Spießer-Viertel Neustadt?

Was ist los mit dem Viertel? Diese Gedanken schossen mir neulich durch den Kopf, als ein paar junge Burschen extra eine Bar verließen, um einen Joint zu rauchen. Wird die Neustadt, der oft beschimpfte Schmutzfleck auf der weißen Weste der Landeshauptstadt zum Vorzeige- und Spießerviertel?

Die Anzeichen sind deutlich.

In leerstehenden Häusern, wie hier auf dem Bischofsweg, gab es damals reichlich Kohle im Keller
Häuser, wie hier auf dem Bischofsweg, wurden damals einfach besetzt
Gestern erst berichtete die Polizei stolz von der Verhinderung einer wilden Plakataktion.

Am Abend wurde ich Zeuge, wie die strengen Augen des Gesetzes ein verbotswidrig abbiegendes Auto stoppten und mir wurde berichtet, das Gleiches einem ohne Licht fahrenden Radler auf der Görlitzer passiert sei.

Die Neustadt, das Saubermann-Viertel? Die Leutchen vom Neustädter Kreis wird es freuen. Dabei fällt mir auf, dass ich bestimmt schon seit zwei Jahren nicht mehr in die Sch… gelatscht bin. So schön, so blitzblank.


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High-Tech durchzieht das Viertel, mittels Video-Kamera werden Straftäter und Head-Shop-Besucher gefilmt. Neuerdings bleiben die Leute an der roten Ampel an der Rothenburger/Ecke Louisenstraße sogar stehen. Und ich darf mir die Vorwürfe anhören, von wegen Vorbildwirkung und so.

Ist das noch mein Viertel? Als ich hier vor knapp 19 Jahren das erste Mal auftauchte, hatte die Görlitzer noch den Spitznamen Allee, wegen der vielen Bäume in den Dachrinnen. Wohnungen und Häuser wurden einfach besetzt.

Die Kneipen waren verraucht und die Straße gepflastert. Heute gibt es Pflastersteine fast nur noch auf Fußwegen, weil sie dort so schön aussehen. Der Rest wird asphaltiert, alles so schön leise jetzt. Aber klar, wenn man für ne Wohnung im Nobel-Viertel bis zu sieben Euro pro Quadratmeter ausgibt, will man auch sein Ruhe haben.

Was kommt als nächstes?

Nach dem nächtlichen Bierausschankverbot vielleicht ’ne Sperrstunde, damit auch Vorderhausbewohner pünktlich um 23 Uhr ihre Äuglein schließen können. Wird die Scheune bald in ein Single-Fitness-Center umgewandelt? Und wann eigentlich werden die Punks endgültig nach Pieschen verscheucht?


Nachtrag 2018

Das Pflaster ist weiter gewichen, bzw. wird es für Fahrradfahrkomfort geschnitten. Die Mieten sind weiter gestiegen – 7,- Euro sind inzwischen eher ein Schnäppchen. Die Polizei hat zwar kein Revier mehr hier, ist aber dennoch dauernd da.

Aber: das nächtliche Bierausschankverbot wurde aufgehoben, in der Scheune gibt’s gelegentlich noch Punk mit alten Männern. Und über die Ampel wird mal wieder diskutiert.

34 Kommentare zu “Spießer-Viertel Neustadt?

  1. Yep – ich sitze hier, einen Joint im Gesicht und denke an alte Zeiten!
    Hach – wie wir an der Ecke Alaun-/Louisenstraße Boule gespielt haben (als da noch kein deutsch/südamerikanischer Kartoffeleckenkettenladen stand), danach uns genüsslich ein paar Biers Ecke Böhmischen/Alaunstraße in den Hals geworfen (da wo früher Graffitis an den Häusergiebeln waren und keine gestifteten Bemalungen) um dann in irgendeiner (positiv gemeint) Kaschemme den schönen Tag zu beenden… Als bei der BRN noch Fettbemmen aus dem Fenster verkauft (zu später Stunde verschenkt) wurden, als man noch besoffen auf den heutigen ParkerLouis-Parkflächen rumlungern konnte und und und…
    Na ja, so war es halt. Heißt die Neustadt eigentlich noch Neustadt, oder inzwischen gar Striesen (bäägggs)?

  2. Zu tränen gerührt.

    Ihr habt ja so Recht.

    reclaim your kiez!

    Scheißt auf die Bürgersteige!
    Macht die Neustadt wieder „ganzjahresbunt“.

    Ich fang sofort damit an!
    (Mit zweiterem ;) )

  3. danke, erfrischender artikel, hab ihn mal bei uns mit reingenommen. das mit den plakatkleberinnen ist nicht der erste fall, aber der erste der als polizei-pm veröffentlicht wurde. bis jetzt wurden die verfahren aus mangel öffentlichen interesses in der regel eingestellt.

  4. Neustadt ist für mich heute:

    Die Gentrifizierung des Viertels ist schon weit vorrangekommen. Die Künstler sind weg, weil die Mieten hoch gingen und die Ateliers unbezahlbar. Die Sanierung war erfolgreich und die letzten Baulücken schließen sich. Bald gehen noch die Studenten, weil die Mieten dann nur von Yuppies bezahlt werden können.

  5. Neustadt ist für mich…
    … dass sich jemand neben mir einen entkoffeinierten Latte Macchiato mit Sojamilch bestellt ohne dabei zu lachen…

    —-

    … irgendwie ist das zwischen den doppel verschwunden
    sorry wegen dem doppel post

  6. @ Peter: Ein paar Künstler sind noch da. Die Atelier- und Galerie-Dichte in der Neustadt ist doch ziemlich hoch.

    Ich hatte ja immer gehofft, dass sich die Neustadt der Gentrifizierung entziehen kann, weil es hier im Osten doch ein bisschen anders ist.

    Ich bleib jedenfalls hier und begleite das Elend bis zum Ende.

  7. @Anton Launer: Ich habe auch das Gefühl das einge Künstler da sind, aber jene nicht, die kein oder wenig Geld damit verdienen.

    Es ist leider der Lauf der Dinge das auch jedes „besetztes Haus“ in der Hand eines Investors ist. Die Neutstadt fühlt ein bisschen wie Monopoli an, wenn man die Leute aus der Neustadt fragt, wer ihr Vermieter ist. Einige Straßen gehören fast einem einzigen Vermieter.

    Was darüber hinaus schade ist, das diese {Vermieter/Investoren/Spekulanten} nicht aus der Neustadt kommen. So etwas, wie die BRN und ihre nichtkommerzielle Ziele nicht kennen.

    Soweit ich mit Polizisten geredet habe aus Hessen und Bayern während der BRN – sie waren sehr überrascht, das aus innenheraus so ein junges Kulturfest entsteht.

    …Ein bisschen hab ich bammel das „die Neustadt“, also das Gefühl, wegzieht.

  8. @ Anton Launer: gern – mir fehlt bloß die nötige Reibung zwischen Daumen und Zeigefinger ;)
    Das solle keine Resignation sein, ich bin da eher ein realistischer Optimist.

    Wohnprojekte oder Kommunenbauprojekte sind da sicher eine Lösung aber auch da gilt: entweder man hat Zeit oder Geld.

    Kennt ihr da Initiativen in die Richtung?

  9. Naja, wenn man die Mietpreise aber z.B. mit Nürnberg oder Hannover vergleicht, dann sind 7 Euro für ein eng bebautes Viertel schon ziemlich viel.

    Die Spekulanten waren doch schon Anfang der 90er da und hatten sich verspekuliert.

  10. War diese Entwicklung nicht abzusehen, das die hohe Kneipendichte viele Auswärtige anziehen musste, da sonst die Kneipen ja in der Anzahl keine Überlebenschance hätten. Bei den Vielfalt der Geschäfte wird es ähnlich sein. Und somit geht es der Neustadt wie vielen Vierteln in anderen deutschen Städten, erst kommen die Kreativen, Jungen und Studenten, dann die Kneipen und Läden und dann die Spekulanten. Wobei Mietpreise von 7 Euronen per qm ja noch recht moderat sind, besonders im Vergleich zu Hamburg, Köln und sonstigen Städten. Wenn Stadtteile angesagt sind, wird es halt teuer.

  11. Ein weiteres Puzzleteilchen zur Spießigkeit – wollt mir gerade eine Milch für mein morgendliches Müßli holen *kreisch* und was muß ich am geschlossenen Spätshop auf der Alaunstraße lesen?
    Wegen einer polizeilichen Verordnung darf dieses Geschäft nur noch Freitags und Samstags bis 22:00 Uhr öffnen, Sonntags zu, das gleiche beim Kecha auf der Louisenstraße – Tja, Kommentar überflüssig!!!

  12. Deswegen nennt man solche Läden auch Spätshops und nicht Sonntagsoffenshop …
    @Peter. Ich glaube nicht, dass man Lebensqualität in einem Stadtviertel an der (Trocken-)Künstlerrohdichte bemessen kann, egal wie wenig sie verdienen.
    Im übrigen entsprechen solche Äußerungen einem sehr ausgeprägtem Konsumentenverhalten … rumjammern wenn man keine „Kunst“ und Kreativität vorgelebt bekommt … da ist selbermachen die Devise und schon gibt´s einen Künstler mehr im Viertel :)
    c.

  13. @christoph: Welch kluger Spruch, als wenn es nicht auch Sonntags ein „Spät“ gebe…

    @Anton: Das ist ja der Punkt, die dürfen alle nur noch bis 22:00 (und nicht bis 02:00) Uhr öffnen und haben neuerdings Sonntags zu!!!

  14. Wenn man bei wikipedia „Szeneviertel“ eingibt, wird man sofort zu „Gentrifizierung“ umgeleitet. Das ist wohl der Lauf der Dinge!!!

  15. @Fire Spätshops sind ja wie pilze aus boden gesprossen bevor die Verordnung kam, das war ja wirklich ein gewerbliches Ausmaß und nicht mit fettbemmem verkauf am Fenster vergleichbar

    @Frank das redirect ist witzig

    Frag mich grade, wer der Oberboss der Dönerläden in der Neustadt ist, das muss ja auch so eine Art Franchhise sein

  16. Mit den Spätshops ist irgenwie falsch angekommen.
    Ich finde, daß ein Stadtviertel wie die Neustadt Spätshops und andere Läden vertragen kann / haben soll, die außerhalb der normalen Öffnungzeiten öffnen sollen wie sie wollen. Aber nein, „Striesenlike“ müssen die nun auch um 22:00 Uhr schließen und das finde ich spießerhaft!

  17. Von schließen müssen kann eigentlich gar keine Rede sein, die meisten machen am Wochenende so zeitig zu weil sie ab 22.00 keinen Alkohol mehr auf die Strasse verkaufen dürfen. Öffnen dürften die schon länger …
    wenn mal wieder die Milch fürs Müsli fehlt … könnte man während der abendlichen Heimreise auch nochmal kurz im Bluenote einkehren und dort die Kondensmilch klauen oder gleich bis nach dem Frühstück bleiben …

  18. Die Neustadt hat sich mit vielen Bewohnern mitverändert, die nun Familie haben und andere Prioritäten setzen. Die Neustadt wird älter und familienfreundlicher.
    Das fing doch mit den Parkuhren an, die Parkplätze für Anwohner schafften. Das wird weitergehen mit mehr Supermärkten, weniger „nächtlichen Ruhestörungen“ und mehr Grün auf den Gehwegen und Hinterhöfen.

    Ich bin ja noch froh, dass ich hier rund um die Uhr in Lokalitäten einkehren kann und Sonntag früh (wenn ich 8 Uhr heim komm) noch nicht Massen an Leuten spazieren gehen.

  19. @dirk da geb ich völlig recht

    Mit den Leuten, mit denen man sich in besetzen Häusern das Bier geteilt hat, haben jetzt Kinder.

    Kommen einem zwei Mütter mit Kinderwagen entgegen, kann man nur auf die Straße springen, weil die nicht ausweichen.

    Und wehe man hat ein Hund … vielleicht sogar ohne Leine, mein Gott… das war in der Gegend mal anders.

  20. Die Neustadt ist für mich …

    … vom Türsteher am Hebedas und am Blue Note nicht rausgelassen werden, wenn ich mein Bier zum Rauchen mal kurz mit rausnehmen will,

    … vom Aufpasser an der Groovestation bedroht zu werden, wenn ich mein mitgebrachtes Wegbier vor der Groove noch nicht alle habe,

    … eine schöne Erinnerung,

    … ein Ort zum Konsumieren – eine Altmarktgalerie bloß ohne Dach,

    … das Gegenteil von Löbtau ;)

  21. Wie sieht denn die Entwicklung im Hechtviertel aus? Das Alaunstraße und Co. sich jemals wieder „zurück“-entwickeln wird man wohl kaum erleben.
    Ansonsten hat’s Torsten ganz gut gesagt, außer der Teil mit Löbtau ;-)

  22. “ Dabei fällt mir auf, dass ich bestimmt schon seit zwei Jahren nicht mehr in die Sch… gelatscht bin. “

    Bitte erklär mir doch deine Minenfeld-Begehungs-Technik, Anton. Hast du ein Frühwarnsystem im Schuh? Läufst du prinzipiell nur auf der Straße?
    Ich jedenfalls habe Dein Problem leider nicht. Meine Kinder auch nicht.

  23. Danke für den super Artikel,

    ich bin seit 15 Jahren in Dresden, habe meine Jugend immer am Wochenende in der Neustadt verbracht. Da musste man seinen Eltern „Märchen“ erzählen, dass man bei einem Fraund schläft, da das Viertel so böse ist.

    Heute kommen mir auf der Alaunstraße 14-Jährige mit Zigaretten im Mund entgegen und ich komm mir fehl am Platz vor.

    Das Viertel war interessanter, ohne Auflagen vom Ordnungsamt, ohne Gebühren für Parkautomaten und mit ein paar illegalen Clubs und besetzten Häusern…

    Neustädter – lasst uns unser Viertel zurückholen!

  24. Nunja, vieles hier liest sich recht interessant – zu mindestens gleichem Teil aber eben auch ein wenig naiv.
    Ich wohne seit 1992 in der Neustadt (ja, ich bin ein Zugezogener – und auch noch einer aus Preussen ;o). Veränderungen, wie sie das Viertel durchlebt, sind aber doch logischer Teil der Entwicklung. Die Leute, die hier Parolen ausgeben (a la „Laßt uns unsere Neustadt wieder zu dem machen, was sie 1991 war!“), mögen mir bitte auch nur ein einziges Quartier weltweit nennen, daß einer solchen Entwicklung (bei annähernd gleicher „alternativer“ Ausgangssituation) abwenden konnte.
    Darüber hinaus sind meine persönlichen Prämissen dieser Tage mitnichten dieselben, die es mit 22 Jahren waren. Alles andere empfände ich auch als bedenklich! Soll ich nun deshalb hier wegziehen, damit irgendwer wieder sein persönliches „1990-feeling“ inszenieren kann?
    Ich bin bei weitem nicht mit allem einverstanden, was sich hier so verändert und brauche eigentlich weder Parkuhren, noch Spätverkaufsschließzeiten oder gar Mietwucher o.ä. – das diese aber Teil der Reaktion auf die Entwicklungen und Geschehnisse hier sind, das ist mir durchaus plausibel. Ich lebe heute im Viertel anders, als eben z.B. vor 10 Jahren und gehe mittlerweile lieber an einem Montag Abend mit Freunden ein paar Biere zischen (und das nicht im Schwalbennest oder Habibi ;o) oder am Dienstag ins Kino, als dies während des Amüsierwilligenauftriebes am Wochenende zu tun – über derlei „früher-war-alles-besser“ Gegreine kann ich aber in mindestens selben Maße den Kopf schütteln, wie über die Dorfjugend, die hier des Nachts die sprichwörtliche Sau durchs Viertel treibt denn ich lebe eben immernoch gern hier.

  25. @Ulrich: Kaum was hinzu zu fügen.
    Leben und leben lassen halt. Das funktioniert gar nicht anders, vor allem bei dieser für Dresden sonst seltenen Bevölkerungsdichte. Es ist klar. dass auch der hippeste Einwohner älter wird, auch ich müsste älter werden. Aber wenn man sich dem Viertel nicht mehr gewachsen sieht, kann man auch umziehen. Ich wohne auch der urbanen Vorteile wegen, die für Dresden einmalig sind, hier. Trotzdem würde es mir fern liegen, hier irgend etwas verändern zu wollen. 400.000€ Appartements machen mir Angst! Von daher muss ich das Assi-Eck ja eigentlich schon wieder gut heißen und: „Die Neustadt bleibt dreggsch“. Oder?

  26. Nachdem mich das Kind um kurz vor 6 rausgescheucht hat, hab ich nun den Artikel gelesen… und nun hab ich den total Erinnerungsflash.
    Ich bin 99 nach Dresden gezogen, Jordanstraße, WG, Ofenheizung, Dusche in der Küche und Toilette auf der Treppe außerhalb. ;-) toll wars.
    Und wenn ich jetzt so dran denke, hab ich direkt den Neustadt-Mief von damals in der Nase… hach wie ich es geliebt habe.
    Gestern bin ich das erste mal seit langem wieder fußläufig durch die Neustadt gelaufen und wenn auch die Hundehaufen fehlen (das ist mir nämlich auch direkt aufgefallen), so ist ein klein wenig von dem Neustadt-Mief immernoch da.
    Und jetzt wohnen wir wenigstens am Rand der Neustadt.

  27. @ Ulrich: Ich kann dir nur recht geben, das hast du super zusammengefasst. Ich glaub auch dass die Bewohner sich nicht wirklich verändert haben, viele sind älter geworden, haben früher ihr Studentenleben hier verbracht mit alle Ausschweifungen. Heute sind sie älter und immernoch da und verbringen eben mehr Zeit auf den Spielplätzen mit ihren Kindern als in Kneipen. Schaut doch mal in die Kneipen am Freitag und Samstag Abend, da sitzen Touristen die was in ihrem Reiseführer gelesen haben über das Nachtleben in der Neutadt und dann noch die vielen „ich lass heut mal die Sau raus“- Partypeople aus dem Umland. Keine verrauchten Bierkneipen, sondern Cocktailbars sind da gefragt. Am Ende liegt bei allen negativen Rahmenbedingungen von Stadtverwaltung oder Hausbesitzern der entscheidende Faktor beim Konsument, egal ob Anwohner oder Tourist. Wenn ich die Nichtrauchercocktailbar der Bierkneipe vorziehe und bereit bin den Mietwucher mitzumachen dann wird auch die Entwicklung dahin gehen. Immer bei sich selbst anfangen anstatt es sich einfach zu machen und über Yuppies, Stadtverwaltung und Immobilienspäkulanten zu meckern.

  28. aus meiner sicht sehr schön und zutreffend beschrieben …

    Ulrich sagt:
    23. Februar 2009 um 15:34

    Nunja, vieles hier liest sich recht interessant – zu mindestens gleichem Teil aber eben auch ein wenig naiv.
    Ich wohne seit 1992 in der Neustadt (ja, ich bin ein Zugezogener – und auch noch einer aus Preussen ;o). Veränderungen, wie sie das Viertel durchlebt, sind aber doch logischer Teil der Entwicklung. Die Leute, die hier Parolen ausgeben (a la “Laßt uns unsere Neustadt wieder zu dem machen, was sie 1991 war!”), mögen mir bitte auch nur ein einziges Quartier weltweit nennen, daß einer solchen Entwicklung (bei annähernd gleicher “alternativer” Ausgangssituation) abwenden konnte.
    Darüber hinaus sind meine persönlichen Prämissen dieser Tage mitnichten dieselben, die es mit 22 Jahren waren. Alles andere empfände ich auch als bedenklich! Soll ich nun deshalb hier wegziehen, damit irgendwer wieder sein persönliches “1990-feeling” inszenieren kann?
    Ich bin bei weitem nicht mit allem einverstanden, was sich hier so verändert und brauche eigentlich weder Parkuhren, noch Spätverkaufsschließzeiten oder gar Mietwucher o.ä. – das diese aber Teil der Reaktion auf die Entwicklungen und Geschehnisse hier sind, das ist mir durchaus plausibel. Ich lebe heute im Viertel anders, als eben z.B. vor 10 Jahren und gehe mittlerweile lieber an einem Montag Abend mit Freunden ein paar Biere zischen (und das nicht im Schwalbennest oder Habibi ;o) oder am Dienstag ins Kino, als dies während des Amüsierwilligenauftriebes am Wochenende zu tun – über derlei “früher-war-alles-besser” Gegreine kann ich aber in mindestens selben Maße den Kopf schütteln, wie über die Dorfjugend, die hier des Nachts die sprichwörtliche Sau durchs Viertel treibt denn ich lebe eben immernoch gern hier.

  29. Vielleicht ging es dem Menschen der zum Kiffen rausging ja auch eher darum andere Menschen mit seinem Konsumverhalten nicht zu belästigen, was ich eher gut als zu kritisieren finde. Viel schlimmer sind so Leute die mit ihren selbstgedrehten Cannabisstengeln meinen sie wären der Inbegriff der Individualität und müssen mit ihrem süßlichen Dunst diesen „Duft der Rebellion“ auch noch dem letzten „Spaßverweigerer“ unter die Nase pusten. Außerdem scheint es mir das mit diesem Artikel nich wirklich ein Problem angesprochen wird, Städte und Stadtteile ändern sich nunmal, je nachdem wer gerade in ihnen wohnt, das es hier zu allerlei Ungerechtigkeiten kommt, sprich eine sogenannte Aufwertung immer mit Teuerungen einhergehen die dazu führen das bestimmte Menschengruppen sich ein Leben in diesm Kiez nicht mehr leisten können ist kein Geheimnis. Da hilft es aber niemandem ein Lebensgefühl bestehend aus Dreck, Joints und Kopfsteinpflaster zu fetischisieren oder Feindbilder zu konstruieren sondern das Große und Ganze, die kapitalistischen Verhältnisse zu kritisieren.

Kommentieren gern, aber bitte recht freundlich.

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