Nachtrag zur Putzi-Besetzung

Die Dresdner Polizei meldete gestern die Räumung des „Putzi“-Geländes. Gegen 16.15 Uhr war der Einsatz beendet (Details im Bericht vom 23. Januar). Insgesamt wurden 21 Personen auf dem Gelände festgestellt. Sechs wurden zur Ermittlung der Identität in Gewahrsam genommen. Laut Aussage der Gruppe „Wir besetzen Dresden“ sind inzwischen wieder alle auf freiem Fuß. Das bestätigte Polizeisprecher Stefan Grohme gegenüber Neustadt-Geflüster.

Lärm-Demo durch die Neustadt. Foto: Protestfotografie Dresden
Lärm-Demo durch die Neustadt. Foto: Protestfotografie Dresden
Am Abend kam es zu einer Demonstration, die sich mit den Zielen der Hausbesetzer*innen solidarisierte. Die Demo startete am Alaunplatz und führte über die Görlitzer, Rothenburger und Bautzner Straße wieder zum Alaunplatz. Einzelne Teilnehmer*innen zündeten Pyrotechnik in dem Aufzug. Als die Gruppe von der Alaun- in die Katharinenstraße einbiegen wollte, stoppten stoppten Einsatzkräfte den Aufzug. Dabei kam es auch zum Einsatz von Pfefferspray. Anschließend verließen die Versammlungsteilnehmer den Ort.

Am späteren Abend warf laut Polizei ein 17-Jähriger auf der Alaunstraße einen Werbeaufsteller und ein E-Roller in die Richtung von Einsatzbeamten. Dabei wurde ein Beamter leicht verletzt. Der junge Mann wurde später durch die Einsatzkräfte gestellt. Im Anschluss an die polizeilichen Maßnahmen wurde er vor Ort entlassen. Insgesamt waren am Abend 60 Polizeibeamte im Einsatz, bei der Räumung tagsüber waren es 200.

Statement der Hausbesetzer*innen

Die Gruppe „Wir besetzen Dresden“ meldete sich gestern auch noch einmal per Pressemitteilung. Sie warf der Polizei vor, rabiat gegen Demonstrierende vorgegangen zu sein und bedauerte, dass die Argenta-Gruppe nicht auf das Gesprächsangebot eingegangen ist. Sprecher Lann Schmidt: „Die Polizei kündigte gestern an, deeskalierend agieren zu wollen. Nun haben sie SEK benutzt, um eine friedliche Besetzung zu räumen, mehrere Menschen verletzt und die Arbeit der Presse und von Anwält*innen massiv behindert. Konfrontativer hätte man diese Situation kaum lösen können.“


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Die Gruppe erklärt, dass man nicht aufhören werde, den Leerstand in der Stadt zu problematisieren und für ein Recht auf Stadt für alle Menschen zu streiten. „Putzi ist mehr als ein Gelände mit drei Häusern. Putzi ist viele Ideen und viele Menschen mit Träumen, die daran mitgearbeitet haben diese wahr werden zu lassen. Ideen und Träume kann man nicht räumen.“

Die Besetzer*innen haben das Gelände "Putzi" getauft.
Die Besetzer*innen hatten das Gelände „Putzi“ getauft.

Die Politik zur Besetzung

Im Laufe des Tages äußerten sich Vertreter*innen von fast allen Parteien.

Der sächsische AfD-Fraktionsvorsitzende Jörg Urban forderte am Dienstag unter der Überschrift „Schluss mit dieser Verhätschelung!“ dass die Polizei die besetzten Häuser sofort räumen müsse. Dabei unterstellte er: „Die CDU nimmt einmal mehr Rücksicht auf ihren grünen Koalitionspartner, der mit den linksextremen Hausbesetzern verbandelt ist“. Die Neustädter CDU hatte indes auch schon am Dienstag die Räumung gefordert. Stadtbezirksbeirat Gunter Thiele sagte: „Bei den Hausbesetzern handelt es sich um Kriminelle, die sofort geräumt und zur Verantwortung gezogen werden sollten! Zudem sollten ihnen die Kosten für die Räumung in Rechnung gestellt werden.“

Piraten-Stadtbezirksbeirat Jan Kossick
Piraten-Stadtbezirksbeirat Jan Kossick
Jan Kossick, für die Piraten im Stadtbezirksrat erklärte, dass die Neustadtpiraten die Räumung des Stadtteilzentrums „Putzi“ verurteilen. „Die Polizei hat hier unserer Meinung nach unnötig reagiert, der Spielraum für Verhandlungen ist nicht ausgenutzt worden“, so Kossick. Er kritisierte scharf, dass die Presse und Rechtsanwälte keinen Zutritt zum Gelände erhalten haben. Man wolle nun auf politischer Ebene eine Nutzung des Geländes weiterverfolgen und dabei die Ideen der Besetzung einfließen lassen.


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Auch die Jusos kritisieren die Räumung, das Handeln von Argenta sei das größere Verbrechen. „Als Jusos Dresden solidarisieren wir uns mit den Besetzer*innen des Putzis“, erklärte Julia Seliger, stellvertretende Vorsitzende der Jusos Dresden. Der Vorsitzende der Jusos, Matthias Lüth: „Die Gruppe hat nach meiner Kenntnis weder Eigentum beschädigt, noch kam es zu Gewalt gegenüber Personen. Vor dem Hintergrund halte ich das Verhalten von Argenta für das deutlich größere Verbrechen.“

Vincent Drews, wohnungspolitischer Sprecher und SPD-Stadtrat für die Neustadt: „Auch private Eigentümer sind in der Pflicht, ihr Eigentum zu entwickeln und nutzbar zu machen. Es wäre besser gewesen, wenn eine klare Perspektive für Wohnraum oder eine Gemeinschaftsnutzung aufgezeigt worden wäre, anstatt seit Jahren den Leerstand und den zunehmenden Verfall der Gebäude auf dem Gelände beobachten zu müssen. Darüber hinaus zeigt sich einmal mehr, dass Kommunen geeignetere rechtliche Möglichkeiten bekommen müssen, um gegen Leerstand vorzugehen. Dafür werden wir uns auf Bundes- und Landesebene weiter einsetzen.“

Linken-Stadtrat Christopher Colditz hatte die Protestkundgebung auf der anderen Straßenseite der Königsbrücker Straße angemeldet. Er sagte: „Es ist bedauerlich, dass die Argenta-Gruppe an einer Eskalation interessiert ist. Offenbar hat es kein Interesse gegeben, über ein Nutzungskonzept, was der Stadtgesellschaft zugute kommt, mit den Aktivist*innen zu verhandeln.“ Er empfand auch das Agieren der Polizei als äußerst aggressiv.

Zukunft der Häuser

Gestern wurden die Häuser auch in den oberen Etagen zugemauert. In der Nacht waren Polizeibeamte, die das Gelände überwachten. Eine Neubesetzung ist somit erschwert. Allerdings ist damit auch die Nutzung der leeren Häuser durch Obdachlose, die in der Vergangenheit hier zum Teil übernachtet hatten, nun unmöglich.

Die oberen Etagen werden zugemauert. Foto: Wir besetzen Dresden.
Die oberen Etagen wurden zugemauert. Foto: Wir besetzen Dresden.

In ihrer Pressemitteilung hatte Argenta KG am Montag auch angekündigt, dass man für Überlegungen einer langfristigen städtebaulichen Neuplanung offen sei. In diesem Zusammenhang müsse gutachterlich zu untersuchen sein, inwieweit Sanierungsfähigkeit besteht. Das bedeutet, das Unternehmen will prüfen, ob sich die die Gebäude mit wirtschaftlich vertretbaren Mitteln von Grund auf so sanieren lassen, dass sie den dann aktuell geltenden öffentlich rechtlichen Vorschriften bezüglich Lärm, Brand, Energieeffizienz usw. für Wohn- bzw. Gewerbenutzung angepasst werden können. Argenta kündigte an, in den nächsten Monaten mit der Stadt Dresden Kontakt in dieser Angelegenheit aufzunehmen. Wie das Unternehmen heute mitteilt, habe man den Wachschutz auf dem Gelände verstärkt und wolle mit den zuständigen Stellen in Dresden Gespräche führen. „Eine dauerhafte Lösung braucht Zeit, damit alle Interessen berücksichtigt werden können“, sagte ein Sprecher des Unternehmens.

Im Wirtschaftsasschuss wurde am Mittwoch der Grünen-Antrag auf Entwicklung des gesamten Geländes für eine soziale Wohnbebauung abgelehnt. Jetzt muss der Ausschuss für Stadtentwicklung, Bau, Verkehr und Liegenschaften am 5. Februar entscheiden.

Vergangenheit der Häuser

Die Spuren zu den drei Häusern sind recht dünn. Allerdings sind schon im Stadtplan von 1899 drei Häuser an dieser Stelle eingezeichnet. Zu der Zeit gab es die Zahnpasta-Fabrik dahinter noch gar nicht. Die Leo-Werke nahmen erst 1917 in der Ecke zwischen Katharinen- und Königsbrücker Straße den Betrieb auf, vierzig Jahre später wurde dann hier die Kinderzahnpasta „Putzi“ entwickelt. In der deutschen Fotothek gibt es auch nur ein einziges Foto, das zeigt die Nummer 14. In der sich offenbar Anfang der 1990er Jahre eine Filiale der Weberbank befunden hat. In der Nummer 16 befanden sich damals offenbar Büros der Dental-Kosmetik.

25 Kommentare zu “Nachtrag zur Putzi-Besetzung

  1. „… eine friedliche Besetzung…“
    Irgendwie erinnert mich diese Ausdrucksweise an die Aufteilung der Tschechoslowakei durch Deutschland, Polen und Ungarn 1938.
    Offensichtlich ist es nur eine Frage der Zeit, bis wieder Parteien auf eine Begrifflichkeit aufsitzen.

  2. Angesport durch Antons Recherchen habe ich auch nochmal in der Fotothek gesucht und folgende Bilder gefunden (das 14er steht oben schon):

    Luftbild mit Leo-Werken (Aufnahme von 1932)

    Königsbrücker Straße 12 (Aufnahme von 1993)
    Königsbrücker Straße 14 (Aufnahme von 1993)
    Königsbrücker Straße 16 (Aufnahme von 1993)

    In den Bildbeschreibungen der drei Häuser steht etwas von 1851, auf einer Karte von 1868 finde ich schon Häuser an diesen Stellen, von daher kann es gut sein, dass die schon so alt sind. Lt. Themenstadtplan steht nur die Ausstattung im Treppenhaus der Königsbrücker Straße 12 unter Denkmalschutz, vielleicht hat da ja jemand aktuelle Bilder von. Aktuell dürfte eine Besichtigung etwas schwierig sein ;-)

    Ob die drei Häuser nun dauerhaft erhalten werden müssen (ich finde nicht), muss letztlich der Eigentümer, ggf. mit dem Amt für Denkmalschutz, entscheiden. Es handelt sich dabei wohl eher nicht um schöne Villen (wie z.Bsp. die Königsbrücker Straße 8), sondern „nur“ um alte Häuser.

    ***

    Was oben im Beitrag steht bzgl. der Äußerungen mancher Politiker, da kann man sich nur wundern. Vielleicht mal nachschauen, was da wie zusammengehört und ob man wirklich so pauschal Vorwürfe in Richtung Argenta machen kann und sollte. Die drei Häuser sind nur ein ganz kleiner Teil des mehr als 2 ha großen Werksgeländes. Und die eigentliche Firma (Dental-Kosmetik) macht eine sehr ordentlichen Eindruck. Wie schon anderweitig geschrieben, einen vernünftigen Plan entwickeln, der auch für den Eigentümer interessant ist und dann mit Argenta darüber reden. Es müsste schon mit dem Teufel zugehen, wenn man da nicht weiterkommt. Häuser einfach besetzen, Eigentümer wüst beschimpfen und etwas so erzwingen zu wollen, funktioniert ja – wenig überraschend – nicht.

  3. Genau wie erwartet, anstatt einfach friedlich rauszukommen (die Message ist ja in der Öffentlichkeit angekommen), beharrt man auf seinen kindischen Trotz und die Polizei, die ihren Job sachgemäß (und vor allem geduldig!) gemacht hat, ist der Buh-Mann.

    „Eine Neubesetzung ist somit erschwert. Allerdings ist damit auch die Nutzung der leeren Häuser durch Obdachlose, die in der Vergangenheit hier zum Teil übernachtet hatten, nun unmöglich.“

    Gut gemacht, jetzt ist es noch weniger Wohnraum als vorher. Amen.

  4. @Frühaufsteher: auf so einen Zusammenhang muß man erstmal kommen. Damit bist Du schon heute unangefochtene Meister der Faschismus-Relativierung und – Verharmlosung 2020.
    @Karte: schon a bissle zynisch, den Verlust von „Wohnraum“ für Obdachlose zu beklagen… Hattens dort wrschl. sehr gemütlich, waren aus dem Blick und ein Anlass über soziale Fragen nachzudenken schon gar nicht…
    Zum Schluss ein Gedicht:

    Enteignung finden Eigner schwerst
    Bizarr und höchst verkommen.
    Doch sie enteigneten zuerst.
    Uns haben sie’s genommen,

    *
    Die Wälder, Straßen, Werke, Grund
    Und Boden und Maschinen.
    Sie nahmen einfach alles und
    Auch wir gehören ihnen.

    *
    So ist Enteignung zwar echt doof
    Für die, die uns beklauten.
    Jedoch gehört ein Königshof
    Halt denen, die ihn bauten.

    Thomas Gsella

  5. Jetzt kommen die ganzen Hinterbänkler also wieder ans Tageslicht und beweisen mit ihren Äußerungen was für Nulpen sie sind… Da ich an Schlafstörungen leide habe ich mir deb livestream einer bekannten Tageszeitung zur Räumung auf YouTube angeschaut. Mein Respekt an die Polizisten (entfernt, bitte halten Sie sich an die Hausordnung) für ihr besonnenes und ruhiges Verhalten, da gehört schon einiges dazu stundenlang in der Kälte zu stehen und sich von Leuten die absolut keinen Mehrwert für die Gesellschaft produzieren anpöbeln zu lassen und dafür zu sorgen daß der Verkehr weiter rollen kann.
    Wären diese Chaoten, sorry aber wer Häuser besetzt, die gesamte Nachbarschaft über Tage mit Lärm mehr als nur nervt und mit Pyrotechnik um sich wirft ist in meinen Augen weder Aktivist noch Revoluzzer sondern einfach nicht ganz dicht, einfach aus den Häusern und von den Dächern gekommen hätte es auch keine Verletzungen gegeben, was sie wollten hat Dresden ja hinreichend wahrgenommen also warum noch weiter provozieren?
    Meiner Meinung nach ging es hier nicht um Wohnraum schaffen sondern um Krawall und das durchdrücken abgedrehter Forderungen. Die ganzen Plakate waren einfach nur wirr und völlig ohne Zusammenhang, was hat knapper und teurer Wohnraum z.B. mit Feminismus zu tun???
    Für mich ist das ganze nur eine nicht ernstzunehmende Schauspieltruppe und die „Unterstützer“ finden es einfach gut daß ein bißchen Action herrscht und man sich, nachdem man sich mit ein paar Sternis die Welt schön gesoffen hat, lauthals über das ach so böse Kapital und Bullenschweine beschweren kann.
    Noch ein Hinweis an die Rumkrakeeler, bevor ihr das nächste Mal rumschreit das ganz Dresden die Polizei hassen würde macht wenigstens eine repräsentative Umfrage! Es gibt durchaus Menschen in Dresden welche die Arbeit der Polizei respektieren. Im übrigen ist Hass immer schlecht wenn man Forderungen stellt…
    Zu Argenta kann man stehen wie man will, aber sie sind nunmal Eigentümer und wenn sie es sich leisten können das Gelände ungenutzt zu lassen ist es ihr Ding.
    Schade finde ich nur daß die Häuser jetzt nicht mehr Obdachlosen als Unterschlupf dienen können.
    Erwähnte ich eigentlich schon das dies eine völlig hirnlose Aktion von Tiger und Co. war? Was sollten eigentlich die dämlichen Verkleidungen darstellen?

  6. antifa braucht mehr praxis, definitiv. und wie pazifisten krieg führen sollte eigentlich jedem klar sein, mit kultur!

  7. „Die Polizei kündigte gestern an, deeskalierend agieren zu wollen. Nun haben sie SEK benutzt, um eine friedliche Besetzung zu räumen, mehrere Menschen verletzt und die Arbeit der Presse und von Anwält*innen massiv behindert. Konfrontativer hätte man diese Situation kaum lösen können.“

    Da fällt mir eigentlich nur https://www.youtube.com/watch?v=vzzevRhonjk ein.

    Beste Grüße
    Peter

  8. @Seldon: „…auf so einen Zusammenhang muß man erstmal kommen. Damit bist Du schon heute unangefochtene Meister der Faschismus-Relativierung…“
    An dieser Stelle möchte ich dir widersprechen. Es waren Andere die anfingen, jegliche aktuelle Diskussion argumentativ mit „dreiunddreißig dreiunddreißig dreiundreißig“ in Endlosschleife zu bereichern. Für mich ist das mittlerweile das intellektuelle Second Level, gleich nach „mamam a-a määäääh“. Third Level ist „Hitler Faschist Rassist Sexist“ in Endlosschleife, selbst dann, wenn sich die Diskussion um Bodenfrost dreht.

    Das Gedicht ist hübsch. Es hat irgendwas von einer wärmlichen Infantilromantik.

    Ansonsten stimme ich einigen Anderen zu, insb. Inkanns… Mein echter Dank gehört Berufsgruppen, die erhebliche berufliche Belastungen auf sich nehmen, um uns ein nettes Leben zu ermöglichen. Dazu gehören Militär, Polizei, med. Rettungskräfte, Feuerwehr, THW und andere. Natürlich auch Kindergärtner:ixen (sorry), allerdings sollten die in Zukunft etwas besser aufpassen, dass die Klientel nicht ständig ausbüxt und Häuser besetzt.

    Und ich duck mich jetzt mal weg. :-D

  9. @Stefan E. bzw. Anton Launer:
    da hab ich gleich mal eine Frage, die nicht wirklich zum Thema gehört: Was ist das denn bitte für ein schönes, imposantes Gebäude auf dem Luftbild von 1932, an der Stelle des „heutigen“ Nudelturms? Und ist das dem Krieg zum Opfer gefallen?

  10. Wow, ich finde diese historischen Bilder hochinteressant…

    @Stefan E.
    „Auch ein schönes Bild von dem Haus“ – was ist das für ein großer Palast im Hintergrund? Der unter der Garnison / St. Martin Kirche?

  11. Ich komme vielleicht etwas spät, aber zur Geschichte der Häuser ein Nachtrag: In der kriegszerstörten Nummer 10 befand sich „Hollacks Etablissiment“, das Nachbarhaus Nummer 12 kann man auf Bildern erkennen, siehe: http://altesdresden.de/index.htm?get_haus=koen010
    Die Häuser Nr. 10 und 12 sind vor 1834 errichtet worden, auf der Karte von 1834 sind sie bereits drauf. Link: http://www.deutschefotothek.de/documents/obj/90010771/dd_hstad_0000273
    Die Häuser Nummer 14 und 16 wurden vor 1851 errichtet. Link:
    http://www.deutschefotothek.de/documents/obj/70400946/df_dk_0003497
    Die Bebauung folgt dem Thormeyer-Gersamtplan zur Anlage des Albertplatzes (fertiggestellt 1829) – also einzelstehende Stadthäuser mit Gärten drumrum.

  12. Danke Rolf für die Infos, sehr interessant!

    Was die Kaserne betrifft, muss ich korrigieren, oberhalb des Alaunplatzes befand sich die Schützenkaserne, mit vollen Namen „Kaserne des Königlich Sächsischen Schützen-(Füsilier-)Regiments No. 108. Ein Teil davon sollte uns allen bekannt vorkommen, die eigentliche Kaserne war 1945 hinüber.
    Die Albertkaserne („König-Albert-Kaserne“) befindet sich weiter westlich an der Stauffenbergallee kurz vor dem Hammerweg. Bin mir nur gerade nicht sicher, ob es die heute als Wohngebäude genutzt Kaserne war oder aber die Gebäude, wo die Polizei ihren Sitz hat.

  13. @Stefan E.:
    „Bin mir nur gerade nicht sicher, ob es die heute als Wohngebäude genutzt Kaserne war oder aber die Gebäude, wo die Polizei ihren Sitz hat.“
    -> Laut Internet™: „[…] wird die Kaserne weiterhin von der Polizei des Freistaates Sachsen genutzt.“
    (Quelle: https://www.stadtwikidd.de/wiki/König-Albert-Kaserne)

    Die heutigen Wohngebäude scheinen die damalige Grenadierkaserne gewesen zu sein (vgl. Bilder auf https://www.stadtwikidd.de/wiki/Grenadierkaserne)

    Beste Grüße
    Peter

  14. Die Grenadier-Kasernen waren am östlichen Ende der Stauffenbergallee, die vom Regiment No. 100 ist weitesgehend zerstört, in dem Gebäude vom Regiment No. 101 sind heute Einrichtungen vom Land Sachsen.

    Bevor wir uns jetzt alle noch weiter abmühen, verlinke ich mal auf die Wikipedia, die dort enthaltene Karte beantwortet eigentlich alle unserer Fragen :-)

    Ansonsten wie immer bei solchen und ähnlichen Fragen bieten sich Deutsche Fotothek und Kartenforum für Recherchen an, Bilder gibt es dann z.Bsp. bei altesdresden.de.

  15. Nach der Korrektur des Kasernenlapsus, versackts hier grad in die übliche dresdner Hirneierschecke, wonach jeder noch so miefige Soldatenfurz zur welthistorischen Besonderheit „großer Tradition“ zereierscheckt bzw. verstollt wird. Vorsicht sei geboten, zwischen Altbuchdeckeln und Archivregalen feinstaubts hierzulande besonders, man vergißt sodann gewöhnlich das Hier und Heut.

    Daher noch was Praktisches aus der Frischluftzone:
    Tipp an alle Freiraumaktiven: Im malerisch schönen Ort Königstein steht gut die halbe Innenstadt leer,
    https://abload.de/img/knigsteinleerstand201txkw6.jpg
    und das mit gutem S-Bahn-Anschluß nach DD-Neustadt. Dort ist es sogar obendrein Grün, sauber, chillig und einfach zum Leben spitze.
    Der Link zeigt eine Grafik aus dem Revital.programm des Städtchens, dort sind besonders Kreativ- und Kulturaktivisten angesprochen.
    Das Städtchen steht nur beispielhaft für weitgefächerte Leerstands-Angebote im ländlichen Raum.
    Also viel Erfolg und ein schönes Leben dort, Danke!
    (die u.U. dreisten 7eur/m² Kaltmiete manch Anbieter in Königsstein braucht man angesichts obiger Grafik nicht sonderlich ernst nehmen)

    Zum Kö-Konzept (PDF)

Kommentieren gern, aber bitte recht freundlich.

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