Streit um keine Brücke

Die Albertstraße ohne Brücke.

Die Albertstraße ohne Brücke.

Wie die Sächsische Zeitung (SZ) heute meldet, wird es noch etwas länger dauern, bis es an der Albertstraße eine Ampelquerung gibt. Nach Auskunft der Referintin des Baubürgermeisters, Doris Öser, kann die Ampel wohl voraussichtlich erst in der zweiten Jahreshälfte errichtet werden, so die SZ weiter. Auch die Pläne für die Radwege auf der Albertstraße würden noch geprüft.

So wünscht sich der ADFC die Albertstraße ... Montage: ADFC

So wünscht sich der ADFC die Albertstraße … Montage: ADFC

Zastrow: Realitätsverweigerung

Das ruft direkt mehrere Politiker auf den Plan. Holger Zastrow von der FDP erklärt: „Es grenzt schon an ein gewisses Maß an Realitätsverweigerung, wenn die Stadtverwaltung sich hinstellt und die Leistungsfähigkeit einer einspurigen Albertstraße beschwört, bevor sie überhaupt weiß, was sie genau mit den Radwegen macht. Hier steht das Ergebnis doch offensichtlich schon vor den Untersuchungen fest. Dieses Vorgehen ist nicht nur konzeptlos, sondern auch gefährlich.“

Zastrow verweist auf die Richtlinie für innerstädtischen Straßenbau, die für eine Hauptstraße mit einer Auslastung von mehr als 25.000 Autos pro Tag eine Vierspurigkeit vorsieht. Er fordert die Stadtverwaltung auf, „sofort diese absurden Planungen“ einzustellen. Es gäbe im Seitenraum genügend Platz für Radwege.

Laut der letzten Zählung der Stadt Dresden vom 31. Dezember 2015 waren in Höhe der ehemaligen Brücke 23.100 Autos unterwegs. Damals war die Albertbrücke noch in Richtung Neustadt gesperrt.

Muth: Wartende Autofahrer

Sorgen um die Autofahrer macht sich auch Jacqueline Muth (Die Linke). Unter der Überschrift „Jetzt warten die Fußgänger und später die Autofahrer“ geht sie auf den Abriss der Fußgängerbrücke ein: „Wieder einmal wurde, wie der Fußgängertunnel am Neustädter Markt, ein Bauwerk aus DDR-Zeiten in Dresden abgerissen, ohne zeitnah die Verkehrssicherheit zu gewährleisten. Das ist Zerstörung öffentlichen Eigentums und nicht im Sinne einer Verkehrspolitik, die alle Verkehrsteilnehmer im Blick hat.“ Dabei wäre nach ihren Erkenntnissen die Sanierung dieser Brücke mit ca. 250.000 Euro sogar günstiger als eine ebenerdige Querung gewesen.

Die Albertstraße war heute komplett gesperrt.

Die Albertstraße war heute komplett gesperrt.

Die Brücke war im März 2015 gesperrt und im November 2016 abgerissen worden. Eine Sanierung der Brücke wurde nicht geplant, da sie nicht dem Planungsleitbild Innenstadt entsprach.

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20 Kommentare zu “Streit um keine Brücke

  1. E-Haller
    5. Januar 2017 at 22:18

    Die Begründung in der SZ ist ja hoffentlich nur vorgeschoben – oder will mir einer erzählen, die verantwortlichen Ämter wüssten erst jetzt, dass eine Ampel unterirdische Kabel braucht? Und die Brücke mal über die Straßenbahntrasse ging?

    Zu Zastrow muss man eigentlich nix sagen: feststehende Prüfungsergebnisse dürfte er zur genüge kennen, bei der WSB wurde ja so übertrieben an der Prognose gedreht, bis sie knapp die 6-Spurigkeit schrammte. Für einen, der jetzt schön ruhig im Wald wohnt…

    Die Brücke hingegen war ja nun auch nicht das Vorbild an Teilhabe/ Barrierefreiheit. Oder sind in den 250.000 Rampen mit drin?

  2. Radler
    5. Januar 2017 at 22:51

    Es ist schon verrückt, wenn man meint, die Straße gehe nur 2-spurig pro Richtung bei angeblich 25000 Kfz pro Tag – und auf der anderen Seite eine Fußgängerampel installieren zu wollen. Am Ende ist es doch egal, wie viele Spuren es gibt – an der Ampel staut es sich – da stehen halt die Autos alle nebeneinander. Ich würde mal kühn behaupten, dass der Verkehr weniger staut (wenn die Ampel kommt), wenn es nur eine Spur pro Richtung ist, DENN: Die Fußgänger benötigen zur Überquerung eine kürzere Zeit und die Rotphase für Autos kann kürzer sein. (wobei ich jetzt vom Zastrowbeispiel ausgehe, der neben den zwei Autospuren noch zusätzlich einen Radweg anlegen möchte – ansonsten bleibt die Straßenbreite ja konstant). Weiter ist die Frage, ob nicht bei einer Spur pro Richtung ein Zebrastreifen reichen würde (bei 2 pro Richtung ist das ja nicht erlaubt) – mit kleiner Mittelinsel. So viele Leute queren dort nicht die Straße und die Fußgängerampel wäre höchstwahrscheinlich auch nur eine Bettelampel (und wahrscheinlich zusätzlich noch irgendwie mit den anderen Ampeln gekoppelt) – eh die grün wird, sind alle schon bei rot gegangen.

  3. Radler
    5. Januar 2017 at 22:58

    Ich habe gerade mal den SZ-Artikel gelesen. Irgendetwas wurde da falsch verstanden: Die Radfahrstreifen sollten auch über die Carolabrücke führen – so hatte ich den ADFC verstanden und nur so wäre es auch sinnvoll. Jetzt wird dort von Einbindung am Kontenpunkt Carolaplatz gesprochen und nur von Radfahrstreifen auf der Albertstraße – dass wäre absoluter Quatsch. Auch verstehe ich nicht, worüber man bei der Einbindung am Albertplatz lange nachdenken muss. Das funktioniert ohne groß überlegen zu müssen.

    • 5. Januar 2017 at 23:21

      Soweit ich weiß, sind die Planungen noch nicht abgeschlossen.

    • E-Haller
      6. Januar 2017 at 09:04

      Die Carolabrücke muss deutlich mehr Verkehr aufnehmen, als die Albertstraße (40.000/ Tag auf der Brücke mit offener Albertbrücke vs. 25.000/ Tag Albertstraße bei gesperrter Albertbrücke). Baulich kann die Straße auf der Brücke auch nicht so ohne weiteres verbreitert werden -> die Führung inkl. Brücke ist unrealistisch.

    • Radler
      6. Januar 2017 at 18:01

      @E-Haller: Ja, vielleicht ist es wirklich so. Aber so viel ich weiß, wurde die Testweise Anlegung von Radfahrstreifen auf der gesamten Strecke versprochen. Dann soll man es doch einfach mal machen, statt lange zu überlegen. Der Aufwand, die Markierung auf die Fahrbahn zu bringen, hält sich doch in Grenzen. Dresden wird nicht untergehen an so einem Test.

    • 6. Januar 2017 at 18:08

      @Radler: „Dresden wird nicht untergehen an so einem Test.“ Diesen Satz bitte an der Waldschlößchenbrücke einmeißeln, oder an der Königsbrücker. ;-)

    • Radler
      6. Januar 2017 at 22:45

      @Anton: ??? Wo gab es da einen Test oder war ein Test angedacht? Und schon gar nicht für wenig Geld&Aufwand. Was meinst du?

    • 6. Januar 2017 at 22:57

      Der ganze Bau, inklusive jahrelangem Streit war doch ein Test.

  4. 6. Januar 2017 at 04:26

    solange es nicht die fünfte Planung gibt und es sich in die Jahre zieht, kann ich dieses Thema nicht ernst nehmen…

  5. Zackbäm
    6. Januar 2017 at 07:59

    Einspurigkeit der Albertstraße und Carolabrücke mag zwar Nacht halb drei funktionieren, aber zur Hauptverkehrszeit wird sich der Verkehr sicher noch mehr stauen als jetzt schon. Man soll einfach mal ein Experiment machen und eine Spur pro Richtung für 1-2 Wochen sperren und schauen, was passiert.

    Außerdem verstehe ich eh nicht, warum Randfahrer scheinbar zwingend neben viel befahrenen Hauptverkehrsstraßen radeln wollen, wenn man auch schön ruhige Nebenstrecken befahren kann. Die autofreie Hauptstraße entlang zu radeln ist doch viel entspannter.

    • Rene
      6. Januar 2017 at 09:56

      Diggi,
      die Albertstraße ist anmutig leer, weil der Hauptverkehr von der Albertbrücke in Richtung Leipziger Str. abbiegt. Das einzige, was Verkehrsaufkommen produziert, ist der Verkehrsfluss am Kreisverkehr Albertplatz, dort speziell die Linksabbbiegerspur. In der Gegenrichtung ists genau so. Rein auf der Albertstraße entsteht kein Stau.

      Wenn man von der Albertbrücke kommt, gibt es keine adäquaten Nebenstraßen, die man als Radfahrer nutzen kann. Und als Radfahrer will man in der Regel effizient und schnell vorankommen. Pflaster, Rechts-vor-Links und Fußwege sind eher schlechte Alternativen.

    • sven
      6. Januar 2017 at 18:54

      die st. petersburger ist ein gutes beispiel dass man dort als radfahrer deutlich besser vorwärts kommt als auf nebenstrecken wie prager str. oder östlich. Ohne dass dort die Radverkehrsführung ideal sei…

    • Karsten
      7. Januar 2017 at 00:12

      „Und als Radfahrer will man in der Regel effizient und schnell vorankommen. Pflaster, Rechts-vor-Links und Fußwege sind eher schlechte Alternativen.“
      Tja, Pech gehabt. So ist das halt in der Realität, Nachbarland von ICH-ICH-ICH-WILL-WILL-WILL-Breichen-und-Windelchen-JETZT! :-)

      Ich will auch was. Nähmlich die Wunsch-Montage des ADFC etwas modifizieren. Links und Rechts je 2 Radfahrer. Ebenfalls links und rechts bis zum Horizont mit 1 m Abstand stehende Fahrzeuge. Gerne noch mittendrin paar blinkende Blaulichter von stehenden Feuerwehren. Oder von Krankenwagen gleich mit Leichenwagenanhänger hinten dranne. :-) Nicht zu schweigen von verstopften Seitenstraßen und draus folgend mehreren hintereinander stehenden Strabas. Was bleiben kann, ist der Gehweg, den keine Sau benutzt.

    • Radler
      7. Januar 2017 at 14:41

      @Zackbäm: Zum Thema Hauptstraße habe ich zufällig gerade einen Kommentar von einem Fußgänger gelesen:

      http://www.sz-online.de/nachrichten/anfang-2019-ist-baustart-auf-der-koenigsbruecker-3581260.html?ShowAllComments=true#Comments

      (siehe Kommentar #5)

      Mal abgesehen davon, dass es keine direkten Nebenstraßen parallel zur Albertstraße gibt und man somit immer Umwege fahren müsste, kommt noch dazu, dass diese Nebenstraßen wie z.B. die Hauptstraße mit vielen Hindernissen und schlechtem Belag aufwarten. Und die Hauptstraße ist so viel ich weiß eine Fußgängerzone – wenn Fahrräder dort fahren dürfen, dann haben sie absolute Rücksicht zu nehmen (Fußgänger haben Vorrang) und dürfen dort nicht durchheizen. Und viele Radfahrer wollen auch an einem Ziel zeitnah ankommen. Für sie ist das Fahrrad ein Fortbewegungsmittel und nicht nur ein (wenn überhaupt) ein Freizeitspaß. Somit ist Ihr Einwand Ihre Meinung und vielleicht für Sie zutreffend, doch sonst fernab jeglicher Realität. Ich würde es genau anders herum formulieren: Ich verstehe nicht, wie man durch Fußgängerzonen radeln kann und Fußgänger terrorisiert, wenn es doch direkte Wege gibt. Ok, an letzten muss noch gearbeitet werden, damit diese noch fahrradfreundlich für jedermann werden (und nicht nur für die ganz harten). Aber genau dafür setzt sich doch der ADFC an der Albertstraße und Carolabrücke ein.

      Ansonsten stimme ich Ihnen zu: Aber nicht nur eine Spur testweise sperren, sondern diese für Fahrradfahrer freigeben. Dann wird man nicht nur sehen, ob der Autoverkehr nur staut, sondern man wird gleichzeitig feststellen, wie viele Fahrradfahrer plötzlich dort langfahren. Der Test müsste aber nach dem Winter stattfinden und mindestens einen Monat dauern, weil sich alles erst einmal einpendeln muss. Im Winter ist es egal, ob es Radwege gibt oder nicht – die Stadt räumt eh nicht. Eine riesige Sauerei.

    • 7. Januar 2017 at 14:48

      @Radler: Die Kommentare dort sind ja insgesamt schon sehr lesenswert. ;-)

    • KmK
      12. Januar 2017 at 13:09

      Die „autofreie Hauptstraße“ ist eine Fußgängerzone… Mehr muss man dazu wohl nicht sagen.

  6. vorbeifahrer
    6. Januar 2017 at 11:13

    „lt. der letzten Zählung vom 31.12.2015“ Echt jetzt? Ist ja ein super-repräsentatives Datum…

    • KmK
      12. Januar 2017 at 13:18

      Verkehrszählungen werden eigentlich immer an „Normalwerktagen“ durchgeführt, also an Dienstag, Mittwoch oder Donnerstag außerhalb der Ferien in eine Woche ohne Feiertage. Daran hält sich die Stadt Dresden auch in aller Regel, insofern liegt vermutlich eher ein Fehler bei der Übertragung des Datums vor, vermutlich war die Zählung nicht am 31.12.

    • 12. Januar 2017 at 13:30

      @KmK: Vielen Dank für die Anmerkung. Ich nehme an, da mir dieses Datum bei etlichen Mengenangaben aufgefallen ist, dass dies dann automatisch verwendet wurde, wenn der genaue Tag nicht angegeben ist, sondern nur das Jahr.

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