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Eklat in der Scheune

Das CDU-Plakat zur Veranstaltung
Kaufen! Saufen? Raufen?! – Das CDU-Plakat zur Veranstaltung

Es ist kurz nach sieben. Die Stimmung ist unruhig. Viele junge Leute sitzen im vollen Saal der Scheune. Sie sind gespannt. Vorne auf dem Podium sitzen Politiker, ein Staatsanwalt, der Polizeipräsident, ein Spätshopbetreiber, der Ordnungsbürgermeister.

Die Stimmung ist trocken, der Bierausschank im Vorraum ist geschlossen. Nun ja, es ist zwar noch nicht nach zehn, aber kein Alkohol ist wohl immer besser. Etwas mehr als 150 Leute haben sich hier versammelt. Sie wollen wissen, wieso sie künftig von Kameras begafft werden sollen.

Doch darum soll es wohl gar nicht gehen. Zumindest beginnt der Moderator ganz anders: „Kaufen, Saufen, Raufen“ – Tosender Beifall auf den Rängen, noch freut er sich, so etwas sei er hier nicht gewohnt. Doch schnell gerät die Diskussionsrunde zur Farce. Spätestens als sich der Staatsanwalt in Fachtermini verliert und mehrmals das gefürchtete „langweilig“ aus der Menge tönt, ist der Frieden hin. Wichtigste Nachricht von der Justiz an diesem Abend: Die geforderten Schnellverfahren zur Aburteilung der Randalierer können erst bei Volljährigen ab 21 Jahren eingesetzt werden.

Dann spricht der Polizeipräsident, auch er wird durch Zwischenrufe immer wieder ausgebuht und ausgepfiffen. Sein Fazit: „Wir wollen die Neustadt unattraktiv machen“ (tosender Beifall) „unattraktiv machen für Gewalttäter, Straftäter und Randalierer.“ Und dazu braucht die Polizei auch das Mittel der Video-Überwachung.

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Die Menge wogt und will nicht länger den Politikern zu hören, sondern seine Meinung sagen. Eine Kneiperin erwähnt, dass die Spätshopbetreiber doch nur Angst hätten, Pleite zu gehen. Eine andere Frau fordert eine Befragung der Neustädter. Ein etwas älterer, sichtlich schlampig gekleideter Mann ruft seine Empörung heraus und endet mit den Worten: „Ich komme dann mal nach vorn.“ Schnappt sich seine Tasche, schreitet zum Podium und schlägt auf die Tische. Gläser zerbrechen. Wasser schwappt über. Flecken überziehen Gesichter und Hosen.

Der Mann wird von anwesenden Beamten zügig und sicher abgeführt. Die Gefahr ist vorüber, doch der Schock ist groß. Als der Moderator weiterhin ausgelacht wird, schmeißt er das Handtuch. Raucht im Vorraum mehrere Zigaretten und überlegt, Strafanzeige zu stellen. Unterdessen findet sich ein Friedensbewegter, der die Diskussion beschwichtigend zu Ende bringt.

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