Anzeige

Fit together mit Claudia Seidel

Die Hansastraße

Wen es aus der Neu­stadt gen Nor­den in die weite Welt zieht, des­sen Weg führt fast zwangs­läu­fig über die Han­sa­straße. Nach den ers­ten dunk­len Me­tern im Tun­nel wird der Ver­kehr aus­ge­spuckt auf eine hek­ti­sche vier­spu­rige Straße.

Hin­ter dem Lärm und ei­nem Tor­bo­gen ver­steckt sich gleich nach dem Bahn­hof auf der lin­ken Seite die Kunst­gilde Hanse 3 mit ei­ner bun­ten Mi­schung aus Werk­stät­ten, Pro­be­räu­men, Ate­liers, in de­nen auch Aus­stel­lun­gen und Kon­zerte statt­fin­den. Wo­mit der kul­tu­relle Hö­he­punkt der Han­sa­straße schon früh ab­ge­hakt wäre.

"<yoastmark

An der Ga­be­lung zur Gro­ßenhai­ner Straße ver­ab­schie­det sich die Stra­ßen­bahn und über­lässt den Grün­strei­fen in der Mitte den Bäu­men und ei­nem klei­nen Trampelpfad. 

An­zeige

Canaletto-Gin der Dresdner Spirituosen Manufaktur

An­zeige

Wiedereröffnet: Villandry Dresden

An­zeige

Neustadt-Geflüster Stellenanzeigen

An­zeige

Sachsen-Ticket

An­zeige

Populi Fair Fashion Onlineshop

An­zeige

Palais-Sommer

An­zeige

Semper Oberschule Dresden

An­zeige

Aussitzen Deluxe 2.0

An­zeige

Tranquillo Sommer Sale

Hin­ter den vor­bei­fah­ren­den Au­tos ste­hen Häu­ser Spa­lier, mit grü­nem Putz und brau­nen Klinkerzie­geln. Die Sied­lung Han­sa­straße wurde in den 1920ern im Stile des Back­stein­ex­pres­sio­nis­mus er­rich­tet, um­fasst über 500 Woh­nun­gen und steht heute un­ter Denkmalschutz.

Ein Stück Architekturgeschichte steckt in den Fassaden der Hansasiedlung.
Ein Stück Ar­chi­tek­tur­ge­schichte steckt in den Fas­sa­den der Hansasiedlung.

Zubringer zur Reichsautobahn

Nach der Sied­lung wird die Be­bau­ung we­ni­ger ein­heit­lich und fällt ge­ne­rell karg aus, was daran lie­gen mag, dass der Teil der Straße zwi­schen Con­rad- und Hecht­straße erst ca. 1940 als Zu­brin­ger zur neuen Reichs­au­to­bahn an­ge­fer­tigt wurde.

Zwi­schen­durch trug die Han­sa­straße des­we­gen auch den Na­men des Lei­ters des na­tio­nal­so­zia­lis­ti­schen Au­to­bahn­bau­pro­jekts und hieß Dr.-Todt-Straße. 1945 be­kam sie ihre ur­sprüng­li­che Be­zeich­nung nach dem nord­deut­schen Han­dels­bund Hanse zurück.

Trotz der vielen Bäume lädt die Hansastraße wenig zum Flanieren ein. Ihren Zweck erfüllt sie allemal.
Trotz der vie­len Bäume lädt die Han­sa­straße we­nig zum Fla­nie­ren ein. Ih­ren Zweck er­füllt sie allemal.

Ein we­nig Han­del gibt es auch vor Ort: Lidl ver­sorgt so ef­fi­zi­ent mit Le­bens­mit­teln, dass ein an­ge­bis­se­nes Ba­guette auf dem Grün­strei­fen eine sinn­ent­frem­dete Exis­tenz fris­tet, wäh­rend hin­ter ei­ni­gen ba­ra­cken­ähn­li­chen Ge­bäu­den die St.-Petri-Kirche zur Bitte um das täg­lich Brot anhält.

An­zeige

Aussitzen Deluxe 2.0

An­zeige

Sachsen-Ticket

An­zeige

Kieferorthopädie

An­zeige

Palais-Sommer

An­zeige

Populi Fair Fashion Onlineshop

Auch für Rei­sende, Durs­tige, an­spruchs­arme Fast­food­fans und ka­putte Front­schei­ben oder Rei­fen wird in un­ter­schied­li­chen Eta­blis­se­ments gesorgt.

Landidylle mitten an der Hauptverkehrsstraße. Aber Vorsicht: „Gott sieht alles – dein Nachbar noch mehr!“
Land­idylle mit­ten an der Haupt­ver­kehrs­straße. Aber Vor­sicht: „Gott sieht al­les – dein Nach­bar noch mehr!“

Gartensparten im Fahnenrausch

Da­hin­ter gibt die S‑Bahnbrücke den Vor­hang frei für eine ganz be­son­dere Spe­zies in der Gat­tung der Frei­zeit­do­mi­zile: die Klein­gär­ten. Hier trifft das Klein­bür­ger­tum auf Ur­ban Gar­de­ning. Meh­rere Gar­ten­spar­ten mit klang­vol­len Na­men wie Er­ho­lungs­land oder Mor­gen­sonne rei­hen sich naht­los an­ein­an­der und wer­den von end­lo­sen ge­ra­den, von He­cken ge­säum­ten We­gen strukturiert.

Als Nicht­ver­eins­mit­glied ist es wohl si­che­rer, sich mit neu­gie­ri­gen Bli­cken über Gar­ten­zäune und der ei­nen oder an­de­ren sti­bitz­ten Kir­sche zu be­gnü­gen. Flag­gen we­hen im Wind und kün­den haupt­säch­lich von Fuß­ball­liebe, Na­tio­nal­stolz oder schlech­tem Hu­mor. Blu­men bah­nen sich ih­ren Weg über Zäune hin­weg und kämp­fen trot­zig, wenn auch ei­ni­ger­ma­ßen er­folg­los, ge­gen Lärm und Be­ton. Zu Zer­streu­ung und küh­lem Bier la­den Syl­vis Dart­stube und die Gast­stätte Ei­chen­kranz ein.

Ein fens­ter­lo­ses Holz­häus­chen mit ab­blät­tern­der Farbe trägt ein Schild mit der Auf­schrift „Kita“, ver­stö­rend. Im­mer­hin gibt es auch Flä­chen, auf de­nen statt ak­ku­rat ge­stutz­ter Ro­sen Gras und Blü­ten wild wu­chern. Techno-Klänge aus ei­nem Gärt­chen er­in­nern zu­sätz­lich daran, die sich auf­drän­gen­den Vor­ur­teile im Zaum zu halten.

Einsame Villa? Deutliches Zeichen, man befindet sich in Pieschen.
Ein­same Villa? Deut­li­ches Zei­chen, man be­fin­det sich in Pieschen.

Tanken und Knattern

Die Grün­meile, in der au­ßer der Straße nur zwei Tank­stel­len die Idylle stö­ren und es weit und breit bloß ein ein­zi­ges mehr­stö­cki­ges Wohn­haus gibt, en­det mit der Ein­mün­dung der Wein­böhlaer Straße. Hier wer­fen Netto, ein Ho­tel, eine Au­to­werk­statt und ein Mo­tor­rad­la­den end­gül­tig zu­rück in die Zi­vi­li­sa­tion, be­vor sich die Han­sa­straße ver­ab­schie­det und der Ra­de­bur­ger Straße als ih­rer Nach­fol­ge­rin die Auf­gabe über­lässt, den Ver­kehr zu­ver­läs­sig aus der Stadt zu leiten.

"<yoastmark

Ar­ti­kel teilen

8 Ergänzungen

  1. Mit den "ba­ra­cken­ähn­li­chen Ge­bäu­den" ist wohl die Chemo ge­meint? :D

    @Anton: Si­cher? Ich war doch der Mei­nung, dass die Pe­tri-Kir­che noch im Neu­städ­ter Teil der Leip­zi­ger Vor­stadt liegt.

  2. Vie­len Dank für die­sen Bei­trag und un­be­dingt mehr die­ser Art!
    Stra­ßen ha­ben wir ja einige…

  3. Es sollte im All­tag aber doch wohl eher schwie­rig sein, im Ei­chen­kranz Zer­streu­ung und ein küh­les Bier­chen zu finden.
    Dies ist, wenn dann doch nur, bei den sel­te­nen ein­ge­mie­te­ten Ver­an­stal­tun­gen der Fall. Doch auch da wird man nur schwer ein KÜHLES Bier­chen fin­den, das kommt dann doch meist raum­tem­pe­riert aus nem Kas­ten nahe der Kegelbahn…
    Und man sollte et­was auf­pas­sen, dass sich die ge­fun­dene Zer­streu­ung nicht durch die do­mi­nan­ten Ab­fluss­dämpfe wie­der selbst zerstreut… ;)

  4. Bei al­len teils be­rech­tig­ten Vor­ur­tei­len ge­gen­über den Kleingärt(n)e®n sollte be­dacht wer­den, dass ge­rade im Klein­gar­ten­park Han­sa­straße viele junge Neu­stadt- und Hechtbewohner'innen ih­ren Gar­ten ha­ben. Ist ja wie­der an­ge­sagt. Und da geht es wohl kaum um Na­tio­nal­stolz und Fuss­ball­liebe, son­dern eher um öko­lo­gi­sches Gärt­nern und ei­nen Platz im Grü­nen für sich selbst und den Nach­wuchs. Das muss mal ge­sagt werden ;)

Ergänzungen gern, aber bitte recht freundlich.

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.