Anzeige

Sachsen-Ticket

Antje Seeger: Film-Fährten

Die Me­di­en­künst­le­rin Antje See­ger ist Sti­pen­dia­tin von "Boun­cing For­ward – Re­si­li­ente Kul­tur" des Amts für Kul­tur und Denk­mal­schutz. Ihr ak­tu­el­les Su­jet un­ter­sucht sie fil­misch: ein Schwimmbad. 

"Ich war per­ma­nente Zu­hö­re­rin", sagt Antje See­ger. Im ver­gan­ge­nen Jahr ar­bei­tete sie an ei­nem do­ku­men­ta­ri­schen Vi­deo-Es­say über ein Schwimm­bad in ih­rer Hei­mat Thü­rin­gen. "Ich habe dort schwim­men ge­lernt." Heute macht sie ei­nen Kopf­sprung in die Ge­schichts­mo­le­küle des Or­tes. Das Bad ist ver­bun­den mit vie­len wei­te­ren Schick­sa­len, mit Wende und Wen­dun­gen, mit Frosch- und Vogelperspektiven.

Standbild aus dem Video Essay FREISCHWIMMER von Antje Seeger. Foto: Antje Seeger und VG Bildkunst
Stand­bild aus dem Vi­deo Es­say FREISCHWIMMER von Antje See­ger. Foto: Antje See­ger und VG Bildkunst

Brüche beibehalten, Absehbarkeit vermeiden

Antje See­ger ar­bei­tet kon­zep­tio­nell, re­cher­che­ba­siert und in ver­schie­de­nen Me­dien wie Vi­deo, Fo­to­gra­fie, In­stal­la­tion, Ob­jekt oder Text. Zu­dem rea­li­sierte sie ver­schie­dene In­ter­ven­tio­nen und Per­for­man­ces im öf­fent­li­chen Raum. Da­bei be­schäf­tigt sie sich mit den Wech­sel­wir­kun­gen zwi­schen der ma­te­ri­el­len und der men­ta­len Welt, zwi­schen ge­sell­schaft­li­chen Wert­vor­stel­lun­gen und all­täg­li­chen Hand­lungs­kon­ven­tio­nen. Seit zwei Jah­ren ar­bei­tet See­ger mit dem Schwer­punkt künst­le­ri­sche Wis­sens­ge­ne­rie­rung durch Bil­der so­wie der ge­sell­schaft­li­chen Rolle von Kunst, Künstler*innen und Bildmedien.

Bis zu ei­nem Jahr oder län­ger kann es dau­ern, bis ein Film ent­stan­den ist. Sie führt In­ter­views mit Men­schen, durch­stö­bert Ar­chive, durch­kämmt Bi­blio­the­ken. "Fil­men habe ich mir selbst bei­gebracht", sagt sie. Zwar habe ihr das Stu­dium der Me­di­en­kunst in Leip­zig Grund­la­gen ver­mit­telt, doch das Ent­wi­ckeln von Dra­ma­tur­gie und Story er­schloss sie sich selbst.

An­zeige

Semper Oberschule Dresden

An­zeige

Die Seilschaft am 15. August bei den Filmnächten am Elbufer

An­zeige

Tranquillo Sommer Sale

An­zeige

Wiedereröffnet: Villandry Dresden

An­zeige

Aussitzen Deluxe 2.0

"Das ist die größte Her­aus­for­de­rung", er­klärt Antje See­ger. "Film ist stark ge­prägt von Seh­ge­wohn­hei­ten." Als Bei­spiel nennt sie die Hol­ly­wood-Pro­duk­tion. Es gibt be­währte Ste­reo­ty­pen, Ab­fol­gen, die Er­war­tun­gen er­fül­len, Fähr­ten, die am er­war­te­ten Ziel an­kom­men. "Ich möchte die Brü­che im Film bei­be­hal­ten und da­mit Ab­seh­bar­keit vermeiden."

Ein starkes Nachdenken

Mit der Ka­mera taucht die Künst­le­rin tief in das Pri­vat­le­ben der mit­wir­ken­den Per­so­nen ein. "Es kann pas­sie­ren, dass Pro­zesse aus­ge­löst wer­den, die schmerz­haft sind. Dass fa­mi­liäre Sa­chen hoch­kom­men.", sagt sie. "Für mich ist es wich­tig, mich of­fen zu hal­ten, nicht vor­ein­ge­nom­men zu sein." Ihre For­schung ist ab­sichts­los – es gibt kei­nen Be­weis zu er­brin­gen. Antje See­ger sam­melt, hört und sieht. Im Film ord­net sie das Ma­te­rial neu. "Es ist ein star­kes Nach­den­ken. Je­der Schnitt ist am Ende ja eine Fiktionalisierung."

Die Künstlerin Antje Seeger. Foto: Antje Seeger
Die Künst­le­rin Antje See­ger. Foto: Antje Seeger

Ei­nes ih­rer ers­ten Vi­deo-Es­says rea­li­sierte sie in Rot­ter­dam. Da­bei spielt die Fas­sade ei­nes Lu­xus­ho­tels so­wie die grie­chi­sche Staats­schul­den­krise eine Rolle.

Am I a Warrior?

Für 2021 ste­hen et­li­che Pro­jekte an. Im Rah­men des Boun­cing For­ward Sti­pen­di­ums ar­bei­tet sie ak­tu­ell an der Kon­zep­tion ei­nes Vi­deo-Walks un­ter dem Ar­beits­ti­tel "Am I a War­rior?" durch den öf­fent­li­chen Stadt­raum Dres­dens. Da­bei soll es um die Be­wäl­ti­gung krank­heits­be­ding­ter Kri­sen im Kon­text ak­tu­el­ler ge­sell­schaft­li­cher Ge­scheh­nisse ge­hen. Der Fo­kus liegt auf Kampf als ei­ner Form kri­sen­ba­sier­ter Auseinandersetzung.

An­zeige

Aussitzen Deluxe 2.0

An­zeige

Die Seilschaft am 15. August bei den Filmnächten am Elbufer

An­zeige

Fit together mit Claudia Seidel

An­zeige

Kieferorthopädie

Die Künst­le­rin hofft dar­auf, dass das Le­ben bald wie­der jen­seits von On­line-Er­satz­for­ma­ten statt­fin­den kann. Sie ver­misse In­ter­ak­tion und zwi­schen­mensch­li­chen Aus­tausch: „Mit der Ver­ein­ze­lung steigt die Ge­fahr der In­to­le­ranz.“ Kon­flikte aus­zu­han­deln sei in­spi­rie­rend. Sie zu er­tra­gen eine Fä­hig­keit, die durch Iso­la­tion ge­fähr­det sei, er­klärt Antje Seeger.

Zu­gleich berge die Krise das Po­ten­tial neuer Wege und Ver­bes­se­run­gen: „Es ist im­mer bei­des da“, sagt die Künst­le­rin. Sie werde ge­tra­gen von der Zu­ver­sicht, dass sie das al­les ir­gend­wie schaffe. „Ich lasse mich nicht unterkriegen.“

Antje Seeger

  • Bil­dende Künst­le­rin, Fil­me­ma­che­rin, Kuratorin
  • Vi­deo, Fo­to­gra­fie, In­stal­la­tion, Text
  • www.antjeseeger.de
Ar­ti­kel teilen

Ergänzungen gern, aber bitte recht freundlich.

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.