Von wackligen Baugerüsten und Vormittagsgeräuschen

Mit einem lauten Knall und einer kleinen Staubwolke landet ein größerer Gegenstand in dem Bauschutt-Container. Ein Radfahrer, der verbotenerweise den Fußweg benutzt, erschrickt sich dabei derart, dass er mit der Schulter an der Stange eines Baugerüstes hängen bleibt. Das wackelt bedenklich und für einen Moment glaube ich, dass es gleich umstürzen wird.

Ich bin gerade auf einer kleinen Schlendertour durch die Neustadt und versuche den freien Tag zu genießen. Doch so richtig will es mir nicht gelingen rund um mich herum dröhnt und scheppert es. Auf der Alaunstraße fliegen, von Stahlseilen gezogen, schwere Betonplatten umher, in der Louisenstraße stoppt quietschend ein schwerer LKW mit noch mehr Baugerüsten vor meinen Füßen auf dem Gehweg. Eine Ecke weiter zischt mich eine Betonmischmaschine an und durch eine dicke Plastikröhre rasseln lautstark Unmengen an Bauschutt. Ich möchte nur noch flüchten. Es gibt Tage, da ist es wie verhext und alle Handwerker in der Neustadt scheinen sich verabredet zu haben, gemeinschaftlich zu lärmen. Glücklicherweise bin ich zu Fuß unterwegs, sonst könnte ich mich auch noch in die langen Schlangen der Autos einreihen, die geduldig abwarten, bis ein Schwerlastkran die richtige Lücke zum Wenden gefunden hat.

Andererseits freue ich mich natürlich über jedes Haus, das saniert wird und da wurde in den vergangenen Jahren schließlich schon eine Menge geschafft. Seit Kurzem wird auch endlich an einem Haus gebaut, dass ich schon längst aufgegeben hatte. Es ist eines der kleineren und älteren Häuschen auf der Louisenstraße, Anfang der 90er Jahre hatten dort ein paar Kinder gezündelt und der Löschstrahl der Feuerwehr hat fast den gesamten Rest zerstört. Jetzt wird alles bis auf die Fassade abgerissen, um diesen Schandfleck auch noch zu beseitigen.

Ach, und das wacklige Baugerüst, das jeden Moment auf mich einstürzen wollte, es hat es sich noch einmal anders überlegt und hielt sich an der Mauer des Hauses fest. Auch hier hat es neulich gebrannt, doch inzwischen ist schon ein neues Dach da und eine dicke provisorische Metalltür hält Eindringlinge von weiteren Feuerstreichen ab.


Anmerkung 2006: In dem beschriebenen Haus auf der Louisenstraße 46 ist inzwischen die Malwina eingezogen.


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