Kuchen und Spiele – Zu Gast im Teegadrom

Mit der Winterzeit bricht die Hauptsaison des Teegadrom an. Natürlich ist das gemütliche Teehaus auch sommers geöffnet, aber zu dieser Zeit gehört die Straße den Ecksitzern und Straßenbahnstreichlern, stellt Besitzer Frank Kutschera fest. Wenn es draußen kälter und dunkler wird, lockt das urige Lokal auf der Louisenstraße mit ausgewählten Tees. Die werden im selbst getöpferten Geschirr serviert. Stövchen in Drachen- und Koboldgestalt halten die Aufgüsse auf Temperatur. So mancher Tisch ist gleichzeitig Spielbrett. Ein Ort der geteilten Leidenschaften.

Teedrachen und Kerzenschein im Teegadrom

Teedrachen und Kerzenschein im Teegadrom

Kerzen flackern, aus den Boxen klingt Swing und Frank Kutschera bringt ein dickes Stück Schokokuchen mit Heidelbeeren vom Vortag zu einem frischen Chun-Mee-Grüntee aus Thailand. Es dampft aus der dickwandigen Teeschale mit der delligen Haut. „Es gibt immer noch  Gäste, die mich fragen, wo eigentlich die ganze Keramik herkommt“, erzählt Frank Kutschera verwundert.

Seine Liebe zur Töpferei wurde am gleichen Ort wie die Idee zur Teestube geboren. Auf dem Schloss Nickern nämlich. Während der wilden 90er organisierte Frank Kutschera als Vereinsmitglied Veranstaltungen mit und arbeitete in der Gastro. Ein Vortrag über die Wiener Kaffeehauskultur brachte ihn auf die Idee: Warum nicht stilvoll und gesellig auch Tee anbieten? Seine Premiere feiert das Teegadrom zum Schlossfest 1992 mit zwölf Plätzen in einem separaten Raum neben der Keramikwerkstatt von Erwin Werner, der Kutschera an das Handwerk heranführte.

Frank Kutschera, der Aufbrühmeister

Frank Kutschera, der Aufbrühmeister

Aus dem Raum wurde eine eigens gebaute Blockhütte, daraus ein im Fachwerkstil errichtetes Lehmhaus. „Das waren wilde Zeiten. Wasser aus dem Schlauch, ein Kanonenofen und keine Toiletten“, erinnert sich lächelnd Frank Kutschera.

Szenische Lesungen von „Wunschpunsch“ bis „Per Anhalter durch die Galaxis“, sowie Reisevorträge fanden regelmäßig statt. Damals, erzählt er, kamen die Leute vom „Schwarzen Schaf“ zu Gast nach Nickern. Man kam ins Gespräch und da das Konzept des Schloss-Vereins aufgrund von internen und Rathaus-Querelen kippelte, beschloss Kutschera im Jahr 2000 den Umzug in die Neustadt.

Ein Wechsel von der eingeschworenen Gemeinschaft zum Laufpublikum, der glückte. Als Untermieter des Schwarzen Schaf e.V. zog Kutschera in den langgezogenen Raum mit Geschichte. „Eine Fahrradselbsthilfewerkstatt war hier mal drin und es fanden Beachpartys statt, zu denen alles mit Sand ausgeschüttet wurde“, berichtet er.

Neben Tee, Wein, Bier und Knabbereien bietet Kutschera Spiele von klassisch bis exotisch an. Für Carom, eine indische Billardvariante, die auf einem quadratischen Feld mit Fingern gespielt wird, ließ er eigens Tische anfertigen. Getöpfert wird in illustrer Runde und über Rundfunkbeiträge diskutiert.

Blick ins kuschlige Innere des Teegadrom

Blick ins kuschlige Innere des Teegadrom

Auf den Tischen des Reservats für Nichtraucher und Teetrinker stehen zahlreiche Reserviert-Schilder und die Tassen-Unikate warten auf nächste Genießer. „Ich bin ein Freund der japanischen Teezeremonie. Je nach Jahreszeit benutzen die Japaner dickwandige oder dünnwandige Teeschalen“, erklärt Kutschera. „Zerbricht ein Gefäß wird es nicht weggeworfen, sondern mit Gold oder Silber wieder zusammengesetzt.“ So philosophisch kann ein Nachmittag im Teegadrom in den Abend ausklingen.

Teegadrom

  • Louisenstraße 44, 01099 Dresden
  • Öffnungszeiten: täglich 16 bis maximal 2 Uhr
  • Telefon 0351 7992741, www.teegadrom.de
  • Keramik-Ausstellung „Schräge Zeitgenossen“ vom 22. November bis 23. Dezember
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