der Abbiegerspur wäre nicht nötig gewesen

Peter Lange von der Initiative berichtet, dass die Demonstration zwar schon am 22. März bei der Versammlungsbehörde angezeigt wurde, es aber erst kurzfristig eine Genehmigung gab. Die jetzige Lösung sei nicht im Detail mit der Initiative besprochen. „Wir wollten keine Sperrung der Rechtsabbiegerspur, das wäre auch nicht nötig gewesen“, so Lange. (Achtung! Siehe Nachtrag 1)

Auto-Warteschlange auf der Köpckestraße
Auto-Warteschlange auf der Köpckestraße

Deutlicher wird der Allgemeine Deutsche Fahrradclub (ADFC). „Warum wird das Rechtsabbiegen von Westen, also aus der Köpckestraße auf die Brücke gesperrt, die meistbefahrende Fahrrelation auf dem Carolaplatz mit etwa 12.800 Kraftfahrzeugen pro Tag?“, fragt Edwin Seifert, Geschäftsführer des ADFC Dresden. Das erzeuge nur Ärger und sinnlosen Stau. Einen Stau der dann schnell dem Pop-Up-Radweg zugeschrieben werde. Dieser Zusammenhang stimme jedoch schlicht nicht. „Schließlich haben die vergangenen Bauarbeiten am Brückenteil A der Carolabrücke ja gezeigt, dass eine Einspurigkeit reibungslos funktioniert, entscheidend sind bekanntermaßen die Kreuzungen“, so Seifert.

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Blaue Stunde im Kupferstichkabinett

Für Lange und die Initiative „Verkehrswende Dresden“ ist der temporäre Radweg dennoch ein Erfolg. „Wir hoffen auf eine schnelle und dauerhafte Umsetzung“, sagt Lange und spielt darauf an, dass im Stadtrat demnächst darüber diskutiert wird, eine der beiden Fahrspuren dauerhaft dem Radverkehr zuzusprechen. Dann natürlich ohne die Sperrung der Rechtsabbiegerspur. Baubürgermeister Stephan Kühn (Grüne) will sich die Situation morgen vor Ort ansehen.

Radfahrer auf dem Weg zum PopUp-Radweg
Radfahrer auf dem Weg zum PopUp-Radweg

Nachtrag 1

Die Initiator*innen der PopUp-Demo möchten heute etwas richtig stellen. „Lleider ist uns gestern im Vor-Ort-Gespräch ein Fehler unterlaufen, den wir gerne richtig stellen möchten. Die Sperrung der Rechtsabbiegerspur auf der Köpckestraße war tatsächlich Teil unserer Anmeldung und wurde von der Versammlungsbehörde umgesetzt. Die Aussage im Gespräch, dass wir keine Sperrung der Rechtsabbiegerspur wollten, ist durch eine mangelhafte interne Kommunikation im Vorbereitungsdurcheinander der Demo entstanden. Wir bitten hierfür um Entschuldigung.“

Weitere Informationen auf Facebook und Twitter.

Nachtrag 2

Die FDP-Fraktion kritisiert die Genehmigung der „Radfahrer-Demonstration“ auf der Carolabrücke, der Eingriff in den Straßenverkehr sei zu groß, nun fordert die Fraktion eine Klärung im Stadtrat. „Art und Umfang der Aktion haben nichts mit einer Demonstration zu tun und werfen die Frage auf, wie man einen so erheblichen Eingriff in den Straßenverkehr für eine so lange Zeit überhaupt genehmigen konnte“, sagte der Vorsitzende der FDP-Stadtratsfraktion Holger Zastrow am Dienstag. Er kündigte dazu entsprechende Nachfragen im Stadtrat an. Unabhängig von der Genehmigungsfrage hätten die Organisatoren mit der Aktion jedoch gezeigt, dass die Einrichtung eines Radweges auf der Carolabrücke auf Kosten einer Autospur alles andere als eine tragfähige Idee sei. „Bevor die Stadt eigene Untersuchungen anstellen konnte, haben die Radaktivisten den Beweis erbracht, dass die negativen Auswirkungen auf den Gesamtverkehr zu groß sind. Damit kann sich die Stadt weitere Prüfungen des Vorschlages und viel Geld sparen und endlich für vernünftige Rad- und Fußwege an der Brückenperipherie sorgen“, so Zastrow.

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Blaue Stunde im Kupferstichkabinett

Nachtrag 3

Die Versammlungsbehörde der Stadt Dresden nimmt dazu Stellung: Der Versammlungsbehörde lag ein entsprechender Antrag vor, der die Rechtsabbiegerspur als Versammlungsfläche begehrt, mit der Begründung, das Abbiegen auf die Versammlungsfläche zu verhindern. Im Rahmen telefonischer Kooperationsgespräche wurde der Veranstalter mehrfach über die daraus resultierenden Verkehrsbeeinträchtigungen hingewiesen – auch mit der Bitte, die Versammlungszeit auf lediglich einen Tag zu verkürzen. Dies wurde seitens des Veranstalters abgelehnt. Durch die Versammlungsbehörde in Zusammenarbeit mit dem Straßen- und Tiefbauamt wurden daraufhin die erforderlichen verkehrssichernden Maßnahmen veranlasst und umgesetzt.

Nachtrag 4

Auch die Dresdner CDU hat sich zu der Demonstration geäußert. Auf der Seite der Dresdner CDU heißt es von CDU-Stadtrat Veit Böhm: „Einen Verkehrsversuch zur Auswirkung der Gedankenspiele von Herrn Kühn, dauerhaft eine Autospur Richtung Altstadt zu streichen, können wir uns sparen. Wir haben hier bereits die praktischen Folgen gesehen.“ Es zeige, wie schwierig die Situation an Knotenpunkten sei. Außerdem müsse man einfach zur Kenntnis nehmen, dass bei schönem Wetter in der Nach-Corona-Zeit der Verkehr wieder deutlich zunehme. Mit solchen Staus erreiche man keine Verbesserung des Stadtklimas.

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6 Ergänzungen

  1. Ich bin die Strecke gestern extra mit dem Rad gefahren. Das ist schon nett, aber auf der abgesperrten Spur fühlt man sich etwas wie auf dem Schauteller. Viele Jahre bin ich die Stecke übrigens ganz ohne Radweg auf der Straße gefahren. Halten alle §1 StVO ein, ist das auch kein Problem. Also: Neudeutsch „shared space“ auf der rechten Spur und es rollt.

  2. Tausende Warnbarken, aber für das gelbe Fahrradschild hat es nicht für einen „Ungültg“-Streifen gereicht.
    Und wenn die Ampel aus ist, stehen alle Autos auf dem Radweg um zu schauen ob die Hauptstrasse frei ist.
    Tolle Wurst…..

  3. Ich kam gestern vom Elberadweg nach oben gefahren und habe letztlich ganz normal den geteilten Fußgänger-/Fahrradstreifen genutzt, um in die Altstadt rüber zu fahren.
    Um auf den sinnlosen Popup-Radweg zu kommen, hätte ich erst in falscher Richtung in Richtung Albertplatz fahren müssen, um dann vorn an der Kreuzung auf den Popup-Radweg kommen zu können.
    Ich frage mich, was so schwer daran ist oder sein soll, hier mal an zwei Stellen die Gleise zu überqueren. Noch dazu quert man sie direkt und ohne Gefahr, in die Schienen zu kommen. Da gibt es ganz andere Stellen bspw. mit Weichen, wo man fast parallel Gleise quert und höllisch aufpassen muss, nicht hängenzubleiben.

  4. Das Verhalten von Verkehrsteilnehmern folgt der Infrastruktur, die sie vorfinden. Ein Ausbau von Auto-Straßen in den 60er Jahren hat dazu geführt, dass immer mehr Menschen das Auto benutzt haben. Ergo: mehr und sichere Fahrradwege laden Menschen zum Fahrradfahren ein! Warum fahren denn in den Niederlanden und Dänemark so viele Menschen Fahrrad? Weil sich dort bewusst dafür entschieden wurde eine fahrradfreundliche Infrastruktur zu bauen.
    Diese Effekte sind nicht von heute auf morgen sichtbar. Autofahrer werden nicht von heute auf morgen, nur weil es einen Pop-Up-Radweg gibt an diesen Demo-Tagen das Fahrrad nutzen. Wenn es aber angenehm ist, Fahrrad zu fahren und die entsprechende Infrastruktur vorhanden ist, werden mehr Leute das Rad nutzen. Ich habe mich beim Befahren des Weges sicher gefühlt und musste nicht umständlich die Schienen kreuzen wie sonst. Das fand ich toll!
    Schade, dass (eingeräumte) Fehler in der Organisation (Sperrung der Rechtsabbiegerspur und ein damit verbundener Stau) gleich von gewissen Parteien als ein Scheitern des Vorhabens ausgelegt werden. Meiner Meinung nach zeigt dies nur auf, wie nachgebessert werden muss und der Versuch muss unter veränderten Bedingungen noch einmal durchgeführt werden.
    Letztendlich ist und bleibt das Fahrrad mit das umweltschonendste Verkehrsmittel und es geht darum, Menschen langfristig zum Fahrradfahren zu motivieren auch an so wichtigen Verkehrsachsen wie der Carola-Brücke!

  5. @hannah. das mit den niederlanden und dänemark ist recht leicht zu erklären. das ist flachland und das ist auch das einzige was es fahradfreundlich macht. hier sind wir im mittelgebirge, was von natur aus fahrrad unfreundlich ist. dessweiteren ist das fahrrad schlichtweg ein schönwetter fahrzeug. das kann kein allgemeines ersatzverkehrsmittel werden. daran scheint aber schlichtweg gar keiner zu denken

  6. @Sebastjon: Also meine Familie und ich schaffen es täglich recht bequem durch das Dresdner Mittelgebirge – zu allen vier Jahreszeiten und das bei jedem Wetter zur Schule, zum Sport, zur Arbeit, zu Freunden, zu Konzerten, zur Musikschule, zum Saufen, in den Garten… daran scheint aber schlichtweg gar keiner zu denken

Ergänzungen gern, aber bitte recht freundlich.

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