Die Leiden der Unbekleideten

Ich wusste, dass die Kultur der Nacktheit in (Ost-)Deutschland weit verbreitet ist. Ich hatte mehrmals Ausflüge an Badeseen gemacht und die nackten Menschen um mich herum waren nicht zu übersehen. Denn auch wenn es keinen abgegrenzten FKK-Bereich gibt, sonnen sich hier nackte und bekleidete Badende einfach gemischt auf dem Strand …

Peps fühlt sich in der Öffentlichkeit nackt nicht so wohl - Zeichnung: Jean-Pierre Deruelles
Peps fühlt sich in der Öffentlichkeit nackt nicht so wohl – Zeichnung: Jean-Pierre Deruelles

Wie bestimmt alle französischen Gymnasiasten, die einst während einer Schulreise nach Deutschland im Schwimmbad waren, erinnere ich mich gut an unser vorpubertäres Gekicher in den Umkleideräumen, wo die deutschen Mädels und Frauen nackt duschten. „Duscht man in Frankreich etwa nicht nackt?“ fragte mich eine deutsche Freundin. In öffentlichen Orten eben nicht. Der Badeanzug bleibt immer an!

Kurz gesagt, ich kannte FKK und ich fühlte mich unter Nackten okay, solange ich selber meinen eigenen Bikini anbehalten durfte.

Huch, die Deutschen gehen nackt in die Sauna

Eines Tages lud mich eine Dresdner Kollegin, die ich gerade kennengelernt hatte, in die Sauna ein. Ein Wellness-Nachmittag im Nordbad, um sich näher zu kommen? Was für eine originelle Idee! Für einen ersten gemeinsamen Ausflug hätte ich spontan eher einen Kaffee vorgeschlagen, aber die Vorstellung unter Mädels in einem Whirlpool zu plaudern klang auch gut.

Anzeige

Semper Oberschule Dresden

Anzeige

Canaletto-Gin der Dresdner Spirituosen Manufaktur

Anzeige

Aussitzen Deluxe 2.0

Anzeige

Yogawaves

Anzeige

Tranquillo bunt und fair

Im Umkleideraum meinte sie dann einfach so: „Ich hoffe, du hast keinen Badeanzug dabei, sonst dürfen wir hier nicht rein!“. Hahaha, guter Witz. Aber das war kein Witz. Ich musste wirklich komplett nackt sein, um in die Sauna gelassen zu werden …

Ich zögerte eine Weile, fand es aber lächerlich, den Termin jetzt sausen zu lassen, nachdem wir den Eintritt schon bezahlt hatten. Vor meiner Kabine wurde meine Kollegin ungeduldig: „Und, kommst du?“.

Vorbeziehende Genitalienparade

Die zwei nächsten Stunden überlebte ich, indem ich versuchte, meine Augen abwechselnd in Richtung meiner Füße und der Decke zu richten, um der Genitalienparade, die an mir vorbeizog, recht und schlecht auszuweichen. Dabei entdeckte ich entsetzt, dass außerhalb besonderer Frauenöffnungszeiten die Sauna sogar gemischt war. Sobald wir die Kabinen wechselten wickelte ich mich in mein Handtuch ein und ich hüpfte so oft es ging in den Whirlpool, um mich unter dem Blubbern zu verstecken.

Ich schwitzte nicht, weil es achtzig Grad warm war, sondern weil ich mich schämte, nackt neben dieser potenziellen neuen Freundin rumzusitzen. Ich hatte ja nicht geplant, mich bei unserem ersten Treffen so „enthüllt“ zu zeigen! Ich habe keine Ahnung, worüber wir uns an diesem Tag unterhielten.

Anzeige

Kieferorthopädie

Anzeige

Aussitzen Deluxe 2.0

Anzeige

Fit together mit Claudia Seidel

Anzeige

Yogawaves

Ich weiß nur noch, wie ich mich bemühte, mich auf ihre Augen und ihre Erzählungen zu konzentrieren und dabei vergeblich versuchte, ihre gelassene und meine angespannte Nacktheit zu vergessen („Ich bin nicht nackt, ich bin nicht nackt … Sorry, was sagtest du gerade?“).

Glücklicherweise verhinderte dieser Fehlstart die Entstehung unsere Freundschaft nicht, denn wir sind noch heute gute Freundinnen. Gerne erinnern wir uns an diese erste Freundschaftsprobe, die sie mir gestellt hat.

Auch mit meinen französischen Freunden in Deutschland lache ich über solche Anekdoten, denn jeder von uns hat eine und befand sich eines Tages ungeplant in Adamskostüm: Bei mir war es mit der Kollegin, bei anderen waren es Mitbewohner, Schüler, Nachbarn oder sogar die eigenen Schwiegereltern. Da hatte ich offenbar noch einmal Glück gehabt.

Die Französin Peps in Dresden - Zeichnung: Jean-Pierre Deruelles
Die Französin Peps in Dresden – Zeichnung: Jean-Pierre Deruelles

Ein Gastbeitrag von Peps, der Französin in der Neustadt. Aus der Reihe „C’est la vie! – Chroniken einer Französin in der Neustadt„. Illustrationen: Jean-Pierre Deruelles. Fortsetzung folgt.

Artikel teilen

6 Ergänzungen zu “Die Leiden der Unbekleideten

  1. Es gibt einen Whirlpool im Nordbad??
    Da leiden entweder die Autorin oder ich an Pandemieamnesie…
    Sei’s drum, immer wieder schöne Texte von Peps und ich werde nackt Freudentänze aufführen, wenn das Nordbad endlich wieder aufmachen darf!

Ergänzungen gern, aber bitte recht freundlich.

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.