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Frühsommer 1945 (Teil 5)

Heute reden wir von der größ­ten Krise seit dem Zwei­ten Welt­krieg. Mit die­ser klei­nen Serie wer­fen wir einen Blick zurück n das Dres­den vom Mai bis zum Juli 1945. Heute die letzte Folge der Serie.

Optimismus hieß das neue Sommermärchen

Blü­hende Land­schaf­ten über­all in der Sowjet­union, die Freude der bal­ti­schen Repu­bli­ken, end­lich der sozia­lis­ti­schen Hei­mat der Sowjet­völ­ker anzu­ge­hö­ren, der Stolz der Leh­re­rin Olga Leo­nowa, nun im Obers­ten Sowjet der UdSSR zu sit­zen. Das noch im Jahr zuvor umkämpfte Kiew bekomme eine U‑Bahn. In Aser­bai­dschan errich­ten die Arbei­ter ein Molyb­dän­berg­werk. Die Pio­niere und Kom­so­mol­zen der Schu­len ver­le­ben ihre Ferien wie­der am Schwar­zen Meer. Die Tages­zei­tung für die deut­sche Bevöl­ke­rung in Ostsach­sen und Dres­den offe­rierte der erstaun­ten deut­schen Leser­schaft die Errun­gen­schaf­ten und das Kön­nen sowie den Enthu­si­as­mus des unbe­sieg­ba­ren Sowjet­vol­kes unter Mar­schall Stalin.

Tageszeitung für die deutsche Bevölkerung - Auschnitt vom 18. Juli 1945
Tages­zei­tung für die deut­sche Bevöl­ke­rung – Auschnitt vom 18. Juli 1945
Die Zei­tung hat es sich zur Auf­gabe gemacht, den Deut­schen den Sozia­lis­mus sowje­ti­scher Bau­art schmack­haft zu machen. Kein Wort fiel natür­lich über Gulags für kri­ti­sche Men­schen, kein Wort über die deut­schen Kriegs­ge­fan­ge­nen in Sibi­rien. Kein Wort zum Hit­ler-Sta­lin-Pakt, kein Wort über die Zwangs­um­sie­de­lun­gen der Wol­ga­deut­schen und Krimtarta­ren. Und natür­lich auch keine Arti­kel über die zu Tau­sen­den getö­te­ten nicht­kon­for­men Mit­glie­der von kom­mu­nis­ti­schen Par­teien, die Asyl in der Sowjet­union suchten.

Opti­mis­mus galt es unter die hun­gernde Bevöl­ke­rung der Stadt Dres­den zu ver­brei­ten. Pro­pa­gan­dis­tisch geschickt mach­ten die Redak­teure aus der Not eine Tugend. „Das alte Zen­trum ist tot, es lebe das neue Zen­trum. Die Neu­stadt, einst nur Able­ger der kraft­vol­len Alt­stadt, ist zum pul­sie­ren­den Her­zen der wie­der­erste­hen­den Stadt gewor­den. Um den Albert­platz herum grup­pie­ren sich die Zen­tra­len des neuen Lebens.

Seit eini­gen Tagen teilt sich der Ver­kehrs­pos­ten der Roten Armee mit einem Blau-Uni­for­mier­ten mit schwarz-gel­ber Arm­binde, einem Ange­hö­ri­gen der neuen Dresd­ner Poli­zei, in das schwie­rige Tage­werk der Ver­kehrs­len­kung. Auch diese Poli­zei­uni­form gehört nun schon zum Stra­ßen­bild“, schrieb die Tages­zei­tung. Und für viele Jahre wur­den Königs­brü­cker, Alaun- und Bautz­ner Straße zu den Ein­kaufs­zen­tren der Stadt.

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Die neue Polizei

Sie hatte viel zu tun, war in der Zei­tung zu lesen. „Sie greift ein, hilft, schlich­tet, fasst aber auch fest zu, wo es not­wen­dig ist. Eine Anzahl Per­so­nen musste bereits fest­ge­nom­men und ins Poli­zei­ge­fäng­nis über­führt wer­den. Es han­delte sich in ers­ter Linie um Sabo­teure, Spe­ku­lan­ten und sons­tige Dun­kel­män­ner.“ Gerichte gab es noch nicht, so dass diese Per­so­nen meist emp­find­li­che Geld­stra­fen erhiel­ten. Der Kom­man­deur der Dresd­ner Ord­nungs­po­li­zei, Major Vogt (durch­leuch­tet vom Antifa-Aus­schuss der Stadt und beru­fen vom Stadt­kom­man­dan­ten der Roten Armee), ver­fügte, dass ab Juli 1945 rigo­ros gegen Ver­kehrs­sün­der, Fah­rer wie Fuß­gän­ger, vor­ge­gan­gen werde. So gab er in der Zei­tung Infor­ma­tio­nen dar­über her­aus, wie sich die Bür­ger im Stra­ßen­ver­kehr zu ver­hal­ten hätten.

Erst dann die Fahr­bahn über­que­ren, wenn die Rich­tung durch den Ver­kehrs­schutz­mann frei­ge­ge­ben ist. Nicht schräg, son­dern gerade, also recht­wink­lig die Straße über­que­ren. Erst links, dann rechts sehen, ob ein Fahr­zeug kommt. Nicht im Schne­cken­tempo, son­dern so schnell wie mög­lich hin­über­ge­hen. Fuß­gän­ger müs­sen den Bür­ger­steig benut­zen und nicht den Fahr­damm. In der jewei­li­gen Geh­rich­tung rechts lau­fen. Keine schwat­zen­den Grup­pen auf der Fahr­bahn bil­den. Erst die Fahr­bahn betre­ten, wenn die Stra­ßen­bahn hält. Kraft­fah­rer rechts fah­ren, links über­ho­len. Müt­ter ach­tet auf eure Kin­der. Stra­ßen sind keine Spielplätze.“

Zuwi­der­hand­lun­gen wur­den mit Geld­bu­ßen bestraft. Aber auch andere Ver­bote musste die neue Poli­zei durch­set­zen. „Es ist ver­bo­ten, Blu­men, blü­hende Sträu­cher, Gewächse jeder Art zu pflü­cken oder zu beschä­di­gen. Rasen­flä­chen scho­nen, keine neuen Fuß­wege anle­gen. (…) Papier nicht fort­wer­fen, Papier­körbe benutzen.“

Das Volk war nicht begeistert

Auf einer Tagung der Mit­ar­bei­ter der Säch­si­schen Lan­des­ver­wal­tung am 18. Juli 1945 rügte der dama­lige Sekre­tär der Lan­des­lei­tung der Kom­mu­nis­ti­schen Par­tei, Her­mann Matern, den „man­geln­den eiser­nen Wil­len“ der Dresd­ner Bevöl­ke­rung zum Wie­der­auf­bau. „Es fehle die Begeis­te­rung zur Durch­füh­rung der Neugestaltung.

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Gerade die Behör­den und die Ver­wal­tung müss­ten das Volk zu einer grö­ße­ren Begeis­te­rung für die Auf­bau­ar­beit anspor­nen.“ Und an die Mit­ar­bei­ter der Lan­des­ver­wal­tung gewandt, ließ er durch­bli­cken, wohin die Reise gehen werde. „Wer­den Sie keine Büro­kra­ten. Blei­ben Sie poli­ti­sche Men­schen. Ver­lie­ren Sie nicht das Ziel aus dem Auge, das wir in der Schaf­fung der Grund­lage für ein neues Gesell­schafts­le­ben sehen. Dazu ist es not­wen­dig, dass in die Ver­wal­tung neue Men­schen mit neuem Geist einziehen.“

Das Mit­glied des Lan­des­vor­stan­des der SPD, Otto Buch­witz, sprach übri­gens auch. Nach ihm wurde spä­ter eine Neu­städ­ter Straße benannt. Im Arti­kel der Tages­zei­tung wurde er aber nur kurz erwähnt und mit dem Satz zitiert: „Ihr Män­ner von der Lan­des­ver­wal­tung, ver­lasst euch in allen Din­gen auf die Werk­tä­ti­gen, denn sie wer­den hin­ter euch stehen.“

Die Jugend erziehen

Ein wich­ti­ges pro­pa­gan­dis­ti­sches Mit­tel in der sowje­ti­schen und der spä­te­ren DDR-Presse war das gezielte Lan­cie­ren von Leser­brie­fen, um Kam­pa­gnen zu ent­wi­ckeln und zu steu­ern. Die­ses Mit­tel wurde auch von der Tages­zei­tung reich­lich genutzt. 1945 war es noch oppor­tun, auch bür­ger­li­chen Kräf­ten und beken­nen­den Chris­ten ein Sprach­rohr zu bie­ten, sofern sie die Besat­zungs­macht nicht in Frage stell­ten. Einer die­ser soge­nann­ten Leser­briefe stammte von einer Gewerk­schaf­te­rin, die sich mit der Erzie­hung der Jugend befasste. Zunächst lobte die Ver­fas­se­rin den neuen sowje­ti­schen Geist, „der die Wis­sen­schaft, die Welt­li­te­ra­tur, der den Huma­nis­mus ehrte und gesunde Bezie­hun­gen zwi­schen den Men­schen bejahte“.

Der Faschis­mus habe diese Lebens­grund­for­men ver­nich­tet und an deren Stelle die nied­rigs­ten Triebe gepflanzt. „Auf der emp­fäng­li­chen Seele des Kin­des errich­tete man ein Gebäude der Rück­sichts­lo­sig­keit und des Ego­is­mus.“ Die Brief­schrei­be­rin for­derte des­halb, „dass die Gesell­schafts­wis­sen­schaft und das Erzie­hungs­sys­tem von Grund auf revi­diert wer­den muss. (…) Bis in die tiefs­ten Wur­zeln im Men­schen muss man grei­fen, um zu ver­schnei­den, damit Neues sich ent­fal­ten kann. Diese Arbeit ist schwer, aber sie muss getan wer­den, uner­bitt­lich und uner­müd­lich. Alles Auf­bäu­men und Wider­stre­ben ist nutz­los.“ Damit begann das Durch­fors­ten der Leh­rer­schaft in den Schu­len und des Wis­sen­schafts­per­so­nals an den Uni­ver­si­tä­ten und Hoch­schu­len sowie die „Neu­leh­rer-Aktion“.

Weg mit Nazi-Schund und Pressefreiheit

Zunächst ging es darum, Nazi-Lite­ra­tur ein­zu­sam­meln. Die Admi­nis­tra­tion befahl den Dresd­ne­rin­nen und Dresd­nern, diese Druckerzeug­nisse bei den neuen Poli­zei­re­vie­ren abzu­lie­fern. Im Revier Neu­stadt türm­ten sich laut Tages­zei­tung die Bücher. Denn am 15. Juli 1945 war Stich­tag für die Abgabe diver­ser Bücher und Zeit­schrif­ten aus Pri­vat­be­sitz. Dazu gab es eine Ver­bots­liste poli­ti­scher Lite­ra­tur des Nach­rich­ten­am­tes der Stadt Dresden.

Wei­tere Ver­bots­lis­ten folg­ten. „Wie not­wen­dig die Maß­nahme war, begreift jeder, der weiß, dass gewisse Schlag­worte, Paro­len und Ideo­lo­gien sehr fest­sit­zen kön­nen und wie ver­häng­nis­voll nach 1918 eine allzu sorg­los gehand­habte ‚Geis­tes­frei­heit‘ sich nega­tiv aus­wir­ken konnte.“

Das Interimstheater

Es war eine wich­tige Ange­le­gen­heit der Besat­zungs­macht, dass die Thea­ter wie­der öff­ne­ten. Nur wo? Albert­thea­ter? Eine Ruine. Schau­spiel­haus und Oper eben­falls. Die ande­ren Büh­nen dem Bom­ben­ha­gel zum Opfer gefal­len. Was blieb, war unweit des Albert­thea­ters die Ton­halle in der Gla­cis­straße, dem heu­ti­gen Klei­nen Haus des Staats­schau­spiels. Sie wurde zum Inte­rims­thea­ter des Schauspielhauses.

Am 10. Juli 1945, um 18 Uhr deut­scher Som­mer­zeit begann die Spiel­sai­son mit „Nathan der Weise“ von Les­sing. Ein Stück gegen die Mas­sen­bor­niert­heit der Zeit, wie die Tages­zei­tung schrieb. „Stets wurde von der deut­schen Reak­tion, ganz zu schwei­gen von der faschis­ti­schen, in den letz­ten Jah­ren, jedes frei­heit­li­che Wort, jeder mensch­lich-befrei­ende Gedanke unter­drückt. Die gro­ßen fort­schritt­li­chen Dich­ter und Den­ker der deut­schen Ver­gan­gen­heit wur­den dem deut­schen Volke bewusst ferngehalten.“

Gegen seichte Unterhaltung

Die soge­nann­ten klei­nen Büh­nen, wie die Schau­burg, der Faun­pa­last, das Gol­dene Lamm oder die neue Spiel­stätte des auf der Gör­lit­zer Straße zer­stör­ten Tha­lia, nun im heu­ti­gen Kul­tur­rat­haus auf der Königs­straße, boten den vie­len frei­be­ruf­li­chen Sän­gern, Musi­kern, Tän­zern, Artis­ten, Kaba­ret­tis­ten, Komi­kern Auf­tritts­mög­lich­kei­ten. Die Bevöl­ke­rung kam in Scha­ren, um etwas lang Ver­miss­tes wie­der zu bekommen.

Viele Künst­ler knüpf­ten an dem an, was sie bis Mitte der drei­ßi­ger Jahre oder bis zum kriegs­be­ding­ten Auf­tritts­ver­bot leis­te­ten. Haupt­sa­che, man fühlte sich gut unter­hal­ten, konnte mal wie­der herz­lich lachen. Doch den neuen Her­ren passte Vie­les nicht. „Es fehlte viel­fach neben dem guten Geschmack auch noch an der Gewis­sen­haf­tig­keit der Arbeit. (…) Man weicht den Pro­ble­men, vor die uns der Zusam­men­bruch gestellt hat, bis heute direkt aus und hat sich bemüht, so farb­los als mög­lich zu sein, um kein ‚Risiko‘ ein­zu­ge­hen. (…) Rus­si­sche Musik und Lite­ra­tur wurde in den Vor­trags­fol­gen zu ‚Rei­ßern‘ her­ab­ge­zo­gen oder zu ‚Katz­bu­cke­lei‘ ver­wandt. Tschai­kow­sky hat es z.B. nicht nötig, als kul­tu­rel­les Aus­hän­ge­schild für fan­ta­sie­lose Pro­gramme benutzt zu wer­den“, schrieb die Kunst­kri­ti­ke­rin Inge­burg Kret­sch­mar in der Tages­zei­tung.

Die Nazis benutz­ten in ihrem Dilet­tan­tis­mus und der Stüm­pe­rei Namen wie Volks­thea­ter (so hieß das Albert­thea­ter seit 1936), so Frau Kret­sch­mar. In der Sowjet­union bedeute die Bezeich­nung „Volk“ die aller­höchste Aus­zeich­nung für einen Künst­ler, als Volks­schau­spie­ler. „Heute gilt es eine neue künst­le­ri­sche Größe zu suchen, die klare Erkennt­nis der Werte. (…) Statt bie­nen­flei­ßi­ger Geschäfts­tüch­tig­keit wird heute von künst­le­ri­schen Dar­bie­tun­gen erns­ter, schöp­fe­ri­scher, posi­ti­ver Wett­be­werb der Kunst verlangt.“

Volksküche in der Neustadt

Auf der Fisch­haus­straße 12 am Hei­de­park eröff­nete Ende Juni 1945 eine Volks­kü­che. Die Lei­te­rin des Sozi­al­am­tes, Elsa Fenske teilte mit: Die Küche ist für Ein­woh­ner gedacht, die keine eige­nen Koch­ge­le­gen­hei­ten haben bzw. so in ihre Arbeit ein­ge­bun­den sind, dass sie keine Zeit für die Essens­zu­be­rei­tung haben und in den Betrie­ben ver­sorgt wer­den sollen.

Da es aber an zusätz­li­chen Lebens­mit­tel­ra­tio­nen man­gelte, musste jeder Nut­zer der Volks­kü­che wöchent­lich Lebens­mit­tel­mar­ken für 50g Fleisch, 20g Fett, 100g Nähr­mit­tel, 100g Brot, 1500g Kar­tof­feln und even­tu­ell Gemü­se­mar­ken abge­ben. Die Wochen­karte kos­tete außer­dem 1,80 RM. Gefäße und Löf­fel seien mitzubringen.

Kinder im Juli 1945 - Foto: Tageszeitung für die deutsche Bevölkerung
Kin­der im Juli 1945 – Foto: Tages­zei­tung für die deut­sche Bevölkerung

Wohnungsnot

Viele Aus­ge­bombte, Flücht­linge und Heim­keh­rer aus dem Krieg such­ten ein Dach über dem Kopf. So man­che Fami­lie hauste in Rui­nen mit offe­nen Wän­den, ohne Was­ser und Strom. Viele nutz­ten die Lau­ben in den Klein­gär­ten. Rigo­ros wurde der ver­blie­bene Woh­nungs­be­stand erfasst und neu ver­teilt. Dabei spiel­ten soziale und poli­ti­sche Kri­te­rien die Haupt­rolle. Man werde sich nicht scheuen, „reak­tio­näre Mili­tärs und ehe­ma­lige aktive Nazis mit der Woh­nungs­not ver­traut zu machen, die sie sel­ber ver­ur­sacht haben“, so der Lei­ter des städ­ti­schen Woh­nungs­am­tes, Direk­tor Römer.

Es wider­sprä­che jedem gesun­den Volks­emp­fin­den, wenn diese Leute in geräu­mi­gen Vil­len säßen, wäh­rend aus­ge­bombte Anti­fa­schis­ten in Kel­lern hau­sen müss­ten. (…) Orts­fremde haben in Dres­den kei­nen Woh­nungs­an­spruch. Als Orts­fremd gilt jeder, der nach dem 1. Sep­tem­ber 1939 in Dres­den zuzog.“ Es wur­den aber nicht nur Woh­nun­gen beschlag­nahmt, son­dern auch Möbel, die zum ‚Volks­gut‘ wur­den. Man konnte sie käuf­lich zu Guns­ten der Stadt­kasse erwerben.

Wer hatte Anspruch auf eine Woh­nung? Als ers­tes die Heim­keh­rer aus den Kon­zen­tra­ti­ons­la­gern, die poli­tisch ver­folgt wur­den. Die zweite Gruppe waren die Voll­aus­ge­bomb­ten, die nichts mehr besa­ßen. An drit­ter Stelle ran­gier­ten Schwer­kriegs­ge­schä­digte, Kin­der­rei­che und Infek­ti­ons­kranke. Alle ande­ren waren Bestand­teil der Gruppe vier.

Teil­weise beschä­digte Häu­ser und Woh­nun­gen soll­ten von den Mie­tern instand­ge­setzt wer­den. Geflüch­tete Nazis ver­lo­ren ihre Woh­nung. Jedoch blieb bei Kriegs­heim­keh­rern, sofern sie keine akti­ven Nazis und SS-Leute waren, der Woh­nungs­an­spruch bestehen.

Unter der Rubrik “Früh­som­mer 45” ver­öf­fent­li­chen wir in loser Rei­hen­folge Anek­do­ten aus dem Leben, Han­deln und Den­ken aus der Zeit kurz nach dem Zwei­ten Welt­krieg. Dafür hat der Dresd­ner Schrift­stel­ler und Jour­na­list Heinz Kulb die Zei­tungs­ar­chive in der Säch­si­schen Lan­des- und Uni­ver­stäts­bi­blio­thek durchstöbert.

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Ergänzungen gern, aber bitte recht freundlich.

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