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Verkehrswende Dresden wirbt mit Kunstaktion für autofreie Carolabrücke

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Die Initiative Verkehrswende Dresden wirbt seit Montag, dem 10. August, mit einer Kunstaktion für eine autofreie Carolabrücke. An einem der verbliebenen Brückenpfeiler-Fundamente installierte die Gruppe ein großes geöffnetes Fenster. Aus diesem fliegen Geldschein-Imitate scheinbar in Richtung Elbe.

Die Initiative Verkehrswende installierte auf dem Fundament der Carolabrücke ein Fenster mit Geld. Foto: Anton Launer
Die Initiative Verkehrswende installierte auf dem Fundament der Carolabrücke ein Fenster mit Geld. Foto: Anton Launer

Nach Angaben der Initiative steht die Installation für drei Themen. Sie soll auf die aus Sicht der Gruppe hohen Kosten einer vierspurigen Brücke hinweisen, die Folgen des Klimawandels thematisieren und einen Blick auf eine grünere Stadt ermöglichen.

Initiative verweist auf Kosten

Mit der Installation will die Initiative ihre Kritik an den Kosten zusätzlicher Autospuren mit dem Thema Klimakrise verbinden. Insbesondere angesichts der gleichzeitigen Kürzungen unter anderem beim öffentlichen Personennahverkehr seien die Ausgaben aus Sicht der Gruppe nicht hinnehmbar.

Die Aktion findet vor dem Hintergrund des in der kommenden Woche tagenden Begleitgremiums sowie der geplanten Demonstration gegen eine vierspurige Carolabrücke statt. Die finale Entscheidung des Stadtrats über den Wiederaufbau soll Anfang September getroffen werden. Die Räte hatten sich im Juni vergangenen Jahres mehrheitlich für eine vierspurige Variante ausgesprochen.

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Offenes Fenster als Symbol

Das geöffnete Fenster soll außerdem auf die Folgen von Hitze und Klimawandel aufmerksam machen. Die Initiative verweist auf die derzeitige Hitzewelle in Dresden und die Zahl der Hitzetoten in Deutschland. Nach ihren Angaben habe es in diesem Jahr bereits 10.000 Hitzetote gegeben.

Asphaltierte Straßen, große Parkplatzflächen und Abgase tragen laut Verkehrswende Dresden zur Erwärmung der Stadt im Sommer bei. Die Initiative verweist außerdem auf den Anteil des Pkw-Verkehrs an den CO₂-Emissionen. Das geöffnete Fenster soll deshalb auch symbolisch für das Durchlüften der aufgeheizten Stadt stehen.

Noah Wolu, Pressesprecher von Verkehrswende Dresden, verdeutlicht das aus Sicht der Initiative mögliche Einsparpotenzial: „Durch den Verzicht auf Pkw-Spuren lässt sich die Brückenbreite etwa halbieren, was die reinen Baukosten um einen zweistelligen Millionenbetrag senken würde.“ Darüber hinaus stünden für reine Straßenbahn-, Rad- und Fußverkehrsbrücken umfangreiche Förderprogramme von Bund und EU bereit, die bis zu 75 Prozent der Baukosten abdecken könnten. „Für die städtische Kasse wird das Bauwerk dadurch nahezu kostenneutral“, so Wolu.

Die so eingesparten städtischen Millionen könnten nach Auffassung der Initiative genutzt werden, um Streichungen bei Sozialem, Bildung und Kultur rückgängig zu machen. Einen weiteren Vorteil sieht die Gruppe in der Bauzeit: Eine schlankere, autofreie Brücke lasse sich schneller planen und fertigstellen, wodurch das Nadelöhr an der Elbe früher beseitigt werden könne.

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Die Initiative hält die autozentrierte Planung zudem für verkehrspolitisch überholt. Autos benötigten vergleichsweise viel Platz für ihre Transportleistung, da in den meisten Fahrzeugen nur eine Person sitze. ÖPNV, Rad- und Fußverkehr könnten auf derselben Fläche ein Vielfaches an Menschen befördern.

Als zentrale Nord-Süd-Achse verbindet die Carolabrücke die Universität, den Hauptbahnhof und die Altstadt mit der Neustadt sowie dem industriellen Norden. Um diese Routen zukunftsfähig zu machen, brauche es nach Ansicht der Initiative eine höhere Taktung der Straßenbahnlinien 3, 7 und 8 sowie eine leistungsfähige Fahrradschnellstraße.

Dass der Autoverkehr eine solche Brücke nicht mehr benötige, zeige nach Einschätzung von Verkehrswende Dresden die Praxis: Die Autofahrerinnen und Autofahrer hätten sich in den vergangenen Monaten an die Ausweichrouten gewöhnt. Die Initiative verweist dabei auf den verkehrsplanerischen Grundsatz des induzierten Verkehrs: Zusätzliche Straßenkapazitäten können zusätzlichen Autoverkehr erzeugen. Umgekehrt könne mehr Platz für umweltfreundliche Verkehrsmittel deren Nutzung fördern und zugleich die Aufenthaltsqualität in Wohnvierteln verbessern.

Verkehrswende Dresden ist eine politische Aktionsgruppe, die sich seit 2018 für die Verkehrswende in Dresden einsetzt. Die Aktivist:innen thematisieren die aus ihrer Sicht notwendige Veränderung mit öffentlichkeitswirksamen und kreativen Protestaktionen. Das Aktionsspektrum reicht von Demonstrationen über Bildungsangebote bis zu urbanen Interventionen. Der aktuelle inhaltliche Schwerpunkt liegt auf einer autofreien und lebenswerten Neustadt.

Entscheidung im Stadtrat steht bevor

Das Begleitgremium zur Carolabrücke soll in der kommenden Woche tagen. Anfang September soll der Dresdner Stadtrat die finale Entscheidung über den Wiederaufbau treffen.

In unmittelbarer Nähe des Kunstwerks soll am Sonntag eine Kundgebung stattfinden. Foto: Verkehrswende Dresden
In unmittelbarer Nähe des Kunstwerks soll am Sonntag eine Kundgebung stattfinden. Foto: Verkehrswende Dresden

Kundgebung am Sonntag

Zuvor ist eine Demonstration für eine zweispurige Carolabrücke angekündigt. Unter anderem rufen der BUND, Greenpeace, der Stura und Dresden Zero dazu auf. Sie findet am Sonntag, dem 16. August, von 14 bis 15.30 Uhr statt. Die Veranstalter*innen rufen dazu auf, unterschiedliche Fortbewegungsmittel mitzubringen. Genannt werden Bobbycar, Laufrad, Tandem, Skateboard und Fahrrad. Treffpunkt ist an den Elbwiesen auf der Neustädter Seite an der ehemaligen Carolabrücke, also genau dort, wo derzeit das Fenster offen steht.

2 Kommentare

  1. …wenn die Initiative grüne Vorhänge gewählt hätte, wäre die Stadt jetzt grüner. Die Bezeichnung „Kunst“ auch im Sinne des erweiterten Kunstbegriffes halte ich hier für fraglich, aber die Installation wird sich schon schnell in die einzelnen Bestandteile auflösen und die Umgebung als Müll bereichern. Die gewünschte Utopie (weniger) bleibt was Sie ist….

Ergänzungen gern, aber bitte recht freundlich.

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