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Von tiefen Dellen und hoher Schachkunst

Der Motor heult auf, dann quietschen die Reifen über das grobe Pflaster und mit einem nervtötendem Knirschen schabt Plaste auf Stein. Ich sehe, wie der Fahrer zusammenzuckt, das Geräusch muss wie ein Stich ins Herz wirken. Doch er versucht, sich nichts anmerken zu lassen und verlässt den Ort des Geschehens. Die Kamenzer Straße hat so ihre Tücken. Große Pflastersteine und tiefe Dellen sind eine Herausforderung für jeden Stoßdämpfer. Ich sitze bei einem Freund in der Wohnung, Erdgeschoss, in Höhe einer Bodenwelle, die sich durchaus mit einer polnischen Wanderdüne an der Ostsee vergleichen lässt. Wir beobachten durch das Fenster die vorbeihoppelnden Wagen.

Seit am südlichen Ende der Kamenzer mit Mona Lisa und El Paraiso der gastronomischen Erfolg eingekehrt ist, wird die kleine Nebenstraße immer häufiger befahren. Sehr zum Unmut der Anwohner: Das häufige Plaste-Knirschen stört die einst so angenehme Ruhe erheblich. Die Verbindung zwischen Bischofsweg und Louisenstraße kann auf bewegte Geschichten zurückblicken. Erst war sie nur ein Waldweg mit einzelnen Häusern und einem Gasthof, später fuhr hier die Straßenbahn entlang. Eine der ersten Neustädter Szene-Kneipen, der Reiter, hatte hier sein Domizil.

Nicht zu vergessen die kleine Episode zur Feier der Bunten Republik Neustadt in der Mitte der 90er Jahre. Wilde Chaoten und Schachfanatiker malten karos auf die Kreuzung zur Louisenstraße. Schwarz und weiß gekleidete Personen postierten sich als Bauern, Läufer, Türme und so weiter. Per Zuruf vom Fenster wurden die Züge ausgeführt. Der Verkehr kam zum Erliegen. Kurz nachdem der weiße Springer von B1 auf C3 rückte, rastete ein Autofahrer aus. Er tobte und beschwerte sich bei der anwesenden Polizei, dass so etwas doch nicht sein könne. Diese Chaoten können doch nicht die Stadt blockieren. Darauf konterte der Polizist, offensichtlich schwer am Spielverlauf interessiert, ganz lässig: „Hören Sie mal, so ist das eben in der Neustadt.“

  • Anmerkungen 2014: Aus dem El Paraiso ist inzwischen die Shisha-Bar Magnolia und aus dem Mona Lisa das Bon Voyage geworden. Die Reiter-Räumlichkeiten wurden zu Wohnraum umgebaut und das Großpflaster musste Asphalt weichen.
    Mitte der 90er zählte die Kamenzer noch nicht zum BRN-Festgebiet, deshalb war der Autofahrer eigentlich im Recht, aber …
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Ergänzungen gern, aber bitte recht freundlich.

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