Diskussion zur Königsbrücker Straße

Ausbau Königsbrücker Straße: Seit 23 Jahren keine Sanierung: die Königsbrücker Straße

Seit 23 Jahren keine Sanierung: die Königsbrücker Straße – Foto: Archiv

Heute Abend findet in der Schauburg eine öffentliche Diskussion der neuen Varianten zur Sanierung der Königsbrücker Straße statt. Im Podium stehen für Fragen zur Verfügung: Johannes Lichdi (Grüne), Martin Schulte-Wissermann (Bürgerinitiative „Königsbrücker muss leben!“), Olaf Matthies (ADFC Dresden), Andreas Neukirch (DVB) und Reinhard Koettnitz (Leiter Straßen- und Tiefbauamt).

Die Veranstalter wollen damit den Auftakt geben zum öffentlichen fachlichen Austausch über die drei aktuellen geprüften Varianten. Neben einer Vierspur-Variante (V 7), hat die Verwaltung auch zwei Zwei-Spur-Varianten geprüft (V 8.7 und V 8.4). Diese werden vorgestellt und können dann öffentlich diskutiert werden.

Ausbau Königsbrücker Straße – Die Varianten im Überblick

V7 – durchgängig vierspurig, Fahrbahnbreite bis zu 17,50 Meter (von Bord zu Bord, heute: 10 Meter), durchgehend Radverkehrsanlagen, schmale Gehwege, kein eigenes Gleisbett.

V8.4 durchgängig zweispurig, Fahrbahnbreite außerhalb Haltestellen mit 10,50 Meter bis 12,50 Meter geringfügig breiter als heute (10 Meter), durchgehend Radverkehrsanlagen, die breitesten Gehwege, Radweg nördlich Paulstraße, teilweise durch historische Baumallee, kein eigenes Gleisbett

V8.7 – fast identisch der V8.4 im Kernbereich (Louisenstraße bis Bischofsweg), Verlegung Haltestelle (stadteinwärts) vor Schauburg, Nördlich Bischofsweg und südlich Post der vierspurigen V7 sehr ähnlich – allerdings dort mit eigenem Gleisbett für die Bahn.

Die Variante 7 ist die, die vom alten Stadtrat unter schwarz-gelb im April 2014 beschlossen wurde, detailierte Infos zu dieser Variante in der Neustadt-Geflüster-Analyse.

Die Variante 8.4 ist aus der absoluten Minimal-Variante 8.2 (Straße bleibt so breit, wie sie ist) hervorgegangen. Wesentlich für diese Variante ist, dass sich an Engstellen Bahn und Kraftfahrzeuge eine Spur teilen. Diese Variante wird von der Bürgerinitiative „Königsbrücker muss leben!“ bevorzugt.

Variante 8.4 ist die Weiterentwicklung von 8.2

Variante 8.4 ist die Weiterentwicklung von 8.2

Die breiteste Zustimmung erhält jedoch derzeit die Variante V8.7. Die Engstelle wird zwischen Katharinenstraße und Bischofsweg sein. Dort teilen sich Straßenbahn und Autos einen 7,10 Meter breiten Streifen. Daneben verlaufen die Radwege (in nördliche Richtung 2,95 Meter in südliche Richtung 2 Meter) und daneben gibt es Parkbuchten.

Querschnitt nördlich der Louisenstraße

Querschnitt nördlich der Louisenstraße

Im südlichen Bereich zum Albertplatz hin soll die Straßenbahn eine eigene Trasse bekommen.

Querschnitt südlich der Katharinenstraße

Querschnitt südlich der Katharinenstraße

Auch nördlich des Bischofsweges ist dann wieder eine eigene Trasse für die Straßenbahn geplant.

Querschnitt nördlich der Tannenstraße

Querschnitt nördlich der Tannenstraße

Ausbau Königsbrücker Straße, Variante 8.7 Details

  • Die Straßenbahnhaltestelle am Bischofsweg wird nach Süden verlegt. Die Bahn hält dann stadteinwärts direkt vor der Schauburg. Linksabbiegen wird es an dieser Kreuzung nicht mehr geben.
  • Stadteinwärts ist am Bischofsweg eine extra Rechtsabbiegerspur geplant
  • Zwischen Albertplatz und Katharinenstraße bekommt die Straßenbahn ein eigenes Gleisbett. Die Kreuzung zur Katharinestraße eine Ampel.
  • Die Kreuzung zur Tannenstraße erhält ebenfalls eine Ampel, dort ist in der stadtauswärtigen Richtung ein Linksabbiegespur geplant.
  • Auch an der Eschenstraße soll es eine Ampel geben.
  • An der Louisenstraße soll es stadtauswärts eine Linksabbiege-Möglichkeit geben.

Alle Beiträge zu den scheinbar endlosen Planungen unter #köbrü

Im Mai soll es eine Bürgerversammlung zum Thema geben, danach kann dann der Stadtrat entscheiden.

Diskussion in der Schauburg

  • Donnerstag, 21. April, 19:30, Kino Schauburg, Königsbrücker Straße 55, 01099 Dresden

 


Nachtrag: Winfried Schenk von Menschen-in-Dresden.de hat die Veranstaltung besucht und einen Bericht darüber geschrieben.

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22 Kommentare zu “Diskussion zur Königsbrücker Straße

  1. Erik
    21. April 2016 at 17:57

    Die utopische Vorstellung, es würde diesen Auto- Individualverkehr- Wahn nicht mehr geben und welche Konsequenzen das auf das Stadtbild und demzufolge auch auf die Planung der Königsbrücker Straße hätte, macht mich sooooooo wehmütig…

    Ich will endlich Zukunft. Jetzt, heute, spätestens übermorgen :(

  2. ScheunenVorplatzKehrer
    21. April 2016 at 21:00

    … °°°[Gedankenblase] °°°
    „hoffentlich machen das dort andere Architekten, als die, die das hier verzapft haben“ … [Blobb]°°`

  3. Trebtoot
    21. April 2016 at 22:56

    Verlegt die Straßenbahn unter die Königsbrücker. Die Gr-Meissner vor den Goldenen Reiter Einspurig mit Ampelreglung.
    Für Radfahrer immer Grün. Wer setzt hier seine Duftspur?
    weitere 20 Jahre. Let it be?!?

  4. Zackbäm
    22. April 2016 at 10:58

    Diesen Sommer kann der Stadtrat entscheiden… naja, das sehe ich noch nicht :D

    Weiß man eigentlich schon, wie dann überhaupt gebaut wird? Alles auf einmal? Abschnittsweise? Abschnittsweise hätte den Vorteil, dann könnte die Linie 7/8 zeitweise über Bhf. Neustadt umgeleitet erst mal weiterfahren.

  5. 22. April 2016 at 13:02

    Soweit ist natürlich noch keine Planung, aber alles andere als abschnittsweise kann ich mir nicht vorstellen.

  6. Oliver
    22. April 2016 at 16:31

    Ausserdem sollte die Königsbrückerstrasse endlich für Radfahrer gesperrt werden.

  7. Erik
    23. April 2016 at 12:57

    Die Königsbrücker Straße solle endlich für Radfahrer gesperrt sein? Ich hoffe, du meinst das zynisch-ironisch!

    Ich brauche außer Lieferverkehr, ÖVM und Rettungsdienste keine Autos in der gesamten Neustadt, vielleicht sogar der ganzen Stadt. Unterhält man sich mit „liberalen“ Autofahrern, fällt auf, dass die wenigsten überhaupt noch die Fantasie besitzen, sich eine autofreie Stadt vorzustellen. Sämtliche Vorzüge, wie frische Luft, herrliche Ruhe, Sicherheit für Kinder, mehr Platz etc. scheitern an dem Todschlagargument der Bequemlichkeit. Und so parken alle fleißig weiterhin vor der Haustüre und Park-and-Ride- Konzepte verschwinden in Schubladen, wo auch andere Utopien wie kostenlose ÖVM und selbstverwalteter Wohnraum neben Rakenrucksäcken verschwinden.

    Es ist ein Jammer und ich hoffe, meine Kinder fragen mich in 20 Jahren, warum wir so einen Schwachsinn fabriziert haben…

  8. 23. April 2016 at 13:55

    „Ich brau­che außer Lie­fer­ver­kehr, ÖVM und Ret­tungs­dienste keine Autos in der gesam­ten Neu­stadt, viel­leicht sogar der gan­zen Stadt.“

    Was Sie brauchen ist zum Glück nicht relevant. Wenn ich mir so Ihre Äußerungen aber auch anderer Dresdner Mitbürger ansehe/höre (deren Lautstärke umgekehrt proportional zum Bevölkerungsanteil steht) speziell in Diskussionen um diverse Baugeschehen oder wie das unrettbare Abendland nun zu retten ist, möchte ich mich häufig nur noch in embryonaler Haltung in einer Ecke zusammenkuscheln und leise weinen.

    Auf der anderen Seite erheitert mich fast nichts so sehr, denn mit ihren Elaboraten stützen sie meine These: Das Dresdner Bürgertum ist vom Selbstverständnis mental so eingerichtet wie es sein muss, um mit genauer Not bestehen zu können. Wäre es noch etwas beschränkter würde die Stadt nicht mehr funktionieren.

    PS, @Anton: mal ein riesiger Dank an Anton für die Sammlung und Auflistung zu diesem dystopischen Beispiel Dresdner Realpolitik.

  9. Erik
    23. April 2016 at 15:40

    Ich nehme an, dass Ihr Klassifizieren in Stereotypen auch mit Ihrem Status zu tun hat. Das „Bürgertum“ schrumpf gewaltig und die allermeisten von Ihnen fürchten sich hier wohl, im Modell der Gesellschaftsschichten abzusteigen. Und solange das Auto als praktisches Statussymbol noch eine gewisse Zugehörigkeit beweist, stellt sich die Frage nach Alternativen wohl erst gar nicht. Viel schlimmer noch: Noch nicht mal eine argumentative Sprachebene ist zu wählen, wenn man mit Utopien konfrontiert wird. Stattdessen reicht eine Diffamierung aus; echt arm.

    Wer ist hier in Wahrheit beschränkt und woher nehmen Sie die Annahme, ich würde „lautstark“ argumentieren?
    Und apropos Elaborat: Was spricht gegen eine sachliche Stellungnahme und den Ausdruck einer Sehnsucht bzw. der eigenen Meinung, erst Recht auf dieser Plattform?

  10. Erik
    23. April 2016 at 18:13

    … Und weil es mich immernoch wurmt:

    Zum Glück gibt es Städteplaner anderswo, welche die Zeichen der Zeit verstanden haben und zukunftsorientiert planen; im übrigen auch zur Freude des örtlichen Gemeinwesens, der Tourismusbranche, vom Gesundheitszustand ihres „Bürgertums“ mal ganz abgesehen.
    Wenn diese real existierenden Vorbilder in Ihren Augen Dystopien sind, dann wird mir einiges klar. Und Sie werfen unbekannten Kommentatoren Beschränktheit vor? Starkes Stück…

  11. Zackbäm
    23. April 2016 at 23:43

    Tja, wenn der ÖPNV mal so schnell wäre wie das Auto, würden vielleicht weitaus mehr Leute damit fahren…

    Nach fast 10-jähriger werktäglicher ÖPNV-Nutzung kann ich jeden verstehen, der lieber mit dem Auto fährt.

  12. 24. April 2016 at 13:22

    Sehnsüchte dürfen Sie äußern. Nur wundern Sie sich nicht wenn es dann Kommentare welche Ihnen nicht gefallen. Sehnsüchten kann man auch nicht argumentativ begegnen weil sie keine Argumente beinhalten sondern einen Idealen Ist-Zustand beschreiben. Ist wie mit Äpfeln und Birnen. Von einem Individual-Verkehr freien Dresden dürfen sie ja träumen. Dagegen argumentiere ich ja nicht (das sie vom Zustand autofreies Dresden träumen).

    Mein Argument zielt auf die reale Umsetzung ihres Traums den sie einfordern: Die meisten Einwohner Dresdens könnten ihren Alltag dann nicht mehr realisieren. Und kommen sie mir nicht mit Fahrradfahren: Das geht ca 1/3 der Zeit im Jahr, danach ist es zu dunkel/naß/kalt dafür. Oder ÖPNV (mit z.B. Park&Ride): guter Ansatz wenn ich dadurch nicht zuviel Zeit verlieren würde (Umsteigzeiten, nicht ideale Routen etc.). Möglicherweise hilft der technische Fortschritt (selbstfahrende E-Autos die ich per App bestelle), aber persönlich glaube ich nicht daran (technisch möglich in xx Jahren, aber annehmen wird das kaum Einer, aber das wäre eine andere Diskussion).

    Ich selbst z.B. habe kein Auto und erkaufe mir das mit >>8h ÖPNV pro Woche, d.H. ich habe ca 50 Wochenarbeitsstunden. Eine Familien wo beide Erwachsenen arbeiten und z.B. 2 Kinder haben (viele in meinem Bekanntenkreis) können sie so etwas ohne Auto nicht zumuten.

    Ich leiste mir das weil für mich der finanzielle Gewinn einfach überwiegt (das Abschröpfen der Autofahrer ist ja nun mal staatliche Wegelagerei). Ich erkaufe mir das allerdings mit wertvoller Lebenszeit.

    Und dann kommen z.B. noch die welche denken die Weisheit mit Löffeln gefressen zu haben und veranstalten auf der Königsbrücker Fahrrad-Demos zum Freitag-Abend Pendelverkehr (einschließlich Behinderung des ÖPNVs). Oder nehmen einen aus reiner Ideenlosigkeit in Geiselhaft (Streiks im ÖPNV). Solidarität und Kompromissbereitschaft einfordern sieht anders aus.

    Das Auseinandersetzen mit Argumenten beinhaltet übrigens das verstehende Lesen von Texten. Ich kenne z.B. nicht genau für welche der zig Varianten Sie gerade schwärmen (auch wenn ich mir es denken kann). Aber das Sie meinen ich würde nur die von ihnen befürwortete Variante ohne Argumente ablehnen ist einfach nur auf jeder Ebene falsch. Mit Dystopie meine ich nicht Version X oder Y, sondern das man nun schon bei Version 8.x ist (http://www.neustadt-ticker.de/tag/kobru). Die Dresdner sich also nicht auf eine Variante einigen können. Und einigen können sie sich nicht weil sie strukturell nicht kompromissfähig sind, also in ihrer Betonköpfigkeit / aus ihrer Ideologie heraus dazu nicht fähig sind und woran ich daher verzweifeln möchte.

    BTW – mein Status (weil Sie den ansprachen) war schon immer der Lohnabhängige und Besitzlose (an Arbeitsmitteln, Geld auf dem Konto alleine zählt nicht dazu). Nach strenger Definition also Proletarier. Ich kann es mir einfach nicht leisten mich als Mitglied des Bürgertums zu fühlen. Das wäre gegen meine Interessen ein auskömmliches, halbwegs ruhiges Leben haben zu wollen.

    Das Bürgertum schrumpft übrigens kaum. Nur Diejenigen, welche dachten das sie zum Bürgertum dazugehören (So wie Sie? oder besitzen sie Firmen, Aktien etc? wenn ja: Glückwunsch, sie sind Bürgertum) werden mit der Realität konfrontiert das sie eben genau nicht dazu gehören. Was als schrumpfen, abrutschen etc. wahrgenommen wird. Wenn die Lebensrealität in das eigene Weltbild einbricht erzeugt das sicherlich Wut, Angst und Selbstbetrug (siehe fast jeden Montag). Leider nicht eine rationale Auseinandersetzung mit der eigenen Situation.

  13. Erik
    25. April 2016 at 13:59

    Da ist mir zuviel in einem Topf.

    Die Kritik am Planungsverfahren hat meiner Meinung nach in unserer Diskussion ebensowenig zu suchen wie die Radfahrdemos der CriticalMass. Letztere benutzen das einzig wirksame Mittel, um auf einen Missstand und ständige Gefährdung durch Rücksichtslosigkeit oder sogar Unkenntnis aufmerksamsam zu machen. Das Planungsverfahren mag schlecht organisiert sein, stellt auf der anderen Seite durch eine (teil)offene Diskussion eine Partizipation sicher und ist Ausdruck unserer Demokratie. Und dann lieber länger und teuer planen, um ein umso besseres Ergebnis zu bekommen. (Hinterher ändern ist zudem noch teurer und i.R. auch frustrierender!)
    Beide Punkte sind interessant, aber für die Diskussion m.M.n. zu „weitläufig“.

    Davon abgesehen bin ich nicht der Meinung, dass es für das Fahrrad (oder E-Bike) zu dunkel, zu kalt oder zu nass etc. sein könne. Entscheidend ist eine einladende Infrastruktur, womit wir wieder bei einer Trasse in die Innenstadt und der Königsbrückerstraße wären. Andere Städte wie Kopenhagen oder Portland machen vor, wie solche Strukturen aussehen können und wie sie genutzt werden (im Übrigen nicht nur von jungen Studenten*innen. Die Zahlen sprechen für sich. Für alle, die von weiter weg kommen, zeitlich unter Druck stehen oder körperlich nicht in der Lage sind, sollten eben Park-and Ride- Möglichkeiten zur Verfügen stehen. Platz ist genug da und auch die Infrastruktur in Dresden ist engmaschig und könnte sich einer vergrößerten Nachfrage sicherlich auch anpassen. Deswegen kann ich ihre Gegenargumente nicht wirklich nachvollziehen.
    Vielleicht ist es das, was ich unter mangelnder Fantasie verstehe.

    Andersherum könnte man fragen, was passieren würde, wenn kein Sprit mehr (zu diesem Preis) verfügbar wäre. Würde dann alles kollabieren? Nein, sicher nicht. Und der Grund ist m.M.n., dass sich die Leute zu helfen wüssten und Alternativen suchen und finden würden.
    Also scheint schlicht die Notwendigkeit zu fehlen, etwas ändern zu müssen. Und diese Misere, um wieder auf Utopien zurückzukommen, findet sich auch in anderen Bereichen (Müll und Verpackung, Kühlketten, Herstellungsprozesse, Globalisierung).

    Mir ging es niemals darum, „den schwarzen Peter zu verteilen“. Aber wenn mich jemand aufgrund der Utopie (eben nicht Dystopie) einer fahrradfreundlichen oder gar autofreien Stadt als beschränkt diffamiert oder gar meint, solche „Sehnsüchte“ oder Wünsche wären realitätsfern oder ihnen könnte nicht argumentativ begegnet werden, fühle ich mich herausgefordert.

    Ihre Argumentation bringt i.m.A. die Schwierigkeiten und Probleme der Umsetzung auf den Punkt und bestätigt anderseits die Theorie des mangelnden Interesses oder der Fantasie, Schritte zu gehen, wie sie bereits vielerorts erfolgreich gegangen wurden.

    (A mind doesn´t work unless it´s open. -Frank Zappa)

  14. Karsten
    25. April 2016 at 19:17

    @Thorsten Gorch: Ein wunderbarer Beitrag von Dir. Besser hätte man es wirklich nicht beschreiben können.

    Gewiss, die Neustadt hat alles auf einem Fleck. Es gibt sämtliche Möglichkeiten, (fast) alles mit dem Rad zu besorgen und zu erledigen. Darüber hinaus natürlich wohnen hier viele Leute, die sehr viel Zeit haben. Was Arbeit, Arbeitsstellen und Arbeitswege bedeuten wissen sie genauso wenig, wie „größere Besorgungsmengen“ und Beförderungszwänge. Ebenso darf man bezweifeln ob sie bereit sind, Verantwortung für andere Menschen übernehmen. Und wenn es nur häufig zu besuchende, weil hilfsbedürftige Eltern oder Großeltern sind. Und die wohnen zumeist nicht in der Neustadt.

    Aber so ist das. Wenn man sich selbst für das Maß aller Dinge hält, dann hält man auch die Neustadt für die gesamte Welt. Man ist wohl gar nicht Willens sich vorzustellen, dass es auch noch andere Sachverhalte gibt. Alles außerhalb des eigenen Tellerrandes ist mindestens egal. Wenn es nicht sogar -mit Grund oder nur zum Spaß der Besserwisserei- mit aller Gewalt bekämpft wird.

    Nun, einmal mehr frage ich mich, ob es uns noch auf die Füße fallen wird. Die modernen Methoden der Erziehungsvermeidung mein ich. Und das Verhätscheln der Kinder, bis zum völligen Verlust des Integrationszwanges in Gemeinschaften und des Respektierens anderer Meinungen und Entscheidungen.

    @Erik, ein Tipp: Mein Vater lehrte mich, dass man im Winter kein Rad fährt. Erstens schädigt man sich auf Dauer die Gelenke. Und spätestens, wenn man sich durch einen Glättesturz die Knochen oder gar die Knie gebrochen hat, weiß man Bescheid. Natürlich kann man dann versuchen, anderen die Schuld in die Schuhe zu schieben. Aber ob’s helfen wird? ;-)

  15. Sebastian_1972
    26. April 2016 at 10:26

    @Thorsten Gorch: ein „Indi­vi­dual-Ver­kehr freie[s] Dres­den“ hat niemand jemals gefordert. Anscheinend verstehst du unter „Individualverkehr“ nur Autoverkehr, was nichts über den Verkehr in Dresden, aber viel über deine Einstellung zu verkehrspoltischen Fragen aussagt. Radverkehr? Fußverkehr? Alles kein Individualverkehr?

    Bemerkenswert auch die Aussage „Die meis­ten Ein­woh­ner Dres­dens könn­ten ihren All­tag dann nicht mehr rea­li­sie­ren“. Der Autoverkehrsanteil in Dresden liegt bei 39 % und sinkt seit über 10 Jahren kontinuierlich – obwohl man in dieser Zeit alles getan hat, um das Autofahren attraktiv zu machen. Ein sehr großer Teil aller Dresdner (und das nicht nicht nur die Einwohner der Neustadt!) benutzen in ihrem „Alltag“ gar kein Auto, sehr viele haben noch nicht einmal eines (und zwar, @Karsten, auch sehr viele Berufstätige).

    In der Königsbrücker geht es aber derzeit gar nicht um die stark sinkende Bedeutung des Autoverkehrs in Dresden (die neueste Prognose der Stadt Dresden sagt bis 2030 einen Rückgang des Autoverkehr um noch einmal ein Fünftel voraus). An der Königsbrücker geht es derzeit schlicht um die Akzeptanz des jetzt bereits bestehenden Faktischen: Die Autofahrer sind dort in der deutlichen Minderheit, was nur nicht auffällt, weil diese so viel Platz beanspruchen. Dort sind schon mehr Fußgänger unterwegs als Autofahrer, von der Summe aus ÖPNV-Nutzern, Fußgängern und Radfahrern mal ganz zu schweigen. Und dafür bin ich zu sehr Demokrat, um zu akzeptieren, dass in einer Straße mit 12.000 Autofahrern, aber ungefähr 30.000 Fußgängern und Radfahrern die Autofahrer 75 % der Fläche bekommen.

  16. 26. April 2016 at 11:24

    @Sebastian_1972: Welche Studie oder Untersuchung liegt denn Deiner Aussage „Der Autoverkehrsanteil in Dresden liegt bei 39 %“ zugrunde? Falls Du Dich da auf den modal split beziehst, sollte man vielleicht auch erwähnen, dass diese Aufschlüsselung, die Länge der Wege nicht berücksichtigt.

    Das heißt, die 39 Prozent sind der Anteil an den einzelnen Wegen, aber nicht der Anteil an der zurückgelegten Strecke. Meiner Meinung nach ist das Sinken des MIV-Anteils (in zehn Jahren 4 Prozentpunkte) sehr gering. Was aber kein Wunder ist, denn für mittlere Wege (mehr als fünf Kilometer) ist das Auto in Dresden fast zu jeder Tageszeit das schnellste Verkehrsmittel.

  17. Vorbeifahrer
    26. April 2016 at 17:33

    @Karsten: Knie brechen?
    Respekt, du scheinst ja wirklich der ganz große Auskenner zu sein…

  18. Sebastian_1972
    26. April 2016 at 22:01

    @Anton Launer: Natürlich bezieht sich das auf das Verkehrsaufkommen, alles andere ist einer Stadt sinnfrei (und wird m.W. auch fast nie genutzt): Wenn man die gefahrenen Kilometer nimmt, kommen (nicht nur für den Autoverkehr, sondern auch für den öffentlichen Verkehr) sehr hohe Werte raus, von denen aber ein Großteil nicht in Dresden, sondern auf Autobahnen (oder Fernzugstrecken) irgendwo außerhalb Dresdens zurückgelegt wird. Für die städtische Verkehrsplanung ist das unwichtig, ob die Dresdner am Brenner im Stau stehen oder nicht kann die städtische Verkehrsplanung nicht beeinflussen. Entscheidend ist vielmehr, dass die Leute in Dresden gut ans Ziel kommen – und da spielen die kurzen Wege zur Arbeit, zum Einkaufen oder zum Sportplatz eine viel größere Rolle als die relativ wenigen, weiten Fahrten, die den Schnitt der Wegelängen in die Höhe treiben.

    Denn: „mittlere Wege“ sind [in Dresden, wie in allen Großstädten] mitnichten mehr als fünf Kilometer lang, von allen Autofahrten sind deutlich weniger als die Hälfte fünf Kilometer oder länger.

  19. 26. April 2016 at 23:52

    @Sebastian: muss ich mir dafür die Quelle wieder selber suchen?

    Ich empfinde das als etwas unfair, in einer solchen Diskussion verkehrswissenschaftliche Theorie-Gepflogenheiten vorauszusetzen.

    Und was Überlandstrecken jetzt mit dem Stadtverkehr zu tun haben sollen, ist mir auch unklar.

    Aus meiner Sicht krankt der modal split an genau den vernachlässigten Weglängen. Denn in Summe werden in Dresden sicher mehr Kilometer mit MIV und ÖPNV zurück gelegt als mit Rad oder per Pedes, so dass die von Dir eingangs erwähnten 39 % ein falsches Bild zeichnen.

  20. E-Haller
    27. April 2016 at 11:52

    Interessante Diskussion. Ich habe mich mal bisschen schlau gemacht – tatsächlich gibt es einen Wert, der Antons Problem eher berücksichtigt: „Verkehrsleistung“. Demnach werden mit dem Rad im Durchschnitt 1,7 km/ Person und Tag zurückgelegt, mit dem Kfz 12,6 km, ÖV 5,3 (Relativ: 8,2%/ 61,1%/ 25,7%). Quelle: https://tu-dresden.de/die_tu_dresden/fakultaeten/vkw/ivs/srv/2013/SrV2013_Staedtevergleich.pdf (Tabelle 13a)

    Trotzdem muss man sich jetzt fragen, ob es in der Diskussion irgendwelche Punkte bringt, sich die Zahlen um die Ohren zu hauen. Punkt ist doch: man braucht eine Straße, die für ALLE weitestgehend sicher und vernünftig funktioniert. Da denke ich, dass der Radler eben geeignete Anlagen kriegen soll – ob die nun 8,2% der Breite einnehmen oder mehr, ist nebenrangig.

    Leider sind auch die Kampfbegriffe „Stadtautobahn“ etc. für eine sachliche Diskussion kaum zu gebrauchen. Tatsächlich geht es bei 4 Spuren doch darum, ob sich Straßenbahn und Autos beeinflussen werden.

  21. Erik
    27. April 2016 at 13:26

    Letzt­lich bestä­ti­gen die Zah­len den der­zei­ti­gen Umgang mit Mobi­li­tät im All­ge­mei­nen. Wenn die Regie­rung, Bewoh­ner und Pla­ner es nicht fer­tig bekom­men, zukunfts­wei­sende Bau­pro­jekte mit Signal­wir­kung umzu­set­zen, dann wird sich an den Ein­stel­lun­gen der Men­schen (z. B. Zum Fahr­rad­fah­ren als sinn­volle Alter­na­tive) wenig ändern, lei­der. Natür­lich ist der Preis die­ses Umden­kens das Inkauf­neh­men von län­ge­ren Pen­del­zei­ten oder mehr Orga­ni­sa­tion bei Besor­gun­gen. Trau­rig finde ich nur, wenn Kon­sens dar­über herrscht, dass bes­ten­falls alles so bleibt wie es ist. Wer beim Anblick der Rush­hour z. Bsp. am Albert­platz, mit der Gesamt­si­tua­tion zufrie­den ist, fliegt wahr­schein­lich weit weg in den Urlaub um sich erho­len zu kön­nen… ;)

    http://m.welt.de/vermischtes/article126782466/So-revolutionieren-Fahrraeder-die-Metropolen.html

  22. Peter Macheli
    27. April 2016 at 15:09

    Mir tut jeder leid, der täglich Auto fahren muss. Hat für mich nichts mit Lebensqualität zu tun.

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