Niederlage im Wanderhurenstreit

das umstrittene Buch
das umstrittene Buch
Das Landgericht Düsseldorf hat heute entschieden: der Dresdner Verlag Voland & Quist darf den Buchtitel „Die schönsten Wanderwege der Wanderhure“ von Julius Fischer nicht mehr weiter verwenden. Da half auch der Verweis auf die Satirefreiheit nicht.

Die Neustädter haben vom Gericht eine Schonfrist bis September erhalten, bis dahin dürfen sie die noch vorhandenen Exemplare verkaufen, danach droht ein Ordnungsgeld in Höhe von 250.000 Euro. Allerdings kann Voland & Quist gegen die Entscheidung noch Berufung einlegen.

Was war geschehen? Der Poetry-Slammer Julius Fischer hat einen Kurzgeschichtenband geschrieben und den mit dem satirischen Titel „Die schönsten Wanderwege der Wanderhure“ versehen. So lautet auch die erste Geschichte im Band, diese soll eine satirische Kritik an der aggressiven Vermarktung von Bestsellern sein. Gegen diesen Titel hatte die Droemersche Verlagsanstalt Th. Knaur Nachf. GmbH & Co. KG geklagt. Nach deren Ansicht verletzt der Titel die Rechte der Wanderhuren-Reihe der Schriftsteller Iny Klocke und Elmar Wohlrath.

Das Gericht entschied nun zugunsten des Wanderhuren-Verlages, weil der Schutz bekannter Titel relativ weit gehe, so die Begründung des Richters. Auszug aus der Urteilsbegründung: „nicht fernliegend, dass der Verkehr (…) den Titel wörtlich nimmt und tatsächlich davon ausgeht, er diene der Kennzeichnung eines Werks welches sich auf der Grundlage der bei der Antragstellerin (Droemer Knaur) verlegten Romane mit der Beschreibung von Wanderwegen befasse, zumal die Titelfigur der Romane als ‚Wanderhure‘ umherzieht.“

Die Verlagsleiter Leif Greinus und Sebastian Wolter wollen nun „Erst mal ein Bier trinken, eine Nacht schlafen“ und sich dann überlegen, ob sie Berufung gegen das Urteil einlegen.


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3 Kommentare zu “Niederlage im Wanderhurenstreit

  1. ???
    Aha … mit Humor hat die Justiz wahrscheinlich wenig am Hut.

    Durchaus schade, denn den Titel fand ich sehr witzig und er ließ mich beim ersten Anblick kurz vor den Plakaten stehen. Bei der heutigen medialen Überflutung schaffen diese Aufmerksamkeit ja nur noch wenige.

  2. Am Besten so viele Bücher- alle Bücher bis September hoch verkaufen. danach mit abgewandeltem Titel?
    es ist wahrscheinlich schwer gegen die ,,hochdotierten“ Anwälte vorzugehen.

  3. Warum hat er sein Buch nicht – Die schönsten Feuchtgebiete der Wanderhure – genannt, Neven DuMont hätte sich sicher auch gefreut.
    Übrigens: Sabine Ebert ist auch bei Droemer Knauer. Das könnte Herr Fischer bei der Wahl des Titels seines nächsten Buches berücksichtigen. Vorschlag: Die schönsten Bremsspuren der Hebamme.

Kommentieren gern, aber bitte recht freundlich.

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