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Cool, die ist ja so wie ich

Die „Sis­ters*“ ver­su­chen, Mäd­chen und junge Frauen of Color durch ihre ras­sis­mus­kri­ti­sche Sozi­al­ar­beit Vor­bil­der zu sein. Koor­di­na­to­rin Senja Brüt­ting erzählt, wie sie die Jugend­li­chen im länd­li­chen Raum Sach­sens stärken.

Königsbrücker Straße am Vormittag.
Hier an der Königs­brü­cker Straße haben die Sis­ters* ihr Büro

Laut tönt der Ver­kehr durch die geöff­nete Bal­kon­tür ins Büro an der Königs­brü­cker Straße, doch Senja Brüt­ting lässt sich davon nicht beir­ren. Die 29-Jäh­rige ist eine der zwei Koor­di­na­to­rin­nen der Sis­ters*, dem ein­zi­gen Sozi­al­ar­beits­re­fe­rat Sach­sens, das ras­sis­mus­kri­ti­sche Arbeit von und mit jun­gen Frauen mit Migra­ti­ons- und Flucht­ge­schichte macht.

Eigent­lich wollte ich Schau­spie­le­rin wer­den“, erzählt sie, wenn man sie nach ihrem ursprüng­li­chen Berufs­wunsch fragt. Dar­aus wurde dann zunächst ein Stu­dium der Inter­na­tio­na­len Sozia­len Arbeit, spä­ter eine Aus­bil­dung zur Tanz­päd­ago­gin. Sie reiste viel und arbei­tete in Süd­ost­asien für eine kleine Gras­wur­zel­be­we­gung vor Ort, bis es sie doch zur Arbeit nach Deutsch­land zurücktrieb.

Zuhören gegen die Isolation

Ich rea­li­sierte, dass nicht nur ich, son­dern auch viele andere von Ras­sis­mus betrof­fen sind,“ meint Brüt­ting nach­denk­lich. Sie besuchte selbst zunächst Work­shops, merkte, wie gut es tat, ande­ren zuzu­hö­ren, die mit den glei­chen Schwie­rig­kei­ten kon­fron­tiert wer­den und es doch schaff­ten, sich selbst zu stär­ken. Und wollte selbst Teil derer sein, die bei die­sem Empower­ment hel­fen, in der Jugendarbeit.

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Zwei weiße Frauen, die Bil­dungs­re­fe­ren­tin­nen der LAG Mäd­chen* und junge Frauen* in Sach­sen e. V., rie­fen das Pro­jekt Sis­ters* vor unge­fähr zwei Jah­ren ins Leben, hol­ten sich jedoch bald Brüt­ting und ihre Kol­le­gin Linh Tran dazu. Brüt­ting, aus dem städ­ti­schen Erlan­gen, arbei­tet also nun mit Mäd­chen­grup­pen in Eilen­burg, Pirna und Frei­berg. „Die Mädels sind super­iso­liert auf dem Land, viel mehr noch als in der Stadt.“

Ras­sis­ti­sche Anfein­dun­gen in der Schule, Pro­bleme mit der Fami­lie oder ein­fach nur Mathe – hier setz­ten die Sis­ters* an, hören zu, geben Rat oder Nach­hilfe. Corona und Lock­down ver­stär­ken die Belas­tung daheim noch mehr, die Schüler:innen ver­ein­sa­men, kom­men im Unter­richt nicht gut mit oder haben Schwie­rig­kei­ten mit der Spra­che. „Die Hürde ist für die Mäd­chen häu­fig sehr hoch, sich an jeman­den zu wen­den. Wir bie­ten einen Ort zum Zuhö­ren“, so Brütting.

Theaterkurse und Schwimmen ohne Kopftuch

Dazu arbei­ten die Sis­ters* mit den Jugend­ein­rich­tun­gen vor Ort zusam­men. Ihr Ansatz dabei: Ver­trauen schaf­fen und die Mäd­chen durch eine Vor­bild­rolle bestär­ken. Sie wol­len zu den Mäd­chen eine Bezie­hung auf­bauen, sie dadurch bestär­ken, dass sie selbst Frauen of Color sind und ähn­li­che Dis­kri­mi­nie­rungs­er­fah­run­gen machen. „Wenn sie den­ken: ‚die schaut ein­fach so aus wie ich‘, dann hilft das sehr“, weiß Brüt­ting. Sie machen DJ-Work­shops und Thea­ter­kurse, gehen zusam­men schwim­men, ohne dass sich die Mäd­chen schä­men müs­sen, wenn sie ihr Kopf­tuch able­gen, oder bie­ten Mäd­chen­frei­zei­ten an.

Senja Brütting
Senja Brüt­ting koor­di­niert und empowert, was das Zeug hält

Das schafft Ver­trauen und eine Com­mu­nity und gibt den Mäd­chen gleich­zei­tig einen Safer Space und eine Gruppe, an die sie sich wen­den kön­nen, ande­ren Leu­ten, denen es ähn­lich geht. „Gegen­sei­ti­ges Empower­ment“, nennt Brüt­ting das. „Wir zei­gen den Mäd­chen: wir sind sicht­bar, wir zei­gen uns, und wir kön­nen sein, was wir wol­len: Ärz­tin mit Kopf­tuch, mus­li­mi­sche DJane oder was auch immer.“ Auf ihrer Insta­gr­am­seite stel­len die Mäd­chen Videos, erzäh­len von sich selbst, aber ver­bren­nen auch mal das sym­bo­li­sche Patri­ar­chat in Form einer Stofftüte.

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Mit Workshops gegen den Hass

Die Arbeit ist viel­fäl­tig, doch sie ist auch anstren­gend. „Koor­di­nie­ren, bera­ten, empowern – wir machen so viel“, zählt Brüt­ting auf. Und doch sprü­hen ihre Augen vor Ener­gie. „Mich moti­viert ein­fach der Inhalt, dass unsere Arbeit sinn­voll und wich­tig ist“, meint sie. Und ruft dann, ein wenig pathe­tisch: „Für soziale Gerechtigkeit!“

Wie begeg­net die 29-Jäh­rige Leu­ten, die nicht so über­zeugt von sozia­ler Gerech­tig­keit und dem Stär­ken von Min­der­hei­ten sind, wie sie selbst? „Mit sol­chen Leu­ten umgebe ich mich nicht gerne“, meint Brüt­ting vehe­ment. Ein sol­ches Klein­re­den von Ras­sis­mus ver­neint einen Teil ihrer Lebens­rea­li­tät, ihrer täg­li­chen Pro­bleme. Der Dis­kurs solle weg von einer Dis­kus­sion über die Exis­tenz von Ras­sis­mus, son­dern statt­des­sen dort anset­zen, wo die Pro­bleme sind.

Des­we­gen boten die Sis­ters* hin und wie­der Work­shops und Schu­lun­gen an, die Auf­klä­rung leis­ten. Die Nach­frage nach sol­chen Work­shops für Fach­kräfte wurde immer mehr und über­stieg nach eini­ger Zeit ihre Kapa­zi­tä­ten bei wei­tem. Damit die „Mädels dabei nicht zu kurz kom­men“, wie Brüt­ting sagt, über­las­sen die Sis­ters* diese Auf­gabe seit die­sem Jahr jedoch ver­mehrt dem immer grö­ßer wer­den ras­sis­mus­kri­ti­schen Netzwerk.

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Für ihre Arbeit hat Brüt­ting bis­her viel Aner­ken­nung erfah­ren. „Das ist so wich­tig, dass ihr das macht“, sol­che Rück­mel­dun­gen höre sie von vie­len Sei­ten. Den­noch scheut sie sich, ihr Bild in der Öffent­lich­keit zu sehen, hat Angst davor, dass ihr auch irgend­wann Hass ent­ge­gen schla­gen könnte wie vie­len ande­ren, die sich gegen Ras­sis­mus enga­gie­ren. „Ich will nicht auf der Liste von irgend­wel­chen Nazis landen.“

Das scheint bis­her noch nicht der Fall zu sein. „Wir kri­ti­sie­ren zwar auch, aber machen auch etwas dage­gen“, meint Brüt­ting, ist sich aber nicht sicher, ob das etwas mit den aus­blei­ben­den Anfein­dun­gen zu tun hat. Viel­leicht sind in ihrem Fall ja Sozi­al­ar­beit und kon­struk­ti­ves Enga­ge­ment die Brü­cke, die es braucht, um Ras­sis­mus zu begeg­nen und zu überwinden.

Die Sis­ters* auf ihrem Freizeitcamp
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