Neue Ideen für die BRN

Die BRN 2019 - (Foto: Anton Launer)
Die BRN 2019 – (Foto: Anton Launer)
Das Dilemma der Bunten Republik Neustadt steht seit einigen Jahren fest: Zu viele Besucher*innen, zu kommerzialisiert, zu viel Müll, zu chaotisch bei den Anmeldungen, zu wenig Beteiligung der Anwohner*innen, zu bürgerlich, zu wenig Kultur und zu viel Bier. In der Kritik wird sie auch gern „Dresdner Stadtfest 2.0“ genannt. Mit einer alternativen Republik mit Straßenfestcharakter hat es immer weniger zu tun. Zwar wird die BRN jedes Jahr stärker besucht, doch die Neustädter*innen vermeiden das Fest mehr und mehr. Wie kann man da was ändern?

Die beiden Neustädter Stadträte Magnus Hecht (DIE LINKE) und Johannes Lichdi (Bündnis 90/DIE GRÜNEN) sowie BRN-Koordinatorin Ulla Wacker schlagen eine Satzung für die BRN vor. Was wären die wichtigsten Änderungen?

  • Momentan läuft die BRN als Stadteilfest unter der Straßensondernutzungssatzung. Das Problem dabei: Die Stadt kann bestimmte Herausforderungen nicht bewältigen – und: Gebühren für kommerzielle Marktstände fallen zu niedrig aus.
  • Durch den neuen Satzungsvorschlag würde die BRN ein eigenes Selbstverständnis bekommen – die BRN als „kulturgeprägtes, kommunikatives und nicht-kommerzielles Stadtteilfest“, das vor allem für die Anwohner*innen und Gewerbetreibenden organisiert wird, und nicht als überregionales Event beworben wird. Kommerzielle Angebote sollen teilweise zurückgedrängt werden. „Wir wollen den Tourismus nicht weiter ankurbeln“, so Magnus Hecht. Die BRN müsse ein Fest für die Neustädter*innen sein.
  • Das Inselkonzept soll erweitert werden, indem bestimmte Straßen in Zonen eingeteilt werden. Je nach Nutzung können das Zonen mit ausschließlich kostenfreien Angeboten ohne elektronische Verstärkung sein (z.B. ein Kinderflohmarkt oder eine Kunstausstellung), Zonen mit Bühnen und lauter Musik oder Zonen mit kommerziellen Ständen. Insgesamt gibt es fünf verschiedenen Typen dieser Zonen. Damit soll unter anderem versucht werden, DJ-Anlagen besser zu verteilen, leere Straßenzüge zu vermeiden. In bestimmten Straßenzügen könnten damit spontane und gebührenfreie Stände möglich sein, ohne das man diese vorher anmelden muss. Eine Stärkung der nachbarschaftlichen Selbstorganisation. „Es gibt ein Übergewicht professioneller Gastronomiebetreiber*innen – dabei lebt die BRN von kleinen unkommerziellen Ständen“, sagt Magnus Hecht.
Genau von solchen selbstorganisierten Orten lebt die BRN. (Foto: Anton Launer)
Genau von solchen selbstorganisierten Orten lebt die BRN. (Foto: Anton Launer)
  • Die neue Satzung soll die Kultur stärken. „Kultur braucht einen finanziellen Rückhalt“, sagt Ulla Wacker. So sollen kommerzielle Stände Kultur und Kunst finanziell unterstützen. Eine Kombi aus Bierwagen, Imbissbude und Bühne, die sich gemeinsam stärken.
  • Die Verwendung von wiederverwendbarem oder kompostierbarem Geschirr soll zur Pflicht für alle Anbieter*innen werden.
  • Magnus Hecht und Johannes Lichdi wollen ein BRN-Kuratorium einrichten. Es soll die Stadt bei Fragen zur BRN zu beraten und Stellungnahmen beziehen. Die 7 bis 15 Mitglieder, bestehend aus Inselverantwortlichen, Neustädter*innen, Künstler*innen und Gewerbetreibenden sollen alle demokratisch vom Stadtteilbeirat gewählt werden.
  • Für eine besser Planbarkeit soll das Sicherheitskonzept bis zum 15. November des jeweiligen Vorjahren erstellt werden.

Dieser Satzungsvorschlag wird nun weiter diskutiert und danach dem Stadtrat vorgelegt. Dass die Satzung bei der nächsten BRN schon gilt, scheint unrealistisch. Johannes Lichdi und Magnus Hecht halten es dennoch für möglich, Elemente wie das BRN-Kuratorium und die zonale Einteilung bei der nächsten BRN 2020 anzuwenden. Am Montag, den 18. November um 19 Uhr laden Johannes Lichdi, Magnus Hecht und Ulla Wacker alle Interessierten ins Stadtteilhaus der Neustadt ein, um über den Satzungsvorschlag  ins Gespräch zu kommen.

Eindrücke von der BRN 2019

Foto: Marco Papajewski. Bilder von ihm auch auf Instagram.


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23 Kommentare zu “Neue Ideen für die BRN

  1. Regulierung und Bürokratie sind der endgültige Tod für die BRN. Das Zauberwort heißt: Kreativität! Anders sein als das sogenannte Stadtfest!

    Grün und Rot machen eher ein Staatsfest statt ein Stadt(teil)fest. Richtig müsste es heißen: „Guests are Welcome here!“ statt „Nicht-Neustädter raus“!

    Lasst uns unser Anderssein als Stadtteil feiern. Fördern statt Verbieten. Mit dem richtigen Angebot kommen auch die richtigen Gäste.

    Aber dann auch richtig anders mit möglichst wenig Gemeinsamkeiten zum *hihi* Stadtfest. Am Besten lasst Ihr Kreative und nicht rot-grüne Politiker darüber nachdenken, wie eine BRN eine Zukunft hat und sprecht sie darauf mal an. Sonst wird es nur bürokratischer Tod.

  2. Wie jedes Jahr weg. Diese Tage tun wir uns nicht mehr an. Und JA, wir sind Anwohner seit den Siebzigern auf der Görlitzer. Trotzdem meiden wir die BRN seit 2015.

  3. Viel zu verkopft mit den Zonen. Ihr wollt unkommerzielle Stände, verlangt aber schön Standgebühr, wenn man bissl Strassenmusik machen will? Da braucht ihr euch nicht wundern, dass niemand was machen will, wenn er Gefahr läuft, vom Ordnungsamt angesprochen zu werden, ob er vorher für die Mitgestaltung der BRN auch ordentlich Kohle abgedrückt hat.

  4. Zu Hendrik: Im Moment ist es nicht „Rot und Grün“, die diese Satzung wollen, sondern zwei Stadträte und Ulla Wacker dazu. Ich weiss nicht wieces bei den Grünen steht aber DIE LINKE. Fraktion im Dresdner Stadtrat hat den Vorschlag noch nicht gesehen oder diskutiert. Ich bin gespannt!

  5. Kennt einer ein funktionierendes System ohne Wegwerfgeschirr oder – Becher für nicht kommerzielle Stände, das den strengen Augen der Hygiene genügt?

  6. … Wenn die BRN von heute auf morgen nicht mehr stattfinden würde, hätte ich keinen Grund sie zu vermissen. Gern denke ich an die alten Zeiten der Loveparade in Berlin zurück. Obwohl es schon eine gefühlte Ewigkeit her ist, überkommt mich bei diesen Gedanken manchmal ein Gefühl von Wehmut- in Bezug auf die BRN denke ich (leider) nicht mehr so…
    Die UrNeustädter haben jahrelang ein hübsches Fest für sich und gleichgesinnte gemacht. Aber man wird halt älter und hat irgendwann keine Lust mehr drauf auf dem morgendlichen Weg zum Bäcker durch Touriepisse zu latschen… Und so überlässt man anderen das Feld…
    Der Spirit ist weg und da helfen auch keine Abgeordneten oder Versammlungen….

  7. Ich finde die Identifikation der Stadtteilbewohner mit der BRN hat über die Zeit stark nachgelassen, das ist verständlich, da die Zeit auch Ihre Spuren an dem Fest hinterlassen hat. Ohne Frage!

    Trotzdem finde ich, ist die BRN nach wie vor ein einzigartiges Fest, wo fast jeder Stadtteilbewohner die Möglichkeit hat sich aktiv einzubringen. „Fast“ schreibe ich deshalb, da nicht jeder Kreuzungsbewohner oder derjenige, welcher einen Gastronom im Erdgeschoss hat, einen Stand machen kann, leider. Trotzdem sollten die Menschen nicht einfach wegfahren, sondern ihren eigenen kleinen Microkosmos vor der Haustür schaffen. Ihr habt die Möglichkeit hier fast alles zu machen was ihr möchtet – eigentlich unglaublich! Dann würdet ihr auch dazu beitragen, dass die Fläche eben kein Bierwagen oder eine Langosbude bekommt (nichts gegen Langos im allgemeinen).

    Wir zelebrieren das nun seit mehr als 7 Jahren und bewegen uns fast ausschließlich am eigenen Stand oder an dem der Nachbarn und dazu laden wir alle Freunde ein. Unsere eigene kleine bunte Insel.

  8. An alle Verantwortlichen, Organisatoren und Interessierte:
    Schaut euch doch mal an wie es bei uns beim Hechtfest läuft (natürlich nicht immer alles perfekt). Doch es gibt z.B. ein einheitliches Pfandbechersystem und immer noch viele Stände/ Beiträge von uns Anwohnern bzw. ansässigen Gewerbetreibenden und Vereinen.

  9. „Schaut euch doch mal an wie es bei uns beim Hechtfest läuft“

    Als reiner Besucher habe ich ehrlich gesagt nie den großen Unterschied feststellen können. Für mich ist die BRN ein größeres Hechtfest ist ein größeres Sankt Pieschen.

  10. „Schaut euch doch mal an wie es bei uns beim Hechtfest läuft“

    Vor Deinem Fest zwangsverreise ich jedes Jahr. Von daher…

  11. Aus meiner Sicht ist das alles schon zu institutionalisiert, BRN findet eben statt, trotz aller Anwohnerklagen – BRN ist eine Marke, die manche schützen und ausbauen wollen und tatsächlich bringt es ja einigen ordentlich Profit. Ursprünglich – wie der Name zeigt – war es aber ein Ideal, dass nicht an einem einzelnen Fest hing, sondern von dem wir glaubten, es würde von einem Großteil der EinwohnerInnen in einer unsicheren (aber abgefahrenen) Zeit geteilt. Wohlgemerkt glaubten.

    Es gibt seit Jahren Stimmen, die einen Ausfall wünschen, auf die sollte man meiner Meinung nach hören. Wenn sich in ein paar Jahren neue Gemeinschaften gefunden haben, die unbedingt ein Straßenfest haben wollen, dann werden sie eins organisieren – und schon hat man die AnwohnerInnen wieder als Hauptakteure. Klar hieße das dann nicht BRN, sondern Talstraßenanfall oder Lutherplatzereignis, fände aber IN der BRN statt. Und wenn sie keins wollen – dann gibt es keins, dann müssen die potentiellen Gäste eigene Feste in ihren Heimatorten organisieren, was denen auch ganz gut täte.

    Wenn partout dran festgehalten werden muss, würde ich versuchen, den Zeitpunkt der BRN auf Ende Januar zu verlegen, fängt auch mit J an und ist ziemlich arm an Festen. Das reduzierte sicherlich Bierwagen und Jungesellenabschiedscharakter, warmtanzen kann man sich ja immer noch.

  12. Ein Fest nur noch für die Neustädter*innen! Mit Regeln und Statuten! Mein Gott. Das bläst doch ideologisch ins selbe Horn, aus dem sich sonst Deutschland den Deutschen heraus quält. Öffnet doch einfach mal die Fenster und registriert, dass sich unsere Welt und mit ihr Dresden verändert. Kreativität und Offenheit sind Zutaten, aus denen sich etwas machen lässt. Aber hört bitte auf damit, immer und immer wieder nach hinten zu schauen und so zu tun, als wäre die Neustadt der Nabel der Welt – oder bucht euch die persönliche Ecke im BRN Museum und suhlt euch im Gestern.

  13. @Fidel: Vielen Dank für den Hinweis. Darüber bin ich gar nicht gestolpert, dachte bisher immer ein Dilemma sein einfach eine schwierige Situation, so wie es Luisa wohl auch verwendet hat.

    Nun muss ich feststellen, dass ein Dilemma ein Synonym für Zwickmühle ist, in der es zwei mögliche bzw. unmögliche Lösungen gibt.

    Wenn es denn für die BRN so einfach wäre, hätten wir ja schon viel erreicht. Nehmen wir also an, Luisa wollte Polylemma schreiben. ;-)

  14. Auf Anhieb fallen mir verschiedene nicht miteinander vereinbare Wünsche an die BRN ein.

    Ruhebedarf vs. Partystimmung
    Elektromusik vs. handgemacht
    Bierrausch vs. Friedlichkeit
    Gewinnstreben vs. Bierwagenphobie
    Keine Standgebühr für Anwohner*innen vs. Gewinnstreben
    Uringestank vs. Partystimmung
    Organisation vs. anarchischer Charakter

    Kann vermutlich noch endlos fortgesetzt werden.

  15. Bilderreihen wie auch Filmclips der BRNs zeigten bisher so gar nicht das gesamte Spektrum der Motive bzw. insbesondere die Problemzonen. Fast ausschließlich sind die Tagstunden mit Kindern, Spiel & Spaß; sowie optimierte Abendmotive wiedergegeben.

    Daher bin ich für eine(n):
    a) satzungsbasierte Mindestquote für Kotzeflecken, Pisslachen, Suffleichen, Dreck- und Müllberge, Rangel- und Rotzereien u.dgl. Schönes mehr. (Campensino&Co finden so leichteren Zugang zur „Rückseite der Feier“).

    b) satzungsbasierten Zeitendeckel für Lärmbeschallung um 1h verkürzt – also Deckel um Null Uhr, dann ist Silent Party oder Guckste-in-Mond.

    c) satzungsbasierte Empfehlung zur leichten Ausweitung der polizeilichen Verordnung betreffs Parkierungseinschränkung (Kfz) auf zwei Wochen. Hintergrund alljährlich ist das traurige Wiedereinfinden der Blechhalden unter Abwesenheit jeglichen schlechten Gewissens. Dafür sehe ich von einer 3-tägigen „Amalie-Dietrich-Platz“-Verordnung ab, was ansonsten kommen müßte. (für Analphabeten: = Alk.verbot)

    d) satzungsbasierter Aufruf an all die anderen wichtigen Stadtteile, ihr Totsein zu überwinden und eigene BRNs zu etablieren. Schließlich weisen all diese Stadtteile noch viele nutzkonflikt-ärmere Zonen auf (Brachen, breite Verkehrsflächen, Parkplätze etc.pp), als es das ungeeignete, engstbebaute Ex-Arbeiter-, heutige Kleinkind+Familien- Wohngebiet und Nicht-Szeneviertel noch je bieten könnte.

    Viel Erfolg für diese neue Satzung und ihre Umsetzung, … Amen.

  16. Liebe Diskussionfreudige! Die Versammlung beginnt heute schon 18 Uhr und wir freuen uns auf einen konstruktiven Austausch.
    Kunterbunte Grüße!

  17. Ach, die immer so offene und bunte Neustadt will keine Leute von außerhalb bei ihrem schönen tollen Fest? Mensch…

    Auch in der Neustadt wird scheinbar genörgelt. Merkt ihr denn nicht, dass es letztendlich nur um Profit geht? Das wird sich nicht ändern, das ist auch nicht im Interesse sämtlicher Betreiber!
    Wenn ihr wollt, dass sich was verändert, dann setzt nicht auf Reichweite und macht ein paar Jahre das Fest so richtig scheiße. Wenn BRN 2020 richtig schlecht wird, kommen 2021 vielleicht schon mal weniger.

    Ich für meinen Teil (Hechtviertelmensch) komme eh nur zum Fressen und um hier und da was zu trinken und zu glotzen. Abends wird das Fest gemieden, will mich nicht an so vielen widerlichen Körpern vorbeiquetschen müssen.

    Wie auch immer… Mein produktiver Vorschlag zu der ganzen Sache, basierend auf Launers genannten Widersprüchen oben:
    Ein Stadtteil. 2 Distrikte. Distrikt 1 ist Partymeile mit Konsum, Konsum, Konsum und Musik, Musik, Musik.
    Distrikt 2 ist Kultur, Veranstaltung, hier und da ein Imbiss und ladida. Das muss man richtig so aufziehen, mit Gangfarben usw. und dann hat man jedes Jahr so ’nen coolen Bloods vs Cribs bzw. PartyHarders vs CulturePeople Konflikt. YEAH! Daraus kann man nen Film machen…

Kommentieren gern, aber bitte recht freundlich.

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