Kündigung: Jazz-Tonne muss raus

Bald für immer leer? Der Jazzclub Tonne im Kulturrathaus.

Bald für immer leer? Der Jazzclub Tonne im Kulturrathaus.

Die Stadt Dresden kündigt den Mietvertrag zum 31. August. Das hat heute der Jazzclub Tonne e.V. mitgeteilt. Damit ist die Zukunft des Clubs ungewiss. Normalerweise veranstaltet der Verein hier jährlich rund 120 Konzerte. Die Planung für den Herbst stand schon zu großen Teilen fest. Wie das für die Vermietung verantwortliche Liegenschaftsamt mitteilte, sei eine Nutzung des Kulturrathauskellers an der Königsstraße frühestens 2017 wieder möglich.

Hintergrund der Kündigung ist der Wassereinbruch vom Juni (Neustadt-Geflüster vom 17. Juni 2015), dabei ist ein Schaden von knapp 9.000 Euro entstanden. Der Flügel, sowie Licht- und Tonanlage wurden beschädigt. Es hatte reingeregnet. Der Verein fordert nun von der Stadt als Vermieter Schadenersatz. Die Forderung wird derzeit vom Rechtsamt geprüft. Für das Liegenschaftsamt ist der Vorfall nun die Begründung für die Kündigung. Das Risiko eines erneuten Wasserschadens sei zu hoch, heißt es im Kündigungsschreiben.

Der Keller im Kulturrathaus müsste tatsächlich mal grundsätzlich saniert werden, das sehen die Verantwortlichen um Tonne-Geschäftsführer Steffen Wilde genauso. „Wenn das angekündigt ist, können wir uns darauf einstellen und das Programm so planen“, bis dahin würde es seiner Ansicht nach ausreichen, das Hofdach des Kulturrathauses provisorisch zu reparieren. „Dafür reicht die Sommerpause“, so Wilde.

Hoffen auf eine Lösung Tonne-Chef  Steffen Wilde und Schlagzeuger Günter Sommer.

Hoffen auf eine Lösung Tonne-Chef Steffen Wilde und Schlagzeuger Günter Sommer.

Nun hat der Verein einen Brief an Oberbürgermeister Dirk Hilbert geschrieben und das Problem verdeutlicht. „Von Seiten des Kulturamtes bekommen wir Unterstützung“, berichtet Wilde. Zur Pressekonferenz hat er sich heute Unterstützung eines der wichtigsten Jazz-Musiker Dresdens gesucht. Der Schlagzeuger Günter (Baby) Sommer berichtete von Auftritten in aller Welt, die Jazz-Tonne aus Dresden sei ein Begriff: „Dresden ist nicht nur Semperoper und Gemäldegalerie sondern auch der Jazzclub Tonne – ein Verbindungsglied der Dresdner Jazz-Landschaft.“

Der Jazzclub Tonne e.V. will nicht aufgeben. Die Existenzfrage der Tonne sei eine politische Frage, die nicht allein auf rechtlicher oder finanztechnischer Ebene gelöst werden kann. Deshalb will der Vorstand in den kommenden Wochen alles unternehmen, um gemeinsam mit allen an der Kulturpolitik Dresdens Beteiligten eine alternative Spielstätte zu finden. Unterstützungsangebote anderer Spielstätten kamen bisher von riesa efau, Studentenclub Bärenzwinger, Waldschänke Hellerau e.V., Reformierte Gemeinde Dresden und Societaetstheater.

Ihr vorläufig letztes Konzert veranstaltet die Tonne mit der Repertoire Night im Rahmen der HfM Jazz Nights morgen um 20 Uhr im Kleinen Saal des Kulturrathauses. Einlass ist ab 19:30 Uhr.


Nachtrag: Am 25. August gab der Jazzclub bekannt, dass er nun wieder in das Kurländer Palais in der historischen Altstadt Dresdens am Tzschirnerplatz zieht. Am 17. Oktober ist große Eröffnung.

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5 Kommentare zu “Kündigung: Jazz-Tonne muss raus

  1. 7. Juli 2015 at 19:26

    Hintergrund der Kündigung ist der Wassereinbruch vom Juni (Neustadt-Geflüster vom 17. Juni 2015), dabei ist ein Schaden von knapp 9.000 Euro entstanden. Der Flügel, sowie Licht- und Tonanlage wurden beschädigt.

    – Ist doch gut so. Denn seien wir doch mal ehrlich: „Jazz“!!! Ist das nicht diese unverständliche Musik für komplizierte Männer mit langen Haaren? (wahrscheinlich Linksextremisten) Wozu braucht man das in Dresden? Verbessert das die Situation für Autofahrer? Bringt das Arbeitsplätze? Heilt das den beschädigten Ruf Dresdens? – Ich glaube nein. Also kann das doch eigentlich wech…

    Hoffen auf eine Lösung Tonne-Chef Steffen Wilde und Schlagzeuger Günter Sommer.

    – Die hätten mal lieber was Ordentliches Studieren sollen. BWL z.B. Aber was red ich von Studieren, ’ne ordentliche Ausbildung für nen nützlichen Beruf wie Straßenbauer hätten die machen sollen. Das wär was gewesen. „Jazz-Schlagzeuger“ – pah!

  2. also
    7. Juli 2015 at 23:57

    unglaublich mit welchen methoden die stadt arbeitet.
    ansonsten:dont feed the troll.

  3. TeaTime
    7. Juli 2015 at 23:59

    AUFGEMERKT!
    Tortens Kommentar enthält Spuren von Sarkasmu…

  4. Zorro
    8. Juli 2015 at 08:45

    Macht kaputt was euch kaputt macht!

  5. bautzner
    8. Juli 2015 at 12:08

    Die Kündigung ohne Absprache ist dumm, fahrlässig und irgendwie typisch für den Umgang der Stadt mit ihren Kulturträgern jenseits der Hochkulturförderung.
    Die Semperoper und die Tonne würde ich aber nicht auf eine Ebene stellen. Während Staatskapelle und Semperoper nur für Touristen erstklassig ist, ansonsonsten aber nicht zu den Top-Orchestern oder Opern in Deutschland gehört (ist leider so, weiß auch jeder außerhalb von DD), kann man das von von der Tonne als Spielort für den Jazz nicht behaupten, die den State of the Art des Jazzbereichs (re)präsentiert.

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