Von denen, die die Ecke putzen

Sonntagmorgen, kurz vor 6 Uhr. Roland Vogt hat sich mit einem Laubbesen aus Stahl bewaffnet und kämpft sich die Rothenburger Straße in Richtung schiefer Ecke.

Roland Vogt von der Stadtreinigung Dresden
Roland Vogt von der Stadtreinigung Dresden
Dort feiern noch die Übrigebliebenen der lauen Sommernacht. Im Bermuda-Dreieck tönt noch etwas Musik, das Nachtvolk schützt sich mit Sonnenbrillen vor dem aufziehenden Tag.

Quadratmeter für Quadratmeter reinigt Vogt den Fußweg von Scherben, Kronenkorken, Kippen und anderen Überbleibseln der nächtlichen Party. „Heute ist es recht wenig, das sah schon viel schlimmer aus“, sagt er und kratzt eine hartnäckige Scherbe aus den Fugen der Pflastersteine. „Mit einem normalen Besen hat man hier keine Chance“, erläutert er den Einsatz mit dem stählernen Laubbesen.

Seit 30 Jahren arbeitet er schon für die Dresdner Stadtreinigung. „Ich bin schon so lange dabei, wundere mich aber doch jeden Tag, was sich die Leute so einfallen lassen“, sagt er und wischt sich die Schweißperlen von der Stirn. Auf den Straßen findet er viel. Heute steht hier ein abgesägter Baumstamm herum. Vielleicht hat da jemand drauf gesessen.

Stahlbesen im Einsatz
Stahlbesen im Einsatz
Ein ausrangierter Kinderwagen steht an der Ecke, den nutzt ein Flaschensammler, weiß Vogt. Er habe aber auch schon Unterwäsche in einer Ecke gefunden – aber meist sind es eben Flaschen, Kronkorken, Scherben und Plastebecher.

„In der Neustadt sind wir sieben Tage die Woche im Einsatz“, berichtet er. Seit dem die Corona-Beschränkungen wieder aufgehoben wurden, sei der morgendliche Müllberg erheblich gewachsen. Heute ist er mit zwei Kollegen dabei, die Fußwege zu säubern. Ein weiterer ist mit einer kleinen Kehrmaschine unterwegs, die saugt und bürstet dann die Müllreste ein, die Vogt und Kollegen vom Fußweg in das Schnittgerinne gekehrt und gekratzt haben.

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So richtig sauber ist der Fußweg dann aber noch immer nicht, zwar sind die Glasscherben weg und die groben Essensreste und die Plastebecher, aber der Fußweg klebt. Dazu wird im Laufe der Nacht zu viel aus- und weggekippt. Ob mehr Mülltonnen helfen würden? Vogt verneint das: „Mehr Mülltonnen bedeutet nur mehr Müll.“

Die tiefen Ritzen vorm Tranquillo lassen sich schwer reinigen.
Die tiefen Ritzen vorm Tranquillo lassen sich schwer reinigen.
Vor allem das kleinteilige Pflaster direkt an der Kreuzung macht Vogt zu schaffen. „Sehen Sie hier die Fugen, die sind schon so tief, da können sich die Scherben gut verklemmen“, er zeigt auf ein Stück direkt vor dem Tranquillo. An den anderen Ecken sieht es nicht besser aus. Das müsste mal mit wasserdurchlässigen Zement verfüllt werden, schlägt er vor.

Wenn Vogt und seine Kollegen gegen 9 Uhr fertig sind mit der Neustadt, dann können hier Hunde und Fußgänger wieder relativ sorglos über die Fußwege spazieren. „Dann bekommen wir auch schonmal ein Dankeschön von den Neustädtern“, sagt er und schaut stolz auf sein Tagwerk.

Müll an der Ecke

Was vom Imbiss übrig bleibt, fliegt auf die Straße.
Was vom Imbiss übrig bleibt, fliegt auf die Straße.
Mit dem Morgen enden die Feiern. Der Müll bleibt.
Mit dem Morgen enden die Feiern. Der Müll bleibt.
Bierflaschenreste an der Ecke
Bierflaschenreste an der Ecke
Mit der Kehrmaschine wird das Schnittgerinne gereinigt.
Mit der Kehrmaschine wird das Schnittgerinne gereinigt.
Die unzerstörten Flaschen werden eingesammelt.
Die unzerstörten Flaschen werden eingesammelt.

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9 Kommentare zu “Von denen, die die Ecke putzen

  1. Den fleißigen Geistern in Orange kann man gar nicht genug danken, dass es am nächsten Morgen wieder halbwegs menschenwürdig aussieht. Wir sparen uns an dieser Stelle mal an die Kosten zu erinnern, und schon gar nicht daran, was diese Herren in Orange wohl darüber denken müssen, was und warum sie das beseitigen müssen.

  2. Und nochmal der sanfte Hinweis: die Reinigung dieser baulichen Ecken ist nicht das Problem, es ist wenig Manpower nötig, man fegt auf befestigter und durch Mauern eingehauster Fläche. Die Arbeiter leisten tagtäglich Großartiges, die Defizite liegen ab wenige Meter weiter und im Strukturellen der Stadtreinigung.
    Danke an die Rekommunalisierung der SRD, welche 2005 während noch neoliberaler CDU-Diktatur zur Hälfte privatisiert wurde und die Folgen seither ärgerlich und immer zahlreicher waren. Jetzt ist man dabei die Probleme im Bereich Blaue Papiertonne und Wertstoffsammelstandorte zu beheben etc.pp.
    Die vielen Raus-rein-Mülltonnendienste unserer SRD für Großvermieter Vonovia halte ich für unnötig, diese können nun gern an ausgelöste Veolia abgetreten werden, welche bis kürzlich 49% der SRD hielt und Bedarfsanpassungen bei Vermüllungsproblemen hinderte. Also nochmal Danke für Nichts an die Sparfüchse der „Christlich-Demokaten“.

    Abseits Neustadt und Innenstadt herrscht in ganz DD „Anliegerpflicht“ – also auch z.B. im Hechtviertel. Also bitte immer schön euren Müll selber vor der Haustüre wegmachen!
    Das ist in der sächs. (Ver)Müll(ungs)-Gesetzgebung so verankert, außerdem sollen die (ohnehin supergeringen) Straßenreinigungsgebühren ja nicht steigen – ojee minee, ganz in Ignoranz steigender Kehrrichtmengen und Sorglosigkeiten der Verursachenden, welche übrigens rechtswidrig, aber sanktionslos handeln dürfen (Müllwurf Straße = illegal, z.B. Kippe oder Pizzakarton: 50,-€). Natürlich besteht zudem ein Papierkorb-Mangel und somit -Problem an vielen Straßen, wo Passantenfrequenz seit Jahren wächst. So besitzt die Königsbrücker Straße ab Schauburg nordwärts bis Industiegelände keinen SRD-Papierkorb, na wunderbar! Entsprechend liegt eben dann alles auf dem Anstandgrün herum, wo der Wind sowieso auch den Fahrbahnmüll der Autolenkenden ablagert. DVB-Körbchen werden bekanntlich mitgezählt, aber das ist unlauter und für die Problembeschreibung wirkungslos. Die Ausrede „mehr Abfalleimer = mehr Müll“ sowie „ach, die Vögel rupfen ja alles immer raus“ gilt schon lange nicht mehr. Das stammt noch aus der DDR, wo auf den Straßen mal so gar nichts los war.

    Im Bereich der Grünanlagen, Parks und Stadtplätze in Zuständigkeit des totgesparten „Grünflächenamtes“ aka „Zentr.Techn.Dienste“ der LHD wirds dann ganz düster. Aber das ist ein anderes weites Thema.

    Also müll-technisch gints zahlreiche kommunale Handlungsbedarfe und teils strukturelle Erfordernisse. Wichtig wäre, daß corona-folglich unsere Politics nun nicht dort den Rotstift anzusetzen trachten, wo durchs Draußen-Sein-Müssen auch mehr Unreinilichkeit auf Straßen und in Parks entsteht.

    Wegen den vielen Pflasteroberflächen als häufige Auflage des Denkmalschutzes ist dringend eine Fortbildung für jene Amtsleute anzuraten, ich habe diese Damen und Herren leider noch nie beim Subbotnik im bejubelten Pflastergerinne gesehen. Diese Mühen sollte der Club um Amtsleiter Sterra mal erleben, denn Zeit für anderweitigen Schnulli wie Herumdoktern an Nuancen für Fassadenfarben oder Musterung diverser Haustür-Lampentypen für Blasewitzer Einfamilienhäuser ist ja auch zur Genüge und drangsalierte bereits zahlreiche Eigentümer.

  3. @nepumuk:
    Da kann man auch noch so viel schreiben, am Ende sieht es in der Äußeren Neustadt und am Elbwiesenabschnitt zwischen Marien- und Walschlösschenbrücke aus wie in Kathmandu oder Mumbai und im
    Rest der Stadt wie in Mitteleuropa.
    Und natürlich kann man als Abhilfe „ich will, „ich fordere“ und „der böse Kapitalismus ist schuld“ rufen.
    Nur muss jede (Reinigungs-)Arbeit auch bezahlt werden.
    Wie wäre denn der Vorschlag, dass zusätzliche Reinigungsleistungen der Stadt in den betroffenen Gebieten dort über eine erhöhte Grundsteuer gegenfinanziert werden?
    Ist eine schöne demokratische Steuer, denn jeder der da wohnt zahlt sie, ob Mieter oder selbstnutzender Wohnungseigentümer.
    Denn die Anwohner haben ja den Nutzen.

  4. Das Hauptproblem sind ja wohl die Verursacher. Nur in Deutschland funktioniert die Sanktionierung nicht, weil dann alle wie verrückt schreien, dass man ihre Persönlichkeitsrechte beschneidet.
    Es sollten mal Maßnahmen wie in Singapur eingeführt werden. Nur so kann man die Verschmutzer dazu bringen, nicht alles zu versauen. Und wenn doch, dann sollen die mal selber ihren Dreck wegmachen. Dann wird beim nächsten Gelage überlegt, ob nochmal so viel Dreck hinterlassen wird!

  5. Nach lesen des ersten Satzes dachte ich doch allen Ernstes, daß dort ehrenamtliche Anwohner und Besucher am Putzen sind.

  6. @Timur ohne Trupp: da brauchste gar nicht an die Grundsteuern ran, es reichte eine moderate Erhöhung der Straßenreinigungsgebühren, welche aller 2 Jahre per Straßenreinigungsgebührensatzungsbeschluß im Stadtrat fortzuschreiben ist.
    Das würde kaum einen Euro pro Steuerzahler und Jahr ausmachen, aber solche Dinge werden aus unerfindlichen Gründen von Stadtpolitikern abgelehnt, im Übrigen ohne Durchblick und Kenntnis, rein aus Reflex, zuvorderst von „Saubermann“ CDU, und aufgrund blinder Ideologisierung von „Steuer- bzw. Abgabenerhöhungen“. Dabei steigt ja alles andere auch permanent und teils kräftig.
    In Dresden trifft eben langjähriges Verwaltungsversagen z.B. betreffs Schaffung von Voraussetzungen auf Unerfahrenkeit bis Inkompetenz der politischen Vertreter(innen).
    Nein, es sind nicht immer und nur die „Leute“ bzw. „Müllverursacher“, sondern es ist Fehlmanagement an heute hochfrequentierten Stadtbereichen oder allg. im Bereich Stadtgrün, wo die Reinigungskapazität unzulänglich ist. Da wir gesellschaftlich Freiheit und Laissez faire präferieren, ergeben sich letztlich doch die Lösungswege im Nachräumen müssen, wo eben Probleme auftauchen. Alles andere ist absehbar nicht oder kaum gangbar. Und ja, es ist komplexes Anliegen, es ist hier nicht annähernd umfänglich darstellbar. Aber die Dinge sind in den Ämtern zureichend bekannt, allerdings fehlts m.E. an Steuerung, Konzept und jenen Mitteln zur Umsetzung. Mahlzeit.

  7. @Timur:
    Nein! Die Anwohner haben keinen Nutzen, sondern Schaden doppelt, erst nachts den Krach, morgens dann den Dreck, und dann sollten sie für dessen aufwändige Entfernung auch noch per lokaler Sondergebühr bezahlen?

Kommentieren gern, aber bitte recht freundlich.

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