Nächste Runde im Wanderhurenstreit

das umstrittene Buch
das umstrittene Buch
Am 27. März hatte das Landgericht Düsseldorf dem Dresdner Verlag Voland & Quist vorgeschrieben: der Band mit Kurzgeschichten „Die schönsten Wanderwege der Wanderhure“ des Autors und Poetry Slammers Julius Fischer darf nicht mehr verkauft werden.

Der kleine Dresdner Verlag wollte das nicht auf sich sitzen lassen und beruft sich auf Kunst- und Satirefreiheit. Um gegen das Urteil in Berufung gehen zu können, hat der Verlag nun per Crowdfunding Geld gesammelt. Am vergangenen Freitag wurde die nötige Summe von 12.000 Euro bereits nach vier Tagen Sammlung erreicht.

Folgerichtig hat Voland & Quist nun Berufung gegen das Urteil eingelegt. Jetzt muss sich das Oberlandesgericht Düsseldorf mit dem Fall beschäftigen. Der Hintergrund für die Klage: Julius Fischer hatte einen Kurzgeschichtenband geschrieben und den mit dem Titel “Die schönsten Wanderwege der Wanderhure” versehen. So lautet auch die erste Geschichte in dem Band, darin geht es um die aggressiven Vermarktung von Bestsellern. Gegen diesen Titel hatte die Droemersche Verlagsanstalt Th. Knaur Nachf. GmbH & Co. KG geklagt. Nach deren Ansicht verletzt der Titel die Rechte der Wanderhuren-Reihe der Schriftsteller Iny Klocke und Elmar Wohlrath.

Das Landgericht Düsseldorf hatte zugunsten des Wanderhuren-Verlages entschieden. Der Schutz bekannter Titel gehe relativ weit, begründete der Richter. Laut dem Urteil hätten Voland & Quist noch bis Herbst die aktuelle Auflage abverkaufen dürfen. Das Buch ist inzwischen aber vergriffen. Verlagsleiter Leif Greinuns äußerte gegenüber dem Neustadt-Geflüster, dass man von dem Wanderwege-Wanderhuren-Titel nicht profitiert habe und das sich der Band in etwa so gut verkauft habe, wie das erste Werk des Autors. Seiner Meinung nach sei auch die Zielgruppe für ein solches Buch eine ganz andere als die der Wanderhuren-Reihe.

Wenn der Verlag vor dem Oberlandesgericht gewinnt und Droemer Knaur nicht in die nächste Instanz geht, bekommt Voland & Quist die Prozesskosten erstattet. Die Erlöse aus der Crowdfunding-Aktion sollen dann dem Kurt-Tucholsky-Museum in Rheinsberg gespendet werden.


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