Mit dem Pfarrer auf die Spitze

Pfarrer Möller auf der Spitze der Martin-Luther-Kirche

Pfarrer Möller auf der Spitze der Martin-Luther-Kirche

Es ruckt. Schwingt kurz nach. Dann steht es. Ich setze die Kamera ab und muss mich erstmal festhalten. Ach was, mir wird doch nicht schwindlig. Gemeinsam mit Pfarrer Eckehard Möller bin ich auf dem Weg ganz nach oben. Zwei Drittel haben wir geschafft, jetzt steigen wir in den zweiten Fahrstuhl um.

Der Kirchturm der Martin-Luther-Kirche zeigt sich dieser Tage ganz in gelb, ist von Kopf bis Fuß eingerüstet. Der Grund: Der rund 80 Meter hohe und fast 130 Jahre alte Turm muss saniert werden. Pfarrer Möller, der früher selbst als Zimmermann gearbeitet hat, kennt sich aus. Er zeigt mir die alten Sandsteine. Wind und Wetter haben Spuren hinterlassen. Vor allem in den Fugen, die sind zum Teil tief ausgespült. Seit dieser Woche sind jetzt Steinmetze bei der Arbeit, kratzen die Fugen aus und verfüllen neu.

Die schadhaften Sandstein-Stellen werden abgetragen und durch neuen Sandstein ersetzt.

Die schadhaften Sandstein-Stellen werden abgetragen und durch neuen Sandstein ersetzt.

Ausgewaschene Sandstein-Teile werden ausgemeißelt und dann durch bis zu vier Zentimeter tiefe neue Teile ersetzt. Möller: „Insgesamt ist der Zustand besser als wir befürchtet hatten.“ Der Postaer Sandstein aus der Sächsischen Schweiz hält der Witterung auch in 80 Meter Höhe sehr gut stand. Ganz oben thront die Kreuzblume, die von unten immer wie ein schlichtes Kreuz aussieht.

Jetzt stehen obendrüber und genießen den Ausblick, der heute bis zum Großen Winterberg in der Sächsischen Schweiz reicht. Die umliegenden Neustadt-Häuser sind verschwindend klein. Möller erzählt vom Bau. Mit der Einrüstung des Turmes wurden die Turmfalken gestört. „Wir haben vier Junge gefunden, die wurden in eine Aufzuchtstation nach Kaditz gebracht.“ Möller verspricht, auch nach der Sanierung wird es Nistplätze für die Turmfalken geben.

Die Turmfalken-Babys konnten gerettet werden. Foto: Kirchgemeinde

Die Turmfalken-Babys konnten gerettet werden. Foto: Kirchgemeinde

Die Steinmetze fangen von oben an. Wir beobachten einen, der die ersten Risse an der Kreuzblume auskratzt. Stück für Stück soll der Turm dann von oben nach unten saniert werden. Das ist Handarbeit pur. „In sechs bis acht Wochen können wir wieder abrüsten“, schmunzelt Möller. Dann wird das Gerüst im Zuge des Baufortschritts abgebaut. Wenn die Arbeiten abgeschlossen sind, wird man die Sanierung auch von unten sehen, denn die ersetzten Sandsteinstellen leuchten dann hellgelb. Apropos gelb. Das der Kirchturm jetzt angeblich in Dynamo-Farbe leuchten soll, sieht Möller nicht so ganz ein. „Fußball ist ja ganz nett, aber unser Turm ist für alle da“, widerspricht er dem Bericht einer Boulevard-Zeitung, die von göttlichem Beistand für den Dresdner Zweitligisten spricht.

Im Zuge der Turmsanierung wird auch eine Glocke repariert. Die ruhen übrigens derzeit. „Ich habe schon Beschwerden bekommen, dass es so ruhig ist“, schmunzelt der Pfarrer. Repariert werden muss wohl auch die Turmuhr. Ein nächtlicher Kletterer fand es offenbar sehr lustig, an den Zeigern zu drehen. Das müssen wir nun auch wieder reparieren lassen.

Auch deswegen lassen sich die genauen Kosten für die Sanierung noch nicht genau beziffern. Zuletzt wurde etwa eine Million geschätzt, aber der aufwändige Gerüstbau hat die Kosten in die Höhe getrieben. Mit rund 400.000 Euro beteiligen sich der Bund und der Freistaat Sachsen mit Fördermitteln an der Sanierung.

Martin-Luther-Kirche

    Die Kirche ist eines der Wahrzeichen der Neustadt. Sie wurde erbaut, kurz bevor das Viertel zum Sprung ansetzte: zwischen 1883 und 1887. Für die Kirche wurden verschiedene Baustile vermischt. Während der Rundbogen an der Seite an die Romanik erinnert, deuten die Proportionen eher auf die Gotik hin. Mit ihren 54 Metern Länge und 27 Metern breite füllt sie den Platz gut aus. Kein Wunder, die Häuser rundherum sind allesamt erst später entstanden. Der Turm ist 81 Meter hoch. Im Inneren finden bis zu 1400 Besucher Platz.

    Informationen zum Baufortschritt gibt es auf der Website der Gemeinde unter: www.kirchspiel-dresden-neustadt.de.

linie

6 Kommentare zu “Mit dem Pfarrer auf die Spitze

  1. Mariesche
    21. Juli 2016 at 10:23

    Um DIESE Turmbesteigung (und die Fernsicht) beneide ich dich! Aber nicht um die Aufzugfahrt…

  2. 23. Juli 2016 at 05:59

    haste auch nen Video gemacht? denn wer darf schon legal den Turm besteigen(befahren) ?!

    grussi…….

  3. 26. Juli 2016 at 10:44

    Gefahrlos nach oben? Das kann man sich per Youtube ansehen.

  4. 26. Juli 2016 at 15:05

    geiles Video……jetzt weis man auch wofür die Palisaden sind !!! sollen Spanner abhalten——->ist ja ne super Aussicht bei Sonnenschein

    grussi……..

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

linie