„Quadratisch, praktisch, gut“

Mir reicht’s!

„Quadratisch, praktisch, gut“ ist der Werbeslogan einer beliebten deutschen Schokoladenmarke. Aber das ist auch mein Slogan, wenn ich mal keine Lust mehr auf Deutschland und die Deutschen habe.

Diesen Spruch habe ich eigentlich von einer litauischen Kollegin übernommen, als wir eines Tages beide über die tausend und mehr Dinge redeten, die uns in Deutschland ärgern. An solchen Tagen ist es gut, ausländische Freunde zu haben, mit denen man sich offen über die Deutschen und ihre Kultur beschweren kann, ohne sich rechtfertigen zu müssen. Da wir alle mal unsere Frustrationsphasen haben, verstehen wir uns völlig.

"Wie kann sie nur?" - Peps geht bei rot. Zeichnung: Jean-Pierre Deruelles
„Wie kann sie nur?“ – Peps geht bei rot. Zeichnung: Jean-Pierre Deruelles

Mir reicht diese sinnlose Sprache, in der die Sonne weiblich und der Mond männlich ist. Mir reichen diese ewigen Winter, diese monotonen Landschaften und diese langweiligen Wälder. Mir reicht dieses Land, in dem alle wie Schafe darauf warten, dass der Ampelmann grün wird, obwohl kein Auto am Horizont zu sehen ist. Kurz gesagt, mir reicht dieses Land, in dem alles „quadratisch, praktisch, gut“ ist, aber auch irgendwie langweilig…

Ich sehne mich nach Spontaneität, Leidenschaft, Wärme, Romantik und Chaos! Ich will bei Rot rübergehen!

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Quadratisch

Solche Unvernunft findet man aber nur selten in einem Land, in dem man sich stark an die Regeln hält. Nehmen wir zum Beispiel die quadratisch gelb aufgemalten Felder für Raucher in Bahnhöfen. Die Raucher in Frankreich hätten sich längst um die Bank am Ende des Gleises gesammelt, wo die Sonne so schön scheint. Aber hier bleiben alle Raucher brav innerhalb der Markierung stehen, und wehe, einer wagt es sich nur einen Zentimeter daneben zu stellen!

Regeln werden hier wirklich nicht diskutiert. Man braucht nicht mal versuchen, ein Lehrerherz zu erweichen (oder gar zu täuschen), wenn man beispielsweise einmal eine Prüfung aufgrund einer (angeblich) schwierigen Phase nicht bestanden hat: Es wird dem mitfühlenden deutschen Lehrer ehrlich leidtun, aber im Gegensatz zu seinem französischen Kollegen wird er nie auf die Idee kommen, die Note des Schülers zu erhöhen oder eine zweite Nachholprüfung vorzuschlagen.

Den Zugschaffner besticht man auch nicht mit Gefühlen: Selbst als meine Handtasche samt Ausweis und Fahrschein im Zug gestohlen wurde, musste ich eine Strafe zahlen. Ein paar Tränen, ein hübsches Lächeln und sogar mein französischer Akzent haben sich als völlig nutzlos erwiesen. In Frankreich dagegen hatte ich Strafen dank viel harmloserer (ausgedachter) Geschichten vermieden.

Ich habe aufgehört die Zwischenfälle zu zählen, in denen mein Mann irritiert war, weil ich es gewagt habe, die Grenze des Verbotenen durchzubrechen. Einmal, in einem Sessellift in Frankreich, rauchte ich eine Zigarette, wie ich es beim Skifahren immer getan hatte, als mein Mann einen alten Aufkleber auf der Stange des Sessels entdeckte: Da stand „Rauchen verboten“. Wirklich schockiert und verängstigt rief mein Mann: „Das darfst du aber nicht! Was ist, wenn dich jemand sieht?“ „Na und? Wir sind doch in Frankreich!“ Was für ein Spielverderber.

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Eines Tages stieß ich auf einen Cartoon, der das Zusammenleben sowie die brave Angepasstheit der Deutschen treffend darstellte: Man sah einen Postschalter mit der üblichen Diskretionslinie und dahinter, in der gut geordneten Schlange: zwei Punks mit rebellischen Mienen, die aber artig warteten und respektvoll darauf achteten, die Linie nicht zu überschreiten.

Mülltrennung

Während meiner ersten Jahre in Dresden wurde ich oft von meinem Mann zurechtgewiesen, weil ich immer wieder etwas in die gelbe Tonne warf, was dort nicht hineingehörte. Deshalb landete bei mir sicherheitshalber fast der gesamte Abfall im Restmüll. Ich weigerte mich sogar, die stinkende Biotonne zu nutzen.

Heute bin ich diejenige, die meinem Mann Vorwürfe macht, wenn er die Tupperdosen für unseren verpackungslosen Einkauf auf dem Markt oder den Brotbeutel für den Bäcker vergessen hat. Denn auch ich wurde von der „Zero Waste“ Tendenz mitgenommen, die in der Neustadt weht (und möglichst viel Abfall vermeiden will).

In Sachen Mülltrennung habe ich also viele Fortschritte gemacht, aber nicht ohne Schwierigkeiten.

Das Pfandsystem bereitete mir viele Probleme. Ich irrte mich lange, indem ich Pfandflaschen in den Müll warf oder den Pfandautomaten im Supermarkt beschimpfte, weil er weder meine Tetrapacks annahm, noch die Bierflaschen, die ich woanders gekauft hatte.

Zum Papiercontainer gehe ich noch heute ausschließlich in deutscher Begleitung. Vor allem seitdem eine lettische Freundin von mir eine Geldstrafe zahlen musste, weil sie es gewagt hatte, Papier in die falsche Papiertonne zu werfen. Sie wurde sogar über einen Briefumschlag, der ihre Adresse trug, rückverfolgt, den sie in den Papp- statt Papiercontainer geworfen hatte! „Papier“ und „Pappe“: Die beiden klingen zu ähnlich für ausländische Ohren!

Das Gleiche gilt für die drei Glascontainer: Ich hätte zu viel Angst, dass jemand meine Spur wiederfindet, falls ich eine Flasche Bordeaux aus Versehen zum grünen statt zum braunen Glas werfe …

Ende gut, alles gut

Glücklicherweise enden diese „deutschlandfeindlichen“ Gespräche unter Ausländern, die Heimweh haben, meistens mit einem befreienden Lachen. Bald darauf sind wir schon beim Relativieren und zählen alle guten Eigenheiten der deutschen Kultur und Gründe auf, warum wir hier hergekommen sind und bleiben: „Na klar, das ist ja gerade dieser strenge Rahmen, der diese außerordentliche Lebensqualität ermöglicht … Diese Freiheit und Kreativität, die die Deutschen ausleben, die vermissen wir total in Frankreich … ach dieses Dresdner Savoir-vivre“ usw.

Die Französin Peps in Dresden - Zeichnung: Jean-Pierre Deruelles
Die Französin Peps in Dresden – Zeichnung: Jean-Pierre Deruelles

Ein Gastbeitrag von Peps, der Französin in der Neustadt. Aus der Reihe „C’est la vie! – Chroniken einer Französin in der Neustadt„. Illustrationen: Jean-Pierre Deruelles. Fortsetzung folgt.

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Ergänzungen gern, aber bitte recht freundlich.

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