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Nachtschlichter sucht Unterstützung

Er ist der Neue: Florian Bölike leitet die Nachtschlichter. Seit gut zwei Wochen ist er nun schon im Einsatz, hat auch schon zwei Mitstreiter und sucht Unterstützung.

Chef der Nachtschlichter: Florian Bölike
Chef der Nachtschlichter: Florian Bölike

Das Viertel kennt er gut, seit zehn Jahren lebt der gebürtige Brandenburger in Dresden, hier ist er vor allem mit der Graffiti-Szene vertraut, hat zum Beispiel bei der Gestaltung des S-Bahnhofs am Bischofsplatz mitgewirkt. Der studierte Kultursoziologe kennt sich aber auch im Umgang mit Menschen in Nachtstunden aus. „Früher habe ich als Türsteher gearbeitet“, sagt er.

In dieser Saison sollen die Nachtschlichter nicht mehr nur an der Ecke eingesetzt werden, sondern im ganzen Viertel. Es gibt Budget für bis zu 20 Minijobs. Stadtbezirksamtsleiter André Barth ist vom Erfolg der nächtlichen Truppe überzeugt. Die „Nacht(sch)Lichter“, so der offizielle Name sollen vor allem präventiv wirken. Sie sollen dialogorientiert arbeiten, in Form eines allparteilichen Konfliktmanagements. „Sie hören zu, moderieren, vermitteln und geben Impulse, um Perspektivwechsel anzuregen und ein gutes Miteinander zu unterstützen“, so Barth. „Wenn es schwierig wird, kontaktieren wir Polizei oder Ordnungsbehörde und ziehen uns zurück“, sagt Bölike, der solche Situationen schon in diesem Jahr erlebt hat.

Sprechstunde vor der Scheune

„Es geht um die Zeit vor der Akutsituation, Leute aufs Wildpinkeln ansprechen, auf Toiletten hinweisen, auf das Ruhebedürfnis der Nachbarn, auf die Straßenbahn“, erläutert der Konfliktmanager. Die Gespräche seien meist positiv. Von Mittwochabend bis zum frühen Sonntag sind die Nachtschlichter unterwegs, Schwerpunkt ist natürlich das Wochenende. Um besser auf bestehende Probleme oder Konflikte reagieren zu können bietet Bölike ab sofort auch eine Sprechstunde für Anwohner*innen oder Gewerbetreibende an, im Blechschloss auf dem Scheunevorplatz. Immer Mittwochs von 16 bis 18 Uhr, dabei wird er vom neuen Neustadt-Kümmerer, der am 1. Juli anfangen wird, unterstützt.

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Blitzumzug

Das Präventionsteam ist Teil eines Maßnahmenkatalogs der Stadtverwaltung und der Polizei. Die Kosten von 130.000 Euro übernimmt zu 90 Prozent der Freistaat Sachsen, der Rest wird aus dem Budget des Stadtbezirks finanziert. Neben den Nachtschlichtern gibt es eine Werbekampagne, das Angebot „Nette Toilette“ und der Stadtbezirk fördert den Kultursommer mit kostenlosen Angeboten. Außerdem gehen Polizei und Ordnungsbehörde seit vergangenem Jahr zielgerichteter gegen Lärmquellen vor. So wurden zahlreiche Bluetooth-Boxen beschlagnahmt.

Nachtschlichter-Chef Bölike und Stadtbezirksamtsleiter Barth
Nachtschlichter-Chef Bölike und Stadtbezirksamtsleiter Barth

Alkoholverbotsentscheidung steht noch aus

Für einige Beobachter des nächtlichen Treibens hat sich die Situation an der Ecke schon etwas entschärft. Andere Anwohner klagen jedoch weiterhin über einen sehr hohen nächtlichen Lärmpegel und eine ungebrochene Müllproblematik.

Offen ist derzeit die Klage von Anwohnern gegen die Stadt auf nächtliche Ruhe. In einem Beschluss des Verwaltungsgerichtes wurde die Stadtverwaltung aufgefordert für Ruhe zu sorgen. Die Behandlung des Einspruchs vor dem Oberverwaltungsgericht wurde erstmal aufgeschoben, um der Stadt Zeit zu geben, über ein temporäres Alkohl-Konsum- bzw. Abgabeverbot zu entscheiden.

Dies sollte der Stadtrat eigentlich in der Sitzung am 12. Mai entscheiden, schaffte das aber aus zeitlichen Gründen nicht, nun ist für den 2. Juni eine Sondersitzung des Rates geplant. Bei der soll der Vorlagenstau abgearbeitet werden. Aktuell gibt es dafür noch keine Tagesordnung, aber es ist wahrscheinlich, dass die beiden geplanten Polizeiverordnungen behandelt werden.

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Unterstützung gesucht

Das Team der Nachtschlichter*innen soll bis zu 20 Leute stark werden. Im Bewerberportal der Stadt Dresden, sind zwei verschiedene Stellen ausgeschrieben. Konfliktmanager, Chiffre: 91220201, für bis zu 37,5 Stunden pro Monat. Und Konfliktmanager, Chiffre: 91220202 bis zu 31 Stunden im Monat.

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10 Ergänzungen

  1. Schade ums Geld. Auch wenn es „gefördert“ wird muss die Kohle ja irgendwo herkommen. Alles nur, weil übertrieben wird. LUXUSPROBLEME. Warum wechselt denn die Stelle ständig? Ist nach meiner Zählung jetzt der dritte Koordinator…

  2. @Echt ? Nein, der zweite. Die Vorjahresschlichterin hat die Stelle aus persönlichen Gründen aufgegeben. Ich hab da was von ner Weltreise gehört. Außerdem gibt es einen Wechsel bei der Neustadt-Kümmerin, Manuela Möser hat nach viereinhalb Jahren aufgehört und sich beruflich umorientiert. Der Neue fängt im Juli an.

    Bzgl. Geld: Ist schwierig zu evaluieren, wie viel dadurch erreicht werden kann. Wenn aber jeden kritischen Abend an der Ecke sieben bis zehn Polizisten rumstehen, wird es definitiv teurer. Und die werden auch bei den geplanten Polizeiverordnungen gebraucht.

  3. Das Geld für die Nachtschlichter ist sinnlos zum Fenster hinausgeworfen, deren Einsatz ohne Effekt, wie die gemessenen Lärmpegel, Gewalttaten & morgendlichen Müllhaufen zeigen. Nur ein Feigenblatt der Verwaltung/ Stadt, die bisher absolut nichts Wirksames unternommen hat, um ihre Bürger zu schützen. Protegiert wird der Sauftourismus, die ganz große Kultur am Assieck.

  4. @Anton:
    Die Polizeiverordnung würde bei konsequenter Anwendung Geld sparen.
    Durch sie gibt es die Möglichkeit der Verhängung von Bußgeldern bei Zuwiderhandlung, was eine gewisse Gegenfinanzierung bringt.
    Und sie macht bei Erfolg die Ersatzsozialarbeiter vielleicht auf Dauer überflüssig.
    Außerdem sollte nicht unerwähnt sein, dass die Kriminalitätsverhinderung bzw. -aufklärung durch die Polizeipräsenz erheblich ist (kann man ja hier jeden Montag lesen). Bei den Nachtschlichtern liegt die Quote da naturgemäß bei Null.

  5. Da trocknet die Stadt Dresden für ihren feuchten Sandstein-Disney-Traum seit Jahrzehnten die lokale (Sub-) Kulturszene aus, um dann, wenn’s brennt, ein paar Feuerwehrleute und Beruhigungspillen-Verteiler auf 450€-Basis ins Getümmel zu werfen. – Wow, einfach nur wow!

  6. Das können doch eigentlich die machen, die das Treiben zum „Kulturgut“ erklärt haben, für die die ungestörte Nachtruhe ein Relikt reaktionären Spießerdenkens und deren heimliches Ziel es ist, das Viertel zum Ballermann auszubauen, um die Mieten hochzutreiben und als Fluchthelfer für die Einwohner der Neustadt agieren. Für 450 Takken pro Monat kann man sich doch mal nützlich machen.

  7. @someone else: Was denkst denn wer damit gefüttert wird? Da ist eh nur einer bereit, die Arbeitszeit mit dem Lohn zu verrechnen, der das Treiben am Eck im Grunde gut findet und auch überzeugt ist, dass es elementarer Bestandteil sozio-kultureller Kontakte ist billiges Bier in 24/7 zur Verfügung zu haben… ergo: nicht könnten, eben die machen es. Ein Hoch auf die (Sauf)-Kultur. Es sollten aber die Stadt-und Bezirksräte (in Form von Sozialstunden) machen, die sich hier für diese Kultur stark machen…

  8. Echt jetzt?!?
    Die Stadt schreibt Stellen, die die Funktion aufsuchender nächtlicher Straßensozialarbeit erfüllt, auf 450€ Basis aus? Da geh ich lieber weiter stromern.
    Weckt mich bitte, wenn aus der E4 ne E11 oder 12 geworden ist. Danke.

  9. Das Assieck wäre ganz einfach aufzulösen. Regelmäßige Polizeieinsätze mit Bußgeldern und Verhaftungen. Eine Nacht auf der Wache zum Ausnüchtern, das bringt runter und Wiederholungstäter wandern dann eben mal länger in die JVA. Niemand würde sie vermissen.

    Btw. Herr Bölike hat tolle Brüste. ;)

Ergänzungen gern, aber bitte recht freundlich.

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