Alkoholfreie Ecke

Dresdens Ordnungsbürgermeister Detlef Sittel (CDU) erwägt ein Alkoholverbot an der Kreuzung Rothenburger, Louisen-, und Görlitzer Straße, der sogenannten „Schiefen Ecke“. Das sagte er am Donnerstag im Interview mit der Sächsischen Zeitung.

Menschenmenge an der Schiefen Ecke.
Menschenmenge an der Schiefen Ecke.

Im Interview deutet er auch den Termin für die Einführung an: Frühjahr 2021. Zu Details, wie das Verbot konkret aussehen soll, wie weit das räumlich und zeitlich reicht, ob es auch Restaurants mit Außenplätzen betrifft, dazu will er sich aktuell noch nicht äußern. Auf Nachfrage heißt es von der Stadtverwaltung: „Herr Sittel möchte zunächst das Alkoholverbot prüfen lassen und dann über die angefragten Details sprechen bzw. informieren.“

Sittel bezieht sich in dem Interview auf die Sitzung des Kriminalpräventiven Rates im Juli. Dort hatte der Revierleiter Sven Fischer die Situation an der Ecke vorgestellt. Gegenüber Neustadt-Geflüster sagte Fischer, dass es ihm gelungen sei, in dieser Sitzung die Probleme vor Ort zu verdeutlichen.

Die Idee, einen bestimmten Bereich in der Stadt alkoholfrei zu gestalten, ist nicht neu. Mit Beschluss des Stadtrates gab es ein solches Verbot bereits auf dem Amalie-Dietrich-Platz in Gorbitz. Mit dem Ergebnis dort ist der Ordnungsbürgermeister zufrieden.

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Akteure vor Ort

Noch ist aber nichts beschlossen, Sittel kündigt im Interview mit der Sächsischen Zeitung an, die Stadtbezirksbeiräte und die Akteure vor Ort miteinzubeziehen. Letztere, genauer eine Gruppe aus Anwohner*innen und Gewerbetreibenden an der Ecke, hatte im Januar den Stadtbezirksamtsleiter André Barth und die Neustadtkümmerin Manuela Möser zu einem Gespräch eingeladen. Daraus entstand später eine größere Diskussionsveranstaltung im Stadtbezirksamt (Neustadt-Geflüster vom 6. März).

Mit dem coronabedingten Kneipenschließungen und Ausgangsbeschränkungen war das Thema vorübergehend vom Tisch, um sich dann Ende Mai mit aller Macht wieder neu zu entwickeln. Während weiterhin Clubs und Diskotheken geschlossen und in den meisten Bars nur die Außenplätze besetzt sind, treffen sich immer mehr Leute draußen.

Die Ecke entwickelt dabei offenbar eine große Anziehungskraft. An den Wochenenden im Juni und Juli war es oft so voll, dass die Dresdner Verkehrsbetriebe ihre Bahnen umleiten mussten, Corona-Abstandsregeln wurden weitestgehend ignoriert und der Geräuschpegel drangsaliert die Anwohner.

Die Polizei hat auf die Situation reagiert und ist seit einigen Wochen mit zusätzlichen Einsatzkräften der Bereitschaftspolizei vor Ort. Kleiner Zwischenerfolg, in den vergangenen Wochen konnten die Bahnen der Linie 13 immerhin die Nächte durchfahren. Dennoch war es weiterhin bis in die frühen Morgenstunden sehr voll.

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Im Interview mit der Sächsischen Zeitung kündigt Sittel an, dass er die Neustädter mitnehmen wolle: „Wenn jemand eine geeignetere Idee hat, gerne.“

Auf Nachfrage bei den Stadtbezirksbeiräten haben bislang die Grünen und die SPD reagiert.

Reaktion der Neustadtgrünen

Die Fraktionsvorsitzende der Grünen, Tina Siebeneicher erklärt: „Es muss eine Lösung für die Situation an der ’schiefen Ecke‘ gefunden werden, die den Anwohner*innen und den Besucher*innnen gerecht wird.“ An der Kreuzung gäbe es Probleme mit Lärm, Schmutz und Verkehrsbehinderungen, aber es sei kein „Assi-Eck“, wie manche behaupten. „Sanktionen allein, wie ein Alkoholverbot an dieser Stelle, werden die Situation nicht entspannen, sondern nur an eine andere Stellen verdrängen, denn öffentliche Plätze als Treffpunkte sind in den letzten Jahren immer knapper geworden.“ Sie betont, dass die Bewohner*innen der Neustadt mehr Freiraum brauchen, die geplante Umgestaltung und Verkehrsberuhigung der Louisenstraße sei dabei ein wichtiger Baustein.

Grünen-Stadtbezirksbeirat Klemens Schneider ergänzt: „Wir wollen ein pauschales Alkoholverbot, dass auch für die Gastronomie problematisch werden könnte, vermeiden. Dazu sammeln wir aktuell alternative Ideen, um die derzeitige Überlastung der Ecke zu vermeiden und für rücksichtsvollere Besucher*innen zu sorgen.“

Ulla Wacker, ebenfalls Stadtbezirksbeirätin für die Grünen sagt, dass die Grünen die Äußere Neustadt als einen liebens- und lebenswerten Ort für Neustädter*innen und Besucher*innen erhalten wollen. „Daher ist es uns wichtig die Problematik mit den Betroffenen zu besprechen und Lösungswege zu finden, die keine strengen Verbote beinhalten“, sagt sie. Als Anwohnerin an der Louisenstraße hat sie die Probleme an der Ecke täglich vor Augen.

Die Neustadtgrünen möchten dazu auch mit allen Interessierten ins Gespräch kommen. Das Thema wird bei einer Bürgersprechstunde von Stadträtin Tina Siebeneicher gemeinsam mit den Stadtbezirksbeirät*innen am 16. September (Treff: 18 Uhr auf dem Alaunplatz) diskutiert.

Straßenbahnstreicheln an der Ecke - Foto: Archiv
Straßenbahnstreicheln an der Ecke – Foto: Archiv

Feedback der Neustadt-SPD

„Die Probleme an der sozialen Ecke sind in der Neustadt lange bekannt. In Zeiten von geschlossenen Clubs sind es nochmal deutlich mehr Leute geworden, die sich hier abendlich treffen, entsprechend ist die Situation gerade noch schwieriger”, so SPD-Stadtbezirksbeirat Felix Göhler. Probleme werden seiner Ansicht nach aber nicht in hitzigen Sommer-Interviews gelöst, sondern im Austausch mit den Akteur*innen vor Ort.

„Dementsprechend sollte sich der Ordnungsbürgermeister lieber ins Gespräch mit Betroffenen, Anwohnerinnen und dem Stadtbezirksbeirat begeben, statt in der Zeitung über vorgefertigte Maßnahmen zu sinnieren, die sich bereits in der Vergangenheit als untauglich herausgestellt haben“, so Göhler.

“Tatsache ist aber”, so der SPD-Stadtbezirksbeirat Christian Demuth, “dass es für die Anwohner gerade eine echte Herausforderung ist. Und auch für die Clubbetreiber*innen ist die Situation verständlicherweise schwierig: diese haben zwangsweise geschlossen. Bei ihnen dürfen keine Konzerte und Tanzveranstaltungen stattfinden. Und draußen auf der Straße tobt der Bär”. Doch am Ende führe ein Verbot “nur zur Verdrängung zum Scheunevorplatz oder in den Alaunpark. Das ist ja dann auch keine Lösung.”

Insgesamt fordern die Stadtbezirksbeiräte der SPD die Neustädter auf: “Wenn es Euch finanziell möglich ist, unterstützt lieber die Kneipen. Diese haben wegen Corona schon eine harte Zeit hinter sich. Wenn das Wetter wieder schlechter wird, wollen wir weiter Orte zum treffen, diskutieren und feiern haben. Wenn alle im Sommer nur draußen an der Ecke rumhängen, sehen wir schwarz für unsere Kneipen in der Neustadt.”

Außerdem fordert er kreative Ideen, um den Leuten auch in Corona-Zeiten mehr Orte für Musik und Tanz zu ermöglichen. Die Idee der „Picknick“-Konzerte in der Rinne seien etwa ein gutes Vorbild. „Hier wäre es gut, mehr Angebote zu schaffen, etwa in Form einer weiteren abendlichen Kulturinsel im Alaunpark, so Demuth. Drittens schlage die Neustadt-SPD vor, die langjährige Debatte um die Situation am sozialen Eck und in der Neustadt insgesamt konstruktiv, kreativ und lösungsorientiert schnell weiter zu führen.

Weitere Reaktionen stehen aus

Die anderen Parteien im Stadtbezirksbeirat (CDU, FDP, Die Linke, AfD, Piraten, Die Partei) haben bislang noch nicht auf die Anfrage vom Neustadt-Geflüster reagiert, wenn diesbezüglich Ergänzungen kommen, werden sie hier nachgereicht.

Die Ecke am frühen Sonntagmorgen.
Die Ecke an einem frühen Sonntagmorgen.

Alkoholfreie Neustadt

Eingeschränkten Alkoholverkauf in der Neustadt, das gab es schon einmal. Von Herbst 2006 bis zum Juni 2016 galt in der Neustadt eine Polizeiverordnung, der sogenannte „Spätshop-Erlass“. Seinerzeit war es verboten in der Äußeren Neustadt nach 22 Uhr Alkohol im Straßenberkauf anzubieten. Die Regelung wurde mit den Stimmen der damaligen Stadtratsmehrheit aus Linken, Grünen, SPD und Piraten im April 2016 wieder abgeschafft.

Als es kurz nach dem Stadtratsentscheid eine Einwohnversammlung zum Thema gab, war das Interesse der Neustädter*innen gering (Neustadt-Geflüster vom 25. Mai 2016).

Nachtrag – Reaktion der Piraten

Jan Kossick, Stadtbezirksbeirat für die Piraten: „Es besteht auf jeden Fall Handlungsbedarf an der Sozialen Ecke. Die
Position der Piraten und auch meine ist hier jedoch ganz klar: Verbote sind nur der letzte Weg. Wir fordern weiterhin den Einsatz von Streetworker*innen, um die Probleme anzugehen.

Zusätzlich kann ich mir eine ständige Neustadt-Streife vorstellen, die ihre Pappenheimer kennt und im besten Fall ihre Wache ebenfalls in der
Neustadt hat.

Dass die 13 am Wochenende ab einer bestimmten Uhrzeit nicht mehr über die Soziale Ecke kommt, finde ich vertretbar – alternative Haltestellen sind leicht erreichbar. Jedoch sollte unter der Woche der ÖPNV gewährleistet sein.

Hier gilt es außerdem zu überdenken, ob es den Taxistand mitten in der Äußeren Neustadt tatsächlich braucht. Auch im Rahmen der „Autofreien Neustadt“ lässt sich die Kreuzung und die angeschlossenen Straßen neu denken, so dass der Schwerpunkt auf Fuß- und Radverkehr liegt und im Kernbereich der Äußeren Neustadt nur noch minimaler MIV stattfindet.“

Nachtrag – Reaktion von Holger Knaak – für die Linke im Stadtbezirksbeirat

Meine private Meinung als Anwohner am Eck ist, dass die Aufhebung des Alkoholverkaufsverbotes in den Spätshops nach 22 Uhr ein Fehler war. Die Auflösung der Neustädter Polizeiwache in der Böhmischen Straße war ein weiterer Fehler.

Der teils extreme Lärmpegel, auch in der Woche oft bis weit nach Mitternacht – gerade in der Sommerhitze, wo man nachts zwischen Fenster zu oder Lüften und Lärm wählen muss – ist zudem ein Ärgerniss, das viele Anwohner stört, die sonst mit ihren Wohnungen sehr zufrieden sind (ein Problem, dass auch am Martin-Luther-Platz in letzter Zeit vermehrt auftritt und nichts mit den Kneipen sondern vermutlich vom „Assi-Eck“ Fliehenden zu tun hat).

Von Wildpinklern im Friederike-Beier-Weg oder ad absurdum geführten Corona-Vorschriften nicht zu reden. Insbesondere oft erst nach Mitternacht auftretendes monotones Getrommel nervt besonders. Zudem habe ich in den letzten Monaten mehrmals nächtliche (Beinahe?-) Schlägereien aus meinem Fenster aus mitgekommen, auch die Polizei kam öfter.

Früher dachte ich, dass es nur mir dem Lärm so geht aber in den letzten Wochen habe ich von mehreren ähnliche Nachbarn Unmutsbekundungen gehört. Durch die zwei Monate nächtliche Ruhe während des „Lockdowns“ im März bis Mai kommt den Anwohner der nächtliche Lärm sicher noch lauter vor. In den letzten 14 Tagen scheint es wieder etwas weniger laut zu sein, was vermutlich an erhöhter Polizeipräsenz liegt.

40 Kommentare zu “Alkoholfreie Ecke

  1. Lustig, auf einmal offenbart sich die CDU als Verbotspartei und nicht die von ihr oft als selbige bezeichneten weiter links stehenden Parteien. ;)

  2. Lebt er noch? Dass überrascht dann doch etwas. Bezüglich der den ruhenden Verkehr betreffenden Gesetzgebung ist seit vielen Monden von Seiten einer funktionierenden Verwaltung nichts feststellbar. Statt diesen Gesetzen Geltung zu verschaffen, was die Aufgabe dieses Amtes sein sollte, werden Straßenfeste (Hechtviertel) durch willkürlich abgestellte Fahrzeuge als nicht durchführbar in Frage gestellt. So macht man(n) Gesellschaft.

  3. „[…] der Geräuschpegel drangsaliert die Anwohner.“

    Du wählst scharfe Worte, die ich so nicht unterschreiben möchte. Es gibt sicher einige Anwohner, die sich belästigt fühlen. Ich kenne aber auch Menschen, die unmittelbar am Eck wohnen und sich mehr mehr über die starke Anti-Haltung einzelner Nachbar*innen echauffieren als über das Leben am Eck. Damit kommen sie sehr gut zurecht. Darum würde ich ungern alle Anwohner über einen Kamm scheren und als große gegner der Dresdner Nachtkultur hinstellen. Denn genau das ist das Eck und es wäre sehr schade, wenn es irgendwann von der Politik und einigen pieckfeinen Herrschaften aus der Nachbarschaft ausgerupft wird, damit endlich im Herzen der Neustadt Ruhe einkehrt wie in Neubausiedlungen im Speckgürtel.

  4. @Anton

    Na da frag doch mal die wackere Ulla. Die dürftest Du ja häufiger treffen. Die scheint ja kein Problem zu haben: „…liebens und lebenswert….“

  5. @Anton

    Wie Du im Text ja ausführtest hat die progressive selbsternannte Gestaltungsmehrheit die entsprechende Polizeiverordnung ein Jahr vor dem Auslaufen vorzeitig aufgehoben.

    Dieser politischen Entscheidung folgte dann eine Bürgerversammlung als Feigenblatt. Deren konstruktive Ergüsse wurden dem Stadtrat – soviel ich weiß – als Vorlage zur Kenntnis gegeben und als „logischer Schluss“ die Stelle einer Neustadt-Kümmererin geschaffen.

    Die Behauptung, dass die Corona-bedingte Schließung von Bars & Clubs zu einem größeren abendlichen Gedränge an der Ecke führt, ist wohl eher eine Binsenweisheit, als eine Tatsachenbeschreibung.

    Meiner subjektiven Beobachtung an Wochenend-Abenden nach, werden inzwischen drei oder mehr Polizisten an der Ecke „abgestellt“, um das Passieren der Linie 13 (unfall- bzw, störungsfrei) zu gewährleisten und durch ihre bloße Anwesenheit für „Ruhe und Ordnung“ zu sorgen.

    Das von einer Kommentatorin angeführte „Argument“ es gebe ja auch Anwohner, die das abendliche Treiben geradezu toll finden, entkräftet natürlich NULL das Ruhebedürfnis der anderen Anwohner.

    Da es nicht möglich ist, öffentliche Straßen und Wege wegen Lärmbelästigung – wenn auch nur stundenweise – zu sperren, wäre ein Alkohol(ausschank)verbot definitiv ein bzw. das mildere Mittel.

    Wem fällt also etwas Besseres ein?

    Und nein, eine individuelle Betreuung der Party- und Eventszene durch Sozialarbeiter (Party- und Eventmanager) halte ich nicht für zielführend ;-)

  6. Nach meiner Kenntnis, ist zwischen 22 bis 6 Uhr Nachtruhe einzuhalten.
    Schön das Diese Ecke mit Ihren mittlerweile 100 Namen soviel Beachtung erhält. Ich würde mich freuen, wenn andere Ecken auch Beachtung bekommen, zum Beispiel diese…
    Louisenstraße Ecke Kamenz, da spielen soch Szenen am Wochenende ab, die sind absolut furchtbar. Im Sommer können Anwohner nicht das Fenster Nachts offen lassen weil entweder eine Bar – Magnolia seine Grenze nicht kennt, Sauftouristen rumbrüllen oder PS starke Kfz ihre Beschleunigung austesten.
    Ich wiederhole einfach mal…

    Nach meiner Kenntnis, ist zwischen 22 bis 6 Uhr Nachtruhe einzuhalten.

  7. Das selbe Spiel Alaunstraße-Ecke Jordanstraße. Toleranz nur in eine Richtung! In der Woche bis 3:00 Uhr, Wochenende bis 4:30 Uhr laute Musik, Terrasse und Fenster weit geöffnet. Gäste die sich anschreien, weil die Musik zu laut ist. Unsere Toleranz wird ab 22:00 gegeben, es könnte gerne was zurückkommen. In der Woche gerne bis 24:00 Uhr und Wochenende bis 01:00 Uhr und alles wäre ok. Blue Lounge seit 3 Monaten am Start und Kotzgrenze ist erreicht. Noch 2 Jahre dann haben wir „Neukölln Level“… Da ist dann Resignation und Gewohnheit vor zugeparkten Fußwegen, Sperrmüll, Gutmenschenkartons mit kaputtem Verschenkemüll, Teppiche und Zigarettenstummeldekoration, laute Musik bis zum Sonnenaufgang, gelebte Toleranz. Aber Hauptsache einem Biergarten auf die Nüsse gehen…
    @Anwohner gegen die Gentrifizierung der Abendgestaltungen:
    Toleranz ist nicht schwarz-weiß, sondern ein Geben und Nehmen. Wären die „piekfeinen Herrschaften“ wirklich so intolerant wäre 22:01 Ruhe angesagt. Das will KEINER.
    Ging ja komischerweise bis vor 2 Jahren auch… Von vor 10 Jahren will ich gar nicht reden, da konntest Du Nachts Stecknadeln fallen hören!

  8. @Anwohner gegen die Gentrifizierung der Abendgestaltung
    Wenn man in dem Zusammenhang überhaupt von Gentrifizierung sprechen kann, dann doch vor allem hinsichtlich der Überschwemmung der Neustadt durch recht einseitig ausgerichtetes Partyvolk. Dieses Phänomen ist aufgrund der Anziehungskraft der Neustadt und kaum vorhandener Alternativen absolut nachvollziehbar und kaum zu kontrollieren, aber sicher nichts, was ich als erhaltenswerte Neustadtkultur unter Artenschutz stellen würde.

  9. @Anwohner gegen die Gentrifizierung der Abendgestaltung:
    Es ist schon sehr engstirnig bzw. kleingeistig, wenn man die, die ein Leben, das auch aus Ruhephasen besteht, leben wollen, sofort in die quasi Spießer-Ecke stellt. Der Tenor ist doch recht eindeutig, unabhängig davon, dass Sie da irgendjemanden kennen, der anderer Meinung ist. Wahrscheinlich ein Nachtarbeiter.
    Das „Eck“-Thema wurde nun schon mehrfach hier ausdiskutiert und um es nochmal verständlich zu machen: Es gibt hier in der Neustadt nicht nur Leute, die sich die Nächte um die Ohren schlagen können, sondern auch die, die einen ganz „spießigen“ Alltag haben, so mit früh aufstehen, sei es durch die Arbeit oder durch Kinder bedingt. Die Neustadt ist nicht die Reeperbahn!

  10. Das alternative Viertel™ wünscht die harte Hand des Staates. Läuft. Es wurde ja offenbar begriffen, dass das hohe Menschenaufkommen speziell am Wochenende seine Gründe hat. Das fängt nicht erst mit Corona hat, sondern geht viel weiter in die Vergangenheit. Ihr könnt ja mal rekapitulieren, wieviele Clubs in den letzten Jahren bis Jahrzenten in Dresden und Umland verreckt sind. Saxim, Dafa, Mufa, Mellys, PM, Hanno, Nachtkantine und wie sie alle hießen. Bis auf die Neustadt, Industriegelände und paar Freeteks ist doch so grob überschlagen tot. Darüber hinaus wird das alternative Viertel TM doch genau so beworben, auch von der Stadt selber. Zeckenzoo und Partymeile. Das ist der Markenkern.

    Von daher völliges Unverständnis, dass man einerseits diese Marke pflegt, andererseits bei den teils sicherlich nervigen Begleiterscheinungen in Heulkrämpfe verfällt. Welches Kunststück soll hier vollbracht werden?
    Also ich bin hier hergezogen, weil hier überhaupt noch irgendwas los ist und eben nicht 22 Uhr die Bürgersteige hochgeklappt werden.

    Dass es sich irgendwo konzentriert, ist auch geklärt. Der Mensch ist ein geselliges Wesen. Nein, doch, oooooh. Mangelnde Alternative durch maximal verkackten Scheunevorplatz usw.

    Dass man sich ärgert, dass die Shishabuchte in der Woche bis um 3 macht(wobei ich mich bei der sich über „Gutmenschen“ echauffierenden Rhetorik schon frage, was hier mittlerweile für Truppenteile wohnen), kann ich sogar fast noch nachvollziehen. Wenn dann aber Leute, und das bei Weitem nicht nur an der Ecke so, anfangen, am Wochenende auf ihre Nachtruhe zu bestehen, sorry, da platzt mir der Sack. Wrong Neighborhood.

    Kinder, die werden ja allzuoft vorgeschoben, machen übrigens auch Krach. Und das ist gut so. Da kommt auch keiner auf die Idee, sich zu beschweren(hoffe ich zumindest, ist das die nächste Stufe?).

    Von den herbeiphantasierten apokalyptischen Zuständen an der Ecke hab ich auch noch nicht wirklich was mitgekriegt.

    Ja, die Leute trinken, sind laut und periodisch fliegt mal ne Flasche runter und zieht Graswolke durch die Straßen. Ist das diese ausufernde Kriminalität? Dieses Straßenbahnstreicheln hab ich übrigens ewig nicht mehr gesehen, das ist doch nur noch ein vorgeschobener Running Gag. Keine Schlägereien, nix. Meinetwegen, stellt paar Cops an die Ecke(die angemerkt nicht mehr als paar böse Blicke zu fürchten haben), wenn die Bahn nicht durchkommt. Aber ist deren permanente Präsenz allen Ernstes der Wunsch der Eingeborenen? Mir persönlich ist das jetzt schon viel zu viel was hier permanent von denen durch die Gegend turnt. Wenn wochentags frühs um 10 2 Polizeipferde(oder ist das Behörde?) durch den Park hoppeln, frag ich mich echt langsam was hier fürn Film läuft.

    Wie stellen wir es uns denn bitte vor? Spätis ums Eck kaputtmachen(wird ja schon fleißig denunziert) und behördlich angeordnetes Flaschenschnüffeln am Samstag Abend? Merkt ihr noch was?

    Verstehen wir uns nicht falsch, ein gewisses Verständnis für die Problematik hab ich schon und ich würde mir auch 2 mal überlegen dorthin zu ziehen.

    Aber der repressive Weg kann doch nicht ernsthaft die Lösung und schon gar nicht Selbstverständnis unserer schönen Neustadt sein? Oder?

    Meine Stammkneipe hatte gestern zu, deshalb gings eben an die Ecke bissl dumm gucken und Bier trinken. Wir haben uns noch sehr gut mit paar zugezogenen Studenten unterhalten und so wurde ein ansich hoffnungslos verlorener Abend doch noch ganz nett. Das lass ich mir nicht madig quatschen oder vorwerfen.

  11. @Anton:

    >>Als Binsenweisheit oder Binsenwahrheit wird ein Gemeinplatz oder eine allgemein bekannte Information bezeichnet, besonders, wenn zum Ausdruck gebracht werden soll, dass eine als interessant vorgetragene Erkenntnis keinen besonderen materiellen Wert hat, keine Neuigkeit darstellt oder keinen Wissenszuwachs bringt. <<

    Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Binsenweisheit

  12. Jemand erwähnte, daß es auch „Anwohner“ an/nahe der schiefen Ecke gäbe, welche die nächtliche Über-Belebung gut finden und hervorragend damit leben können. Nun, diese „Anwohner“ gibts tatsächlich auch in vielen anderen Mietshäusern, es sind meist Twen-WGs jungen Gemüses wie Studenten, welche ja selbst Teil des nächtlichen Ausgehens sind, deren WG-„Leben“ sich auch allen anderen Mietern tagtäglich gut mitteilt, als wären sie in einer voll-ignoranten Eigenblase harrend.
    Diese „Anwohner“ sind die idR zugezogene Kurzzeit-Konsumdurchläufer, welche hier keine Bindungen haben, nach ihrer Ausbildezeit weiterziehen, keinerlei Verantwortung haben, erkennen oder übernehmen, und später als Thirtysomething mit Nachwuchs im Spießerhäuschen an irgendeinem Stadtrand verenden. Manche dieser jungen Leute sind zwar ganz nett, sie meinen es auch nicht böse, sie merken eben nicht, daß sie eigentlich nur Grütze machen, man ist in diesem Alter nunmal geistig und moralisch noch ganz am Anfang.
    Diese „Anwohner“ sind somit KEIN Argument gegen etwaige Ordnungsmaßnahmen, vielmehr als (stadtteilweiter) Teil des Problems zu bewerten.

  13. @Fidel: Du schreibst: „Die Behauptung, dass die Corona-bedingte Schließung von Bars & Clubs zu einem größeren abendlichen Gedränge an der Ecke führt, ist wohl eher eine Binsenweisheit, als eine Tatsachenbeschreibung.“ Ich meine, eine Tatsachenbeschreigung ist in der Regel auch eine allgemein bekannte Information. Daher verstehe ich Deinen Satz nicht. Zumal du eine allgemein bekannte Information als Behauptung bezeichnest. Tut mir leid, drück Dich bitte klarer aus.

  14. Einfach mal nach 00:00 Uhr in die „13“ Richtung Prohlis setzen und sich anschauen, was nach getaner Partyarbeit nach Hause fährt.
    Ist sehr aufschlussreich.

  15. @falky:
    Na dann machen Sie doch mal einen Vorschlag, wie wir die Sache angehen sollen.
    Ich wohne übrigens aus den gleichen Gründen und ganz bewusst in der Neustadt. Seit nun fast 40 Jahren. Ich habe die ganze Entwicklung mitgemacht und weiß, warum dieses Viertel so populär ist und was das mit dem Komplettversagen beim Thema Stadtplanung bzw. der sensiblen Schaffung einer Infrastruktur und einer gezielten Publicity zu tun hat. Dulden muss ich die derzeitigen Zustände aber nicht.
    Übrigens bin ich jemand, der in einem Beruf arbeitet, bei dem man auch am Wochenende mal um 4:30 aufstehen muss. Systemrelevanz und so. Das musste ich vor einiger Zeit auch meinem neuen Nachbarn, ein Jungspund mit Topfschnitt und Bundfaltenhose, erklären, der mir das Gefühl gab, über einer Großraumdisko zu leben und mich zum Benutzen von Ohropax zwang. Ein weiterer Anpfiff aus dem Nachbarhaus(!) brachte ihn dann offensichtlich zum Umdenken, dass außerhalb seiner Welt noch eine andere existiert, in der nicht bis nachts um drei die Puppen tanzen.
    So läuft das mit dem Zusammenleben. Die Freiheit des Einzelnen hört da auf, wo die eines Anderen eingeschränkt wird. Da muss man sich einig werden.

  16. Ich bin in der Neustadt aufgewachsen und wohne hier immer noch gerne. Aus vielen Gründen, darunter auch, weil hier was los ist. Die zugezogenen Studis, die allen, die nachts schlafen müssen, ihre Daseinsberechtigung in der Neustadt absprechen, haben mich aber schon immer genervt. Super ätzend, wenn man seine priveligierte Situation mit Lockerheit verwechselt. Wenn man an die Alaunstraße zieht und hofft, dass man da im Zimmer zur Straße hin mit offenem Fenster schlafen kann, ist das natürlich schon naiv. Um das zu realisieren müssten tatsächlich alle 22:00 Uhr ins Bett gehen und dann wäre das bunte Nachtleben vorbei. Aber das sollte nicht heißen, dass alle Grenzen wegfallen. Laut dröhnende Musik am Eck zum Beispiel sollte man nicht feiern. Niemand sollte dazu gezwungen sein, permanent mit Ohrstöpseln zu schlafen.
    Es wäre schonmal eine Hilfe, wenn man mehr Alternativen hätte, wo man sich raus setzen kann, damit sich nicht alles am Eck bündelt. Früher waren wir öfter auch am Scheunevorplatz, aber gut, dieses Drama wurde ja schon angesprochen. Der Park käme noch in Frage, aber der ist nachts zu schlecht beleuchtet und fühlt sich nicht so sicher an. Das könnte man ja aber ändern.

  17. @falky: Ohne Rücksichtnahme ist keine menschliche Gesellschaft denkbar, das gilt halt auch für die vielen Partykunden in der Neustadt, welche immer noch zunächst ein Wohngebiet ist (man glaubt es kaum). Wieso ging es denn bis vor ein paar Jahren, und jetzt stirbt gleich die ganze „Neustadtkultur“, nur weil man vielleicht etwas mehr Rücksicht (auf die Neustädter nämlich!) nehmen soll?

    Das Alkoholverkaufsverbot für Spätis ab 22:00 hat zumindest den Kneipen geholfen. Für mich wäre das auch jetzt eine geeignete Massnahme.

  18. @falky: Mensch Junge … bitte nicht nur in schwarz-weiss denken. Und die Kolumne im Spiegel hat mit dem Thema hier nichts zu tun, ich habe auf jeden Fall keine Ansatzpunkte zum Thema gefunden.

  19. @Kath was ist daran naiv zu denken es könnte auf der Alaunstr. auch ruhig sein…. Die Häuser haben auch Fenster zum Hof! Fenster für Schlafzimmer! Allerdings auch Fenster und Türen für Bars und deren Terrassen…
    Auch komisch das ich diese aktuelle Lärmbelästigung früher nicht wahrgenommen habe und ich wohn nun auch schon 15 Jahre hier. Früher hatte ich sogar nur ein Fenster zur Strasse hin!

  20. Falky hat in der Diskussion alles gesagt. Wenn Leute kommen, dass sie an Wochenenden um 4.30 Uhr arbeiten und deshalb Ruhe verlangen: Sorry, ihr seid im falschen Stadtteil! Ich wohne auf der Louise mit WG-Zimmer zur Straße. Ich muss auch an Wochenenden arbeiten. Ja, es ist oft laut und daher schlafe ich mit Ohropax. Für mich ist es schlicht selbstverständlich, Kompromisse einzugehen und meine Toleranzgrenze nach oben zu schrauben. Wir sind im einzigen Viertel Dresdens, wo nachts noch was los ist und das soll bitte auch so bleiben! Wer in ein Ausgeh- und Partyviertel zieht, kann an Wochenend-Nächten keine Ruhe auf der Straße erwarten. Ich kann auch nicht an einen Bahndamm ziehen und mich über Güterzüge nachts beschweren.

    Auch dieses vorgeschobene Argument der Straßenbahnen ist lächerlich. Falschparker auf der Rothenburger und Görli machen den DVB viel mehr zu schaffen (70x jährlich Umleitungen) – und zwar zu Hauptverkehrszeiten, nicht nachts wenn stündlich ne Bahn über die Kreuzung rollt. Fordert jemand, die Parkplätze zu streichen? Nö, Umleitungen deswegen werden seit Jahren schulterzuckend hingenommen. Klar, das Auto ist den Deutschen ja heilig. Aber Leute, die sich amüsieren und dass auch noch nach 22 Uhr – pfui, geht gar nicht! Dann zieht doch nach Striesen, Leute.

    Die Verwaltung hat an dem ganzen Thema freilich ne Aktie dran. Durch immer strengere Auflagen wurden viele Institutionen vertrieben (ich erinnere nur ans Sabotage). Mit dem Louisengarten droht der nächste Wegfall. Wegen Corona sind alle Clubs zu. Und dann wundert sich der CDU-Mann, dass die Leute an ner Kreuzung sitzen. Dass ihm nichts weiter als ein schon mal gescheitertes Alkoholverbot einfällt, ist bezeichnend für diese Truppe. Aber Hauptsache die Grünen als „Verbotspartei“ bezeichnen.

  21. Zitat :
    Polizeiverordnung der Landeshauptstadt Dresden
    II. SCHUTZ GEGEN LÄRMBELÄSTIGUNG
    § 3 Schutz der persönlichen Ruhe(1)
    Es ist untersagt, während der Ruhezeiten die Ruhe anderer mehr als unvermeidbar zu stören. Die Ruhezeiten sind montags bis donnerstags und sonntags von 22 bis 7 Uhr des nächsten Tages, freitags und sonnabends von 24 bis 8 Uhr des nächsten Tages und an Sonnabenden, Sonn- und Feiertagen von 13 bis 15 Uhr.“
    Die persönlichen Ansichten Einzelner bezüglich „Ausgeh- und Partyviertel“ interessieren dabei niemanden.

  22. @Görlitzer
    es gibt in der Neustadt nicht nur WG Bewohner, sondern auch viele Familien mit Kindern, Senioren und co. Denen das Wohnrecht in der Neustadt abzusprechen und auf andere Stadtteile zu verweisen, damit Volltrottel ungestört die Sau raus lassen können, ist ein arrogantes Totschlagargument und würde die gesellschaftliche Mischung des Viertels kaputt machen. Was machst du, wenn du künftig einen Job hast, wo du täglich früh raus musst, deine Kinder ausgeschlafen zur Schule sollen, du nach einem harten Tag der Arbeit vielleicht mit Kopfschmerzen einfach nur schlafen möchtest? Wegziehen?
    Was meinst du, was passiert, wenn alle in dieser Situation gleich wegziehen, wie du es für angebracht hältst? Dann lebt hier keiner länger als fünf Jahre, perfekt für Vermieter, die so regelmäßig die Mieten erhöhen können. Rate mal, wie lange sich jemand aber solche rücksichtslosen Zustände gefallen lässt, der kalt 12€/Quadratmeter und mehr hinlegen muss und kann?
    Daher bitte nicht einmal zurücklehnen, nachdenken und auch mal die Perspektive wechseln.

  23. @Görlitzer

    Komisch, ich habe mir gerade mal den Flächennutzungsplan der Stadt Dresden (https://www.dresden.de/media/pdf/stadtplanung/stadtplanung/spa_FNP_D2_Hauptplan.pdf) angeschaut. Komischerweise ist die Äußere Neustadt als „Wohnbaufläche mit hoher Wohndichte“ klassifiziert. Von deinem „Ausgeh- und Partyviertel“ ist dort nichts erwähnt noch gibt es diese Definition, auch nicht im entsprechenden Begeitdokument (https://www.dresden.de/media/pdf/stadtplanung/stadtplanung/spa_FNP_D2_Begruendung.pdf). Konkret ist da in Kapitel 10.2.2.3 zu lesen “ Die gründerzeitliche geschlossene Bebauung ist durch die überwiegende Wohnnutzung geprägt, die vorwiegend durch Handels-und gastronomische Einrichtungen im Erdgeschoss, teils im 1.Obergeschossunterlagertwird. Diese Mischnutzung mit Dominanz der Wohnnutzung soll so erhalten bleiben, um die Vitalität des Stadtteils zu bewahren und zu entwickeln…“.Soviel zu den Fakten.

    Den restlichen Murks und die mehr als verbrannte Rhetorik ala „Dann zieht doch weg“ kannste dir echt sparen, sie ist ignorant und kurzsichtig. Bekomm mal ein paar Jahre mehr Lebenserfahrung auf den Buckel und lebe mal über dein WG-Zimmer mit Partyaussicht hinaus, dann wirst du recht schnell merken, wie naiv und egoistisch deine vermeintliche Argumentation tatsächlich ist. Toleranz müssen immer die anderen aufbringen… ja klar!

  24. „Ich kann auch nicht an einen Bahndamm ziehen und mich über Güterzüge nachts beschweren.“ Der Kommentator (Görlitzer) will offenbar einfach nicht verstehen, dass die Güterzüge zwischen 22 und 7 Uhr nicht fahren dürfen, laut Gesetz, es aber tun. Ist das wirklich so schwer, den Unterschied zu merken? Habe mal zwei Betreiber einer beliebten Kneipe mit Biergarten angesprochen, die diesen nie vor 1 Uhr geschlossen haben, trotz Ankündigungen auf den Tischen „die Ruhe unserer Nachbarn ist uns wichtig“. „Zieh aufs Land“ und „wer schließt denn in der Neustadt um 22 Uhr“ waren die einzigen „Argumente“.

  25. @Lieber (nicht) in die Kneipe: Ernsthaft? Wir können natürlich die lokalen Gegebenheiten ignorieren und so tun, als gäbe es die Dutzenden Bars, Kneipen und Clubs in der Neustadt und das historisch gewachsene Nachtleben nicht. Da suche ich mir im Netz halt ein PDF-Dokument. Ätsch, Problem gelöst! Ist ja nicht so, dass das städtische Marketing die Neustadt als „Szeneviertel“ anpreist und sogar Biertrinken am „Assieck“ in ihren Broschüren empfiehlt.

    Ansonsten ziehen deine persönlichen Attacken nicht, weil ich bereits seit 8 Jahren normal arbeite und das auch an den Wochenenden. Dein Geschwätz a la Lebenserfahrung kannste dir sparen. Und ich habe auch Frühdienste, für die ich 5.30 Uhr aufstehen muss. Nochmal (auch @Bob): Wenn ich in die Neustadt ziehe, zumal an die neuralgischen Straßen Alaun, Görli, Louise, dann weiß ich um den nächtlichen Lärm und es liegt an jedem selbst, ob er unter diesen Umständen hier wohnen möchte oder nicht. Es gibt auch in der Neustadt jede Menge Straßen, wo es ruhig ist – rund um den Luther-Platz, Talstraße, alles von der Prießnitz bis hoch zum Apark. Von daher wird niemandem das Recht abgesprochen, hier zu wohnen und auch die soziale Durchmischung ist in keinster Weise in Gefahr. Es geht hier um wenige Hundert Meter zwischen Alaun, Eck und Louise, die „problematisch“ sind. Und ich bleibe dabei: Wer hier wohnt, muss damit leben, dass hier auch nach eins noch Leute unterwegs sind.

  26. @Görlitzer: Jemanden wie Dich möchte ich wirklich nicht als Nachbarn haben. „Ich drehe nachts die Anlage auf Anschlag und der Untermieter beschwert sich, weil er deshalb nicht schlafen kann – soll er doch wegziehen! Er muss seine „Toleranzgrenze“ nach oben verschieben, weil ich keine kenne.“ Bravo!

  27. @Görlitzer – Ernsthaft? Aus einer Werbebroschüre o. meinetwegen Imagevideo einer Werbeagentur leitest du das Recht ab, ohne Grenzen und Einhaltung von Gesetzen und akzeptablen Formen des gesellschaftlichen Miteinanders die Sau rauszulassen u. dafür noch Toleranz der durch euer Verhalten Geschädigten zu erwarten? Das ist beachtlich!

    Ich habe irgendwann mal gelernt, dass gerade in der Werbung Dinge oft beschönigend & verkaufsfördernd dargestellt werden. Insofern hast du dir aber einen schönen Bären mit den bunten Bildchen von der Neustadt aufbinden lassen, wenn das dein Entscheidungskriterium war in die Neustadt zu ziehen.

    Der referenzierte Flächennutzungsplan ist im übrigen die verbindliche Grundlage für die städtebauliche Entwicklung Dresdens, nicht nur irgendein PDF. Aber ich weiß schon, das sind neben der rechtsgültigen Polizeiverordnung ja spießige Dinge, denen sowieso keinerlei Beachtung gegeben werden sollte, solange man jung und hip ist.

  28. Soll Leute geben die feiern und gehen trotzdem arbeiten am nächsten Tag…
    Das waren immer meine liebsten Kollegen. Ein einziges Gejammer und nix ist geworden.
    Die ruhen sich dann halt auf Arbeit aus.
    Frag mich die ganze Zeit WELCHE BAR profitiert von den Leuten die auf der Strasse trinken?
    @Görlitzer Steht da in Deinem Marketinggag auch was von Uhrzeiten? Szeneviertel und Bier trinken ja und nu ?
    Desweiteren ENTLARVEN sich so einige selber. Wenn es in anderen Stadtteilen NICHT so ist, dann muss es ja hier schon ein Ausnahmezustand sein. Wohngebiet ist Wohngebiet und letztendlich klar definiert. Der Finger und die ganze Hand, man kennt es ….

  29. Es macht keinen Sinn mit jemanden zu diskutieren, der intellektuell nicht in der Lage ist den Unterschied zwischen einer Werbeaussage und einer Polizeiverordnung zu erkennen.

  30. @Görlitzer
    nach um eins unterwegs sind stört niemanden, solange man rücksichtsvoll agiert. wenn aber permanent die sau raus gelassen wird, tief in der Nacht laute Musik durch das viertel schallt, dann ist das nicht mehr akzeptabel. es gibt Nächte, da ist es um 3 Uhr lauter auf der Straße, als morgens um 8 an einem Werktag. auch am Lutherplatz, wo sich scheinbar ein neuer spot entwickelt.
    dass sich die Situation verschlechtert hat, belegt auch sehr gut der neue Artikel im hiesigen ticker zur Straßenreinigung:
    https://www.neustadt-ticker.de/154677/aktuell/von-denen-die-die-ecke-putzen
    wenn dir das alles nichts ausmacht, fein. es gibt aber genügend andere stimmen, die diesen aktuellen Zustand nicht mehr ertragen und mit Recht Besserung fordern. diese als haltlos abzutun oder zum Wegzug aufzufordern, ist arrogant.

  31. @bernhard;

    irgendwie verstehe ich den letzten absatz Ihres kommentars nicht wirklich :(
    ein alkoholverkaufsverbot sollte doch/war angedacht/wurde vor ein paar jahren mal durchgezogen, um: die ein- und anwohner zu schützen, vor lärm, dreck, was auch immer
    inwieweit ein verkaufsverbot ab 22uhr für spätis eine geeignete massnahme sein soll, erschliesst sich mir nicht. es sollte ja nicht den kneipen helfen, sondern nur für’n bissi ruhe im kiez sorgen….

  32. @milli-tante:
    Ist ja ganz einfach. Vielleicht würden die Leute ja dann doch ab 22:00 zum Teil in die Kneipen umziehen, die ja genau zu diesem Zwecke offen stehen. Gerade rund um die Spätis ist spätnachts meistens viel los. Wogegen ich ja auch nichts hätte, solange es halbwegs ruhig bleibt und die Leute ihren Abfall jedweder Art in zivilisierter Weise selbst entsorgen.

  33. Nachtrag – Reaktion der Piraten

    Jan Kossick, Stadtbezirksbeirat für die Piraten: „Es besteht auf jeden Fall Handlungsbedarf an der Sozialen Ecke. Die
    Position der Piraten und auch meine ist hier jedoch ganz klar: Verbote sind nur der letzte Weg. Wir fordern weiterhin den Einsatz von Streetworker*innen, um die Probleme anzugehen.

    Zusätzlich kann ich mir eine ständige Neustadt-Streife vorstellen, die ihre Pappenheimer kennt und im besten Fall ihre Wache ebenfalls in der
    Neustadt hat.

    Dass die 13 am Wochenende ab einer bestimmten Uhrzeit nicht mehr über die Soziale Ecke kommt, finde ich vertretbar – alternative Haltestellen sind leicht erreichbar. Jedoch sollte unter der Woche der ÖPNV gewährleistet sein.

    Hier gilt es außerdem zu überdenken, ob es den Taxistand mitten in der Äußeren Neustadt tatsächlich braucht. Auch im Rahmen der „Autofreien Neustadt“ lässt sich die Kreuzung und die angeschlossenen Straßen neu denken, so dass der Schwerpunkt auf Fuß- und Radverkehr liegt und im Kernbereich der Äußeren Neustadt nur noch minimaler MIV stattfindet.“

  34. Nachtrag – Reaktion von Holger Knaak – für die Linke im Stadtbezirksbeirat

    Meine private Meinung als Anwohner am Eck ist, dass die Aufhebung des Alkoholverkaufsverbotes in den Spätshops nach 22 Uhr ein Fehler war. Die Auflösung der Neustädter Polizeiwache in der Böhmischen Straße war ein weiterer Fehler.

    Der teils extreme Lärmpegel, auch in der Woche oft bis weit nach Mitternacht – gerade in der Sommerhitze, wo man nachts zwischen Fenster zu oder Lüften und Lärm wählen muss – ist zudem ein Ärgerniss, das viele Anwohner stört, die sonst mit ihren Wohnungen sehr zufrieden sind (ein Problem, dass auch am Martin-Luther-Platz in letzter Zeit vermehrt auftritt und nichts mit den Kneipen sondern vermutlich vom „Assi-Eck“ Fliehenden zu tun hat).

    Von Wildpinklern im Friederike-Beier-Weg oder ad absurdum geführten Corona-Vorschriften nicht zu reden. Insbesondere oft erst nach Mitternacht auftretendes monotones Getrommel nervt besonders. Zudem habe ich in den letzten Monaten mehrmals nächtliche (Beinahe?-) Schlägereien aus meinem Fenster aus mitgekommen, auch die Polizei kam öfter.

    Früher dachte ich, dass es nur mir dem Lärm so geht aber in den letzten Wochen habe ich von mehreren ähnliche Nachbarn Unmutsbekundungen gehört. Durch die zwei Monate nächtliche Ruhe während des „Lockdowns“ im März bis Mai kommt den Anwohner der nächtliche Lärm sicher noch lauter vor. In den letzten 14 Tagen scheint es wieder etwas weniger laut zu sein, was vermutlich an erhöhter Polizeipräsenz liegt.

  35. Bzgl. „Nachtrag – Reaktion von Holger Knaak“

    Na endlich mal eine Stadtbezirksrat, der die Eier hat, zuzugeben dass eine Entscheidung falsch war bzw. in die falsche Richtung geführt hat. Sorry, aber das verständnisvolle Gequatsche ala „mit allein Beteiligten im Kiez muss gesprochen werden“ oder „die feiern ja nur aus Notwehr, weil die Situation so schlimm ist und die Möglichkeiten, sich sinnvoll zu beschäftigen, so wenig vielfältig sind“ führt zu nix, und schon gar nicht zu einer kurzfristigen Entspannung. Wie schon mal zu einem anderen Artikel geschrieben, das Problem ist nur an der Wurzel zu packen… und eine der Wurzeln, die beschnitten werden muss, ist die fehlende Regulierung der Spätshops, deren wesentlichtliches Geschäftsmodell der Alkoholausschank in den Abend und Nachtstunden ist. Andere Städte haben dies schon erkannt… Dresden hinkt wie immer hinterher. Mal wieder!

Kommentieren gern, aber bitte recht freundlich.

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