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Spießer-Viertel Neustadt?

Was ist los mit dem Vier­tel? Diese Gedan­ken schos­sen mir neu­lich durch den Kopf, als ein paar junge Bur­schen extra eine Bar ver­lie­ßen, um einen Joint zu rau­chen. Wird die Neu­stadt, der oft beschimpfte Schmutz­fleck auf der wei­ßen Weste der Lan­des­haupt­stadt zum Vor­zeige- und Spießerviertel?

Die Anzei­chen sind deutlich.

In leerstehenden Häusern, wie hier auf dem Bischofsweg, gab es damals reichlich Kohle im Keller
Häu­ser, wie hier auf dem Bischofs­weg, wur­den damals ein­fach besetzt
Ges­tern erst berich­tete die Poli­zei stolz von der Ver­hin­de­rung einer wil­den Plakataktion.

Am Abend wurde ich Zeuge, wie die stren­gen Augen des Geset­zes ein ver­bots­wid­rig abbie­gen­des Auto stopp­ten und mir wurde berich­tet, das Glei­ches einem ohne Licht fah­ren­den Rad­ler auf der Gör­lit­zer pas­siert sei.

Die Neu­stadt, das Sau­ber­mann-Vier­tel? Die Leut­chen vom Neu­städ­ter Kreis wird es freuen. Dabei fällt mir auf, dass ich bestimmt schon seit zwei Jah­ren nicht mehr in die Sch… gelatscht bin. So schön, so blitzblank.

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High-Tech durch­zieht das Vier­tel, mit­tels Video-Kamera wer­den Straf­tä­ter und Head-Shop-Besu­cher gefilmt. Neu­er­dings blei­ben die Leute an der roten Ampel an der Rothenburger/​Ecke Loui­sen­straße sogar ste­hen. Und ich darf mir die Vor­würfe anhö­ren, von wegen Vor­bild­wir­kung und so.

Ist das noch mein Vier­tel? Als ich hier vor knapp 19 Jah­ren das erste Mal auf­tauchte, hatte die Gör­lit­zer noch den Spitz­na­men Allee, wegen der vie­len Bäume in den Dach­rin­nen. Woh­nun­gen und Häu­ser wur­den ein­fach besetzt.

Die Knei­pen waren ver­raucht und die Straße gepflas­tert. Heute gibt es Pflas­ter­steine fast nur noch auf Fuß­we­gen, weil sie dort so schön aus­se­hen. Der Rest wird asphal­tiert, alles so schön leise jetzt. Aber klar, wenn man für ne Woh­nung im Nobel-Vier­tel bis zu sie­ben Euro pro Qua­drat­me­ter aus­gibt, will man auch sein Ruhe haben.

Was kommt als nächstes?

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Nach dem nächt­li­chen Bier­aus­schank­ver­bot viel­leicht ’ne Sperr­stunde, damit auch Vor­der­haus­be­woh­ner pünkt­lich um 23 Uhr ihre Äug­lein schlie­ßen kön­nen. Wird die Scheune bald in ein Sin­gle-Fit­ness-Cen­ter umge­wan­delt? Und wann eigent­lich wer­den die Punks end­gül­tig nach Pie­schen verscheucht?


Nachtrag 2018

Das Pflas­ter ist wei­ter gewi­chen, bzw. wird es für Fahr­rad­fahr­kom­fort geschnit­ten. Die Mie­ten sind wei­ter gestie­gen – 7,- Euro sind inzwi­schen eher ein Schnäpp­chen. Die Poli­zei hat zwar kein Revier mehr hier, ist aber den­noch dau­ernd da.

Aber: das nächt­li­che Bier­aus­schank­ver­bot wurde auf­ge­ho­ben, in der Scheune gibt’s gele­gent­lich noch Punk mit alten Män­nern. Und über die Ampel wird mal wie­der diskutiert.

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34 Ergänzungen

  1. Yep – ich sitze hier, einen Joint im Gesicht und denke an alte Zeiten!
    Hach – wie wir an der Ecke Alaun-/Loui­sen­straße Boule gespielt haben (als da noch kein deutsch/​südamerikanischer Kar­tof­felecken­ket­ten­la­den stand), danach uns genüss­lich ein paar Biers Ecke Böhmischen/​Alaunstraße in den Hals gewor­fen (da wo frü­her Graf­fi­tis an den Häu­ser­gie­beln waren und keine gestif­te­ten Bema­lun­gen) um dann in irgend­ei­ner (posi­tiv gemeint) Kaschemme den schö­nen Tag zu been­den… Als bei der BRN noch Fett­bemmen aus dem Fens­ter ver­kauft (zu spä­ter Stunde ver­schenkt) wur­den, als man noch besof­fen auf den heu­ti­gen Park­er­Louis-Park­flä­chen rum­lun­gern konnte und und und…
    Na ja, so war es halt. Heißt die Neu­stadt eigent­lich noch Neu­stadt, oder inzwi­schen gar Strie­sen (bäägggs)?

  2. Zu trä­nen gerührt.

    Ihr habt ja so Recht.

    rec­laim your kiez!

    Scheißt auf die Bürgersteige!
    Macht die Neu­stadt wie­der “ganz­jah­res­bunt”.

    Ich fang sofort damit an!
    (Mit zweiterem ;) )

  3. danke, erfri­schen­der arti­kel, hab ihn mal bei uns mit rein­ge­nom­men. das mit den pla­kat­kle­be­rin­nen ist nicht der erste fall, aber der erste der als poli­zei-pm ver­öf­fent­licht wurde. bis jetzt wur­den die ver­fah­ren aus man­gel öffent­li­chen inter­es­ses in der regel eingestellt.

  4. Neu­stadt ist für mich heute:

    Die Gen­tri­fi­zie­rung des Vier­tels ist schon weit vor­ran­ge­kom­men. Die Künst­ler sind weg, weil die Mie­ten hoch gin­gen und die Ate­liers unbe­zahl­bar. Die Sanie­rung war erfolg­reich und die letz­ten Bau­lü­cken schlie­ßen sich. Bald gehen noch die Stu­den­ten, weil die Mie­ten dann nur von Yup­pies bezahlt wer­den können.

  5. Neu­stadt ist für mich…
    … dass sich jemand neben mir einen ent­kof­fe­inier­ten Latte Mac­chiato mit Soja­milch bestellt ohne dabei zu lachen…

    —-

    … irgend­wie ist das zwi­schen den dop­pel verschwunden
    sorry wegen dem dop­pel post

  6. @ Peter: Ein paar Künst­ler sind noch da. Die Ate­lier- und Gale­rie-Dichte in der Neu­stadt ist doch ziem­lich hoch.

    Ich hatte ja immer gehofft, dass sich die Neu­stadt der Gen­tri­fi­zie­rung ent­zie­hen kann, weil es hier im Osten doch ein biss­chen anders ist.

    Ich bleib jeden­falls hier und begleite das Elend bis zum Ende.

  7. @Anton Lau­ner: Ich habe auch das Gefühl das einge Künst­ler da sind, aber jene nicht, die kein oder wenig Geld damit verdienen.

    Es ist lei­der der Lauf der Dinge das auch jedes “besetz­tes Haus” in der Hand eines Inves­tors ist. Die Neu­t­stadt fühlt ein biss­chen wie Mono­poli an, wenn man die Leute aus der Neu­stadt fragt, wer ihr Ver­mie­ter ist. Einige Stra­ßen gehö­ren fast einem ein­zi­gen Vermieter.

    Was dar­über hin­aus schade ist, das diese {Vermieter/​Investoren/​Spekulanten} nicht aus der Neu­stadt kom­men. So etwas, wie die BRN und ihre nicht­kom­mer­zi­elle Ziele nicht kennen.

    Soweit ich mit Poli­zis­ten gere­det habe aus Hes­sen und Bay­ern wäh­rend der BRN – sie waren sehr über­rascht, das aus innen­her­aus so ein jun­ges Kul­tur­fest entsteht.

    …Ein biss­chen hab ich bam­mel das “die Neu­stadt”, also das Gefühl, wegzieht.

  8. Zitat:”…Ein biss­chen hab ich bam­mel das “die Neu­stadt”, also das Gefühl, wegzieht.”

    Schön meine Gefühle beschrieben!

  9. @ Anton Lau­ner: gern – mir fehlt bloß die nötige Rei­bung zwi­schen Dau­men und Zeigefinger ;)
    Das solle keine Resi­gna­tion sein, ich bin da eher ein rea­lis­ti­scher Optimist.

    Wohn­pro­jekte oder Kom­mu­nen­bau­pro­jekte sind da sicher eine Lösung aber auch da gilt: ent­we­der man hat Zeit oder Geld.

    Kennt ihr da Initia­ti­ven in die Richtung?

  10. Naja, wenn man die Miet­preise aber z.B. mit Nürn­berg oder Han­no­ver ver­gleicht, dann sind 7 Euro für ein eng bebau­tes Vier­tel schon ziem­lich viel.

    Die Spe­ku­lan­ten waren doch schon Anfang der 90er da und hat­ten sich verspekuliert.

  11. War diese Ent­wick­lung nicht abzu­se­hen, das die hohe Knei­pen­dichte viele Aus­wär­tige anzie­hen musste, da sonst die Knei­pen ja in der Anzahl keine Über­le­bens­chance hät­ten. Bei den Viel­falt der Geschäfte wird es ähn­lich sein. Und somit geht es der Neu­stadt wie vie­len Vier­teln in ande­ren deut­schen Städ­ten, erst kom­men die Krea­ti­ven, Jun­gen und Stu­den­ten, dann die Knei­pen und Läden und dann die Spe­ku­lan­ten. Wobei Miet­preise von 7 Euro­nen per qm ja noch recht mode­rat sind, beson­ders im Ver­gleich zu Ham­burg, Köln und sons­ti­gen Städ­ten. Wenn Stadt­teile ange­sagt sind, wird es halt teuer.

  12. Ein wei­te­res Puz­zle­teil­chen zur Spie­ßig­keit – wollt mir gerade eine Milch für mein mor­gend­li­ches Müßli holen *kreisch* und was muß ich am geschlos­se­nen Spät­shop auf der Alaun­straße lesen?
    Wegen einer poli­zei­li­chen Ver­ord­nung darf die­ses Geschäft nur noch Frei­tags und Sams­tags bis 22:00 Uhr öff­nen, Sonn­tags zu, das glei­che beim Kecha auf der Loui­sen­straße – Tja, Kom­men­tar überflüssig!!!

  13. Des­we­gen nennt man sol­che Läden auch Spät­shops und nicht Sonntagsoffenshop …
    @Peter. Ich glaube nicht, dass man Lebens­qua­li­tät in einem Stadt­vier­tel an der (Trocken-)Künstlerrohdichte bemes­sen kann, egal wie wenig sie verdienen.
    Im übri­gen ent­spre­chen sol­che Äuße­run­gen einem sehr aus­ge­präg­tem Kon­su­men­ten­ver­hal­ten … rum­jam­mern wenn man keine “Kunst” und Krea­ti­vi­tät vor­ge­lebt bekommt … da ist sel­ber­ma­chen die Devise und schon gibt´s einen Künst­ler mehr im Viertel :)
    c.

  14. @christoph: Welch klu­ger Spruch, als wenn es nicht auch Sonn­tags ein “Spät” gebe…

    @Anton: Das ist ja der Punkt, die dür­fen alle nur noch bis 22:00 (und nicht bis 02:00) Uhr öff­nen und haben neu­er­dings Sonn­tags zu!!!

  15. Wenn man bei wiki­pe­dia “Sze­ne­vier­tel” ein­gibt, wird man sofort zu “Gen­tri­fi­zie­rung” umge­lei­tet. Das ist wohl der Lauf der Dinge!!!

  16. @Fire Spät­shops sind ja wie pilze aus boden gespros­sen bevor die Ver­ord­nung kam, das war ja wirk­lich ein gewerb­li­ches Aus­maß und nicht mit fett­bemmem ver­kauf am Fens­ter vergleichbar

    @Frank das redi­rect ist witzig

    Frag mich grade, wer der Ober­boss der Döner­lä­den in der Neu­stadt ist, das muss ja auch so eine Art Fran­ch­hise sein

  17. Mit den Spät­shops ist irgen­wie falsch angekommen.
    Ich finde, daß ein Stadt­vier­tel wie die Neu­stadt Spät­shops und andere Läden ver­tra­gen kann /​haben soll, die außer­halb der nor­ma­len Öff­nungzeiten öff­nen sol­len wie sie wol­len. Aber nein, “Strie­sen­like” müs­sen die nun auch um 22:00 Uhr schlie­ßen und das finde ich spießerhaft!

  18. Von schlie­ßen müs­sen kann eigent­lich gar keine Rede sein, die meis­ten machen am Wochen­ende so zei­tig zu weil sie ab 22.00 kei­nen Alko­hol mehr auf die Strasse ver­kau­fen dür­fen. Öff­nen dürf­ten die schon länger …
    wenn mal wie­der die Milch fürs Müsli fehlt … könnte man wäh­rend der abend­li­chen Heim­reise auch noch­mal kurz im Blue­note ein­keh­ren und dort die Kon­dens­milch klauen oder gleich bis nach dem Früh­stück bleiben …

  19. Die Neu­stadt hat sich mit vie­len Bewoh­nern mit­ver­än­dert, die nun Fami­lie haben und andere Prio­ri­tä­ten set­zen. Die Neu­stadt wird älter und familienfreundlicher.
    Das fing doch mit den Park­uh­ren an, die Park­plätze für Anwoh­ner schaff­ten. Das wird wei­ter­ge­hen mit mehr Super­märk­ten, weni­ger “nächt­li­chen Ruhe­stö­run­gen” und mehr Grün auf den Geh­we­gen und Hinterhöfen.

    Ich bin ja noch froh, dass ich hier rund um die Uhr in Loka­li­tä­ten ein­keh­ren kann und Sonn­tag früh (wenn ich 8 Uhr heim komm) noch nicht Mas­sen an Leu­ten spa­zie­ren gehen.

  20. @dirk da geb ich völ­lig recht

    Mit den Leu­ten, mit denen man sich in beset­zen Häu­sern das Bier geteilt hat, haben jetzt Kinder.

    Kom­men einem zwei Müt­ter mit Kin­der­wa­gen ent­ge­gen, kann man nur auf die Straße sprin­gen, weil die nicht ausweichen.

    Und wehe man hat ein Hund … viel­leicht sogar ohne Leine, mein Gott… das war in der Gegend mal anders.

  21. Die Neu­stadt ist für mich …

    … vom Tür­ste­her am Hebe­das und am Blue Note nicht raus­ge­las­sen wer­den, wenn ich mein Bier zum Rau­chen mal kurz mit raus­neh­men will,

    … vom Auf­pas­ser an der Groo­ve­sta­tion bedroht zu wer­den, wenn ich mein mit­ge­brach­tes Weg­bier vor der Groove noch nicht alle habe,

    … eine schöne Erinnerung,

    … ein Ort zum Kon­su­mie­ren – eine Alt­markt­ga­le­rie bloß ohne Dach,

    … das Gegen­teil von Löbtau ;)

  22. Wie sieht denn die Ent­wick­lung im Hecht­vier­tel aus? Das Alaun­straße und Co. sich jemals wie­der “zurück”-entwickeln wird man wohl kaum erleben.
    Ansons­ten hat’s Tors­ten ganz gut gesagt, außer der Teil mit Löbtau ;-)

  23. ” Dabei fällt mir auf, dass ich bestimmt schon seit zwei Jah­ren nicht mehr in die Sch… gelatscht bin. ”

    Bitte erklär mir doch deine Minen­feld-Bege­hungs-Tech­nik, Anton. Hast du ein Früh­warn­sys­tem im Schuh? Läufst du prin­zi­pi­ell nur auf der Straße?
    Ich jeden­falls habe Dein Pro­blem lei­der nicht. Meine Kin­der auch nicht.

  24. Danke für den super Artikel,

    ich bin seit 15 Jah­ren in Dres­den, habe meine Jugend immer am Wochen­ende in der Neu­stadt ver­bracht. Da musste man sei­nen Eltern “Mär­chen” erzäh­len, dass man bei einem Fraund schläft, da das Vier­tel so böse ist.

    Heute kom­men mir auf der Alaun­straße 14-Jäh­rige mit Ziga­ret­ten im Mund ent­ge­gen und ich komm mir fehl am Platz vor.

    Das Vier­tel war inter­es­san­ter, ohne Auf­la­gen vom Ord­nungs­amt, ohne Gebüh­ren für Park­au­to­ma­ten und mit ein paar ille­ga­len Clubs und besetz­ten Häusern…

    Neu­städ­ter – lasst uns unser Vier­tel zurückholen!

  25. Nunja, vie­les hier liest sich recht inter­es­sant – zu min­des­tens glei­chem Teil aber eben auch ein wenig naiv.
    Ich wohne seit 1992 in der Neu­stadt (ja, ich bin ein Zuge­zo­ge­ner – und auch noch einer aus Preus­sen ;o). Ver­än­de­run­gen, wie sie das Vier­tel durch­lebt, sind aber doch logi­scher Teil der Ent­wick­lung. Die Leute, die hier Paro­len aus­ge­ben (a la “Laßt uns unsere Neu­stadt wie­der zu dem machen, was sie 1991 war!”), mögen mir bitte auch nur ein ein­zi­ges Quar­tier welt­weit nen­nen, daß einer sol­chen Ent­wick­lung (bei annä­hernd glei­cher “alter­na­ti­ver” Aus­gangs­si­tua­tion) abwen­den konnte.
    Dar­über hin­aus sind meine per­sön­li­chen Prä­mis­sen die­ser Tage mit­nich­ten die­sel­ben, die es mit 22 Jah­ren waren. Alles andere emp­fände ich auch als bedenk­lich! Soll ich nun des­halb hier weg­zie­hen, damit irgend­wer wie­der sein per­sön­li­ches “1990-fee­ling” insze­nie­ren kann?
    Ich bin bei wei­tem nicht mit allem ein­ver­stan­den, was sich hier so ver­än­dert und brau­che eigent­lich weder Park­uh­ren, noch Spät­ver­kaufs­schließ­zei­ten oder gar Miet­wu­cher o.ä. – das diese aber Teil der Reak­tion auf die Ent­wick­lun­gen und Gescheh­nisse hier sind, das ist mir durch­aus plau­si­bel. Ich lebe heute im Vier­tel anders, als eben z.B. vor 10 Jah­ren und gehe mitt­ler­weile lie­ber an einem Mon­tag Abend mit Freun­den ein paar Biere zischen (und das nicht im Schwal­ben­nest oder Habibi ;o) oder am Diens­tag ins Kino, als dies wäh­rend des Amü­sier­wil­li­gen­auf­trie­bes am Wochen­ende zu tun – über der­lei “frü­her-war-alles-bes­ser” Gegreine kann ich aber in min­des­tens sel­ben Maße den Kopf schüt­teln, wie über die Dorf­ju­gend, die hier des Nachts die sprich­wört­li­che Sau durchs Vier­tel treibt denn ich lebe eben immer­noch gern hier.

  26. @Ulrich: Kaum was hinzu zu fügen.
    Leben und leben las­sen halt. Das funk­tio­niert gar nicht anders, vor allem bei die­ser für Dres­den sonst sel­te­nen Bevöl­ke­rungs­dichte. Es ist klar. dass auch der hip­peste Ein­woh­ner älter wird, auch ich müsste älter wer­den. Aber wenn man sich dem Vier­tel nicht mehr gewach­sen sieht, kann man auch umzie­hen. Ich wohne auch der urba­nen Vor­teile wegen, die für Dres­den ein­ma­lig sind, hier. Trotz­dem würde es mir fern lie­gen, hier irgend etwas ver­än­dern zu wol­len. 400.000€ Appar­te­ments machen mir Angst! Von daher muss ich das Assi-Eck ja eigent­lich schon wie­der gut hei­ßen und: “Die Neu­stadt bleibt dreggsch”. Oder?

  27. Nach­dem mich das Kind um kurz vor 6 raus­ge­scheucht hat, hab ich nun den Arti­kel gele­sen… und nun hab ich den total Erinnerungsflash.
    Ich bin 99 nach Dres­den gezo­gen, Jor­dan­straße, WG, Ofen­hei­zung, Dusche in der Küche und Toi­lette auf der Treppe außer­halb. ;-) toll wars.
    Und wenn ich jetzt so dran denke, hab ich direkt den Neu­stadt-Mief von damals in der Nase… hach wie ich es geliebt habe.
    Ges­tern bin ich das erste mal seit lan­gem wie­der fuß­läu­fig durch die Neu­stadt gelau­fen und wenn auch die Hun­de­hau­fen feh­len (das ist mir näm­lich auch direkt auf­ge­fal­len), so ist ein klein wenig von dem Neu­stadt-Mief immer­noch da.
    Und jetzt woh­nen wir wenigs­tens am Rand der Neustadt.

  28. @ Ulrich: Ich kann dir nur recht geben, das hast du super zusam­men­ge­fasst. Ich glaub auch dass die Bewoh­ner sich nicht wirk­lich ver­än­dert haben, viele sind älter gewor­den, haben frü­her ihr Stu­den­ten­le­ben hier ver­bracht mit alle Aus­schwei­fun­gen. Heute sind sie älter und immer­noch da und ver­brin­gen eben mehr Zeit auf den Spiel­plät­zen mit ihren Kin­dern als in Knei­pen. Schaut doch mal in die Knei­pen am Frei­tag und Sams­tag Abend, da sit­zen Tou­ris­ten die was in ihrem Rei­se­füh­rer gele­sen haben über das Nacht­le­ben in der Neutadt und dann noch die vie­len “ich lass heut mal die Sau raus”- Par­ty­people aus dem Umland. Keine ver­rauch­ten Bier­knei­pen, son­dern Cock­tail­bars sind da gefragt. Am Ende liegt bei allen nega­ti­ven Rah­men­be­din­gun­gen von Stadt­ver­wal­tung oder Haus­be­sit­zern der ent­schei­dende Fak­tor beim Kon­su­ment, egal ob Anwoh­ner oder Tou­rist. Wenn ich die Nicht­rau­cher­cock­tail­bar der Bier­kneipe vor­ziehe und bereit bin den Miet­wu­cher mit­zu­ma­chen dann wird auch die Ent­wick­lung dahin gehen. Immer bei sich selbst anfan­gen anstatt es sich ein­fach zu machen und über Yup­pies, Stadt­ver­wal­tung und Immo­bi­li­en­spä­ku­lan­ten zu meckern.

  29. aus mei­ner sicht sehr schön und zutref­fend beschrieben …

    Ulrich sagt:
    23. Februar 2009 um 15:34

    Nunja, vie­les hier liest sich recht inter­es­sant – zu min­des­tens glei­chem Teil aber eben auch ein wenig naiv.
    Ich wohne seit 1992 in der Neu­stadt (ja, ich bin ein Zuge­zo­ge­ner – und auch noch einer aus Preus­sen ;o). Ver­än­de­run­gen, wie sie das Vier­tel durch­lebt, sind aber doch logi­scher Teil der Ent­wick­lung. Die Leute, die hier Paro­len aus­ge­ben (a la “Laßt uns unsere Neu­stadt wie­der zu dem machen, was sie 1991 war!”), mögen mir bitte auch nur ein ein­zi­ges Quar­tier welt­weit nen­nen, daß einer sol­chen Ent­wick­lung (bei annä­hernd glei­cher “alter­na­ti­ver” Aus­gangs­si­tua­tion) abwen­den konnte.
    Dar­über hin­aus sind meine per­sön­li­chen Prä­mis­sen die­ser Tage mit­nich­ten die­sel­ben, die es mit 22 Jah­ren waren. Alles andere emp­fände ich auch als bedenk­lich! Soll ich nun des­halb hier weg­zie­hen, damit irgend­wer wie­der sein per­sön­li­ches “1990-fee­ling” insze­nie­ren kann?
    Ich bin bei wei­tem nicht mit allem ein­ver­stan­den, was sich hier so ver­än­dert und brau­che eigent­lich weder Park­uh­ren, noch Spät­ver­kaufs­schließ­zei­ten oder gar Miet­wu­cher o.ä. – das diese aber Teil der Reak­tion auf die Ent­wick­lun­gen und Gescheh­nisse hier sind, das ist mir durch­aus plau­si­bel. Ich lebe heute im Vier­tel anders, als eben z.B. vor 10 Jah­ren und gehe mitt­ler­weile lie­ber an einem Mon­tag Abend mit Freun­den ein paar Biere zischen (und das nicht im Schwal­ben­nest oder Habibi ;o) oder am Diens­tag ins Kino, als dies wäh­rend des Amü­sier­wil­li­gen­auf­trie­bes am Wochen­ende zu tun – über der­lei “frü­her-war-alles-bes­ser” Gegreine kann ich aber in min­des­tens sel­ben Maße den Kopf schüt­teln, wie über die Dorf­ju­gend, die hier des Nachts die sprich­wört­li­che Sau durchs Vier­tel treibt denn ich lebe eben immer­noch gern hier.

  30. Viel­leicht ging es dem Men­schen der zum Kif­fen raus­ging ja auch eher darum andere Men­schen mit sei­nem Kon­sum­ver­hal­ten nicht zu beläs­ti­gen, was ich eher gut als zu kri­ti­sie­ren finde. Viel schlim­mer sind so Leute die mit ihren selbst­ge­dreh­ten Can­na­biss­ten­geln mei­nen sie wären der Inbe­griff der Indi­vi­dua­li­tät und müs­sen mit ihrem süß­li­chen Dunst die­sen “Duft der Rebel­lion” auch noch dem letz­ten “Spaß­ver­wei­ge­rer” unter die Nase pus­ten. Außer­dem scheint es mir das mit die­sem Arti­kel nich wirk­lich ein Pro­blem ange­spro­chen wird, Städte und Stadt­teile ändern sich nun­mal, je nach­dem wer gerade in ihnen wohnt, das es hier zu aller­lei Unge­rech­tig­kei­ten kommt, sprich eine soge­nannte Auf­wer­tung immer mit Teue­run­gen ein­her­ge­hen die dazu füh­ren das bestimmte Men­schen­grup­pen sich ein Leben in diesm Kiez nicht mehr leis­ten kön­nen ist kein Geheim­nis. Da hilft es aber nie­man­dem ein Lebens­ge­fühl bestehend aus Dreck, Joints und Kopf­stein­pflas­ter zu feti­schi­sie­ren oder Feind­bil­der zu kon­stru­ie­ren son­dern das Große und Ganze, die kapi­ta­lis­ti­schen Ver­hält­nisse zu kritisieren.

Ergänzungen gern, aber bitte recht freundlich.

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