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Lieber mal lokal?

Es ist ein kal­ter Diens­tag­abend, die Nacht ist schon her­ein­ge­bro­chen, doch im Hin­ter­hof der Gör­lit­zer Straße 35 brennt noch Licht.

Mit dem Schlitten zur Verteilstation - Foto: Jonas Breitner
Mit dem Schlit­ten zur Ver­teil­sta­tion – Foto: Jo­nas Breitner

An­ge­zo­gen vom hel­len Schein stap­fen die ers­ten Markt­schwär­mer wa­cker üben den knir­schen­den Schnee. Sie kom­men, um ihre Le­bens­mit­tel von der „Schwär­me­rei“ ab­zu­ho­len. Eine Schwär­me­rei ist hier­bei nicht un­be­dingt eine Ro­manze, schon je­doch der Ort, an dem sich Produzent*innen und Konsument*innen von Le­bens­mit­teln nä­her­kom­men sollen.

Bauer to the people!

Das Kon­zept in al­ler Kürze: Man be­stellt und be­zahlt on­line und im Vor­aus seine ge­wünsch­ten Pro­dukte, diese wer­den ge­ern­tet, ge­ba­cken, pro­du­ziert und an ei­nem Stich­tag von den re­gio­na­len Erzeuger*innen an der Ver­teil­sta­tion per­sön­lich übergeben.

So auch heute. Im Hin­ter­hof ha­ben die Markt­schwär­mer Quar­tier be­zo­gen. Zwar kön­nen durch die Co­rona-be­ding­ten Hy­gie­ne­maß­nah­men deut­lich we­ni­ger Erzeuger*innen als ge­wöhn­lich vor Ort sein, je­doch hal­ten ei­nige we­nige die Stellung.

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Auf Ab­stand und mit Maske wer­den die Schwär­mer ent­we­der di­rekt im Hin­ter­hof mit Käse, Fleisch und Fisch ver­sorgt oder durch die ein­la­dende Tür des „Club Kwang Lee“ gebeten.

Kundenkontakt ausdrücklich erwünscht - Foto: Jonas Breitner
Kun­den­kon­takt aus­drück­lich er­wünscht – Foto: Jo­nas Breitner

Das Club-Ate­lier dient als Kul­tur­raum für ei­nen Kul­tur­be­trieb im tiefs­ten Win­ter­schlaf. Da sich der Club auch ge­ne­rell als Frei­raum für „Kul­tur und gute Ideen“ be­greift kön­nen die Markt­schwär­mer – die in der Neu­stadt zu­nächst kei­nen ge­eig­ne­ten Stand­ort für ihr Pro­jekt fan­den (wir be­rich­te­ten) – den Raum für ei­nige Stun­den je­den Diens­tag nutzen.

Kisten statt Konversation

Drin­nen sta­peln sich die auf Bier­ti­schen auf­ge­bau­ten Le­bens­mit­tel­kis­ten. Doch all das hat Sys­tem, die über 200 Kis­ten sind fein-säu­ber­lich nach Be­stell­num­mer sor­tiert. So soll ga­ran­tiert wer­den, dass jede*r schnell zur ge­wünsch­ten Kiste kommt und die Ab­ho­lung so kon­takt­los wie mög­lich verläuft.

Kisten im Club - Foto: Jonas Breitner
Kis­ten im Club – Foto: Jo­nas Breitner

Dazu kommt neu­er­dings, dass im Hecht und der Äu­ße­ren Neu­stadt ge­gen ei­nen ge­rin­gen Auf­preis die Lie­fe­rung per Las­ten­rad nach Hause be­stellt wer­den kann.

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Die Seilschaft am 15. August bei den Filmnächten am Elbufer

Aus Hy­giene-Sicht ab­so­lut sin­nig, of­fen­bart dies doch, dass auch hier der mensch­li­che Aus­tausch lei­det. Nor­ma­ler­weise wäre der Raum nicht er­füllt von Kis­ten, son­dern Kon­ver­sa­tio­nen zwi­schen den Leuten.

Ein familiärer Abnehmerkreis

Das An­ge­bot er­streckt sich trotz der ern­te­tech­nisch eher we­nig ab­wechs­lungs­rei­chen Win­ter­zeit über eine breite Aus­wahl an Obst, Ge­müse, Back­wa­ren und sons­ti­gen Le­bens­mit­teln. Nicht not­wen­di­ger­weise mit Bio-Sie­gel, je­doch im­mer re­gio­nal und da­mit saisonal.

Ne­ben dem Grund­sor­ti­ment wer­den auch je nach Wo­che Fein­kost, Eis, Bier, Teig­ta­schen, Wolle oder Nist­käs­ten für In­sek­ten angeboten.

Variationsreiche Winterware - Foto: Jonas Breitner
Va­ria­ti­ons­rei­che Win­ter­ware – Foto: Jo­nas Breitner

Der durch­schnitt­li­che Trans­port­weg für all das liegt bei etwa 27 Ki­lo­me­ter und sei da­mit, so ver­si­chert Gast­ge­be­rin Fanny Schiel, „re­gio­na­ler als al­les was die Su­per­märkte als re­gio­nal definieren“.

Fanny selbst hat viel zu tun, zu­sam­men mit ih­rer hel­fen­den Hand Josi ord­net sie die Le­bens­mit­tel, plau­dert mit Kun­den und küm­mert sich um die vie­len Klei­nig­kei­ten, die eben so an­fal­len. Die Schwär­me­rei in der Neu­stadt fei­ert die­sen Fe­bruar ihr zwei­jäh­ri­ges Be­stehen. Das Ganze wirkt an­ge­nehm fa­mi­liär, es gibt ei­nen sta­bi­len Kreis von Stamm­kun­den, man kennt sich.

Ein europaweites, regionales Netzwerk

Manch­mal kom­men auch Gäste, so­ge­nannte „Gast­schwär­mer“, aus dem Erz­ge­birge, dem Vogt­land, letzte Wo­che war ein Al­paka-Far­mer aus Ober­wie­sen­thal zu Be­such. Ver­net­zung und Aus­tausch ist Fanny wich­tig. Das Kon­zept, das seine Ur­sprünge in Frank­reich hat und heute auch in Spa­nien, Ita­lien, Bel­gien und der Nie­der­lande zu Hause ist, boomt.

Al­lein in Deutsch­land hat sich zwi­schen 2019 und 2020 die Zahl der Schwär­me­reien von 50 auf 114 mehr als ver­dop­pelt. Das Netz­werk zählt mitt­ler­weile 15.000 re­gel­mä­ßige Kun­den und über 1.800 re­gio­nale Erzeuger.

Schmeißen den Laden: Gastgeberin Fanny und helfende Hand Josi - Foto: Jonas Breitner
Schmei­ßen den La­den: Gast­ge­be­rin Fanny und hel­fende Hand Josi – Foto: Jo­nas Breitner

Zu­min­dest in Dres­den bremst auch Co­rona die­ses Wachs­tum nicht. Auf die Aus­wir­kun­gen der Pan­de­mie ge­fragt, sagt Fanny: „Für uns ist es nicht das schlech­teste, was pas­sie­ren konnte im letz­ten Jahr“.

Denn: In Zei­ten von ge­schlos­se­ner Gas­tro­no­mie, we­ni­ger Märk­ten und ab­ge­sag­ten Ver­an­stal­tun­gen hat die Ver­teil­sta­tion eine be­son­dere Be­deu­tung ge­won­nen: „Für die Er­zeu­ger ist ein si­che­rer Di­rekt­ver­mark­tungs­weg jetzt umso wich­ti­ger, weil ih­nen an­dern­orts viele Stand­beine weg­ge­bro­chen sind“ weiß sie.

Vorteile für Verbraucher wie Erzeuger

Für diese spielt auch der fle­xi­ble Rah­men eine große Rolle. Auf die Frage, wieso er hier seine Ware an­böte, weist Er­zeu­ger Fe­lix dar­auf hin, dass das Feh­len ei­ner Min­dest­ab­nah­me­menge es ihm erst er­mög­li­che ohne Druck aus­zu­pro­bie­ren, was nach­ge­fragt wird, und so zu wach­sen. Mar­tin, ein wei­te­rer Er­zeu­ger, er­klärt er hätte sein Fer­men­tier-Hobby zu ei­nem fle­xi­blen Ne­ben­er­werb aus­wei­ten können.

Wackere Erzeuger - Foto: Jonas Breitner
Wa­ckere Er­zeu­ger – Foto: Jo­nas Breitner

Auch die Kun­den wir­ken froh um das An­ge­bot. Ei­ner meint „ich finde Markt­schwär­mer ziem­lich geil, weil man da hoch­wer­tige Pro­dukte be­wusst kauft, re­gio­nale Er­zeu­ger un­ter­stützt und auch ir­gend­wie ein bes­se­res Bild von den Men­schen kriegt. […] Es ist ein gu­tes Ge­fühl, sich an ei­nem Markt­schwär­mer-Diens­tag mit ei­nem Freund zu tref­fen und Brot­zeit zu machen.“

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2 Ergänzungen

  1. Wahr­schein­lich bin ich blind, aber ich habe lei­der kei­nen Link zru On­line­be­stel­lung im Text gefunden.

    An­sons­ten eine feine Sache!

Ergänzungen gern, aber bitte recht freundlich.

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