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Theo, wir fahr'n nach Łódź

Son­der­aus­stel­lung im Kra­szew­ski-Mu­seum wird bis zum 12. Sep­tem­ber ver­län­gert. Seit dem 14. April er­zählt die Aus­stel­lung die Ge­schichte der pol­ni­schen In­dus­trie­stadt Łódź, die schon im­mer ein Le­bens­raum kul­tu­rel­ler Viel­falt ge­we­sen ist. 

Ausstellung im Kraszewski-Museum. Foto: Museen Dresden, Sofie Arlet
Aus­stel­lung im Kra­szew­ski-Mu­seum. Foto: Mu­seen Dres­den, So­fie Arlet

In drei Aus­stel­lungs­räu­men rich­tet die Schau den Blick auf die pol­ni­sche Stadt Łódź, ihre deutsch-pol­ni­sche Ge­schichte und er­staun­li­chen Ein­fluss der deut­schen Sied­ler auf die ra­sche Ent­wick­lung der Stadt zur Tex­til­me­tro­pole im öst­li­chen Teil Europas.

Die Son­der­aus­stel­lung un­ter den gleich­na­mi­gen Ti­tel wie die Me­lo­die des be­kann­ten Ever­greens "Theo, wir fahr'n nach Łódź" (hier in ei­ner wun­der­ba­ren In­ter­pre­ta­tion von Vicky Le­an­dros mit dem Ja­mes-Last-Or­ches­ter) aus den 70er Jah­ren er­zählt die Ge­schichte über das Erbe der deut­schen In­dus­tri­el­len, ins­be­son­dere der Fa­mi­lie Groh­mann aus Seb­nitz bei Dres­den und de­ren be­acht­li­chen Bei­trag zur in­dus­tri­el­len und kul­tu­rel­len Ent­wick­lung der Stadt, die heut­zu­tage Stadt der vier Kul­tu­ren ge­nannt wird.

Łódź eine (un)bekannte Stadt

Ein Gast­bei­trag von Jo­anna Ma­gacz, Lei­te­rin des Kraszewski-Museums.
Łódź, zu deutsch deutsch Lodz oder Lodsch, be­fin­det sich mit­ten im Zen­trum Po­lens. Łódź ist nicht nur die dritt­größte Stadt Po­lens, son­dern kul­tu­rell wie auch his­to­risch be­trach­tet ein ein­ma­lig in­ter­es­san­ter Ort. Un­zer­trenn­lich ver­bun­den mit gro­ßen Na­men aus der Film­in­dus­trie, der Mu­sik und an­de­ren Ge­bie­ten. Ro­man Polan­ski, Krzy­sz­tof Kie­s­low­ski, An­drzej Wajda, Krzy­sz­tof Za­nussi, Ar­tur Ru­bin­stein oder Jan Kar­ski sind ei­nige der vie­len be­rühm­ten Per­sön­lich­kei­ten, die mit der Stadt­ge­schichte ver­bun­den sind.

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Łódź ist Zen­trum des pol­ni­schen Films. Aus die­sem Grund trägt die Stadt auch den Spitz­na­men Hol­ly­Lodz. Die Stadt ist be­kannt auch durch die Kunst- und In­dus­trie­aka­de­mie. Es ist eine kos­mo­po­li­ti­sche Stadt mit­ten in Eu­ropa. Bis zum 2. Welt­krieg lebt hier ein Sam­mel­su­rium un­ter­schied­li­cher Nationalitäten. 

Łódź der deutsch-polnisch-jüdischer Schmelztiegel

An­fang des 19. Jh. war Lodz eine kleine In­dus­trie­an­sied­lung, ge­nannt Lodka (klei­ne­res Boot). Zu Be­ginn des 1. Welt­krie­ges zählte die Stadt eine halbe Mil­lion Ein­woh­ner. Wie kam es zu der un­glaub­li­chen Ent­wick­lung der Stadt? Wäh­rend des frü­hen 19. Jahr­hun­derts ka­men zahl­rei­che We­ber aus Deutsch­land. Die Stadt­re­gie­rung schuf An­reize für aus­län­di­sche Ein­wan­de­rer, die sich in der Stadt nie­der­lie­ßen und investierten. 

Da­bei wa­ren die Sied­ler keine ho­mo­gene Gruppe. Sie un­ter­schie­den sich von­ein­an­der in Dia­lekt, Re­li­gion, ma­te­ri­el­ler Stel­lung. Sie brach­ten je­doch die nö­tige Be­rufs­er­fah­rung und tech­ni­sche Vor­be­rei­tung mit.

Den größ­ten Zu­wachs gab es 1836, als bis zu 70 Pro­zent der Ein­woh­ner von Łódź deut­sche Sied­ler wa­ren. In der zwei­ten Hälfte des 19. Jahr­hun­derts do­mi­nier­ten die Deut­schen in­ner­halb der Eli­ten. Zu Be­ginn des 20. Jahr­hun­derts be­trug der An­teil der deut­schen Be­völ­ke­rung in der Stadt noch rund 20 Pro­zent. Die Ein­wan­de­rer grün­de­ten kleine We­be­reien, die sich mit der Zeit in große In­dus­trie­be­triebe verwandelten. 

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Die deut­schen Sied­ler bau­ten Fa­bri­ken und schu­fen Ar­beits­plätze. Da­bei ver­ga­ßen sie je­doch nicht ihre Bil­dung, Spra­che und Re­li­gion. Sie bau­ten mit­ten im ka­tho­li­schen Po­len evan­ge­li­sche Kir­chen, deut­sche Schu­len, grün­de­ten Kul­tur- und So­zi­al­ver­eine. Sie fi­nan­zier­ten Kran­ken­häu­ser und Wohn­sied­lun­gen für ihre Arbeiter. 

Die erste Zei­tung in Łódź war der „Lod­zer An­zei­ger“, der 1863 er­schien. 1881 wurde das deut­sche Thea­ter ge­grün­det. Das pol­ni­sche erst sie­ben Jahre spä­ter. So wurde Lodz zum größ­ten Zen­trum der Tex­til­in­dus­trie im Kö­nig­reich Po­len. Zu den mäch­tigs­ten deut­schen Fa­mi­lien in Lodz ge­hör­ten: Fam. Schei­bler, Bie­der­mann, Geyer, Groh­man, An­städt, Kin­der­mann. Sie hin­ter­lie­ßen wun­der­bare Denk­mä­ler: Kir­chen, Fa­bri­ken, Paläste. 

Ei­ner der her­aus­ra­gen­den Un­ter­neh­mer die­ser Zeit war Hen­ryk Groh­man. Er pro­du­zierte als Ers­ter fei­nes Garn und baute ein Tex­til­im­pe­rium auf, in­dem er mit an­de­ren deut­schen In­dus­tri­el­lenv fu­sio­nierte. So ent­stand das größte Tex­til­un­ter­neh­men der boo­men­den Stadt. 

Die Grohmann-Fabrik ist heute der Sitz der Sonderwirtschaftszone Lodz - Foto: Lodzer Sonderwirtschaftszone
Die Groh­mann-Fa­brik ist heute der Sitz der Son­der­wirt­schafts­zone Łódź – Foto: Łó­dźer Sonderwirtschaftszone

Łódź als Inspiration für die Künstlerwelt

Die mul­ti­kul­tu­relle Tra­di­tion der Stadt und so­mit eine bei­spiel­lose Ent­wick­lung der Stadt fas­zi­nierte und in­spi­rierte schon im­mer Schrifts­el­ler, Fil­me­ma­cher und Künstler.

Den Auf­stieg der Stadt wie­der­spie­gelte der pol­ni­sche No­bel­preis­trä­ger Wla­dys­law Rey­mont in sei­nem Ro­man „Das ge­lobte Land“ aus dem Jahr 1898. Auch in der Ver­fil­mung von An­drzej Wajda aus dem Jahr 1974 un­ter dem glei­chen Ti­tel wurde die Ge­schichte der Stadt er­zählt. In der Aus­stel­lung wer­den Film­pla­kate in meh­re­ren Sprach­ver­sio­nen aus der Samm­lung des Mu­se­ums für Ki­ne­ma­to­gra­fie in Lodz prä­sen­tiert. Sie do­ku­men­tie­ren die in­ter­na­tio­nale Reich­weite der Ver­fil­mung von A. Wajda dokumentieren.

Die Fas­zi­na­tion der zeit­ge­nös­si­schen Künst­ler für das Le­bens­werk von Hen­ryk Groh­mann wie­der­spie­gelt das Ju­bi­lä­ums­buch, ent­wor­fen zum 150. Ge­burts­tag des Kul­tur­mä­zens und Kunst­ken­ner durch den lod­zer be­kann­ten Künst­ler Ja­nusz Tryzno. Das Uni­kat mit ei­ner beid­sei­ti­gen Back­stein­bin­dung, ein­ge­fal­te­ten Sei­ten und drei­di­men­sio­na­len Fo­tos wurde durch das Kunst­buch­mu­seum in Lodz für die Prä­sen­ta­tion in Dres­den zur Schau bereitgestellt. 

Łódź heute

Die Stadt ist mit knapp 700.000 Ein­woh­nern nach War­schau und Kra­kau die dritt­größte Stadt in Po­len und im­mer­noch ein be­deu­ten­des Zen­trum der Tex­til­in­dus­trie. Au­ßer­dem ha­ben hier die Uni­ver­si­tät Łódź und die Staat­li­che Hoch­schule für Film, Fern­se­hen und Thea­ter ih­ren Sitz. Mit der Ulica Pio­tr­kow­ska gibt es den längs­ten Bou­le­vard Eu­ro­pas. Jähr­lich fin­den die Pa­rada Wol­ności und das Fes­ti­val der vier Kul­tu­ren statt.

Neue Partner gefunden

Das Kra­szew­ski-Mu­seum konnte dank der Son­der­aus­stel­lung „Theo, wir fah­ren nach Lodz“ sei­nen Kreis der Part­ner­mu­seen aus Po­len er­wei­tern. Für die Un­ter­stüt­zung bei der Um­set­zung der Aus­stel­lungs­kon­zep­tion, dan­ken wir dem Mu­seum der Stadt Lodz, ins­be­son­dere Adam Klimc­zak, dem Zen­tra­len Mu­seum für Tex­til­in­dus­trie, dem Mu­seum für Ki­ne­ma­to­gra­fie so­wie dem Kunst­buch­mu­seum in Lodz. Das Kra­szew­ski-Mu­seum, ein Ort des deutsch-pol­ni­schen Dia­lo­ges lädt ein zur Be­sich­ti­gung der Son­der­aus­stel­lung bis zum 12. Sep­tem­ber, an­schlie­ßend steht ei­ner Stu­di­en­reise nach Hol­ly­Lodz nichts mehr im Weg.

Der Text ist ein Aus­zug aus dem Blog Stadt­mu­seum Dres­den.

Kraszewski-Museum zwischen Nord- und Jägerstraße
Kra­szew­ski-Mu­seum zwi­schen Nord- und Jägerstraße

Sonderausstellung im Kraszweski-Museum

Die Son­der­aus­stel­lung ist noch bis zum 14. Sep­tem­ber zu se­hen, das Mu­seum ist von Mitt­woch bis Sonn­tag, je­weils von 12 bis 17 Uhr geöffnet.

Ne­ben der Son­der­aus­stel­lung ist die Dau­er­aus­stel­lung zum Werk von Jó­zef Ignacy Kra­szew­ski (1812–1887) zu se­hen. Der pol­ni­sche Exil­schrift­stel­ler lebte in Dres­den, nach ihm ist das Mu­seum benannt.

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