Eröffnung Zirkus Sarrasani 1912

Lange Zeit fieberten die Dresdnerinnen und Dresdner der bürgerlichen Schichten der Eröffnung des Sarrasani-Gebäudes am Carolaplatz entgegen. 1912 sollte hier in der Inneren Neustadt der erste feste Zirkusbau in Europa entstehen.

Postkarte vom Zirkus Sarrasani - um 1912
Postkarte vom Zirkus Sarrasani – um 1912
Man erhoffte sich, wie es im Salonblatt der landeshauptstädtischen High Society kundgetan wurde, „dass das etwas flaue öffentliche und Vergnügungsleben der Residenz damit einen stärkeren Aufschwung“ erhalte. Fast jeden Abend war das Haus ausverkauft. „Schon findet sich dort die vornehme einheimische Gesellschaft, wie das gute Publikum der Provinz und das vornehme Fremdentum zusammen.“

Großereignis von europäischem Rang

Sarrasani galt durch diesen Bau als der bedeutendste Zirkus Europas. Zu danken war es Hans Stosch-Sarrasani (Sen.). Der Wahldresdner und Direktors des Etablissements kämpfte jahrelang beharrlich für seinen Traum. Jener extrovertierte Hans hatte etwas im Blut, dass nach Show, Clownerie, Öffentlichkeit schrie, aber auch kaufmännisches Gefühl und Kundenpsychologie beinhaltete.

Bei der bayrischen Wanderschau Kolzer arbeitete er sich vom Stallburschen zum Dressur-Clown hoch. Dort entstand dann auch der Künstlername Giovanni Sarrasani. In Radebeul, in der Gartenstraße 30, baute er ein Zirkusunternehmen auf. Prämiere war am 30. März 1902 in Meißen. Zuvor hatte er einen Minizirkus im Dresdner Stadtteil Strehlen. In Dresden gastierte er ab 1902 auf dem freien Platz neben dem Jägerhof.

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Hans Stosch-Sarrasani wollte aber ein festes Haus. Etliche Versuche in anderen Städten, z.B. in Berlin, schlugen fehl. In Dresden fand er große Zustimmung beim Stadtrat und kaufte von der Stadt das Gelände neben dem Jägerhof am Königin-Carola-Platz. Mit einer Wohltätigkeitsveranstaltung im Beisein der gesamten königlichen Familie und derjenigen, die Rang und Namen in der Residenz hatten, insgesamt 3.860 Menschen, eröffnete das Haus am vierten Advent 1912 seine Pforten.

Sarrasani-Zirkus am Carolaplatz - Foto von 1914
Sarrasani-Zirkus am Carolaplatz – Foto von 1914
„In dem ungemein reichhaltigen Programm mit 18 Nummern, die die Tausende bis nahe Mitternacht fesseln und nachher ganze Völkerwanderungen über die Carolabrücke … fluten lassen“, so das Salonblatt. Gezeigt wurden Darbietungen mit 16 freidressierten edlen Pferden und 15 indischen Elefanten. Internationale Artisten, wie die Japanertruppe und die wilden Marokkaner mit ihren Haufenpyramiden hielten das Publikum in atemlose Spannung.

Den merkwürdigsten Tierdressuren war ein Großteil des Programms gewidmet: drollige Seelöwen, das boxende Känguru, eine „machtvolle persische Kamelkarawane“, nervenerregende Vorführungen der Löwen, abenteuerliche Droschkenfahrten mit Schweinen und Gänsen. Kein so lobendes Wort hatte der Kritiker des Salonblattes für die Clowns übrig. Er vermutete, dass der direktorale Wille, die Lustigkeit einschränkte. Und noch etwas wurde an dem neuen Haus kritisiert: die schlechte Akustik.

Verfolgung während der Nazidiktatur

Später wurde der Zirkus-Chef Ziel faschistischer Verleumdungen, weil er auch nach 1933 die jüdischen Angestellten weiterbeschäftigte. Nach seinem Tod übernahm erst sein Sohn, dann dessen Frau die Leitung des Zirkus. Weil sie sich von den Nazis nicht gleichschalten ließ, wurde sie ins Gefängnis geworfen. Der Zirkus gab die letzte Vorstellung am 13. Februar 1945, als die Bomberverbände bereits im Anflug waren. Die Vorstellung wurde abgebrochen, das Zirkustheater zerstört.

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Lediglich die Sarrasanistraße und ein 2007 aufgestellter kleiner Brunnen erinnern heute am alten Standort. Mehr zur Geschichte des Zirkus im Dresdner Stadtwiki.

Eli-Spaß und Brunnennass: der Sarrasanibrunnen
Sarrasanibrunnen

Heute gibt es, unter anderem von der Gruppe „Dresden postkolonial“ Kritik an dem Programm der damaligen Zeit, vor allem an den sogenannten Völkerschauen. Heute lebt der Name Sarrasani mit magischen Diner-Shows in Dresden fort.

Unter der Rubrik „Vor 100 Jahren“ veröffentlichen wir in loser Reihenfolge Anekdoten aus dem Leben, Handeln und Denken von Uroma und Uropa. Dafür hat der Dresdner Schriftsteller und Journalist Heinz Kulb die Zeitungsarchive in der Sächsischen Landes- und Universtätsbibliothek durchstöbert.

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