In Dresden haben sich am Sonntag mehrere Hundert Menschen versammelt, um auf die Lage im Iran aufmerksam zu machen. Die Demonstration stand unter dem Motto „All Eyes on Iran“ und wurde vom Zentrum Interkultureller Verständigung Dresden organisiert.

Nach einer Auftaktkundgebung am Goldenen Reiter, bei der neben Vertretern der Veranstalter auch Politiker*innen verschiedener Parteien sprachen, formte sich ein Protestzug. Der führte über die Augustusbrücke zur Frauenkirche, wo eine Abschlusskundgebung stattfand. Laut Angaben des Veranstalters nahmen zeitweise bis zu 700 Menschen teil. Offizielle Zahlen von der Polizei liegen nicht vor.
Teilnehmer zeigten Plakate mit Aufschriften wie „Free Iran“ und „Frauen – Leben – Freiheit“. Sprechchöre wie „Weg, weg, weg – Mullahs müssen weg“ prägten das Bild. Allerdings waren auch Plakate mit „King Reza Pahlavi“ zu sehen sowie entsprechende Rufe. Reza Pahlavi ist der Sohn des ehemaligen Schahs von Persien, der 1979 im Zuge der iranischen Revolution gestürzt wurde. Vor allem für Exil-Iraner*innen ist er offenbar eine Identifikationsfigur für die Einigung der außeriranischen Opposition. Einige Demonstrierende schwenkten auch die alte iranische Flagge mit dem säbelschwingenden Löwen auf rot-weiß-grünem Grund.
Kritik und Forderungen
Redner*innen kritisierten das iranische Regime wegen systematischer Repression und zahlreicher Hinrichtungen. Zugleich wurden Forderungen an die Bundesregierung gestellt: dazu zählt ein Abschiebestopp in den Iran, mehr Schutz für Exil-Iranerinnen und -Iraner sowie Maßnahmen gegen mutmaßliche Einfluss- und Spionagestrukturen.
Neben Rasha Nasr (SPD) und Kassem Taher Saleh (Grüne) beteiligten sich auch weitere Politiker an der Kundgebung. Stefan Hartmann (Die Linke) forderte ein Ende der Herrschaft der Mullahs. Der CDU-Kreisvorstand sprach sich ebenfalls für Solidarität mit den Protestierenden aus. In den Reden wurde betont, dass auch Proteste in Deutschland ein wichtiges Zeichen seien.

Hintergrund
Hintergrund der Proteste sind die aktuellen Unruhen im Iran, die sich Ende Dezember wegen einer schweren Wirtschaftskrise und hoher Inflation zuspitzten. Der Sicherheitsapparat reagierte mit Gewalt. Nach Informationen der Zeitung „The Sunday Times“ kamen dabei zwischen 16.500 und 18.000 Menschen ums Leben (Bericht bei der Deutschen Welle). Diese Zahlen beruhen auf Angaben von Mitarbeitenden mehrerer großer Kliniken. Hunderttausende Menschen sollen verletzt worden sein. Irans oberster Führer Ali Chamenei bestätigte am Sonnabend erstmals, dass es Tausende Tote gegeben habe (Bericht in der Tagesschau).
Tausende Menschen gingen am Wochenende zudem in weiteren deutschen Städten auf die Straße, um ihre Solidarität mit der iranischen Opposition zu zeigen.



















