Die Katharinenstraße

Auf der rechten Seite: die Alte Feuerwache

Die „Katharine“ von der Alaunstraße aus gesehen.

Heißa, Kathreinerle. Die „Katharine“ gehört zu den markigsten Ecken der Neustadt. Jugendstilportale, Club-Zusammenrottungen und Bilderkriege – soviel Action hätte man der Angetrauten von Heinrich dem Frommen gar nicht zugetraut.

Wer in die Straße Katharinen’s will geh’n – muss zwischen den Babos und Ararat hindurch, die wie zwei Sphinxen den Durchgang flankieren. Im Babos dreht sich natürlich der bessere Dönerspieß und auch die Soße – Moment, nein, ich höre gerade, im Ararat ist’s besser. Soße wie die schneebedeckten Gipfel des gleichnamigen Berges – Moment. Babos hat den besseren Dürüm? Dafür hat der Ararat aber einen Geldautomaten. Ja ja, aber die Späti-Preise… Wie dem auch sei. Dieser innere Kampf muss von jedem selbst ausgefochten werden, am besten durch Testen.

Kämpft jeden Tag aufs Neue ... der Feuerwehrmann an der Wache.

Kämpft jeden Tag aufs Neue … der Feuerwehrmann an der Wache.

Ist diese Hürde überwunden, geht’s vorbei an der Emmaus-Gemeinde. Nun nähern wir uns dem irdischen (und unterirdischen) Trio Groovestation, Lofthouse und Downtown. Nicht das falsche Türchen wählen! Natürlich ist das Geschmackssacke und die Geschmäcker sind frei – aber nach einem handgemachten Konzert oder einem Drum’n’Bass-Mash Up sucht und versehentlich die Treppe nach unten nimmt, merkt spätestens am Begrüßungsprosecco für Ladys, dass er downtown gelandet ist. Einfach nochmal hinten anstellen, Perlweinchen rein und ab dafür auf ein Fattigauer an den Billardtisch in die Groovestation. Besonders sehenswert: die Kabine ganz links auf der Damentoilette. Dort wird mit schwarzem Stift vor besonders akrobatischen Limbotänzern gewarnt (die Tür schließt nicht mit dem Boden ab). Wie gesagt, Geschmackssachen…

Tagsüber ist der Innenhof Anlaufstelle für Freunde der ästhetischen Fort-Bewegung. In der Selbsthilfewerkstatt Radschlag wird an maroden Drahteseln gewerkelt und in Franka Badduras Tanz-Atelier werden Körperbewegungen in Sahne gegossen.

Ein Hof mit Club-Zusammenrottung.

Ein Hof mit Club-Zusammenrottung.

Nun heißt es, der eigenen Nase vertrauen, um zu dem Schauplatz eines schaurigen Verbrechens zu gelangen. Der minzige Duft von Magic und Mystery durchzieht die Luft, steht man vor der Putzi-Gedächtniswand. Putzi, die einzige Zahnpasta der DDR für Kinder (ich bin lange davon ausgegangen, die zuckrige Paste sei eine Süßigkeit aus der Tube…), warb mit dem putzigen Lächle-Biber, der eines Tages einfach von der Wand verschwand. Verzweifelt kommunizierten Putzi-Anhänger ihre Trauer: Wo war Putzi? Lage um Lage pappten Plakate und Gesuche auf dem nunmehr öden Fleck Mauer – dann kam Putzi 2010 als Paste-Up zurück, großzahnig grinsend, mit einem roten Iro geschmückt, ein Phönix aus der Asche! Wenn auch nicht das Original. Zeitweilig existierten über Putzi und sein rätselhaftes Verschwinden drei Blogs, die mittlerweile, wie Putzi, nicht mehr existieren. Nun ist auch Neo-Putzi weg, geputzt und überklebt. Es konnte nur einen geben.
Putzi, der Nebulöse. Die Frage nach seinem Verbleib beschäftigt die Gemüter

Putzi, der Nebulöse. Die Frage nach seinem Verbleib beschäftigt die Gemüter

Gegenüber des Tatortes lohnt sich der Blick auf die Eingangsportale der Wohnhäuser. Kunstvoll ranken sich hier Blätter und Blüten versteinert im Jugendstil über den Türen – am letzten Haus taucht ein kindlicher Steinkopf aus dem Dschungel auf, von dem man hofft, er möge nichts falsches gegessen haben. Gleich danach folgt ein Neustadt-Relikt aus alten Zeiten, das es in dieser Form wohl bald nicht mehr zu bestaunen gibt: eine unbebaute Grünfläche. Schilder überwuchert hier die Ackerwinde. Brachflächen wurden diese seltenen Kleinodien des freien Blicks von unseren Vorfahren genannt – bei uns heißt das heute Edeka.
Kopf, der aus dem Dschungel kam

Kopf, der aus dem Dschungel kam

Bisher erschienen:
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1990 war in der Katharinenstraße noch die Volkspolizei beheimatet. Foto: Lothar Lange

1990 war in der Katharinenstraße noch die Volkspolizei beheimatet. Foto: Lothar Lange

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8 Kommentare zu “Die Katharinenstraße

  1. Alraune
    25. August 2015 at 19:15

    ruppt mich nicht vom Hocker

  2. Gast
    25. August 2015 at 21:54

    Was will er uns damit nur sagen? Werbung für die 2 **** entfernt siehe Hausordnung | Unterstellung ****läden an bekannten Ecken,..oder doch nur etwas über die K.Strasse? Das ist nicht ganz so erleserlich…guter Versuch aber irgendwie so exakt wie der Wetterbericht des letzten Monats,nur mal so als Vergleich gesehen….Sry aber das musste mal gesagt-geschrieben wern.Ein paar mehr Infos sollten dann doch wohl drin sein oder?? Gruss Gast

  3. Mick Ten
    25. August 2015 at 23:19

    Kurze Korrektur: das Graffiti hieß m.E. : „Wo zum Teufel ist Putzi hin!“.

    Tja und die ewige Feuerwachendiskussion? Fehlt leider. Was wird’n damit? Freies Kreativzentrum oder lieber doch ein Stesad-Kreativinstitut…Egal, bleibt sowieso liegen, die Stadt hat’s ja nicht nötig… Dann wandern die Kreativen weiter ab. Warum denn nicht mal nach MickTen??? :-)

  4. 26. August 2015 at 09:27

    @Mick: Es gab zwei Graffiti. Eins: „Wo zum Teufel ist Putzi hin?“, das es als falsche Bebilderung bis in die Taz geschafft hat und das andere, einfachere „… wo ist Putzi?“ siehe Bild oben.

    Eine gute Zusammenfassung des Street-Art-Geschehens an der Wand der Dental-Kosmetik gibt der Blog Buntfutter.

  5. 26. August 2015 at 11:52

    Wow, ein Zastava, ein Wartburg (Kombi!) und mindestens ein Shiguli auf der selben Straße: die Gentrifizierung fiel offenbar auf fruchtbaren Boden.

  6. Alraune
    26. August 2015 at 17:33

    *** entfernt, siehe Hausordnung, Beleidigung, Unterstellung ***

  7. ThomasWill
    28. August 2015 at 10:12

    Auf dem letzten Foto (die 6), was ist das für ein großes Haus am Ende der Str. ? Steht nicht mehr, oder?

    • 28. August 2015 at 10:16

      Das unterste Bild zeigt die „Katherine“ im Jahre 1990. Das linke, weiße, Haus ist die Scheune. Rechts danben, das alte Haus mit den Klinkersteinen, war ehemals eine kleine Fabrik. Die wurde in den späten 1990er Jahren abgerissen. Vorher gab es da gelegentlich noch illegale Partys drin.

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