BRN – wie weiter

Nachdem jüngste Kommunikationsmissverständnisse dazu geführt haben, dass in Teilen der Bevolkerung die Information ankam, dass die diesjährige BRN wohl die letzte sein werde, wollen die Macher der Scheune nicht nur optisch an die früheren Zeiten der Bunten Republik anknüpfen. Immerhin könnte Scheune-Geschäftsführer Magnus Hecht trotz seines jugendlichen Alters durchaus in die Riege der „Männer mit Bärten“, die 1998 und 1999 die BRN organisierten, aufgenommen werden.

Aber um die Optik der BRN-Kritisierer soll es hier eigentlich nicht gehen. Der Scheune e.V. ruft in der Neustadt-Wandzeitung auf zu einer Podiumsdiskussion zu kommen und zwar morgen um 18.30 Uhr, Motto: „BRN – wie weiter“. Aufs Podium gehoben werden Friederike Beier, ehemalige OB-Kandidatin und engagierte Neustädterin, Ulla Wacker aus dem Stadtteilhaus, aus dem Werberat Neustadt der Gastronom Stefan Schulz, FDP- und Kultur-Aktivist Mirko Sennewald (BRN-Pass-Wiedereinführer), Julius D. Skowronek vom Projekttheater, die Filmemacherin Melanie Gäbel und der Bärtige von der Scheune, Magnus Hecht.

In der Einladung werden gleich gewagte Thesen aufgestellt. Die BRN habe in den vergangenen Jahren an Charme und Zauber eingebüßt, sie sei ein Stadtteilfest und richte sich mehr an die Besucher und weniger an die Bewohner und trotzdem seien im vergangenen Jahr 20 Prozent weniger Besucher gekommen und angeblich würden die Neustädter zu Hauf flüchten.

Nun hoffen die Organisatoren, dass sich im Laufe der Diskussionen ein neues Gemeinschaftsgefühl ergeben könnte, vielleicht mit konzeptionellen Perspektiven oder vielleicht müsse man mal eine Pause machen. Und das alles zur Klärung der Frage: „Was soll das Ziel der Bunten Republik Neustadt sein?“


Anzeige

Mitarbeiter gesucht bei Simmel

Ist ja gut, möchte ich an dieser Stelle den Organisatoren zurufen. Ist ja richtig, dass ihr euch Gedanken macht, aber guckt euch doch mal um. Schaut doch mal genau hin. Mein Eindruck der vergangenen zwanzig Jahre ist folgender.

Am Anfang stand der Widerstand, gegen die Vereinnahmung aus dem Westen gegen Miethaie und Spekulanten. Ich kann mich noch an ein in der ganzen Stadt geklebtes BRN-Plakat mit ner hübschen Boxerin erinnern. Nach und nach wuchs die BRN und irgendwann 2001 schließlich den Machern über den Kopf. (Neustadtgeflüster berichtete) Seit ein paar Jahren gibt es nun keinen Gesamtveranstalter mehr, das Ordnungsamt kontrolliert und regelt die Anmeldungen – im Großen und Ganzen läuft das ganz gut. Die Polizei hat die Randalierer im Griff und auch die Lautstärke ist nicht mehr so drastisch wie vor drei oder vier Jahren. Außerdem bin ich überzeugt, dass sich die Bunte Republik auch inhaltlich wandelt. Schon in den vergangenen Jahren haben die kleinen, spontanen Aktionen zugenommen – hin zu selbstgemacht und handgebastelt, weg von Techno-Dröhn. Und wenn ich mir das Programm für dieses Jahr ansehe, fühle ich mich bestätigt. Mehr Kinderprogramm, mehr unkommerzielle Angebote und spannende Aktivitäten von allen Seiten. Wenn mir sogar der Sprecher des Werberates Neustadt sagt: „Wir wollen weniger Bierwagen bei der BRN“ – dann kann ich nur applaudieren und sagen, die Richtung stimmt.

18 Kommentare zu “BRN – wie weiter

  1. Nix diskutieren! Selbst Aktionen machen. Spontan und Kreativ sein. Wenn die Neustädter nichts zur BRN machen, ist es auch kein Neustadtfest.

  2. „neues Gemeinschaftsgefühl“

    „vielleicht mit konzeptionellen Perspektiven oder vielleicht müsse man mal eine Pause machen“

    „Was soll das Ziel der Bunten Republik Neustadt sein?“

    boa gehn dir mir auf den sack… wenn ich so was lese… die sind wie anarchisten welche unbedingt vereinigungen gründen wollen…
    dieser regulierungs und organisationswahl der „groß-gastronomen“ treibt mir die galle hoch… hauptsache imagepflege damit auch schön weiter die gäste kommen und der rubel rollt… und alles unter dem deckmantel des: „alternativen – wir sind anders – gefühls“

  3. natürlich sehen DIE ;-} das anders… würde ich in ihrem fall ebenso… und das ist ja auch ihr gutes recht…

    aber die diskussion in den mantel des „alternativen-neustadt-seins“ zu stecken ist halt sehr scheinheilig…

  4. Ich glaube nicht daran das es die letzte BRN sein wird.. Gab es das thema nicht schonmal?
    Dafür ist viel zu viel Kommerz in die BRN eingezogen (leider) und jeder Verdient da mit Selbst die Stadt immer hin bezahlt man ja für die 3 Tage mehr als 100€ gebühren wenn man einen Stand machen will..

  5. Die Stadt zahlt definitiv drauf. 2009: ca. 24.000 Euro Einnahmen durch Gebühren, ca. 55.000 Euro Ausgaben für Stadtreinigung, Sanitäter etc. Allerdings sind da die Steuereinnahmen bei der BRN nicht mitgerechnet, wobei die hauptsächlich an Bund und Land gehen.

  6. Die Gewerbesteuer schlägt da ganz schön rein… die geht zu 100% an die Gemeinde… und bei den hunderttausenden die direkt umgesetzt werden bleibt schon was übrig…

    hunzu kommen indirekte gewerbesteuer bezüglich BRN… das sind z.B. benzin (es kommen genug aus dem umland)… nah und fernverkehr… übernachtungen… zusätzliche kaufkraft ausserhalb der neustadt… etc pp…

    die stadt macht mehr als genug gut…

  7. Ich denke, die Positionen sind weitaus vielfältiger als die, die man morgen zu hören bekommt, aber immerhin wird es sehr spannend sein, ob und wer morgen als Gast erscheint, denn immerhin muss man dort sein Gesicht zeigen, wenn es um Meinungsäußerungen geht und kann sich nicht auf „die da“ ode „der da“ berufen..

    Wenn der Saal morgen wirklich voll ist und Torsten eine gute Moderation macht, dann könnte immerhin ein Gefühl für die verschiedenen Sichtweisen und Probleme entstehen, das wäre doch zuminest etwas!

    Ich sehe die Sache so:

    1. Es gibt auf jeden Fall Anlass genug, über die BRN zu reden. Das muss sie nicht besser machen. Schlechter macht es sie in keinem Fall. Ich wette, es gibt eine Menge gute Ideen, die nie kommuniziert wurden, einfach weil es kein entsprechendes Forum gab! Genau diese Ideen und Gedanken hoffe ich, morgen zu hören.

    2. ist die Scheune wahrlich in den letzten drei Jahren nicht als BRN Gegner aufgetreten sondern hat jedes Jahr sehr viel Engagement gezeigt. und zwar, ohne Gewinne zu machen

    3. kann man zu einer diskussion einladen mit der headline „wir reden ein wenig über die brn“ oder man kann seine einladung in provokante thesen packen.

    für mich gehören die provokanten thesen nicht nur zum grundgedanken der brn (auf den kopf gestellt gehört, was auf den kopf gestellt gehört), sie sind auch eindeutig erfolgversprechender im hinblick auf die erhoffte wirkung, daß möglichst viele gäste kommen.

    Du bist Kommunikationsprofi! du solltest das deuten können!

    also: kein mensch will die brn abschaffen! aber die einen wollen mehr marketing, die anderen mehr professionelle bands, die nächsten mehr strassenkunst und wieder andere mehr ruhe…das sollte doch vieleicht sogar unter einen hut zu kriegen sein? aber garantiert nicht durchs zugucken

  8. die entwicklung der brn hat doch gezeigt seid dem die mieten gestiegen sind und die „kreativen künstler“, „die alternativen“ usw. usf. weggezogen sind ist das „fest für bewohner der neustadt“ zum „fest der besucher der neustadt“ geworden.

    natürlich gibt es noch spontan selbstorganisiertes usw. aber durch die veränderung der bewohnerstruktur wird das alles immer weniger (ist ja auch logisch, studentische WG Bewohner betrinken sich lieber als was zu organisieren(was auch verständlich ist), Leute mit ordentlich Geld in der Tasche werden sich nicht hinstellen und theater spielen,…,…,).

    ums kurz zu machen die neustadt ist und wird gentrifiziert.

    mir ist sie immer noch das lieblingsviertel aber in dresden ist das ja auch nicht soo schwer.

    und ja, ich hab sie alle(!) mitgenommen sowohl passiv als auch aktiv

  9. Übrigens laden wir am Sonnabend nach der BRN, also dem 26. Juni nochmal zum Thema „Unsere BRN soll schöner werden“ in die scheune. Ab 12:00 Uhr wird es einen Workshoptag geben, bei dem mit genügend Zeit dann Ideen und Problemlösungen für nächstes Jahr diskutiert werden können. Da können und sollen alle dran teilnehmen, die die BRN nach vorn bringen wollen, oder sie erhalten wie sie ist, oder auch die, denen das alles zuviel ist.
    Ich finde die BRN auch nicht überall total schlecht.Ich glaube aber, jetzt ist der richtige Zeitpunkt, um sich nochmal darüber auszutauschen, was die Zukunft bringen soll, bevor die Züge abgefahren sind. Auch für das Stadtviertel als Ganzes natürlich.

Kommentieren gern, aber bitte recht freundlich.

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.