Die Angelikastraße

Schmucke Häuschen wie diese finden sich etliche. Die Nummern 10 und 12 stehen auf der Liste der Kulturdenkmäler

Schmucke Häuschen wie diese finden sich etliche. Die Nummern 10 und 12 stehen auf der Liste der Kulturdenkmäler

Die Angelikastraße ist historisch ein heißes Pflaster. Benannt nach einer schweizerisch-österreichischen Malerin, wohnte auf ihr nicht nur der Schauspieler Karlheinz Böhm, sondern auch unser Bärchen Putin. Sogar im selben Haus – man hofft, dass sich die unterschiedlichen Geister dieser zwei Bewohner dort nicht gegenseitig zu Tode erschrecken. Blickwärts gen Waldschlösschenbrücke gleißt das Licht auf der Elbe und die Straßenbahn gleist auf der Bautzner. Irgendwo unter dem Asphalt ruhen letzte Wurzelfetzen einer 280-Jahre alten Rotbuche. Unweit der Pension „Angelika“ wurde  sie im Jahr 2007 unter massiven Protesten gefällt, um Platz für den Brückenzubringer zu schaffen. Die Aktion wurde zum Symbol für den friedlichen Protest gegen die Elbquerung – die heute für Fußgänger einen malerischen Blick über das Elbtal bietet.

Am anderen Ende wird die Angelikastraße von der Charlottenstraße begrenzt, an deren Rändern sich ähnlich schmucke Villen tummeln. Das Haus Nummer 4, ab 1985 Arbeitsplatz von Wladimir Wladimirowitsch Putin, sieht dagegen streng und in sich gekehrt aus. Der jetzige russische Präsident arbeitete damals fünf Jahre lang in Dresden für den KGB und gönnte sich hier zum Feierabend Radeberger in Maßen, fuhr gern schnell Auto und arbeitete fleißig und viel – wenn man den nachträglichen Nähkästchen-Geschichten ehemaliger Stammwirte und Kollegen Glauben schenken darf.

Sitz der anthroprosophischen Gesellschaft: das Rudolf-Steiner-Haus

Sitz der anthroprosophischen Gesellschaft: das Rudolf-Steiner-Haus

Vorher bewohnte die Familie Karlheinz Böhms das Haus. Böhms Vater, Karl August Leopold Böhm, zählt zu den bekanntesten Wagnerinterpreten und löste in dieser Funktion Fritz Busch an der Semperoper ab. Sein Sohn wurde durch seine Rolle als charismatischer Kaiser Franz an der Seite von Romy Schneider in Sissi bekannt und ging mit seiner Organisation „Menschen für Menschen“ in die Geschichte globaler Entwicklungshilfe ein. Mit seiner legendären Wette bei der Sendung „Wetten, dass…?“ sammelte er 1981 etwa 1,2 Millionen DM und fuhr daraufhin erstmalig nach Äthiopien, wo er große Teile seines Lebens verbrachte und seine Frau kennenlernte. Der gebürtige Österreicher verstarb vergangenen Mai an Alzheimer.

Blick auf die Angelikastraße. Lange Schatten, schmale Bäume

Blick auf die Angelikastraße. Lange Schatten, schmale Bäume

Österreich wählte die Namensgeberin der Straße,  die Schweizerin Angelika Kauffmann, als ihre Wahlheimat. Bezüge zu Dresden sind in ihrer Biografie nur in der Form ersichtlich, als dass ihre drei Gemälde Ariadne, Sybille und Vestalin in den Kunstsammlungen zu finden sind. Papi-Kind Angie gilt als einflussreiche europäische Malerin, die sich ihren Ruf in Italien und London verdiente. Auf diesem Status kam frau im Klassizismus natürlich nicht an Universal-Goethe vorbei, der sich in Rom von ihr portraitieren ließ und ihr im Gegenzug seine Iphigenie vorlas. Als „Raffael unter den Frauen“ verehrt, starb Kauffmann 1807. Ihr Ruhm machte im Laufe des 19. Jahrhunderts einer allgemeinen Geringschätzung Platz. Umso beruhigender, dass ihr Name auf vier Dresdner Straßenschildern prangt. Den Frauen der Gegenwart ist die Angelikastraße ohnehin ein Begriff: Sowieso.

Angrae - Zensur schafft unklare Botschaften

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Bisher erschienen:
Ahornstraße | Alaunplatz | Alaunstraße | An der Dreikönigskirche |An der Prießnitz | Antonstraße | Arno-Holz-Allee | Bachstraße | Bautzner Straße | Bärnsdorfer Straße | Bischofsplatz |Bischofsweg | Bischofswerder Straße | Böhmische Straße | Buchenstraße | Carolinenstraße | Conradstraße | Dammweg | Diakonissenweg | Förstereistraße | Frühlingstraße

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16 Kommentare zu “Die Angelikastraße

  1. Alraune
    29. März 2015 at 10:40

    Klingt wie ein Aufsatz der 8. Klasse, sorry.
    Oder wurde doch irgendeine Person in der endlosen Aufzälung vergessen ?

  2. Andreas
    29. März 2015 at 12:11

    @ „Elbquerung – die heute für Fußgänger einen malerischen Blick über das Elbtal bietet.“

    Dafür hat sie für FußgängerInnen auf den Elbwiesen auf der Neustädter Seite den malerischen Blick auf die Elbschlösser und einen ruhigen Abschnitt von Stadterholung durch Autolärm zerstört.
    Ich habe selten auf dieser von mir sehr geschätzten Seite ein so einseitiges Urteil gelesen.

  3. Zackbaem
    29. März 2015 at 14:24

    Bitte mal wieder Imbiss-Tests…

  4. kein Pegidafan
    29. März 2015 at 16:18

    Radeberger Vorstadt-Geflüster?
    Belasst die „Kern-Kompetenz“ bitte in der Neustadt…

  5. Trude
    29. März 2015 at 16:30

    Schön auch mal was zu lesen von etwas außerhalb der direkten Neustadt, aber im Norden der Angelikastr. ist doch nicht die Radeberger?! Oder habe ich meine Anschrift seit Jahren falsch geschrieben……
    Ansonsten ist der blog toll und ich bin oft hier. Danke.
    Guten Wochenstart.

  6. nepumuk
    29. März 2015 at 18:55

    häää, jetzt bin ich aber auch etwas verwundert?!

    wir waren doch immerhin schon bei B wie Bischofsplatz, zuletzt allerdings dann wohl der Jahreszeit geschuldet: die Früüüühlingsstraße – auch ok.
    Warum jetzt wieder bei A, und dann auch noch weit außerhalb der Neustadt? Da wird Filinchen ja nie fertig, oder?

    Die Angelika mündet in der Tat nördlich in die Charlotte.

  7. 29. März 2015 at 19:13

    Wir bleiben im Ortsamtsbereich. ;-)

  8. julia
    30. März 2015 at 15:43

    mit Putin auf Du und Du.
    Hey hey

  9. Philine
    30. März 2015 at 15:43

    @ Andreas: vielleicht hätte ich die Ironie deutlicher machen sollen

  10. Andreas
    30. März 2015 at 21:04

    @Philine: Danke für die Information. Vielleicht war es bei mir die Zeitumstellung, die mich die Ironie nicht erkennen ließ…

  11. Drake
    31. März 2015 at 00:04

    Die Aussage, dass Putin mit seiner Familie in der Angelikastr. 4 gewohnt hat ist falsch. Der Wohnort war in einem Wohnblock im Jägerpark. Hier war sein Arbeitsplatz, die KGB Zentrale.

  12. 31. März 2015 at 07:34

    @Drake: Stimmt. Ich habe das im Artikel mal korrigiert. Vielen Dank für den Hinweis.

  13. 31. März 2015 at 07:36

    Danke Trude. Habe es korrigiert.

  14. antonstädter
    3. April 2015 at 10:36

    Vielleicht sollte man noch hinzufügen, dass die Angelikastraße die Grenze zwischen den Gemarkungen Loschwitz und Antonstadt bildet(ich verwende mal bewusst nicht diesen ahistorischen Nachwende-Kunstbegriff „Radeberger Vorstadt“, dieser Teil der Antonstadt wurde im Volksmund stets als „Preußisches Viertel“ bezeichnet!“), Loschwitz wiederum wurde erst 1921 einverleibt.

  15. Hubert Kaiser
    7. Oktober 2017 at 20:22

    Frage mich, wie sich die Anthroprosophische Gesellschaft diese Villa unter den Nagel gerissen hat. In den Wirren der 90 er Jahre war ja wohl alles moeglich. Stasi Villa oder KGB Behausung dann Rudolf Steiner …… Man kann es nicht fassen.
    Scheint dem Gemaeuer nichts ausgemacht zu haben, sieht noch genauso verschlafen und unscheinbar aus, wie zu seiner „Schoepfung“. Ist wohl einem Haus Schnuppe , wer drin wohnt oder haust? Wie fuehlen sich die Anthroprosophen in diesem Gemaeuer? Wahrscheinlich ist es denen auch Schnuppe, wer dieses Domozil schon benutzte/behauste? Und wofuer das alles? Vielleicht sollte man diese alten Gemaeuer abreissen, dem Erdboden gleichmachen, um etwas Neues zu erschaffen?

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