Massenhaft Junggesellen-Abschiede

Die tun doch nix, die wollen doch nur Spaß haben. – So in etwa versucht mich mein Begleiter zu beruhigen. Vor Ronny’s Ranch, ja der Laden mit dem Ronny-Apostroph, mitten auf der Alaunstraße hat ein Partymeister eine hammermäßiges Schlaginstrument aufgebaut und veranstaltet Trinkspiele. Wunderbare Rummelplatz-Atmosphäre. Hau drauf – und Du bekommst ein Freibier. Die Botschaft scheint man auch zu verstehen, wenn man schon ein Dutzend Kurze intus hat.

Dahinter tönt rammeldösiges Disco-Gedudel aus dem winzigen Lädchen. Das, so ein Plakat, möchte gerne ein Saloon sein. Wo sind Pistoleros, wenn man sie mal braucht? Die fordernden Rufe des Einheizers, per Funkmikrofon verstärkt, und der Dudelsound wirken magisch auf uniform gekleidete Burschen und Mädel. Ich zähle vier verschiedene Truppen. Die mit den Schleifchen in den Haaren sind die Jungfern, neudeutsch Junggesellinnen, die ihren Polterabend auf die Straße verlegt haben.

Klopper-Spiel vorm Ronny
Klopper-Spiel vorm Ronny
Nun glucksen, giggeln, gröhlen, kichern und poltern Burschen und Mägdelein um die Wette. Einer haut mit dem Hammer so hart daneben, dass noch nicht einmal das Schwein pfeift, geschweige denn die Gans den Gewinn zweiter Biere verkündet. Juchhei, was für ein Spaß. Die Traube drumherum wächst. Ein Durchkommen für Autos auf der Alaunstraße wird komplizierter, zumal von der anderen Seite das Ende die Schaubuden-Schlange mit dem Popo wackelt und Scheunen-Vorplatz sich in ein riesiges Fahrrad-Lager verwandelt hat.

Junggesellen-Abschied

Derartige Junggesellen-Abschiede haben in den vergangenen Jahren signifikant zugenommen, der Trend aus England nervt vor allem an Sonnabenden Neustadt-Besucher und Gastropersonal. Kostümierte Weiber und Kerle ziehen trunkig durch die Gassen und erbetteln milde Gaben oder nerven mit platten Scherzen. Besonders beliebt der Spruch an der Club-Tür: „Dürfen wir umsonst rein, wir sind einzigartig und sorgen auch für tolle Stimmung.“ Eiskalte Türsteher-Retourkutsche: „Ähm, nö.“

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Also tummeln sich die saufenden Kleingruppen auf der Straße, kein Problem bei prima Wetter und günstigem Spätshop-Alkohol-Nachschub. Und wenn dann noch ein Ronny-Magnet mit Bumm-Bumm und Freibier lockt, wird es eben voll in der Gasse. Könnte jetzt nicht spontan ein Pfarrer erscheinen, die Trunkenen trauen und somit das Ritual beenden?

Fahrradlager vor der Scheune
Fahrradlager vor der Scheune

15 Kommentare zu “Massenhaft Junggesellen-Abschiede

  1. *grins* schön ist solch eine Feier ganz bestimmt und alle was an den folgenden Tage kommen mag. Ich wünsche all denen echt viele Kinder und viel Glück, jedoch, ich weiß nicht wie viele es mögen sein, die vorher vergessen das Geld für die Scheidung zu sparen ;-) da lass ich lieber die Maschine laufen und dreh am Hahn, denn wenn die Braut mal kreischt, dann braucht sie einen Ölwechsel und ZZ-Top wird’s richten … anders ist’s bei der eigenen Frau, wenn Mann der Meinung ist, Sie braucht einen Ölwechsel, dann ist Mann gleich sexistisch *grins*

  2. Lieber Anton, tu mir das bitte nicht an! Wer meint, sich derart von seinem (ihren) bisherigen Allein-Leben verabschieden zu müssen, sollte besser nicht heiraten. Ich versuche allen Brautpaaren immer klar zu machen: Ihr WOLLT, aber ihr müsst nicht heiraten. Ergo: sogenannte Junggell(inn)en-Abschiede sind einfach zeitlos daneben.
    Wer Rückfragen hat, melde sich gern bei mir zum Traugespräch: 898 5131.

  3. “ Ergo: sogenannte Junggell(inn)en-Abschiede sind einfach zeitlos daneben.“
    – Auf jeden Fall. Aber, obwohl sie auch voll daneben sind, passieren Kriege ja auch immer mal wieder.
    Ich sehe die Teilnehmenden solch illustrer Kreise primär als Opfer informell tradierter Sinnzusammenhänge und ruraler Denkmuster. Während des Rituals soll es durch Auto- und Fremdsuggestion angeblich immer wieder mal zu paraeuphorischen Gefühlen kommen. Naja, ich denke dann immer an Gerhard Schönes „Neben mir“.
    Da braucht es schon mehr als einen Pfarrer um den Bann zu brechen. Oder wie meine Oma gesagt hätte: „Dat könn‘ die Kinners nu selber deichseln.“

  4. Inzwischen zwar erlaubt, aber stilistisch eher ne Wurfpizza, der D-Apopstroph, also find‘ ich …“Ronny’s seine Ranch“, aua, „auch Sonntag’s offen“, „Car’s and Part’s“, ich hör schon auf.

    Es empfiehlt sich immer, auch beim kleinsten Verdacht, solche Junggesellengruppen großräumigst(ens!) zu umgehen, lustig finden die sich nur immer selber. was rein geistig betrachtet auch ein ziemliches Rätsel ist

  5. Ein Ronny-Apostroph ist ein falsch gesetzter Apostroph, der von einer bestimmten Gesellschaftsschicht, deren Angehörige oft auf Namen wie Ronny, Cindy, Marcel, Dennis, Kevin, Chantalle, Jasmine etc. hören, gesetzt wird.

    Vorzugsweise verbindet der Apostroph einen Namen mit eine grammatikalisch erforderlichen „s“ (Kevin’s Wurstbude). Zunehmend wird auch das Plural-s mit einem Apostroph geschmückt (zuletzt im Raskolnikoff gesehen: Filet’s vom Rind).

    Vor einer wörtlichen Ernstnahme des Begriffs wird behördlicherseits gewarnt.

  6. „[…]Der Apostroph kann dort gesetzt werden, wo jemand ein Gewerbe eröffnen und dazu ein Schild mit Genitiv anbringen will (aber nur dann):

    Bellini’s Bar; Gerti’s Grillstation; Willi’s Weinkontor[…]“

    http://www.spiegel.de/kultur/zwiebelfisch/zwiebelfisch-abc-der-gebrauch-des-apostrophs-im-ueberblick-a-283781.html

    @Walter: von welchen Gesellschaftsschichten sprechen Sie und was hat das mit den Vornamen zu tun? Kenn Sie Menschen aus diesen Schichten und / oder mit diesen Vornamen und wie nutzen diese den Apostroph? Woher nehmen Sie Ihr Wissen um den Apostroph?

  7. @apo’stroph ;) und walter:
    Hier kann man das ganze Elend miterleben: http://www.deppenapostroph.info/ (denn dieses Phänomen ist auch in anderen Namenskreisen zu finden)

    Allerdings ist es im Fall von „Ronny’s Ranch“ ganz korrekt, da es sich um 2 englische Wörter handelt und im Englischen wird besitzanzeigendes stets mit Apostroph geschrieben.

  8. Der schlimmste Deppenapostroph aller Zeiten war am Drachenfels das „Winzerstüb’chen“ – darauf muss man erstmal kommen.

  9. BALLERMANN-DRESDEN-NEUSTADT…..überall Ronny`s.
    Tja, da kann man den Betreibern nur danken….Es war ja klar was das für ein *** laden wird, und auf welches Publikum er abzielt.
    Zum Glück gibt es noch Läden, die keine Ronny`s und Peggy`s in Uniform rein lassen. Aus gutem grund !!!

  10. Genauso daneben, wie die Unsitte, dass der Vater die Braut zum Altar schleppt und quasi in die Hand des Mannes gibt. Ich frage mich schon, was da für ein Frauenbild dahinter steckt.

    @Anton: das mit dem spontanen Pfarrer ist nicht so einfach, weil (zumindest in der evangelischen Kirche) der Trauung die standesamtliche Eheschließung vorausgehen muss. Andererseits sind die Junggesell*innen wahrscheinlich so besoffen, dass sie ohnehin nichts mehr merken…

Kommentieren gern, aber bitte recht freundlich.

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