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Trotz Rekordjahr: St. Pauli Ruine mit 7.000 Euro im Minus

Was im vergangenen Jahr mit Schocknachrichten begann, endete mit einem deutlichen Minus für den Verein, der die St. Pauli Ruine mit ehrenamtlichem Amateurtheater bespielt.

St. Pauli Ruine am Königsbrücker Platz im Hechtviertel - Foto: Anton Launer
St. Pauli Ruine am Königsbrücker Platz im Hechtviertel – Foto: Anton Launer

„Am Ende der Saison verzeichneten wir 7.000 Euro Minus“, sagt Theaterdirektor Jörg Berger. Ursache sind vor allem die drastischen Kürzungen im Förderetat. Für die Bespielung der Ruine stehen 10.000 Euro weniger zur Verfügung: Statt ursprünglich 35.000 Euro gibt es nun nur noch 25.000 Euro.

Auch die soziokulturelle Arbeit im St.-Pauli-Salon wurde gekürzt – wenn auch durch Nachverhandlungen deutlich abgemildert.

Besucherrekord

„Insgesamt stehen wir mit einem Förderminus von 12.500 Euro da“, fasst Berger zusammen. Dass das Defizit dennoch vergleichsweise gering ausfällt, liegt am erneuten Besucherrekord: Mehr als 22.000 zahlende Gäste besuchten die Aufführungen und Gastspiele.

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Besonders gefragt waren – wie schon im Vorjahr – die beiden Monty Python’s Stücke „Spamelot“ und „Nicht der Messias“. Insgesamt konnte der Verein seine Einnahmen um zehn Prozent steigern. Dem stehen allerdings deutlich gestiegene Kosten gegenüber.

Theaterdirektor Jörg Berger vor dem St.-Pauli-Salon in der Hechtstraße - Foto: Anton Launer
Theaterdirektor Jörg Berger vor dem St.-Pauli-Salon in der Hechtstraße – Foto: Anton Launer

Das Defizit konnte der Verein aus Rücklagen decken. Dauerhaft tragfähig ist das jedoch nicht.

Betriebskosten höher als Förderung

Die Ironie der Situation: Zieht sich die Stadt weiter aus der Finanzierung zurück, könnte es für sie am Ende teurer werden. Ein Großteil der Fördermittel fließt in die Betriebskosten der Ruine. Sollte der Verein zahlungsunfähig werden, müsste die Stadt diese Kosten – mehr als 50.000 Euro – wieder selbst tragen. Das ist im Pachtvertrag so festgelegt. Die Folge: mehr Ausgaben und kein Theaterbetrieb mehr.

Wie gering das Interesse anderer Träger ist, zeigte bereits das Jahr 2020. Damals wurde dem Verein gekündigt und der Betrieb neu ausgeschrieben – mit lediglich vier Bewerbungen. Am Ende erhielt erneut der „St. Pauli Ruine“-Verein den Zuschlag.

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„Es mag sein, dass nicht jedem unser Programm gefällt. Aber wir bieten der Stadt eine sehr preiswerte Bespielung dieser besonderen Ruine – das sollte den Stadträten bewusst sein“, so Berger.

45.000 Euro Förderung geplant

Die Aussichten für dieses Jahr bleiben angespannt. Die geplante Förderung für Salon und Ruine wurde erneut um 2.500 Euro gekürzt.

„Ob wir damit hinkommen, ich weiß es nicht“, sagt Berger. Hoffnung macht der Kartenvorverkauf, der bereits jetzt deutlich über dem Vorjahresniveau liegt. Gleichzeitig zeigt sich ein Trend: Immer weniger Besucher*innen kaufen spontan an der Abendkasse, sondern sichern sich ihre Tickets im Voraus.

Die Eintrittspreise will der Verein vorerst stabil halten. 20 Euro für ein Amateurtheater seien bereits ein anspruchsvoller Preis. Weitere Erhöhungen könnten sich negativ auf die Besucherzahlen auswirken.

Zwei eigene Premieren und viele Gäste

Die Saison startet am Mittwoch mit dem Stück „Geld oder Leben“ nach einer bitterbösen Vorlage von Georg Kreisler (Theaterkritik im Neustadt-Geflüster am 21. Juli 2023).

Erstes Stück am Mittwoch "Geld oder Leben." - nach Georg Kreisler - Foto: PR/St. Pauli Ruine
Erstes Stück am Mittwoch „Geld oder Leben.“ – nach Georg Kreisler – Foto: PR/St. Pauli Ruine

Danach folgt ein dichtes Programm. Neben den Eigenproduktionen stehen unter anderem auf dem Plan: das Jubiläumskonzert des „Vokalwerks“, die Lange Nacht der Theater mit Monty Python’s Auszügen, das große St.-Pauli-Theaterfest am 1. Mai mit Karaoke-Show sowie InkluBeat mit Rollstuhltanz am 9. Mai.

Tom Quaas gastiert mehrfach mit Soloprogrammen, auch Stilbruch & Freunde treten wieder auf. Am 16. Mai spielt ein Streichquartett um den Cellisten Jean-Guihen Queyras – eine Verbindung von Klassik und Jazz im Rahmen der Dresdner Musikfestspiele.

Die beiden Eigenpremieren folgen in der zweiten Jahreshälfte.

Den Auftakt macht voraussichtlich im September „Vorhang auf!“ von Peter Quilter: Fünf Frauen erben überraschend ein marodes Theater und versuchen, die heruntergekommene Spielstätte zu retten – mit viel Chaos zwischen künstlerischem Anspruch und organisatorischem Scheitern.

Die zweite Premiere trägt den Arbeitstitel „Der Selbstmörder“. Im Zentrum steht ein Mann, der zu Lebzeiten kaum beachtet wurde – bis er seinen Suizid ankündigt. Plötzlich wollen alle ihn für ihre Zwecke instrumentalisieren. Die schwarze Komödie von Nikolai Erdman entstand in den 1920er Jahren, wurde von Stalin verboten und erst 1969 in Göteborg uraufgeführt. Die Inszenierung überträgt den Stoff in die Gegenwart. Geplant ist der Start im Juli.

Dauerbrenner: Monty Python’s Stücke

"Nicht der Messias" -Darsteller: Michael Hochmuth, Ilko Tschiedel und Jens Döring – Foto: Archiv Anton Launer
„Nicht der Messias“ -Darsteller: Michael Hochmuth, Ilko Tschiedel und Jens Döring – Foto: Archiv Anton Launer

Als Publikumsmagneten dürften sich erneut die beiden Monty Python’s Stücke „Spamalot“ und „Nicht der Messias“ erweisen. In der vergangenen Saison waren sie die meistbesuchten Produktionen – mit leichtem Vorsprung für den „Messias“ (ausführliche Beschreibung im Neustadt-Geflüster vom 7. August 2024).

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Überdachte Ruine mit Turmstumpf - Foto: Anton Launer
Überdachte Ruine mit Turmstumpf – Foto: Anton Launer

Hintergrund und Geschichte

Die St.-Pauli-Kirche wurde 1889 errichtet und orientiert sich an frühgotischen Formen. Ursprünglich bot sie Platz für bis zu 1.000 Menschen, der Turm war 78 Meter hoch.

Während der Bombenangriffe auf Dresden am Ende des Zweiten Weltkrieges wurde die Kirche schwer beschädigt. Erhalten blieben nur der Turmstumpf und die Außenmauern.

1996 sicherte die Stesad die Ruine, 2011/2012 wurde sie mit städtischen Mitteln in Höhe von 2,7 Millionen Euro saniert (Ein Glasdach für die Ruine).

Die Stesad verfügt auf Grundlage eines 1996 für 50 Jahre geschlossenen Erbbaurechtsvertrags mit dem Kirchlehn zu St. Pauli in Dresden über das Gelände. Heute ist die Ruine eine etablierte Spielstätte für Amateurtheater, Konzerte und stadtteilbezogene Kulturangebote.

Ergänzungen gern, aber bitte recht freundlich.

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