Neustadt-Geflüster

Dresden Neustadt von Anton Launer

Vom Parken, Kitas und einem Supermarkt

Der Neustädter an sich ist ja etwas ungewöhnlich, dass ist bekannt. Aber in der jüngeren Vergangenheit hat er mich doch wieder etwas verwirrt. Der Hintergrund sind zwei Veranstaltungen in den vergangenen Wochen. Zum lud die Neustädter CDU um Frontmann Patrick Schreiber zu einer Informationsveranstaltung zum bewegenden Thema „Parkraumbewirtschaftung“ in die Scheune in den großen Saal. Damit auch ordentlich Leute kommen, hängten sie überall im Viertel Plakate auf. Das Ergebnis: Es kamen etwa 20 bis 30 Neugierige, obwohl das Thema doch jeden Autofahrer der Neustadt interessieren müsste. Nun ja.
Eine andere Veranstaltung fand vor kurzem in der Schule auf der Görlitzer Straße statt. Thema: Der geplante Bau des Parkhauses auf der Kamenzer Straße. Nun könnte man meinen, wenn das Parken in der Neustadt insgesamt schon keinen interessiert, dann erst recht nicht so ein Parkhaus. Doch weit gefehlt. Etliche Dutzend Menschen drängelten sich im überhitzten Raum und der Amtsleiter des Stadtplanungsamtes Andreas Wurff, kam schon nach wenigen Minuten ins Schwitzen, wollte er doch das neue Projekt vorstellen. Das neue Projekt heißt nicht mehr Parkhaus, sondern Parkhaus mit Supermarkt und Wohnungen. Oder noch besser mit einer Kindertagesstätte. Damit hatte er den geballten Neustädter Frust gegen sich. Frauen mit Kindern auf den Armen und unrasierten Achselhöhlen empörten sich über das Ansinnen und ich war etwas verwirrt.

War der Bau des Parkhauses nicht schon längst beschlossene Sache und sind die neuen Ideen nicht besser, weil statt 244 Parksuchenden jetzt nur noch 114 die Kamenzer Straße entlang knattern. Aber nun höre ich es auch schon: Der Supermarkt braucht ja auch LKW, die ihn beliefern und dann wird es ja noch lauter und wenn die Kamenzer zur Einbahnstraße wird, muss der LKW ja auf der Lutherstraße über den Bordstein fahren. Na, das ist natürlich alles ganz furchtbar. Außerdem würde der neue Supermarkt, der Konsum hat wohl schon Interesse angemeldet, ja die umliegenden kleinen Händler kaputt machen. Welche Händler eigentlich? Der einzige kleine Lebensmittelladen, den es noch gibt ist der Laden an der Frühlingsstraße und der ist ja wohl weit genug weg. “Kraut und Rüben” fahren auf der Öko-Schiene, die würden durch den Konsum eher Zulauf bekommen und der Gemüseladen ein paar Häuser weiter sicher auch. Wie gut sich Gemüseläden mit einem Supermarkt vertragen, sieht man hervorragend auf der Alaunstraße.
Inzwischen haben sich ein paar weitere junge Frauen in den Vordergrund gedrängelt und halten ein Transparent hoch mit viel grün und einem roten Klecks. Sie wollen gar kein Parkhaus, keinen Supermarkt. Lieber ne Wiese mit ner Kindertagesstätte und einem, wie sie es nennen, Quartiersplatz – zum Raumergreifen. Bei Quartier muss ich immer an Kasernen denken, nö, dann doch lieber Autos.
Wieder dabei war CDU-Stadtrat Schreiber, der hier mit einer ordentlichen Menge gegen sich, zu Höchstform auflief, mehrfach die Demokratie beschwor und sich zu guter Letzt darüber beschwerte, dass irgendwer ein CDU-Werbeplakat missbrauchte (siehe Bild links), um Stimmung gegen das Parkhaus, oder was auch immer an der Kamenzer Straße entstehen soll, zu machen. Nun Herr Schreiber hat sich ordentlich in die Nesseln gesetzt, aber das wird er in der Neustadt wohl gewöhnt sein.
Ich glaube, das Thema wird fortgesetzt. Und übrigens an all jene, die permanent mehr Grün für die Neustadt fordern. Wie wäre es mal mit einem Spaziergang durch die Heide, da ist es immer grün.

Bericht von 2004

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