Zehn Gebote für nörgelnde Partei- und Vereinsmitglieder

Die „10 Gebote“ als kraftvolle Symbole haben es in sich. Mit ihnen kam laut Bibel Moses vom Berg Sinai zurück, nachdem ER diese ihm in Stein meißelte. Wir haben insgesamt zehn Finger. In der Mathematik bildet die 10 die Grundlage des Dezimalsystems. Zehn Tage, zehn Jahre usw. bilden jeweils Dekaden. Im Symbolischen hat sie die Bedeutung von Ordnung, Absolutheit und Totalität.

Zehn Gebote - Foto: Pixabay
Zehn Gebote – Foto: Pixabay
In allen Religionen hat diese Zahl deshalb ihren besonderen Platz. Und selbst die Atheisten kommen ohne sie nicht aus, wie die „10 Gebote der sozialistischen Moral“ erkennen lassen, die Walter Ulbricht im Juli 1958 auf einer ZK-Tagung der SED verkündete.

So ist es nicht verwunderlich, dass sich ihrer (der Zahl 10 und der Gebote) auch das konservative Lager in der sächsischen Residenz bediente. Unter der Überschrift „Zehn Gebote für nörgelnde Partei- und Vereinsmitglieder“ veröffentlichte (natürlich mit einem süffisant satirischen Unterton) die Sächsische Volkszeitung am 6. April 1913 entsprechende Gebote, die auch heute noch höchst aktuell scheinen und, bei genauer Betrachtung, auch in Parteien und Vereinen heutzutage fleißig genutzt werden.

  1. Sprich schlecht von deinem Verein bei jeder Gelegenheit, die sich bietet.
  2. Drohe stets mit Austritt oder Widersetzung, wenn dir im Verein etwas nicht passt.
  3. Erkläre jedermann haarklein, dass du mit der Tätigkeit deines Vereins nicht einverstanden bist.
  4. Wenn du dich mit einem Vereinsmitglied verfeindet hast, so versäume es nicht, es dem Verein mitzuteilen.
  5. Unterstelle allen, die Arbeit für den Verein verrichten, dass sie das nur aus Ehrgeiz oder um ein Amt willen oder wegen persönlicher Vorteile tun. Hüte dich aber sorgfältig davor, selbst etwas für deinen Verein zu tun, damit du nicht selber in dieser Weise beschuldigt wirst. Schwänze womöglich die Versammlungen.
  6. Erkläre einem jeden, der nicht im Verein ist, wie es eigentlich im Verein zu sein hätte. Hüte dich aber, im Verein vor allen Mitgliedern selbst etwas zu sagen.
  7. Sprich niemals Gutes über die Gewählten deiner Organisation, die an der Verbesserung auch deiner Verhältnisse arbeiten.
  8. Wenn du etwas gescheiter als andere bist, so warte, bis einer aus dem Vorstand einen Fehler macht oder ein Versäumnis begeht. Dann falle über ihn her. Bis dahin halte dich mit deinen Gedanken unbedingt zurück.
  9. Vergiss nie, aus „prinzipiellen Gründen“ in Versammlungen Opposition zu machen, denn du bist die Würze der Versammlungen, das Salz, der Pfeffer, die Muskatnuss. Wärest du nicht, so wären die Versammlungen fade und unschmackhaft.
  10. Trifft einmal einer in deinem Sinne das Richtige, so widerspreche dennoch, sonst wärest du nicht derjenige, der alles besser weiß.

Wenn du das alles tust, so darfst du dich rühmen, als gescheiter Mann angestaunt zu werden, der eigentlich „der Richtige“ wäre.

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Unter der Rubrik „Vor 100 Jahren“ veröffentlichen wir in loser Reihenfolge Anekdoten aus dem Leben, Handeln und Denken von Uroma und Uropa. Dafür hat der Dresdner Schriftsteller und Journalist Heinz Kulb die Zeitungsarchive in der Sächsischen Landes- und Universtätsbibliothek durchstöbert.

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